Klein Burks und der Jägersmann

Jäger

Klein Burks (links), vermutlich 1958.

[xxx] warnt vor [xxx]

LKA-Präsident warnt vor Rotstift bei Kampf gegen Cyberkriminalität. Weitere Meldungen von heute: Bauernverband-Präsdident warnt vor Rotstift bei Agrar-Aubventionen. ESA-Präsident warnt vor Kürzungen bei der Raumfahrt. Bankenverbands-Präsident warnt vor Finanztransaktionssteuer. ADAC-Präsident warnt vor Tempo 30 in Großstädten. Verfassungsschutz warnt vor Rechtsextremismus im Internet.

Das geschieht 2017 bei Google

2017 Ein Blogger entlarvt gravierende Mängel bei Google Maps. Südeuropäer werden über die Seidenstraße nach Skandinavien geleitet; der Seeweg nach Indien gilt als noch nicht entdeckt; dafür finden sich Phantasieorte auf der Karte (Shangri-La, Eldorado, Flughafen BER). (Quelle: Titanic)

Kleiner Kapitalismus-Lehrgang, reloaded

Kapitalismus

Gesehen beim Handelsblatt (Ausriss).

Volkswirtschaftslehre und Astrologie

bOING bOING (ein Blog vom ehemaligen Herausgeber der Wired): „High-flying financiers subscribe to high-ticket astrologers“ (via Fefe)

Da unsere „Volkswirtschaftsexperten“ den Kapitalismus bekanntlich nicht erklären können, versuchen sie es jetzt mit Astrologie. (Guckst du auch hier – aber nicht mit vollem Mund.)

Schreibe! Mir!

aussicht

Bemerkenswert ist in der U-Bahn in Neukölln eine ältere Frau mit Kurzhaarfrisur und Ernst-Thälmann-Mütze, die die „Junge Welt“ liest und Sätze von Artikeln mit einem rosa Marker anstreicht und dabei streng guckt.

Bemerkenswert ist eine weißhaarige Frau neben mir, die ärmlich und proletarisch gekleidet ist, eine weiße Handtasche aus Leder-Imitat auf dem Schoß hält, und ein E-Book liest.

Bemerkenswert ist eine Frau in den Dreißigern, die einen roten Mantel trägt, Musik über ein Smartphone hört und dabei etwas in ein rosa geblümtes Notizbuch schreibt,

Bemerkenswert ist, dass beim Berliner Datenschutzbeauftragten [Hauptsatz], den ich heute aufsuchte [Nebensatz 1. Ordnung], um der Berliner Polizei [Nebensatz 2. Ordnung], die meinte, unbefugt zu viel und zu lange Daten über mich zu sammeln [Nebensatz 3. Ordnung], eine offizielle behördliche Klatsche zu verpassen, eine attraktive Dame arbeit, die vermutlich genau so intelligent und clever war wie sie schön ist, und dass ich sogar vergessen habe, nach ihren Namen zu fragen, obwohl sie keinen Ehering trug und sie in mein Beuteschema passt. Schreibe! Mir!

By the way: Was ist der kleine Turm in der Mitte des Fotos?

Dicke Wirtin

Kneipe

Die Kneipe heisst „Dicke Wirtin„, liegt am Savignyplatz in Berlin-Charlottenburg und war in den siebziger Jahren eine meiner studentischen Stammkneipen. Außer dem Publikum hat sich nicht viel verandert. Nur gibt es leider die Suppen von damals nicht mehr.

Filesharing in Portugal legal

Heise: „Selbst wenn die Tauschbörsennutzer in Peer-to-Peer-Netzwerken (P2P) Dateien hoch- und runterlüden, sei dieses Verhalten als legal anzusehen, heißt es im Bescheid der Strafverfolgungsbehörde. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass der Kopiervorgang andauere, wenn ein Download beendet werde. Das Recht auf Informationsfreiheit, Bildung und Kultur im Internet dürfe nicht ungebührlich eingeschränkt werden, solange mögliche Copyright-Verstöße klar im nicht-gewerblichen Bereich blieben.“

Dann wird die Content-Mafia jetzt darauf drängen, entweder in Portugal einzumarschieren oder zur Bedingung der staatlichen Bankensubvention (im Neusprech auch bekannt als „Hilfspakete„) zu machen, dass die Gesetze Portugals geändert werden.

Projekt Zukunft oder: Bundesarbeitsdienst einmal anders

Gegen-hartz.de: „Behörde schickte Hartz IV-Bezieher ins Bombenfeld“ (via Fefe)

Da verschlägt es einem schier die Sprache: „…verpflichtete das Jobcenter in Plauen Hartz-IV-Bezieher im Plauener Hammerpark zu arbeiten, um dort das Unterholz zu entfernen. Das Brisante: Stadtämter vermuten, dass in diesem Park noch zahlreiche Blindgänger-Bomben aus dem zweiten Weltkrieg lagern. Bevor jedoch der Kampfmittelbeseitigungsdienst anrückt, sollten die insgesamt neun als Ein-Euro-Kräfte eingesetzten Hartz IV Bezieher das Unterholz entfernen.“

Ausführlich kann man das im Vogtland-Anzeiger nachlesen (ohne jeden kritischen Ton):
Unter Anleitung eines Vorarbeiters der Stadtverwaltung sind derzeit neun Beschäftigte des Projektes Zukunft im Hammerpark an der Südinsel unterwegs, um das dichte Unterholz und den Wildwuchs zu beseitigen. Diese Maßnahme bereitet die Suche nach Bomben aus dem 2. Weltkrieg vor. (…) Weil in dem Gelände extrem viele Bomben vermutet werden, kommt hier das Land für Experten und Kosten auf. Unterholz wird entfernt, der „Wald gefegt“ – dann kommen die Metalldetektoren zum Einsatz und spüren Bomben auf.

Man sieht: Falls man die Ein-Euro-Jobs wieder historisch korrekt als „Reichsarbeitsdienst“ bezeichnete, würde sich in Plauen wohl kaum jemand beschweren.

Laut Sächsischer Zeitung hat die Leiterin des Jobcenters Plauen die Aktion zurückgepfiffen: „‚Hätten wir von den Bomben gewusst, hätten wir der Aktion nie zugestimmt. Wir schicken keine Arbeitslosen in solch gefährliche Jobs.‘ Das Jobcenter lässt prüfen, wer für den Arbeitseinsatz verantwortlich war.“

Failed Messiah

failed messiah

Gulli.com: „Ein einflussreicher ultra-orthodoxer Rabbi fordert kurz vor dem größten jüdischen Feiertag dazu auf, alle Smartphones zu verbrennen. Es müsse verboten sein, dieses Gerät zu besitzen. Wer es hat, soll es vernichten. Der Aufruf wurde von einer auflagenstarken Zeitung Israels auf der Titelseite abgedruckt.“

Das war „deutscher“ Journalismus – keine Quellen, keinen Hintergründe. Ich hätte da aber noch einige Fragen. Wie heißt der Rabbi und warum ruft er dazu auf? Welcher Richtung des Judentums gehört er an? Um welche „auflagenstarke“ Zeitung handelt es sich? Übersetzen wir das Geschreibsel von Gulli in Journalismus, der sich selbst ernst nimmt.

Der Rabbi ist Chaim Kanievsky. Seine Thesen sind natürlich auch online (hebräisch) – selbst die schärfsten Internet-Gegner können auf das Internet als Propaganda-Maschine nicht verzichten.

Die Huffington Post schreibt: „The religious Yated Neeman newspaper [Ja, auch hier kann man einen Link setzen, Huffington Post! Und außerdem heißt die Zeitung Yated Ne’eman] published the ban on its front page this week, as mainstream Israeli newspapers were gushing about Apple Inc.’s eagerly anticipated new smartphone, the iPhone 5.“ Man sollte hinzufügen, dass die „auflagenstarke“ Zeitung „anti-zionistisch“ is, also gegen einen säkularen Staat Israel. Orthodoxer und reaktionärer geht es also gar nicht. Diese Richtung des Judentums will einen Gottesstaat.

Nach einigem Recherchieren fand ich ein Blog, das mir für derartige Themen auch in der Zukunft zuständig erscheint: Failed Messiah.com. Die New York Times schreibt über dieses jüdische Blog und dessen Betreiber Shmarya Rosenberg, dass er einer der „50 most influential American Jews“ sei. Der Blogger von Failed Messiah.com stammt aus der ultrakonservativen Chabad-Bewegung aka Chassidim (über deren Berliner Zweig ich hier schon 2004 geschrieben hatte).

Rosenberg verhält sich zu den orthodoxen jüdischen Gruppen wie ich zu ähnlichen Sekten der christlichen Art. Er spürt intuitiv, wie die ticken, weil er selbst mal einer von denen war, aber Renegaten wie ihn können die überhaupt nicht leiden, weil er genau weiß, wo man den Finger auf die Wunde legen muss, damit es richtig wehtut. „Thus provoked, the Lubavitchers excommunicated Mr. Rosenberg. (The group denies that it has such a formal procedure.)“ Schon klar. Ein Blog kann eine gefährliche Waffe sein. Der Kerl ist mir auf Anhieb sympathisch.

Nach Rabbi Kanievsky ist es nicht nur verboten, ein Iphone oder Smartphone zu besitzen, „it is forbidden to sell or give one to a non-Jew. There, the rabbi says, you must burn them.“

Kanievsky hat vor vier Jahren dazu aufgerufen, alle arabischen Angestellten jüdischer Religions-Schulen („Yeshiva“) zu entlassen. Kanievsky ist der Sohn Yaakov Yisrael Kanievskys, („The Steipler„). Wenn man sich die Biografie seines Vaters ansieht, dann weiß man, warum auch der Sohn keinen Millimeter vom der Meinung abweicht, die er für richtig hält: „Once, during his army stint, Kanievsky was Court-martialled for ‚failing to do his duty‘ when there was a possibility of breaking the Sabbath. He was forced to walk between two rows of soldiers who were ordered to beat him as he passed. In later years, Kanievsky remarked that the satisfaction he had enjoyed for making a stand for his religious convictions was an achievement never again equaled for the rest of his life.“

Es gibt keinen Grund, über die Thesen des Rabbis zu kichern. Sie sind nur konsequent. Natürlich haben die Ultraorthodoxen recht. Wer andere Meinungen als die zu sehen bekommt, die die Hüter des wahren Glaubens ihm vorgekaut haben, könnte auf die gefährliche Idee kommen, selbst nachzudenken. Das ist aber bei Verehrern höherer Wesen der christlichen, jüdischen und muslimischen Art nicht vorgesehen.

Die Times of Israel schreibt: „In May, 60,000 ultra-Orthodox American Jews gathered at the Citi Field baseball stadium in New York, where they were told by leading rabbis that home internet usage was forbidden, and that even those who thought they needed Web access at work should try to avoid using it, as the urge to go online was likely the nagging of the ‚evil inclination.'“

Klar. Kinderporno und so. Die sollten sich mal mit den hiesigen Internet-Ausdruckern, Jugendschutzwarten und jugendschutz.net zusammentun. Gleich zu gleich gesellt sich doch bekanntlich gern.

Acht Milliarden Euro oder: Wir machen weniger mehr Schulden

Griechenland-Schuldenschnitt würde Steuerzahler acht Milliarden Euro kosten, sagt SPD-„Finanzexperte“ Carsten Schneider. Ich habe die Summe mal gegoogelt.

Har har. Acht Milliarden Euro sind doch Peanuts. Soviel will der größte deutsche Energiekonzern Eon von der Bundesregierung an Schadenersatz für den Atomausstieg. Vor einem Jahr erhielt Griechenland genau diese Summe als (es folgt affirmatives deutschen Medien-Neusprech) „Hilfskredit“. Acht Milliarden Euro beträgt der weltweite Umsatz mit Kleinwaffen.

Kein Grund zur Beunruhigung. Das zahlt Deutschland aus der Portokasse. Spiegel online schrieb vor einem Jahr: „Schäuble darf auf acht Milliarden Euro extra hoffen. (…) Das Institut für Weltwirtschaft rechnet deshalb mit einem deutlich sinkenden Haushaltsdefizit. Demnach wird die Neuverschuldung des Bundes 2012 acht Milliarden Euro unter dem Wert liegen, mit dem das Finanzministerium bisher plant.“

So what? Allerdings muss man den zitierten Satz genau lesen: „sinkendes Defizit“ ist Deutsch des Grauens vom Feinsten und bedeutet: „Wir machen weniger mehr Schulden“ oder so ähnlich.

Ordnung muss sein

schrauben

Republikanische Werte

Die FAZ über Frankreich: „Ein Teil der Linken neigt traditionell dazu, republikanische Werte hochzuhalten. Religionen dürfen sich demnach nicht in die öffentliche Debatte einmischen.“

Glückliches Frankreich, in dem die Verehrer höherer Wesen sich nicht in das einmischen dürfen, was nicht ihre Sache ist! Hierzulande ist es ganz anders. Die CDU will ihren islamischen Konkurrenten erlauben, Kinder in Scnulen mit Aberglauben und frommen Legenden zu belästigen. Als wenn es nicht reichte, dass Christen dort ihr Unwesen treiben!

Auch die Grünen halten die „republikanischen Werte“ nicht hoch – ganz im Gegenteil: Sie können sich noch nicht einmal der piratischen Forderung anschließen, Staat und Religion zu trennen.

Verehrer höherer Wesen mit Schaum vor dem Mund

verehrer höherer Wesen

Denn nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, wie es in der Bibel steht, sondern der Mensch schuf (…) Gott nach seinem Bilde.“ (Ludwig Feuerbach: Vorlesungen über das Wesen der Religion, Leipzig 1851, XX. Vorlesung)

Pussy Riot, steifpenissig, und Super-Sado Putin

Die Titanic schreibt an das ehemalige Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ „die Leser“ über Pussy Riot:
Gottlob entschädigtest Du uns in der zugehörigen Titelstory mit Bildunterschriften wie „Revolution kann sexy sein, wenn kirschäugig Solschenizyn im Glaskasten zitiert wird“. Indem Du nämlich zeigtest, Spiegel, wie sexy Journalismus sein kann, wenn steifpenissig die eigene Schmutzphantasie zitiert wird.

Denn Du hast ja recht: Wieso sollten Frauen, die sich „Pussy Riot“ nennen, nicht Freiheitskämpferinnen und Wichsvorlage zugleich sein? Und lassen sich diese geilen Ost-Schlampen nicht von dem Super-Sado Putin genau das besorgen, was unsere verzärtelten West-Weiber nur in schwiemeligen Schundromanen nachlesen?

Ich musste Tränen lachen beim Frühstück…

Einmal Bordo, bitte!

So was kann man sich gar nicht ausdenken: „In dem Fall hatte eine Kundin einen Flug nach Porto buchen wollen. Die Mitarbeiterin des Reiseunternehmens buchte jedoch einen Flug nach Bordeaux und forderte vor Gericht den Reisepreis ein. Die aus Sachsen stammende Beklagte habe den Zielort zu undeutlich genannt.“ (Spiegel online)

Das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt entschied, dass der Kunde eines Reisebüros selbst dafür verantwortlich ist, dass die Mitarbeiter das Reiseziel verstehen. So berichtet es die Zeitschrift ReiseRecht aktuell (man kann auch Links setzen ins weltweite Netz, Spiegel offline, auch wenn ihr euch vor Links fürchtet).

Schön sind die Kommentare: Sächsisch sei „die einzige Sprache der Welt, die für Gorgonzola und Gurkensalat das gleiche Wort verwendet“. Oder: „Erinnert mich an einen Sketch aus Tramitz und Friends. Als der sächsische Kunde einen Baguetteboden anstatt einen Parkettboden bekam.“

Ich frage mich, woran die sächsischen Reisenden eigentlich gemerkt haben, dass die nicht in Porto waren?

Bullenmarkt

Gendarmenmarkt

Das spontane Distanzierungs-Syndrom (SDS) oder: Soll der Besitz von Kinderpornografie straffrei bleiben?

Falkvinge

Rick Falkvinge, der Gründer der schwedischen Piratenpartei, hat einige Thesen formuliert, wie der Besitz von Kinderpornografie im nächsten Jahrzehnt juristisch gewürdigt werden sollte. Fazit: Um den sexuellen Missbrauch von Kindern besser zu bekämpfen, sollte der Besitz von Kinderpornografie nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

This article argues that our current laws on the topic are counterproductive, because they protect child molesters instead of bringing them to justice, they criminalize a generation of normally-behaving teenagers which diverts valuable police resources from the criminals we should be going after, and they lead to censorship and electronic book burning as well as unacceptable collateral damage to innocent families. Child abuse as such is not condoned by anybody, and this article argues that current laws are counterproductive in preventing and prosecuting it.

Falkvinge schreibt zu Recht, dass es sich um ein „toxisches“ Thema handele. In Deutschland ist die öffentliche und mediale Hysterie gesetzt: Schaum vor dme Mund per default. Quod erat demonstrandum: Die deutschen Medien sind noch nicht einmal in der Lage, sein Anliegen korrekt wiederzuheben. (erfreulich unaufgeregte Ausnahme ist die Süddeutsche). Nur Udo Vetter hat sich aus juristischer Sicht nüchtern mit dem Thema auseinandergesetzt.

Ich stimme Udo Vetter in einigen Punkten nicht zu. Falkvinge hat jedoch in fast allen Punkten recht. Ich habe jedoch keine Lust, dieses schmierige Thema hier lang und breit abzuhandeln. Es ist auch unwichtig. wie Udo Vetter richtig sagt: Es gibt keinen relevanten Markt für Kinderpornografie, mit dem jemand Gewinne machen könnte, obwohl alle Hysteriker das immer behauptet haben.

Udo Vetter: „Dazu muss einleitend gesagt werden: Was gemeinhin als Kinderpornografie umschrieben wird, sollte auch dokumentierter Kindesmissbrauch genannt werden.“ Das ist korrekt. Man muss aber hinzufügen, dass die Definition dessen, was „Kind“ ist, nach deutscher Gesetzeslage in das subjektive Empfinden verlagert wird. Es gibt keine Normenklarheit.

Rechtsanwalt Dr. Helmut Graupner (Wien) schreibt auf pornoanwalt.de dazu:
Eine neue EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Kinderpornografie sieht nicht nur Internetsperren vor, sondern verpflichtet die 27 Mitgliedstaaten auch zur Kriminalisierung von Erotika mit Erwachsenen. Verboten wird nicht nur Pornografie, sondern jede Darstellung sexueller Vorgänge.
Vielfacher Kritik begegnete der EU-Rahmenbeschluss zur Bekämpfung von Kinderpornografie und der sexuellen Ausbeutung von Kindern (2004/68/JI), den die damals noch 15 Mitgliedstaaten 2004 verabschiedet haben. Denn die Altersgrenze für absolut verbotene ‚Kinder’pornografie wurde mit diesem Rahmenbeschluss auf 18 Jahre festgesetzt, ohne zwischen Kindern und Jugendlichen zu unterscheiden. Mündige und heiratsfähige 17jährige Jugendliche wurden gleich behandelt wie 5jährige Kinder. In das Verbot einbezogen wurde auch Pornografie mit DarstellerInnen, die wie unter 18 Jahre aussehen.

Wer sieht warum wie „unter 18 Jahre“ aus? Das soll „Normenklarheit“ bei einem Gesetz sein?

Man muss sich zum Beispiel nur die Argumentation des Oberlandesgerichts Hamburg durchlesen:
Das Amtsgericht geht – rechtlich zutreffend – davon aus, die automatische Abspeicherung und Aufrufbarkeit der Dateien im Internet-Cache begründe objektiv Besitz im Sinne des § 184 b Abs. 4 StGB; es sieht jedoch den Nachweis eines diesbezüglichen Besitz(begründungs)-willens für nicht geführt.
Das Amtsgericht folgt dem Sachverständigen darin, dass „durchschnittlich erfahrene Internetnutzer“ (Hervorhebung durch Senat) die Existenz und Funktion des Internet-Cache kennen, verkennt allerdings, dass bei einem Internetnutzer, der sich jahrelang gezielt der Internet- und Computertechnologie zum Aufsuchen und Speichern von kinderpornographischen Dateien bedient hat und dem die Totallöschung früher gespeicherter Dateien gelungen ist, die Existenz und Funktion des Internet-Caches bekannt sein dürfte. Die vom Angeklagten mit dem Aufruf zum Betrachten kurzfristig in den Arbeitsspeicher geladenen Dateien enthalten (ebenso wie deren automatisch gespeicherte Version im Internet-Cache auf der Festplatte des Computers) Darstellungen, die auf einem Datenspeicher festgehalten sind, und sind damit Schriften im Sinne von § 11 Abs. 3 StGB.
Nach der Rechtsprechung sind Dateien, die auf Datenspeichern – wozu auch Arbeitsspeicher gehören – festgehalten sind, selbst Datenspeicher und stehen somit Schriften gleich. (…)
Schon wer bewusst und gewollt Seiten mit kinderpornografischem Inhalt aus dem Internet aufruft und auf dem Bildschirm seines Computers betrachtet, unternimmt es, sich den Besitz von kinderpornografischen Schriften (hier: Daten) zu verschaffen. Nicht erforderlich zur objektiven und subjektiven Tatbestandserfüllung sind ein Plan, die Datei manuell abzuspeichern, oder ein Wissen um die automatische Abspeicherung der Datei im so genannten Internet-Cache.

Jemand, der versehentlich auf eine japanische Hentai-Anime gesurft ist, weil er gar nicht wusste, was das ist, macht sich strafbar, obwohl er vielleicht schockiert weggezappt ist, weil es nach Ansicht des Gerichts nicht darauf ankommt, dass „durchschnittlich erfahrene Internetnutzer“ von einem Cache (Zwischenspeicher) des Browsers gar nichts wissen. Und woher will ein Gericht wissen, ob jemand „bewusst“ und „gewollt“ auf eine Website gelangt?

Und mit dieser Rechtsauffassung sind die Piraten zufrieden?

Es gibt auch in der deutschen Piratenpartei das spontane Distanzierungs-Syndrom (SDS, also known as Exorzismus auf der Basis protestantischer Gewissenserforschung).

Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von der StVO | von Falkvinge und allen unter dem Scheibenwischer | im Internet angebrachten Gegenständen | Texten. Wenn Sie sich diesem Fahrzeug | meinem Rechner nähern, stimmen sie damit diesem Haftungsausschluss automatisch zu.

Schlömer und die anderen Distanzierungs-Groupies kann man nur mit Tucholsky korrekt beschreiben: Deutsch bleibt deutsch, da helfen keine Pillen.

Die Diktatur der Rechtecke

rechtecke

Gesehen in einem Hinterhof der Taubenstraße in Berlin-Mitte.

Verehrer höherer Wesen wollen verhindern, dass Medien über Missbrauch berichten

Telepolis: „Regensburger Diözese will weiter Bericht über Missbrauch verbieten“. Es geht unter anderem um regensburg-digital. Dort hieß es am 18.10.2011:

Damit dürfen wir nach eineinhalb Jahren Maulkorb wieder die Meinung vertreten, dass die Diözese Regensburg durch ihr Verhalten bei einem Missbrauchsfall in Viechtach 1999 wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Verbrechen eines Priesters nicht öffentlich wurden und er so später erneut einen Ministranten sexuell missbrauchen konnte. Wir dürfen die Meinung vertreten, dass sich die Diözese Regensburg in diesem Zusammenhang beim Vertuschen sehr kreativ gezeigt hat und dass seinerzeit vereinbarte Geldzahlungen den Beigeschmack von Schweigegeld haben.

Die Diözese wolle offenbar bis vors Bundesverfassungsgericht, schreibt der Blogger Stefan Aigner heute.

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