Okanagan Valley
Ich kann mich gar nicht erinnern, ob ich in diesem Jahrtausend schon einmal eine Postkarte bekommen habe. Das ist doch eine aussterbende Art, so eine Nischenkommunikation für folkloristisch Veranlagte. Immerhin habe ich die Frau, die sie mir geschickt hat (und die dort wohnt), im Rollenspiel in Secondlife kennengelernt – bzw. ich kenne nicht sie, sondern ihren Avatar.
Wikipedia über das Okanagan Valley:
Das Klima ist außergewöhnlich warm und trocken, Sommertemperaturen über 30 °C sind üblich. Auch die Wintertemperatur ist relativ mild, Okanagan Lake und Skaha Lake frieren in normalen Jahren nicht komplett zu. (…) Das Tal wird als Tessin Kanadas bezeichnet, die hügelige Landschaft ist im Norden mit lockeren Wäldern hauptsächlich aus Ponderosa-Kiefer und Douglasie bedeckt. Das aride Gebiet im Süden nahe der Grenze zum Bundesstaat Washington trägt wüstenhafte Züge, der Bestand an Ponderosa-Kiefern ist weniger dicht und von mit Kakteen und Wüsten-Beifuß bestandenen Flächen durchsetzt. Trotz der relativ dichten Besiedlung sind in den Randgebieten auch größere Raubtiere, wie Schwarzbär und Luchs noch relativ häufig.
Wieso bin ich in Berlin-Neukölln und nicht im Okanagan Valley? Burks, schreib endlich einen Bestseller…
Noch mehr Nacktfotos

Heute habe ich keine Zeit zum Bloggen. Eigentlich wollte ich wieder etwas über die Nacktfotos so genannter „Prominenter“ schreiben, die „im Netz“ aufgetaucht sind, weil man das so schön nutzerfreundlich illustrieren kann, aber dpo hat dazu das Nötige gesagt: „Derzeit ist der Student nach eigenen Angaben dabei, die Fotos auf seinem Rechner zu speichern, um sich später noch ein weiteres Mal darüber zu empören.“
Absichtlich Thesen zur Klitorisbeschneidung verstümmeln
Berliner Kurier:“ Wenn Jungs in Deutschland beschnitten werden dürfen, dann soll das auch für Mädchen gelten. Dieser Vorschlag der Juraprofessorin Tatjana Hörnle von der Humboldt-Universität sorgt für Empörung.“
In Wahrheit hat sie aber genau das Gegenteil gefordert: „Die Strafen für die absichtliche Verstümmelung der Genitalien (§ 226a Strafgesetzbuch, StGB) sollte an die höheren Strafen in § 226 StGB angeglichen werden.“
Wenn ich in einer Zeitung den Satz lese: „sorgt für Empörung“, weiß ich, dass dort nur Unfug folgen kann. „Recherche“ deutscher Medien at its best.
Polizeiliches unbemanntes Luftfahrzeug
Polizeimeldung aus Berlin: „Bei der Tatortarbeit am heutigen Vormittag wurde neben Brandmittelspürhunden auch das polizeiliche unbemannte Luftfahrzeug für Übersichtaufnahmen eingesetzt.“
Was soll denn das sein? Vermutlich eine Drohne… Allein schon das Adjektiv (?) „polizeilich“ ist Deutsch des Grauens vom Feinsten. Das rote feuerwehrliche bemannte Fahrzeug – oder wie?
Willkür oder: Sehenden Auges falsche Entscheidungen treffen
Erfreulich, dass deutsche Gerichte manchmal etwas gegen Willkür unternehmen.
„Automatisierte E-Mails seien nicht das, was sich die Allgemeinheit unter unmittelbarer Kommunikation vorstelle“, berichtet Heise über ein Urteil des Landgerichts Berlin (52 O 135 13). „Wer an die Adresse support-de@google.com schreibt, darf nach Meinung des Landgerichts Berlin erwarten, dass seine E-Mail bearbeitet wird.“ Google sah das anders, was einfach unverschämt ist.
Eine schallende Ohrfeige erhielt das Amtsgericht Euskirchen vom Bundesverfassungsgericht (1 BvR 1925/13): Das Amtsgericht hatte sich erst nach der mündlichen Verhandlung darüber informiert, wer eigentlich für den Fall zuständig gewesen wäre. Das BVerfG hob ein Urteil „wegen Verstoßes gegen das Willkürverbot“ auf und schreibt dazu: „Die zu späte Verschaffung der erforderlichen Rechtskenntnisse berechtigt ein Gericht nicht, sehenden Auges falsche Entscheidungen zu treffen“.
Wenn ich die betreffenden Richter wäre, denen so etwas testiert wird: Ich würde mich gar nicht mehr auf die Straße trauen.
Hiobspost
Einige Medien der Niederlande (z. B. NRC, Amsterdam, via Youtube) berichten über Mustafa Karahasin (Vorsicht, Facebook-Link!), der so viele Briefe an die Stadt Dordrecht in der er lebt, schreibt, dass er beinahe die Verwaltung lahmlegt. Jetzt soll ihm das via Gerichtsbeschluss verboten werden.
Spiegel online: „In den Niederlanden sind Behörden verpflichtet, eine Anfrage innerhalb von vier Wochen zu beantworten. Schafft es eine Behörde nicht innerhalb dieser Frist, muss sie den Bürger für jeden Tag Verspätung entschädigen und bis zu 1260 Euro zahlen.“
Ein wunderbares Recht, an dem man sich hierzulande orientieren sollte (das wird aber nicht geschehen). Dieses Recht gab es schon mal im 18. Jahrhundert in Preußen: „Außerdem war es im Preußen Friedrichs II. für alle Bürger möglich, sich brieflich oder sogar persönlich an den König zu wenden. Er versuchte, zu große Auswüchse des Feudalsystems zu unterbinden. Dabei war er insbesondere misstrauisch gegenüber seinen eigenen Beamten, denen er im Zweifelsfall einen ausgeprägten Standesdünkel zum Nachteil der ärmeren Schichten unterstellte.“
Da fällt mir ein: Ich habe neulich in der Gesamtausgabe eines deutschen Schriftstellers – in meiner Bibliothek – geblättert, weil ich nach einer bestimmten Stelle suchte, die die wunderbare Dynamik der deutschen Sprache, wenn man diese beherrscht, illustriert, und dahte bein mit beine (das Zitat eins ganz anderen Dichters sollte man kennen und übersetzen können): Diesen patriotischen Unfug muss man nicht lesen, der Mann gehört nicht in den Bildungskanon.
Seine Sprache ist jedoch brilliant, und man lernt einige Wörter und Ausdrücke, die veraltet sind – wie „Schwerenot“, „dergestalt“ oder das Wort „Mensch“ als Neutrum (Hallo Genderpolizei! Ist „das Mensch“ für eine Frau diskriminierend?), die jedoch immer noch verstanden werden und die, benutzte man sie, Eindruck schinden könnten bei denen, die auf Wissen und den darauf fußenden ausgewogenen Urteilen Wert legen, obwohl die Eitelkeit, wie aus dem moraltheologischen Schriftum bekannt, keine Tugend ist, die zu praktizieren von den einschlägigen Experten empfohlen wird.
Mein Urteil muss ich revidieren (das letzte Wort würde beim oben Genannten direkt vor dem Komma stehen, was der älteren Wortstellung im Deutschen entspräche, jedoch das „die“ des Relativsatzes etwas vage herumschweben ließe) wegen einer literarischen Figur aus der Feder des Schriftstellers, die dem Briefeschreiber aus den Niederlanden und der Attitude älterer Männer ähnelt, die als Welle auch von Partei zu Partei schwappen, weil das Nörgeln zu ihren Vorlieben gehört, die aber im Falle einer Revolution der Guten nur zeitweise zu gebrauchen wären, weil sie letztlich für nichts einstehen außer ihre eigenen Interessen (ja, „einstehen“ verlangt den Akkusativ!)
Wie heißt diese literarische Figur?
Unabhängigkeits-Referendum: Wieso wollen so viele Deutsche weg von Bayern? [kT]
(Ich schrieb doch: „kein Text“!)
Sexfotos und Fortbildung des Rechts

Eine Frau verlangte von ihrem ehemaligen Liebhaber – einem Fotografen – , alle intimen Fotos zu löschen, die der von ihr gemacht hatte. Das Oberlandesgericht Koblenz (Aktenzeichen: 3 U 1288/13) bemühte zahllose Paragrafen und ließ eine Revision gemäß § 543 Abs. 2 Nr. 2 ZPO zu – zur „Fortbildung des Rechts“. (via Pornoanwalt)
Sitzgelegenheit

5 Feminist Myths That Will Not Die
Time (via Fefe): „Much of what we hear about the plight of American women is false. Some faux facts have been repeated so often they are almost beyond the reach of critical analysis. (…) Here are five of the most popular myths that should be rejected by all who are genuinely committed to improving the circumstances of women (…).
Was Fefe natürlich nicht recherchiert hat: Die Autorin des Artikels ist Christina Hoff Sommers. Die arbeitet „als Wissenschaftlerin der konservativen Denkfabrik American Enterprise Institute for Public Policy Research. (…) Eine Forderung nach Veränderung der traditionellen Geschlechterrollen (…) betrachtet sie als übertrieben frauenzentriert. (…) Sommers bezeichnet sich selbst als Feministin, wird aber von ihren Krikern als antifeministisch gesehen, weil sie grundlegende Errungenschaften des Feminismus angreife.“
Das „Anliegen des AEI sind ein schlanker Staat, freies Unternehmertum, Deregulierung, nationale Verteidigung, starke Außenpolitik und die Verteidigung kultureller Werte. Das AEI gilt Beobachtern als zurzeit bedeutendster Think Tank der neokonservativen Intellektuellen um George W. Bush.“
Man muss schon genau hinsehen, mit wem man sich einlässt.
Next exit Neukölln
Silence is the best way
Ich kann nur empfehlen, ab und zu einen Blick in das Foto-Blog von GMB Akash (Bangladesh, hier in der Blogroll) zu werfen. Die Bilder sind einfach atemberaubend.
Sein Rat gilt immer und überall, insbesondere für Touristen aller Art: „Respect the situation. Know about the norms of the place. Learn a few local words to communicate. (…). If you do not understand something sensitive, silence is the best way. Be polite when you are shooting women, young girls or teenagers. Never offer money after taking photographs. This is a very bad practice which creates long-lasting problems later. If you want to give something, give a gift.“
Berlin bei Nacht
Haie greifen das Internet an
Die Überschrift bei Heise ist schon mal wochenend-tauglich und ließ mich schmunzeln, aber wie oft sind die Kommentare noch besser als der Artikel. (Bei diesem Kommentar habe ich Tränen gelacht.)
A cool smirk und ein neues deutsches Wort

Eine Ärztin und ich stehen vor dem Eingang der Rettungsstelle und plaudern kurz über die Weltläufte. Es ist gegen drei Uhr, am frühen Morgen.
Ein Feuerwehrauto kommt. Zwei Feuerwehrmänner laden einen Patienten aus und packen ihn auf eine Trage. Der junge Mann sieht mitnommen, irgendwie lädiert aus, hält eine Kotztüte in der Hand und tut genau das, wofür Kotztüten da sind, permanent und laut würgend.
Die Ärztin mit Blick auf den liegenden Mann mit der Kotztüte, in einem Tonfall, der auch für kleine Kinder passen würde: „Was hat er denn?“
Ein Feuerwehrmann (im Englischen würde man jetzt schreiben: „with a cool smirk on his face“): „Nichts Medizinisches. Nur ein Getränkeunfall.“
„Getränkeunfall“ habe ich gleich in meinen Wortschatz aufgenommen.
People Power is Real!
Das Video wird von YouTube eingebettet und erst beim Klick auf den Play-Button geladen. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google.
ABC (Australien): „People power has been used to free a man who became trapped between the platform and a train at a Perth station this morning.“
Team work makes the dream work!
Ich habe keine Lust, mir die Zwangswerbung auf deutschen Medien anzusehen, wenn ich dort ein eingebettetes Youtube-Video angeboten bekomme. Die geben mir noch nicht einmal den Original-Link. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.
Die deutsche Art, Probleme zu lösen

Man könnte raten, wie viele Menschen beteiligt sein werden, um das Problem zu lösen.
Es braucht zunächst eine Person, die drei Stangen in den Boden steckt und das Flatterband befestigt. Jetzt muss ein Antrag geschrieben werden, eine Straßenbaufirma zu beauftragen. Der Antrag muss genehmigt werden; vermutlich muss auch noch jemand, der für das Geld zuständig ist, gegenzeichnen.
Eine weitere Person kommt dann von irgendwoher, um das Mosaikpflaster aus Bernburger Kalkstein (Bernburger Rogenkalk) zu reparieren. Das kenne ich noch aus der Zeit, als ich in den 70-er Jahren im Straßenbau gearbetet habe, um mein Studium zu finanzieren. (Wenn sich seit 1976 nichts geändert hat: Die Verbundsteine am oberen Ende der Pankstraße habe ich damals dort hinge“pflastert“ – im Akkord!).
Es zuckte mir in den Fingern, weil ich noch einen Pflasterhammer besitze, das mal eben schnell zu machen. Einen Kubikdezimeter Sand hätte ich schon noch aufgetrieben. Da hätte sich einige Leute gewundert….
Jonathan – the oldest living land creature
BBC: „Meet Jonathan, St Helena’s 182-year-old giant tortoise“.
Inspirierende Personen
Ich habe mal hier zusammengestellt, welche Personen ich bei Fratzenbuch mit „gefällt mir“ markiert habe. Die Namen habe ich entfernt, damit die geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser etwas zu raten haben (was bei den meisten der Abgebildeten ja nicht wirklich schwierig ist).
Sorry, could not resist. Ich würde zu gern wissen, in welche Kategorie die NSA-Abteilung bei Facebook mich jetzt einordnet.
Not in der Notaufnahme
Lesenswerter Artikel auf Zeit online (inklusive der Kommentare): „Immer wieder werden in deutschen Krankenhäusern schwere Leiden nicht oder zu spät erkannt. Eine Gruppe von Ärzten schlägt Reformen vor – doch die werden abgeblockt“.
Ceterum censeo: Das Gesundheitssystem muss zu großen Teilen verstaatlicht werden. Auf Kosten der Kranken darf kein Profit gemacht werden. In Kuba funktioniert das besser als hier: „Die Gesundheit der Bevölkerung lässt sich die kubanische Regierung nach wie vor etwas kosten – rund 13 Prozent des kubanischen Staatshaushaltes fließen in diesen Sektor.“
Ein Leserkommentar auf Zeit online: „Das Prinzip eines Facharztes Notfallmedizin ist in allen angloamerikanischen und nahezu allen kontinentaleuropäischen Ländern (ausser den deutschsprachigen und wenigen Exoten) etabliert und funktioniert prima.“
Dazu passt auch ein älterer Artikel: „Behandlungsfehler kosten in Deutschland fünfmal so viele Menschen das Leben wie Verkehrsunfälle, nämlich 19.000. Jedes Jahr.“
























