Add-on: Liegestütze

Meine Gelenke sollten geschont werden, und es war überall noch Schneematsch. Ich habe jetzt aber beschlossen, das Wetter einfach zu ignorieren und die Laufsaison zu eröffnen. Langsames Traben auf der Kurzstrecke. Dafür mache ich anschließend 20 Liegestütze (in der Wohnung); dafür habe ich heimlich einen Monat täglich geübt (beim ersten Mal gelangen mir nur sieben).
Burks‘ Roots
Oben: Meine Urgroßmutter Anna Emilie Kukuk, Bäuerin (1864-1943) mein Großvater Hugo Reinhold Schröder, (Bergmann, 1902-1992) und mein Urgroßvater Gustav Reinhold Schröder, Bauer (1859-1943). Das Foto wurde 1905 gemacht.
Unten: Meine Urgroßmutter Marie Elise Pomowitz, Hausfrau (1879-1963) und mein Urgroßvater Franz Klang, Bergmann (1872-1946). Das Foto stammt aus dem Jahr 1942.
Dumb German laws concerning the Internet
Ein Leser (danke, Jens!) weist mich gerade darauf hin, dass Kristian Köhntopp leider sein Blog (war hier in der Blogroll) eingestellt hat. Schade – die „wunderbare Welt von Isotopp“ habe ich oft gelesen.
Dort kommentierte Clemens Gleich: „The point for Kristian and many others is an emotional one: There are so many dumb German laws concerning the Internet and privacy that selfpublishers live in constant uncertainty. I can quite understand everyone who wants to quit that. I personally see it as a part of my duty doing the opposite, just to show people some normality. So far, I and everyone doing the same thing, we are really doing a kinda Don Quixote fight… Expect more small sites closing.“
Und nun zu uns, Plaste und Elaste von Obi!
Heute habe ich alles noch mal in Einzelteile zerlegt, will sagen: den Ceravid Waschtisch-Einhebelmischer (wer denkt sich so was aus?).
Bei Obi kostete der samt Zubehör 69,99 Euro. Ich frage mich, mit was Obi die erpresst, da man bei Ceravid ohne Zubehör schon mindestens 50 Euro hinblättern muss?!
Die Öffnung des Abflusskelchs riss schon bei der Montage ab. War halt Plaste und Elaste. (Vgl. Bild oben, der rote Pfeil) Ich bin kräftig, aber ein bisschen Muskelkraft sollte so ein Teil doch aushalten? Ich muss ja wohl mit einer Rohrzange arbeiten dürfen, und ich war vorsichtig. Also musste ich für 20 Euro mehr einen neuen Kelch besorgen (oberes Bild Mitte), der aber jetzt aus Metall ist und nicht kaputt geht, wenn man ihn scharf anblickt oder ein Werkzeug in seine Nähe gerät. Mein salopp formulierter unmaßgeblicher Rat für Heimwerker: Plastikgewinde sind sowieso immer für’n Arsch.
Und wer sich die Exzenterstange ausgedacht hat, gehört auch ausgepeitscht. Kann man da nicht was Besseres erfinden? Das sieht ja unmöglich aus, so ein Gestänge unterm Waschtisch.
Jetzt habe ich auch alles mit Teflonband abgedichtet, obwohl mir das gute alte Hanf allein schon aus weltanschaulichen Gründen näher steht.
Und siehe, alles war gut und tropfte nicht.
Der zwölfte Tag der Schöpfung
Das Waschbecken aber war dunkel und grün, und es lag Finsternis auf den Kacheln; und Burks‘ Körper Geist schwebte manchmal fluchend über den Wassern der Dusche.
Und Burks sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und Burks sah, daß das Licht gut war; da schied Burks einen Stromkreislauf von dem anderen. Und Burks nannte den einen „Elektrik im Bad“, und den anderen nannte er „kommt irgendwie aus der Küche“. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der erste Tag.
Und Burks sprach: Es werde ein großes Loch inmitten der Wand, die eine Scheidung bildet zwischen der Küche und dem Bad! Und Burks stemmte das Loch auf und schied die alten Kabel unter der Wand voneinander. Und er riss das alte Regal ab und begann es zu streichen. Und es geschah so. Und Burks nannte die Wand „verdammter Scheiss“. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der fünfte Tag.
Und Burks sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Waschbecken an einen Ort, damit man das Trockene sehe! Und es geschah so. Und Burks nannte das Trockene „Syphon“, aber die Sammlung der Wasser nannte er „Pfütze unter dem alten Waschbecken.“ Und Burks sah, daß es gut war. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.
Und Burks sprach: Es sollen Lichter an der Himmelsausdehnung sein, zur Unterscheidung von Tag und Nacht, die sollen als Zeichen dienen und zur Bestimmung der Zeiten und der Tage, und als Leuchten an der Himmelsausdehnung, dass sie mein Bad beleuchten! Und es geschah so. Und Burks machte drei große Lichter, alle zur Beherrschung des Tages und zur Beherrschung der Nacht. Und Burks setzte sie an die Wand, damit sie das Bad beleuchteten und den Tag und die Nacht beherrschen und Licht und Finsternis scheiden. Und Burks sah, daß es gut war. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der achte Tag.
Und Burks sprach: Es soll ein neues Waschbecken her, zur Unterscheidung von schmutzig und sauber, es soll als Zeichen dienen für die Reinlichkeit, die letzlich auf der protestantischen Kultur der Körperbeherrschung der letzten 500 Jahre fußt, und Burks murmelte vor sich hin: lest gefälligst Norbert Elias: „Über den Prozeß der Zivilisation„. Und Burks sah, daß es gut war. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der zehnte Tag.
Und Burks sprach: Lasset uns Rohre kaufen, uns gar nicht ähnlich, die sollen herrschen über das Wasser unter dem Waschbecken und im Abfluss und auch über alles Gewürm, das in Dreckwasserrohren versucht zu kriechen! Und Burks installierte die Rohre und dichtete sie mit Gummi und Hanf ab. Und Burks segnete die Exzenterstange; und Burks sprach zu allem: Wenn ihr jemals tropft oder undicht werdet, dann reiße ich euch raus, trampele auf euch herum und schmeiße euch in den Müll! Und Burks sah, daß es gut war. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der elfte Tag.
Und Burks sah alles, was er gemacht hatte; und siehe, es war sehr gut. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der zwölfte Tag.
Die letzten Stunden im Leben eines hässlichen grünen Waschbeckens
Ich ahnte es: Natürlich war der Abstand der Bohrlöcher meines alten Waschbeckens anders als die des neu gekauften, und ich musste erst einmal mit einem fetten Bohrer die Wand zur Küche penetrieren, ohne sie ganz einzureißen. Mein Hausbesitzer sagte, die Kacheln seien vermutlich stabiler als die Wand und hielten die zusammen.
Bevor ich das alte Waschbecken abmontierte, stellte sich auch noch heraus, dass der Hauptwasserhahn für meine Wohnung nicht mehr funktierte. Der anwesende Hausbesitzer meinte, er könne das persönlich regeln, was aber damit endete, dass er den Daumen auf das offene Ende halten musste, während das Wasser nur so spritzte, während ich die Treppen hinunterrannte, um dem deutschtürkischen Wurstbudenbesitzer zuzurufen, er möge den Hauptwasserhahn des ganzen Hauses abdrehen, was dieser auch tat, weil er gelernter Installateur ist und weiß, wo der ist. Ist halt eine typisch familiäre Rixdorfer Szenerie hier; manchmal besser als Comedy.
Der schwierigste Teil, den neuen Wasserhahn an das Waschbecken und das Abflussrohr anzuschließen, hebe ich mir für’s Wochenende auf. Das verdammte Handbuch gibt mir noch ein Rätsel auf. Da taucht u.a. eine „Exzenterstange“ auf, deren Sinn und Zweck sich mir nicht erschließt. Vorher muss ich ohnehin noch viel streichen.
Im Memoriam Wilbert Neuser

Mein ältester Freund Wilbert Neuser ist in der letzten Woche im Alter von 60 Jahren an Lungenkrebs gestorben, nur ein halbes Jahr, nachdem er die Diagnose erhalten hatte.
Am 19.11.2011 hatten wir noch gemeinsam unser 40-jähriges Abitur-Jubiläum in Unna gefeiert. Als ich ein Jahr später einen Kurzurlaub in meiner Heimatstadt machte, haben wir uns wieder getroffen, da wusste er schon, dass ihm eine Chemotherapie bevorstand. Er hoffte noch, er würde die Krankheit besiegen können.
Man wird nachdenklich, wenn Gleichaltrige an Krankheiten sterben, die einen vielleicht auch treffen können (obwohl ich zum Glück nicht mehr rauche).
Wilbert hat ein ganz anderes Leben geführt als ich – er war Leitender Regierungsschuldirektor (2009) im Dezernat 43 der Bezirksregierung Arnsberg, kurz: im Schulamt. Vorher hatte er sich als Schulleiter im Reichenbach-Gymnasium in Ennepetal Meriten erworben. Eine fremde und ganz eigene Welt für mich – auf der sicheren Seite des Lebens.
Er hätte sich einen schönen Lebensabend machen können, zusammen mit seiner Frau, die ich schon genauso lange kenne – ich war Trauzeuge bei ihrer Heirat (das muss 1971 oder 1972 gewesen sein).
Ich verdanke ihm meinen ersten Einstieg in die Politik – als Schüler fuhren wir zusammen in die Universitätsstadt Münster und demonstrierten gegen die NPD. Wilbert hatte damals schon Kontakte zur APO. Zu dritt waren wir die einzigen Demonstranten, die den damaligen Bundeskanzler Hans-Georg Kiesinger (CDU, NSDAP, Mitgliedsnummer 2633930) störten, als der 1969 in Unna aus diesem Balkon eine Rede hielt. Unser Klassenkamerad Volker Borbe (der nicht mehr aufzufinden ist) hielt ein selbst gemaltes Schild in die Höhe: „Hallo PG!“ So etwas schwieg damals die Lokalpresse natürlich tot.
Ich war damals „Chefredakteur“ der Schülerzeitung „Eselsohr“ des Pestalozzi-Gymnasiums Unna, und Wilbert war der „Politikredakteur“. Wir haben gemeinsam die Politik an unserer Schule im Rahmen unserer Möglichkeiten kräftig aufgemischt. Sein Artikel „Die Protestierenden werden gebeten, den städtischen Rasen nicht zu betreten – Oder: Sicherheit durch Recht und Ordnung“ (1969) sorgte für großen Unmut bei den Lehrern. Er schloss mit dem immer noch aktuellen Satz: „Was tun gegen den Terror von Rechts?“
Ausriss (klicken zum Vergrößern): „Das Eselsohr“ Nr. 15, 1969, Schülerzeitung des Pestalozzi-Gymnasiums Unna, Bild oben: Wilbert Neuser, ebd.
Wir kannten uns seit 1965 – 48 Jahre, eine unfassbar lange Zeit, die aber in der Rückschau schrecklich schnell vergangen ist. Am 5. März letzten Jahres haben wir noch in der Rohrmeisterei Schwerte seinen 60-sten Geburtstag, gefeiert, da war er noch quietschfidel. Wilberts Sohn Fabian arbeitet dort als Koch.
Was bleibt, sind Erinnerungen. Du wirst mir fehlen.
Foto unten: Sportabitur 1971. Ich (auf der Matte) versuche, möglichst elegant zu einer „Rolle rückwärts“ anzusetzen. Wilbert steht daneben und scheint zu überlegen, ob er eingreifen sollte, falls mein Unternehmen nicht vom Erfolg gekrönt sein würde.)

Kein Laufwetter
Ausserdem bin ich schon wieder verschnupft.
Metapedia
Das medienkompetente Publikum weiß sicher schon, dass es eine Nazi-Version von Wikipedia gibt, die sich Metapedia nennt. Die haben seit kurzem auch einen Eintrag über mich:
Burkhard Schröder (* 10. August 1952 in Holzwickede) ist ein linksextremer Journalist und Schriftsteller aus Berlin.
Bruhahahaha. Wenn das mal nicht der Verfassungsschutz geschrieben hat!
Sudo apt-get install H2O
Ein gewisser Fortschritt ist erkennbar. Mittlerweile streiche ich das (abgebaute) Regal. Heute werde ich vermutlich auch noch das fucking manual des neeuen Waschbeckens studieren und in meinem Herzen hin- und her wenden, damit der blitzblanke Wasserhahn nicht explodiert bzw. etwas Unvorhergesehenes tut, wenn ich den Befehl sudo apt-get install H2O gebe.
Schicke Lampe vor noch hässlicher Wand
Die Elektrik ist fertig, die schicke neue Lampe brennt auch. Morgen werden ich verputzen, übermorgen das Waschbecken herausreißen und das neue montieren. Im Sinn: ein Hektoliter weiße Lackfarbe kaufen.
Ich weiss, was ich am Vormittag getan habe
Vier Feuchtraumsteckdosen angebracht, die alten (Museum für Verkehr und Elektrik der 70-er Jahre) entsorgt, neue Verteilerdosen angebracht, und Leitungen verlegt bwz. selbiges vorbereitet. Dübellöcher habe ich gar nicht mitgezählt. (Mach Spaß, durch Kacheln zu bohren. Freut die Nachbarn.) Heute Nachmittag werde ich wohl die neue Lampe anbringen.
Interessant, wenn man herausfindet, dass für’s Bad offenbar zwei unterschiedliche Stromkreise zuständig sind und wenn man nicht weiß welche. Das fühlt sich an wie eine Reise ins Ungewisse. Ich habe es jetzt aber im Griff.
Ich werde wohl jetzt bei Kaiserwetter mal kurz meine Kurzstecke ablaufen, bevor ich nach der Rixdorfer Mittagsruhe noch ein paar Kacheln mehr penetriere.
Spritzfeste Elektrik
In den nächsten Tagen muss ich die Elektrik in meinem Bad neu verlegen, sowie die alte Lampe, die schon auseinanderfällt, und das grottenhässliche grüne Waschbecken entsorgen (Vormieter, gefühlt 70-er Jahre). Auch die Abwasserrohre werde ich austauschen.
Wenn ich mir das Kabelgedöns ansehe, tauchen vor meinem inneren dritten Auge der Weisheit Bilder von Feuersbrünsten auf, die durch Kurzschlüsse verursacht wurden. Gab es vor dreißig oder vierzig Jahren eigentlich noch keine Feuchtraumsteckdosen? Jedenfalls werde ich alle komplett ersetzen. Streichen muss ich die hintere Wand auch noch, und das – jetzt ausgeräumte, zerlegte (und nicht sichtbare) – Regal gleich mit.
Zehn Jahre Burks’ Blog, noch mal reloaded
Am 1. März 2003 schrieb ich meinen ersten Beitrag auf meinem Forum spiggel.de, der als Blog-Posting gemeint war. Ich weiß nicht ob es stimmt, aber aus Berlin gibt es, außer dem Schockwellenreiter, kein anderes Blog, das so lange kontinuierlich existiert. (Ich lasse mich gern eines Besseren belehren.)
Die Blog-Software WordPress erschien erst am 3. Januar 2004. Wer also vor 2004 ein Weblog betreiben wollte, das dem Publikum Kommentare erlaubte, musste sich etwas Eigenes zurechtzimmern. Ich habe damals auf die Forum-Software phpBB zurückgegriffen.
Am 15.03.2003 schrieb ich über den Sinn und Zweck des Ganzen:
Ein Weblog ist das reine Ego – die Metatheorie des Weblogs an sich also eine Veranstaltung am besten parallel zum Wort zum Sonntag – und ähnlich sinnfrei. Ego insofern, als der Reiz darin besteht, einmal im Leben etwas schreiben zu können, was niemanden interessiert ausser einem selbst. Das ist Luxus pur. Eitelkeit. Exhibitionismus. Und die Tatsache, dass niemanden das Geschreibsel interessiert, macht man locker mit der Methode wett: Sex sells.
Oder, noch kürzer – frei nach Derek Powacek:
I still can’t tell you what a weblog is. But I know I love publishing my thoughts (*not* just links!) on evhead and seeing my visitors grow and getting feedback from all kinds of people.
Übrigens: Den Besucherrekord halten nicht die Pin-ups, die ich – als Satire und Verballhornung der „Modestrecken“ von Spiegel online – damals manchmal postete, sondern eine Artikelserie über das so genannte „Enthauptungsvideo“ aus dem Krieg im Irak, das ich damals als einziger deutscher Blogger publizierte und analysierte.
Ende 2003 habe ich dann einige Templates in einfachem HTML gebastet, damit das Layout etwas besser aussah. Es war eine erbärmliche Fummelei, in die Vorlagen den jeweils aktuellen Text hineinzudröseln und die Links zu aktualisieren. (vgl. Screenshot unten). Ab 01.01.2008 bin ich dann auch auf WordPress umgestiegen.

Ich könnte heute gut zahlreiche Ratschläge erteilen, wie man sich in der deutschen Blogger-„Szene“, die eher einem Kleingarten-Verein ähnelt – auch, was die Mentalität angeht, unbeliebt macht. Die Attitude der beleidigten Leberwurst ist bei vielen gesetzt, wenn man es wagt zu kritisieren oder nicht im Mainstream mitschwimmt. Aber das ist uninteressant. Man muss sich einfach nur mit allen anlegen, nicht nur mit Verschwörungstheoretikern, Verleumdern und anderen Stinkstiefeln oder mit den total Bekloppten. Viel Feind, viel Ehr.
Ich bin gespannt, ob ich in zehn Jahren auch noch blogge. Aber ich wüsste nicht, was mich davon abhalten sollte.
Zehn Jahre Burks’ Blog, reloaded
„Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich genau überlegte, nichts zu sagen. Und wer waren alle?“ (Bertolt Brecht)
Der Mann, der mich ins Internet brachte
Das muss mal gesagt werden: Über den Mann, der mich 1994 ins Internet brachte – damals ins CL-Netz, über das ich dann auch die Newsgroups im Usenet lesen konnte – habe ich am 26.04.1996 im Berliner Tagesspiegel einen Artikel geschrieben: „Der Mann für die Mailbox“.
Gustav Reinhold Schröder
Mein Urgroßvater Gustav Reinhold Schröder (1859-1944) im Jahr 1877 – das älteste Foto überhaupt in Familienbesitz.
Meine Urgrosseltern Anna Emilie Kukuk und Gustav Reinhold Schröder
Meine Urgroßmutter Anna Emilie Kukuk, Bäuerin (geb. 22.5.1864 in Elsendorf, Westpreußen heute Dąbrowa Wielka, Polen) und mein Urgroßvater Gustav Reinhold Schröder, Bauer (geb. 14.5.1859 in Mittenwalde, heute Dąbrowa Mała, Polen) bei ihrer Diamantenen Hochzeit am 11.12.1942. Mein Urgroßvater war damals 84, meine Urgroßmutter fünf Jahre jünger.
Die evangelische Kirche, in der Taufen und Trauungen vorgenommen wurden, stand in Dambrowa Wielka (Elsendorf). Wie der Registerauszug vom Standesamt Kirschgrund (Leszyce) zeigt, waren die Familien in Mittenwalde schon lange ansässig und alle untereinander verheiratet. In Krossen (Chrosna) ist mein Großvater Hugo auf die Dorfschule gegangen. Der Hof meiner Urgroßeltern ist 1943 abgebrannt. Allgemein wurde angenommen, der polnische Knecht habe den Hof angesteckt, weil er anschließend verschwunden blieb. Meine Urgroßmutter Emilie erlitt schwerste Verbrennungen, als sie versuchte, ein Kind aus den Flammen zu retten. Sie ist nur wenige Wochen später gestorben. Mein Urgroßvater, der noch ein Jahr vor seinem Tod „mit der Sense das Feld vor dem Großknecht mähnte“, wie mein Großvater mir erzählte, starb kurz darauf „an gebrochenem Herzen“.
Dem Volke dienen – In Memorian Christian Semler

Der Genosse Christian Semler ist am 13. Februar 2013 gestorben. Ja, ich meine die Anrede nicht ironisch, sondern ganz ernst.
Semler hat mich in den siebziger Jahren stark beeinfluss, obwohl ich ihm damals nie persönlich begegnet bin. Das geschah erst Ende der Neunziger, als wir beide über einen Teil unserer gemeinsamen Vergangenheit abgeklärt schmunzeln konnten. Christian besuchte damals mit der taz-Redaktion eines meiner Seminare an der Berliner Journalisten-Schule über „Recherche im Internet“. Ich begrüßte ihn grinsend mit „Großer Vorsitzender“, und er wusste gleich, was ich damit meinte: Er war in den siebziger Jahren Vorsitzender der maoistischen Kommunistischen Partei Deutschlands gewesen (zuerst KPD/AO, für „Aufbauorganisation“ – unsere Gegner sagten immer „A Null“ oder gleich „Kommunistische Partei Dahlems“), die auch die meine war, zwar nicht als Mitglied, aber als enger Sympathisant und gewählter Studentenvertreter an der FU Berlin (was auch sofort dazu führte, dass ich nicht mehr in die DDR einreisen durfte).
Ich habe nicht viel „Andenken“ aus der damaligen Zeit, außer ein paar Büchern, vor allem über China. Eine „Devotionalie“ habe ich Christian geschenkt: Ein Foto aus der damaligen Parteizeitung „Die Rote Fahne“, das ihn zeigt, wie er auf seiner Reise in die Volksrepublik China irgendeiner Bauersfrau die Hand schüttelt.

Das obige Foto ist ebenfalls aus der „Roten Fahne“, auf der Rückseite habe ich noch einen Text Christian Semlers aus der damaligen Zeit gefunden. ja, die an China orientierten Kommunisten waren schon in den siebziger Jahren für die Wiedervereinigung. Das machte sie in der DDR besonders verhasst.
Um das zu konterkarieren, muss man unbedingt seinen Artikel „Das Elend linker Immunisierungsversuche aus dem TAZ-Magazin vom 30.05.1998 lesen:
Tatsächlich haben uns die Widersprüche des Kapitalismus nicht den Gefallen getan, sich zusammen mit den untergegangenen sozialistischen Regimen zu verabschieden. Aber eine gesellschaftliche Alternative muß neu begründet werden. 70 Jahre Realsozialismus haben theoretisch und praktisch die „Beweislast“ zwar nicht umgekehrt, aber neu verteilt – hinsichtlich der ökonomischen „Machbarkeit“, mehr aber noch im Hinblick auf die Sicherung von Demokratie und Menschenrechten.
Knapper, aber noch treffender ist sein Statement über die Zeit der maoistischen Politsekten: „Ich bin froh, dass wir nie die Macht in den Händen hatten – es wäre schlimm ausgegangen.“ Da kann ich ihm nur beipflichten.
Bascha Mika schreibt über Christian Semler: „Ein Linker, der seinen Standpunkt ständig überprüft, wägt und reflektiert. Der sich leidenschaftlich einem aufklärerischen Ethos verpflichtet sieht. Der den eigenen politischen Weg kritisch betrachtet und daraus Konsequenzen zieht. Ohne jemals abzuschwören.“
Nichts
Ich bin immer noch verschnupft, mein Gehirn arbeitet nur träge und ich röchele betrübt vor mich hin. In zwei Tagen sollte sich das geändert haben. Und siehe, ich habe beschlossen, heute mal nichts zu schreiben… ach verdammt….




































