Trumps Erfolge und knirschende Zahnreihen
Die Jüdische Rundschau listet Trumps Erfolge auf. Alles wahr und richtig. Ich höre schon, wie mainstreamjournalistische deutsche Zahnreihen in Tischkanten beißen.
Surroundings News

Screenshot: meedia.de. Man kann eine Website auch so unprofessionell zusammenstückeln, dass nicht jedes Ausgabegerät sie korrekt anzeigt. Das nennt man „nicht barrierefrei“. Der Webdesignerpappnasenfaktor ist hier hoch.
Vorsicht! Ein schwarzer Schimmel sprengt auf uns ein! Werbefuzzys können kein verständliches Deutsch! Wie meinen? Wie, wenn nicht die? Der Kunde soll nicht verstehen, was die hinausposaunen?
These dazu: Die Werbebranche befleißigt sich eines denglischen Jargons, a) um sich arrogant vom gemeinen Volk abzugrenzen, b) um sich in der peer group wohlzufühlen – Gruppendynamik usw., c) weil die Leute, die meinen, so herumschwurbeln zu müssen, dumm und faul sind. Verständlich zu schreiben ist anstrengend und ein Handwerk, das man lernen muss. Die Kunst, sich mit einem Text in den Köpfen der Leser einzunisten, fällt nicht vom Baum: Man muss es üben, üben, üben, und man muss Regeln beachten.
1. Regel: Leser erwarten das handelnde Subjekt weit vorn im Satz. Ross und Reiter sollen sich also nicht im Gebüsch oder am Satzende verstecken. Leider lädt die komplizierte und archaische Grammatik des Deutschen dazu ein:
Wenn Nicolas Fromm, Geschäftsleiter Digital der Zeitungshäuser NOZ Medien und mh:n Medien, über Hamburg als Digitalstandort für Medienhäuser spricht, findet er klare Vorzüge: blabla
Nach 19 (!) Wörtern tut Herr Fromm etwas – er spricht. Wer hätte das gedacht? Warum hüllte er sich vorher in Schweigen – um seinen zahllosen Titeln zuzusehen, die Branding, ick hör dir trapsen endlos lange vorbeihoppeln? (Was ist ein „Geschäftsführer digital“ – gibt es ihn nur in Pixelform?) Dann – wir bersten vor Spannung – findet er im nächsten Wort Vorzüge. Stimmt aber gar nicht, weil er sie – wetten, dass? – gar nicht gesucht hat. Der Autor Gregory Lipinski hat nur das erstbeste schwache Verb gegriffen, das nicht schnell genug auf dem Baum war.
Entweder: Fromm zieht Hamburg gegenüber anderen Städten vor. Danach wollen wir wissen, warum.
„Hamburg verfügt über eine große Startup-Szene. Die Elbmetrolople ist für uns ideal, geeignete Digitalexperten zu finden“, sagt der Geschäftsmann.
Wie albern ist das denn? Er sagt es. Aber das wissen wir doch schon, weil der Autor ihn zitierte! Wer sucht, der findet, und dann sagt er es. Wenn schon der bescheuerte Verlegenheitstitel „Geschäftsmann“, dann sollte der ganz vorn stehen; das enthebt uns der lästigen Pflicht, die im ersten Satz unterzubringen und die Leser damit auf die Folter zu spannen.
Also: Der Geschäftsmann Nicolas Fromm zieht Hamburg gegenüber anderen Städten vor: Dort gebe es eine große Startup-Szene, und man finde leicht geeignete Digitalexperten (was auch immer das sei). Fromm ist… (blabla). Die Leser zucken natürlich beim Konditional, den die indirekte Rede erfordert, zusammen. Daher ist ein Zitat besser.
Der Geschäftsmann Nicolas Fromm zieht Hamburg gegenüber anderen Städten vor: Hamburg hat („verfügt“ ist Geschwurbel) eine große Startup-Szene. Die Elbmetropole ist für uns ideal, geeignete Digitalexperten zu finden.“ Ich mäkele noch an „Elbmetropole“ herum – eine völlig abgedroschene Metapher: Berlin: Spreemetropole. Kairo: Nilmetropole. Moskau: Moskwa-Metropole. Holzwickede: Emscher-Metropole (SCNR).
Die Äußerung kommt nicht von ungefähr.
Tut mir leid, Wörter mit ung sind fast ausnahmslos verboten. Außerdem tut die Äußerung nichts; sie kommt nicht, auch nicht aus dem Ungefähren.
Dass die NOZ-Gechäftsführung mit Axel Gleie und Joachim Lieber gerade die Hansestadt ausgewählt hat, ist auch geographisch bedingt.
Ich zeige mit verquollenen Augen auf Regel Eins: Wer tut was? Ach so: niemand? Dass müssen wir jetzt investigativ recherchieren. Wir haben eine Geschäftsführungungungung und zwei Mal einen Menschen. Die Menschen, die einen Titel haben (vermutlich: Geschäfsführer), suchten etwas aus. Warum versteckt der Autor das in einem Nebensatz? Falsch.
Regel 2: Das zentrale Verb gehört in einen Hauptsatz. Unwichtiges gehört in Nebensätze.
„Wir hoffen, dass die Mitarbeiter Anfang nächsten Jahres das Büro beziehen und wir schon im ersten Quartal operativ tätig sind“, betont Fromm.
Hoffen. Beziehen. Tätig sein. Das vergleichen wir jetzt mit Friedrich Schiller: Glühn, krachen, stürzen, klirren, jammern, irren, wimmern rennet, rettet, flüchtet. Starke, alte, kurze Verben treiben einen Satz voran wie mit einer Peitsche. Das fesselt die Leser. Oder Heinrich von Kleist, wahrlich ein dynamisches Meisterstück: Reihte man nur die Verben aneinander, verstünde man, was geschehen ist.
Das reicht jetzt. Ach ja, der Titel: Was sind „ambient news“? Ein Synonym für „ambient“ ist „surrounding“. Das verstehe ich aber immer noch nicht.
Russian Revolution

Jacobin hat eine Artikelserie zum Thema „100 Jahre russische Oktoberrevolution“. Kann man lesen. Ist jedenfalls interessanter als alles, was in deutschen Mainstream-Medien zum Thema erscheint.
Wenn unbequeme Bücher verschwinden
Eine Zensur findet nicht statt. Ich muss einen Autor verlinken, dessen politische Meinung ich nicht kenne, nicht kennen will und vermutlich auch nicht teile (wenn ich über sein Buch lese: alles Bullshit!). Auch seine Sprache ist grauenhaft. Trotzdem muss ich es tun. Die medienkompetenten Leserinnen und wissenden Leser können mich notfalls erleuchten.
Wer die Meinungsfreiheit erst dann verteidigt, wenn die eigene Meinung unter Feuer kommt, der wird sie wahrscheinlich verlieren. Die Manipulation der Bestsellerliste, wie vom Spiegel im Sommer diesen Jahres vorgeführt, oder die Manipulation eines Regals in einer Buchhandlung, das die Bestsellerliste abbilden soll, sind Schritte auf dem Weg zur Zensur und teilen mit dieser die illiberale Geisteshaltung. Wenn Linke diese Schritte erst dann kritisieren, wenn linke Bücher solchen „Säuberungen“ zum Opfer fallen, begeben sie sich meiner Ansicht nach auf einen gefährlichen Weg. Darauf wollte ich mit meinem Artikel hinweisen. Weder bin ich ein Anhänger der AfD, noch ein Freund des Buches von Thorsten Schulte oder ihm selbst. Offenbar sind die Polarisierung der Meinungen und der Feindbildaufbau inzwischen allerdings soweit fortgeschritten, dass solche Differenzierungen nicht mehr möglich sind. Das bedaure ich – und ich bedaure es besonders für die NachDenkSeiten. Wo intellektuelle Redlichkeit unter dem „Sturm“ von zehn oder zwanzig kritischen Leserkommentaren die Segel streicht, werden zukünftige Debatten schwer werden.
Unter Blockwartinnen verdächtig aus dem Rahmen fallen
Welt | N24: „Bloß nicht Falsches sagen – an Hochschulen in Deutschland regiert ein Geist, der kaum noch Widerspruch zulässt. Wer aus dem Rahmen fällt, muss mit Konsequenzen rechnen.“
Ich bin heilfroh, dass ich mit den staatlichen Hochschulen in Deutschland nichts zu tun habe. So viele Rahmen gäbe es gar nicht, aus dene ich ständig fiele. Das alles erinnert mich doch sehr an die McCarthy-Ära in den USA. Damals ging es auch darum, das Böse zu finden und es zu vernichten. Was „das Böse“ ist, entscheidet der jeweilige öffentliche Mainstream. Natürlich erklärt sich diese Atmosphäre, die man nicht mehr intellektuell nennen kann, aus dem Klassenstandpunkt der heutigen Studenten – nur noch panische und wildgewordenen Kleinbürger aus der so genannten Mittelschicht.
Im Frühtau zur U-Bahn wir ziehn, vallera
Wo ziehn wir im Frühtau?
Zur Hölle mit ihnen!
Ich zitiere den Schockwellenreiter zustimmend: „Wer im Kapitalismus reich ist, darf den Karren an die Wand fahren und tausende von Mitarbeiter ins Unglück stürzen. Das ist legal, dafür wird er mit Millionen belohnt. Wer dagegen arm ist und als 84-jährige Rentnerin aus Hunger für unter 80 Euro Lebensmittel klaut, der muß für drei Monate in den Knast. Das nennt man Klassenjustiz, Baby!“
Frische Fische!
Das Foto habe ich 1981 auf dem Markt von Pátzcuaro im mexikanischen Bundesstaat Michoacán aufgenommen.
Ist der nackte Körper sexistisch?

Darauf hatte jemand in der gruppe „Deutsch mich nicht voll“ diese Antwort: „Sex und Nacktheit sind nicht sexistisch. Sexismus ist die Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes. Weil Sex im Wort vorkommt heisst das noch lange nicht, dass es um Sex geht. Prüderie ist nicht antisexistisch, nicht im Geringsten.“
Journalistische Werkzeuge
Ich habe meine Linksammlung Journalistische Recherche | Werkzeuge I aktualisiert.
Hisbollah
Ich musste mich aus gegebenem Anlass über die Hisbollah informieren.
„Eine wichtige Einnahmequelle der Hisbollah ist heute der internationale Schmuggel, wobei die Terrororganisation dafür u. a. ihre langjährigen Kontakte zu muslimischen Migrantengruppen nutzt. Die Hisbollah hat dabei eine kriminelle Rolle übernommen, die früher allein der Mafia zukam.“
Man lernt doch nie aus.
Autorisierte objektive Fake-News, Jenny Stern!
Foto: Die Einsamkeit des Dozenten, wenn er zehn Minuten zu früh zur Vorlesung kommt…
Geschätzte Kollegin Jenny Stern vom „Bayerischen Rundfunk“! Natürlich ist ein alter Mann froh, wenn die Ratschläge und Tipps journalistischer Art, die man meinte, im Allgemeinen und Besonderen jederzeit und allüberall geben zu müssen, auch von den Nachgeborenen positiv angenommen werden. Der „Tagesschau“-Klon „Faktenfinder“ offeriert uns einen gar löblichen Artikel mit dem Titel „Wann darf ein Journalist seine Meinung sagen?“ (Man jauchzt und frohlocket so ganz nebenbei, da es sogar bei einer so genannten „öffentlich-rechtlichen“ Anstalt ganz unerwartet möglich scheint, ohne gendrifiziertes Schreiben auszukommen.) Außerdem lernen bzw. wiederholen wir alle gemeinsam, was an „journalistischen Darstellungsformen“ so herumfleucht, als da wären die objektive und meinungsfreie Nachricht, die schon Pontius Pilatus schätzte, dazu „meinungsäußerende Darstellungsformen“ wie der Kommentar oder die Glosse sowie Bastarde wie das Feature. Volui dicere: Genau das bringe ich meinen Studenten auch bei.
Ich hätte gern auf das Angebot der „Tagesschau“ verwiesen, wenn ich nicht etwas zu mäkeln hätte, so sehr, dass ich – mit Verlaub, geschätzte junge Kollegin! – das Geschwurbel beinahe als Beispiel dafür präsentiert hätte, wie man es gerade nicht machen soll. Deutsch des Grauens vom Feinsten! Es wimmelt vor Nomen (ung, ung, ung, ung – als hätte Katja Kipping den Text verfasst) und Funktionsverben, die Journalisten, falls sie dem Volke dienen wollen (sorry, altes KSV-Sprech), tunlichst vermeiden.
Ich bin versucht, den pathetisch dahinholpernden Satz „die strikte Trennung in informierende und meinungsäußernde Darstellungsformen ist oberstes Gebot im Journalismus“ zu erweitern: Verständlich zu schreiben ist oberstes Gebot im Journalismus, noch vor der Regel, man solle Information und Kommentar strikt trennen. Wenn man nicht verstanden wird, nützt der Rest rein gar nichts.
Mal im Ernst, liebe Kollegin, wir glauben doch nicht, was wir da behaupten? Objektiv? Was soll denn das sein, mal abgesehen von mathematischen Formeln? Uwe Krüger zum Beispiel behauptet in seinem Buch Meinungsmacht – Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten, dass die Mehrheit der Journaille die Sicht der herrschenden Klasse übernehme. Ich gebe zu, dass bei der „Tagesschau“ und beim Bayerischen Rundfunk sowieso der hässliche Begriff „herrschende Klasse“ vermutlich verpönt, wenn nicht gar verboten ist im Sinne der freiwilligen Selbstzensur, dennoch ist er wahr und gut und trifft die Realität wie ein Dartpfeil die Scheibe.
Daher nannte man in grauer Vorzeit so etwas wie die „Tagesschau“ und andere Meinstream-Medien „bürgerliche Presse“. Ein schönes Wort, entlarvt es doch die statistisch, gar wissenschaftlich fundierte These, dass Journalisten fast nie aus der Arbeiterklasse stammen, sondern das Proletariat verachten, eben wie es die Linke auch tut (vgl. Christian Baron: „Proleten, Pöbel, Parasiten: Warum die Linken die Arbeiter verachten). Nicht nur das: Sie machen ihnen sprachpolizeiliche Benimmvorschriften, schelten die Arbeiter, weil sie nicht politisch korrekt wählten und wollen mit ihnen nichts zu tun haben.
Nichts ist objektiv, und Journalisten zu allerletzt. Sie tun nur so.
Nehmen wir „schlussendlich“ (ein beliebtes Wort im Furz- und Blähdeutschen), Jenny Stern, den Abschnitt über das Interview. „Das Gesagte wird dabei genau wiedergegeben und vor der Veröffentlichung häufig vom Interviewpartner ‚autorisiert‘: Das ist, wieder mit Verlaub, gequirlte Kuhkacke und gelogen dazu. Der Guardian macht sich deshalb über deutsche Journalisten lustig und schickt noch Häme hinterher: Diese spielten das Spiel der Politiker mit. Mit Journalismus hat es also nichts zu tun, wenn man Interview „autorisieren“ lässt, eher mit Dummheit und Autoritätshörigkeit. Das ist bei der „Tagesschau“ und anderen Faktenfindern nicht bekannt? Und so etwas soll ich meinen Studentinnen (ich hatte in diesem Semester nur Frauen) empfehlen? Ein höheres Wesen bewahre mich davor.
Eliten im Beitrittsgebiet
Ich wusste garnicht, dass es ostdeutsche Eliten gibt.
Der Feind in unseren Reihen
Die Berliner Abendschau über die Zustände an der Berliner Polizeiakademie „Im Bereich der Disziplin“, des Respektes und der Rücksichtnahme. Der Tagesspiegel hat auch etwas…
Paddeln in Klein-Venedig
Soeben bin ich stolzer Besitzer eines zweisitzigen Paddelbootes (oder sagt man Kajak?) samt Liegeplatz (da nur Mieter) geworden, direkt bei Klein-Venedig auf der Halbinsel Tiefwerder. Verflixt, wenn man sich das von oben anschaut: Da braucht man ja einen Kompass?! (Danke, Andreas!)
Wer sich bewerben will ab März zum Mitpaddeln, kann das tun, vielleicht sogar per unverschlüsselter E-Mail (kommt natürlich auf die Person an).























