Nun sucht mal schön et al!
Heute fällt mir irgendwie nichts ein zum Bloggen. Und geichzeitig sehr viel. Hier mein aktueller Desktop für diejenigen, die meinen, man könnte bei mir „online durchsuchen“ – eine Übersicht über häufig benutzte Programme. Das Motiv ist ein unveränderter Screenshot aus Second Life (Verzeihung!) – so mag ich mein virtuelles Leben. Real habe ich das auch schon genau gemacht, außer dem Leoparden. Und Jeeps können im Dschungel auch nicht so gut fahren. Bitte die Maya-Ruinen 2.0 im Hintergrund nicht übersehen!
Ich habe mein einfaches Sicherheitskonzept für Daten konsequent umgesetzt. Wer meinen Rechner beschlagnahmte, würde an keine Daten mehr herankommen – er oder sie würde noch nicht einmal in den Rechner hineinkommen.
Warum machen das nicht alle so? Tja. Gestern rief mich eine Kollegin vom Medienmagazin Zapp an. Sie hätte da gehört, mein Rechner sei beschlagnahmt worden. Hatte sie sich vorher informiert, gar meine Website gelesen? Mitnichten. Mir wäre das peinlich, aber vielleicht habe ich auch andere journalistische Maßstäbe. Ich merkte an, dass ich über journalistische Themen oder gar über die Hausdurchsuchung usw. nicht unverschlüsselt, also nicht via elektronischer Postkarte kommunizieren werde. Die Kollegin sagte, das könne sie nicht. Klar, Zapp ist der Mainstream der „investigativen“ Recherche in Deutschland. Träumt schön weiter. Kritisch und unbequem? Aber nicht für Schäuble und Konsorten.
Ich muss aufpassen, dass ich mir’s nicht mit allen verscherze. Sonst berichtet niemand mehr, wenn das LKA Düsseldorf den Antrag stellt, mich einstweilig erschießen zu lassen, weil sie mich anders nicht kleinkriegen könnten. Mit Zapp habe ich mich schon herumgestritten in meiner damaligen Eigenschaft als Chefredakteur des Medienmagazins Berliner Journalisten. (Wieso kann man da auf einzelne Blogeinträge nicht mehr verlinken? Wikipedia hilf: Permalink!)
Bei Berliner Journalisten gelesen: Die Welt bezeichnete Majdanek als polnisches Konzentrationslager. So sind sie, die Deutschen. Da helfen keine Pillen.
Die Freie Universität Berlin wird 60
Ich habe noch eine alte Postkarte. So sah der Eingang der „Rostlaube“ in der Habelschwerdter Allee aus, als ich an der Freien Universität Berlin in den siebziger Jahren Germanstik, Geschichte und Philosophie studiert habe.
Verfahren zur Herstellung von Zündsätzen für Sprengkapseln, Zündhütchen und Geschosszündungen
Wie ich hier schon angekündigt hatte, werde ich mich in Zukunft ausführlicher der Frage widmen, welche Informationen zum Thema Sprengchemie öffentlich zugänglich sind, um die Absurdität des verschärften Waffengesetzes und dessen fehlende Normenklarheit zu erläutern. Heute dokumentiere ich ein Patent aus der Kaiserzeit, patentiert ab dem 8. Dezember 1912. Der Inhaber des Patents, der Wissenschaftlier C. Claessen, wird auch auf der Website Military Explosives ausführlich zitiert sowie in dem (noch) nicht verbotenen Buch „Angewandte Chemie“ (2008 WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim).
Franco, Sabine und eins in die Presse
Was habe ich heute morgen gelesen? Nicht viel. Ich langweile mich schnell. Was ist wichtig, was eignete sich für einen Artikel? Leider nichts gefunden. Berliner Stadtschloss: Ich lese mit Sicherheit keinen Artikel online zum Thema, der nicht Bilder des von der Jury ausgewählten Entwurfes enthält. Beim Tagesspiegel bin ich fündig geworden (Fotostrecke). Der beste, weil kritischste Artikel steht bei Zeit Online: „Das Motto der Stadt heißt nicht mehr ‚be neugierig, be kreativ, be Zukunft‘, sondern ‚be feige, be langweilig, be Vergangenheit‘. Ärgerlich, dass auch Zeit Online die Unsitte pflegt, einen gar nicht so langen Artikel in mehrere aufzusplitten, so dass man mehrfach klicken muss. Das ist eine Verarschung der Leser, mit Verlaub, wie die Werbung in einer beliebigen Warteschleife einer beliebigen Hotline einer beliebigen Firma.
By the way: Wo finde ich das geplante Stadtschloss in Second Life? Bei 100.000 Euro, die der erste Preis wert ist, dürften die paar tausend Euro, die das Schloss virtuell kosten würde, nicht ins Gewicht fallen. Ich will da jetzt schon durchlaufen!
Und serviert mir irgendein deutsches Medium die Website des Architekten Franco Stella aus Vicenza? Nein, dazu sind die selbstredend zu blöd und zu faul. Dazu müsste man ja recherchieren. Wo kämen wir dahin! Ich muss also mühsam selbst suchen. Die Bild.de bietet die meisten Informationen (!): „Der Architektur-Professor (lehrt in Venedig, Genua)“. Leider sind die – wie gewohnt – nur halb richtig. BBC: „Franco Stella, who is based in Vicenza near Venice, used to teach architecture at the University of Venice.“ Genauer an anderer Stelle: „who formerly taught architecture at the University of Venice“. Jetzt wird es schwierig, aber ich habe ihn auf der Website der Universität von Genua gefunden. (fax 010 209 5870, e-mail: stella@arch.unige.it, nur elektronische Postkarten möglich). Das Problem: Viele deutschen Medien nennen ihn „Franco“, er heißt aber „Francesco“. Auf den einschlägigen Wikipedia-Eintrag hätte ich sofort kommen können – aber dort fehlt der Link zur seiner Universität.
Jetzt zu etwa ganz Anderem oder: Ich begrüße Sie zur zweiten Häfte dieses Blogs. Auch Zeit Online: „Der Onlinedurchsuchung die Giftzähne ziehen“. Was soll man dazu sagen? Ich posaunte es schon: Der Kaiser ist nackt! Trotzdem – wenn man über die politischen Motive des BKA-Gesetzentwurfes redet, ohne sich mit der genau so wichtigen Frage zu befassen, ob es hier nicht um Laserschwerter und Tarnkappen geht, hat Leutheusser-Schnarrenberger natürlich recht: „Denn das BKA kann ohne Zustimmung und ohne Einwilligung der Länderpolizeien aktiv werden. (…) Ja, das ist ein Punkt, der zu Recht vom Richterbund kritisiert wird. Dann geht es um heimliche Ermittlungsbefugnisse, vor allem um die Onlinedurchsuchung. Es geht aber auch um die Ausgestaltung vieler anderer Ermittlungsbefugnisse wie der Rasterfahndung, um den Kernbereichsschutz, um die Eilfallregelung. Dort sehen wir die Gefahr, dass sie benutzt wird, um erst einmal nachzugucken, ohne dass ein Richter eingeschaltet werden muss.“ Wenn man überlegt, was alles schon geschieht, obwohl ein Richter eingeschaltet worden ist (ich weiß, wovon ich rede!), kann man sich vorstellen, wie die Damen und Herren Ermittler agieren, wenn die Justiz erst a posteriori tätig werden würde. Ich nenne den Entwurf – auch eingedenk der historischen Konnotation des Begriffs – ein „Ermächtigungsgesetz“. Und genau so ist es gemeint.
Und noch mal Zeit Online: „Die Wirtschaftskrise trifft die Medien: Es wird gekürzt und gekündigt. Die publizistische Vielfalt nimmt weiter ab.“ Der Artikel ist besser und hintergründiger als das allgemeine Gejammere zum Thema, das man von gewissen Verbänden kennt. „Die alte Welt ist aus den Fugen. Süddeutsche Zeitung und Financial Times Deutschland , Zeitschriften wie stern und Capital – überall wird gespart, gekürzt, gekündigt. Das Hochglanzblatt Park Avenue wird dichtgemacht. Die Verlagsgruppe Holtzbrinck, zu der auch die ZEIT gehört, will bei Handelsblatt und Wirtschaftswoche die Kosten senken. Der Hamburger Verlag Gruner+Jahr rechnet im schlimmsten Fall mit einem Umsatzrückgang von 20 Prozent in den nächsten acht Jahren.“
Tja, die Holzmedien verlieren Leser. Um viele ist es nicht schade, weil sie sich beharrlich den gar nicht mehr so neuen Medien verweigern und stur und völlig beratungsresistent das Internet ignorieren. Das gilt für 90 Prozent aller Websites aller traditionellen deutschen Medien. Geht sterben, und um Park Avenue ist es eh nicht schade. Es geht auch anders, aber davon will man in Deutschland nichts wissen. Auch das Wall Street Journal hat einen neuen Besitzer. Und der hat strikten Sparkurs angeordnet, wie es aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen off the record hieß. Aber ganz anders: In investigative Recherche soll mehr investiert werden – angeblich zu Lasten der Wirtschaftsberichterstattung, die nur die PR der Unternehmen mehr oder weniger wiederkäut (auch in Deutschland). Ja, gut und richtig so.
Goggle oder die Logik des Verbrechens

Wie die StammleserInnen schon wissen, ist es laut § 353d StPO – “ Verbotene Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen“. nicht statthaft, Ermittlungsakten „ganz oder in wesentlichen Teilen, im Wortlaut öffentlich“ mitzuteilen, „bevor sie in öffentlicher Verhandlung erörtert worden sind oder das Verfahren abgeschlossen ist.“ Aus meinen Ermittlungsakten wegen des angeblichen Verstößes gegen das Waffenrecht, wegen dessen meine Wohnung offlinedurchsucht und mein Rechner beschlagnahmt wurde, zitiere ich daher nur völlig unwesentliche Teile zur Erheiterung des Publikums. Ich finde es aber gar nicht mehr lustig.

Hausdurchsuchung, reloaded
Ich habe heute die Ermittlungsakten bekommen, ein Konvolut von 99 Seiten. Das Landeskriminalamt hat schon einmal im März 2003 „die Interneseite www.burks.de“ ausgewertet. Fazit: „Es sind keinerlei Anhaltspunkte für eine strafbare Handlung des Burkhard Schröder ersichtlich.“
Die aktuelle Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz stammt vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Das zweite Ermittlungverfahren bezieht sich auf § 353d StPO – “ Verbotene Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen“. Deshalb werde ich nur über unwesentliche Teile der Akte berichten, zum Beispiel über die, dass von einem Kriminalkommissar behautet wird, „der Beschuldigte“ sei in Berlin wegen Verwendens von Kennzeichen verfassunsgwidiriger Orgabnisationen und Beleidigung „auffällig geworden“. Davon ist kein Wort wahr. Ein Blick in die Akten hätte genügt. Wahr ist, dass mich schon oft Leute – die ich salopp als „Teil eines Gesäßes“ bezeichnen würde – angezeigt haben, aber alle Verfahren eingestellt worden sind. Das ist nicht nur extrem schlampig ermittelt worden, die Formulierungen erfüllen IMHO auch den Tatbestand der Verleumdung und falscher Verdächtigung. Mal sehen, ob und wie ich jetzt meinerseits Strafanzeigen stelle.
Wohnungsdurchsuchung, revisited: Ich will es jetzt wissen
Ich danke Marco D., Heiko H., Christian S. und Betram R., die mir anlässlich meiner Hausdurchsuchung per Paypal etwas gespendet haben. Ich danke Gunter H-K. aus dem Wendland, Karsten T., Jan-Kaspar M. und Christoph Heinrich K., die auf anderes Konto von mir gespendet haben – von den letzteren habe ich leider keine E-Mail-Adresse. Tobias Hensel hatte ich schon gedankt – das mache ich gern noch einmal.
Der aktuelle Stand: Meine Anwältin hat Akteneinsicht genommen (ich habe die Akten noch nicht bekommen.) Die Initiative gegen mich – Wohnungsdurchsuchung und Beschlagnahme meines Rechners – geht offenbar vom BKA und vom Landeskriminalamt NRW aus. Es ist bekanntlich nicht das erste Mal, dass Zierckes Mannen etwas gegen mich unternehmen. Der Anlass ist also offenbar nicht eine Anzeige irgendeines hyperventilierenden Internet-Blockwarts oder eines meiner doch recht zahlreichen politischen und verbandspolitischen Feinde. Nein, die wollen mich kleinkriegen. Meine Anwältin kann auch nicht ausschließen, dass das LKA noch einmal in meine Wohnung kommt.
Ursprünglich war der Deal mündlich vereinbart worden, dass ich meinen Rechner wiederbekäme, wenn das LKA sich eine Kopie der Festplatte hätte ziehen können. Das hatte ich ohnehin angeboten. Um meinen guten Willen zu dokumentieren, hatte meine Anwältin den Widerspruch gegen die Hausdurchsuchung zurückgenommen, und ich hatte mein Posting über die Sprengchemie vorerst in einen für Surfer nicht zugänglichen Bereich des Forums spiggel.de verschoben.
Die zuständige Staatsanwältin und das LKA scheinen sich aber an Abmachungen nicht halten zu wollen. Eine Woche lang rief niemand an, um die Übergabe des Rechners zu organisieren. Wenn das LKA keine Zeit und zu viel zu tun hat – für mich gilt das auch. Zudem habe ich erfahren, dass die Staatsanwältin ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen mich eröffnet hat: Ich habe – salopp ausgedrückt – zu ausführlich aus dem Durchsuchungsbeschluss auf meines Website zitiert. (Keine Ahnung, warum das verboten sein soll.) Mein guter Wille und meine Kooperationsbereitschaft waren schlagartig perdu.
Mir reicht es nun. Wir haben jetzt wieder Widerspruch gegen alles eingelegt. Die Sache wird bis zum Schluss ausgefochten – ich nehme das jetzt persönlich. Ich habe auch den betreffenden Artikel „Einführung in die Sprengchemie“, der das Zitat eines Usenet-Postings aus dem Jahr 1995 ist, wieder online verfügbar gemacht – samt Appendix und Erläuterungen.
Ich werde mich jetzt noch ausführlicher mit dem Thema beschäftigen und recherchieren, in welchen öffentlich zugänglichen Quellen die „Rezepturen“ von Explosivstoffen erhältlich sind. Dr. Blumes Artikel „Über die Leichtigkeit, Spreng- und Kampfstoffe herzustellen“ stammt schon aus dem Jahr 1991. Die Ermittlungsbehörden sind offenbar der Meinung, dass man Informationen über die Zusammensetzung und Herstellung etwa von Pikrinsäure nicht publizieren dürfe und auch Journalisten nicht mehr darüber berichten dürften.
Wir werden jetzt herausfinden, was die Pressefreiheit in Deutschland wirklich wert ist. Unterstützung von der Journaille erhoffe ich mir nicht – dazu sind die meisten viel zu feige. Ausnahmen bestätigen die Regel. Der DJV hüllt sich ja auch in Schweigen – das hat seinen guten Grund. Man muss den Herrschaften nur den Textbaustein „Bombenbauanleitung“ hinwerfen, dann heißt es gleich; Kopf ab zum Gebet.
Gerade trudelt noch eine E-Mail herein und weist mich auf Medienberichte hin: „Der Journalist Hans-Martin Tillack vom Wochenmagazin Stern hat im Streit um eine Durchsuchung seines Brüsseler Büros durch die belgische Polizei vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Recht bekommen. Die Straßburger Richter verurteilten Belgien am Dienstag wegen Verletzung der Pressefreiheit. Zugleich wurde die belgische Regierung angewiesen, dem 46-jährigen Journalisten 10 000 Euro Schadensersatz zu zahlen.“
Ein einfaches Sicherheitskonzept für Daten
In den letzten Tagen habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie man sich davor schützt,. dass die eigenen Daten bei einer Beschlagnahme der Rechner in „falsche Hände“ geraten. Der Anlass ist den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern bekannt. Man muss davon ausgehen, dass Richter und Staatsanwälte das Thema „Computer“ wie der sprichwörtliche dümmste anzunehmende User behandeln. Sie glauben im Ernst, man könne Daten auf Rechnern finden, wenn man danach sucht. Eine erpresserische Methode ist, die gesamte Hardware zu beschlagnahmen und diese nach zwei Jahren zurückzugeben, wenn die Gerichte die Maßnahme für illegal erklärt haben.
Ein Sicherheitskonzept muss einfach sein, sowohl für Windows als für Linux (mit Apple kenne ich mich nicht so gut aus) funktionieren und garantieren, dass die Daten, die man benötigt, sowohl sicher als auch jederzeit verfügbar sind. Ich meine, dass ich ein Konzept gefunden habe. Es kostet so viel wie ein USB-Stick – ich habe heute einen für elf Euro gekauft (acht Gigabyte).
Erstens: Mein Linux-Rechner ist komplett mit dem alternate Desktop verschlüsselt. Man kommt also gar nicht mehr an die Daten heran. Das Passwort ist lang genug und nirgendwo aufgeschrieben. Falls dieser Rechner beschlagnahmt würde, bekäme ich ihn nie wieder – aber die Ermittler könnten auch nichts mit ihm anfangen.
Zweitens: Der alte Windows-Rechner, den ich zur Zeit nur für Second Life und eventuell andere virtuelle Welten nutze, enthält keine sensible Daten. Für die Verschlüsselung der Festplatte nutze ich Truecrypt (Screenshot unten).
Drittens: Auf dem USB-Stick habe ich zwei Ordner, einen für Linux und einen für Windows (vgl. Screenshot oben). Der Windows-Ordner enthält das E-Mail-Programm ThunderbirdPortable und eine Kopie meiner Schlüsselbünde. Ich kann also den Stick in jeden beliebigen Rechner stecken, auch in einem Internet-Cafe, und habe immer meine E-Mails (Voreinstellung natürlich IMAP). Dazu habe ich den Torpark vom PrivacyDongle auf dem Stick installiert. Ich führe also immer einen eigenen Hochsicherheitsbrowser bei mir – mit den empfehlenswerten Erweiterungen NoScript, CookieSafe und No-Referer – alle drei sowohl für Windows als auch für Linux. Ich hinterlasse beim Surfen also keine Datenspuren.
Auf dem Stick habe ich auch noch andere Daten gesichert, zuzüglich die verschlüsselten Passwort-Daten für Revelation (Passwort-Manager für Gnome/Linux) als auch KeePass Password Safe (Passwort-Manager für Windows). Dazu sowohl für Linux als auch für Windows das auf Burks‘ Blog schon empfohlene GPG4USB. Alle genannten Programme sind einfach zu installlieren und zu nutzen, auch für Computer-Laien. Den USB-Stick kann man vor einer Hausdurchsuchung verstecken – eine Leibesvisitation ist nicht immer inklusive.
Wenn alle meine Rechner beschlagnahmt würden, hätte ich in wenigen Stunden alle meine Daten wieder zur Verfügung und könnte einfach weiterarbeiten. Eine Beschlagnahme kostet also nur“ die Hardware, und das „Ergebnis“ wäre für die Ermittler gleich null. Nicht zu vergessen: Adressen und Termien verwalte ich auf meinem Server mit eGroupware – also über ein WWW-Interface. Wer Fragen und Tipps dazu hat, sollte hier gleich kommentieren.
Keine Paranoia
Das schrieb mir gerade ein Kollege (Auszug): „Ich saß am selben Abend im Freien Neukölln, vorne am großen Fenster zur Pannierstraße. hin, zusammen mit Kollegen. So etwa um 20 Uhr. Wir wunderten uns, warum die ganze Zeit vor dem Fenster ein Staßenkehrer stand – er hatte einen Knopf im Ohr, rauchte eine Zigarette nach der anderen. Er war in voller Montor, mit mobiler Tonne und Besen ausgestattet, aber seltsame Uhrzeit für einen Kehrer und warum hing der die ganze Zeit da rum? Wir witzelten schon, ob der wegen uns hier sein. Irgendwann hielt dann kurz auch eine Limousine neben ihm und er verschwand alsbald – ca. 20.30 Uhr. Kurz vor neun, meinte dann noch mein Kollege, he, ist das nicht Burks, der da gerade die Kneipe verlassen hat? Wie dem auch sei, könnte also sein, dass du an diesem Tag einen Schatten hattest.“
Merke: Wenn du keine Paranoia hast, ist das noch keine Garantie, dass sie nicht hinter dir her sind…
Explosivstoffe: Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht
Ein aufmerksmer und wohlwollender Leser schrieb mir [via PrivacyBox] zum immer noch aktuellen Thema: „Die Kultusminister unseres Landes empfehlen Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht, in denen nicht nur die Wirkungen gefährlicher Stoffe präzise aufgeführt werden, sondern auch noch genau beschrieben wird, welche Mischungen zu Explosivstoffen führen. ( siehe z.B. II 3.15 Seite 59 ff. in der PDF Datei regelwerk.unfallkassen.de/regelwerk/data/regelwerk/s_inform/SI_8070.pdf) Weiterhin kann man aus den Tabellen sehr schön entnehmen welche Menge eines Stoffes man pro m3 benötigt um eine Gesundheitsgefährdung zu erreichen. Hinweise zur Klopf- Wasser oder Luftempfindlichkeit runden das Bild ab“.
Intrepid Ibex und Unterstützung aus der Nachbarschaft
„Unterstützung aus der Nachbarschaft“ hieß die E-Mail, die ich vor ein paar Tagen zum Thema „Hausdurchsuchung“ bekam. Tobias Hensel vom Technische Kundendienst der SRZ Berlin | Firmengruppe besscom hat mir einen Rechner geschenkt, der – abgesehen von der Grafikkarte und der Lautstärke (Rasenmäher) – genau so gut ist wie der, der jetzt beim Landeskriminalamt steht. Noch einmal Dank an K., der mir schon einen Tag nach der Beschlagnahme ein älteres Modell vorbeibrachte und an die Kleinspender, an die ich mich noch einmal persönlich wenden werden, sobald ich alle Zugangsdaten und Accounts geändert habe.
Hal Faber ist auch noch einmal auf die Ereignisse der letzten Tage eingegangen. Ich habe meine Lehren gezogen – ab sofort werde ich nie wieder ein regelmäßiges Backup vergessen, mein Rechner (jetzt mit Ubuntu 8.04 Intrepid Ibex) ist komplett verschlüsselt, dazu benutze ich wie bisher noch zusätzliche Container mit Truecrypt. Es geht alles wieder, auch andere Programme wie Revelation und den Jondos-Client (vgl. Screenshot) habe ich sofort zum Laufen bekommen. Alle neueren Screenshots aus Second Life sind leider weg. Auch muss ich Danger from the Deep neu installieren. Das alles hat mich zwei Tage Arbeit gekostet, und das war das Ärgerliche. Die Solidarität vieler Net-Citizens, Bürgerrechtler und Zensurfeinde hat das aber aufgewogen.
Basic Thinking
„Basic Thinking“ praktiziert Robert Basic aus Usingen: Der Blogger nennt mich „Freak“ (Was war das noch mal gleich? „Ein Freak kann auch eine bestimmte, zumeist unangepasste oder ‚flippige‘ Lebensweise verkörpern.“) und weiß, was der Richter, der die Beschlagnahmung meines Rechners anordnete, fühlte: „Der Richter hat mit Sicherheit nicht aus Spaß gehandelt.“ Super, dass ich das jetzt auch weiß. Interessant ist übrigens die Diskussion auf den Beitrag im Basic Thinking Blog. Einige Herrschaften dort behaupten, ich hätte „Bombenbauanleitungen“ publiziert. Nur am Rande: Mir wird ein Verstoß gegen das Waffengesetz auf einer Website [sic] vorgeworfen, mitnichten aber eine „Bombenbauanleitung.“ Deutsch bleibt eben Deutsch, da helfen keine Pillen.
Logfiles (danke!)

Sorry, schon wieder neuer Schlüssel:
Ich habe mich leider beim Generieren des neuen Schlüssels insoweit vertan, als dass ich das Ablaufdatum falsch gesetzt habe. Hier also der funktionierende neue öffentliche Schlüssel: burks_0EF407565E3013AB.asc – | Fingerprint: 67F1 C108 3BB1 8B12 D24F 9B4F 0EF4 0756 5E30 13AB
Wohnungsdurchsuchung reloaded 3
Allen Freunden und Bekannten, die mir in den letzten Tagen geholfen, die mich unterstützt und sich nach meinem Befinden erkundigt haben, sei hier herzlich gedankt. Besonders gerührt bin ich über einige mir völlig unbekannte Menschen, die mir kleine Geldbeträge gespendet haben. Auch dafür eine besonderes Dankeschön. Auch wenn es zur Zeit so aussieht, als bekäme ich sogar in absehbarer Zeit meinen Rechner wieder: Die völlig überzogene und unverhältnismäßige Aktion des Berliner Amtsgerichts gegen mich hat mir nicht nur wirtschaftlich geschadet, sondern mich auch „genervt“.
Einige Kollegen haben mich gefragt, was mein Motiv sei, „Bombenbauanleitungen“ zu veröffentlichen. Eine wissenschafltiche Abhandlung über die Eigenarten und Herstellung von Sprengstoff ist keine „Bombenbauanleitung“. So einfach ist die Antwort. Man muss sich nur den Wikipedia-Eintrag über Sprengstoffe und die dortigen Links zu einzenen Substanzen ansehen oder auf Prof. Blumes Bildungsserver Chemie den Abschnitt „Über die Leichtigkeit, Spreng- und Kampfstoffe herzustellen„. Von immer noch öffentlich zugänglichen Websites stammen auch meine Quellen. Wenn es verboten wäre, das Wissen, das ein Sprengmeister benötigt, seinen Beruf auszuüben, zu publizieren, lebten wir nicht mehr in einem Rechtsstaat.
Die nächste – typisch deutsche – Frage kommt wie aus der Pistole geschossen: Aber muss man denn alles online stellen, was man weiß? Die Wohnungsdurchsuchung bei mir und die Beschlagnahmung meines Rechners haben mir ein zusätzliches Motiv geliefert. In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht in Artikel 19: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“ „Informationen“ sollen also frei zugänglich sein – dazu gehören auch unstrittig Rezepturen von Explosivstoffen, zumal diese nicht unbedingt automatisch dafür verwendet werden können, Bomben zu bauen. Oder: wer die Wikipedia-Seite über Schwarzpulver verbieten will, wird sicher damit scheitern. Mit Schwarzpulver kann man Bomben bauen, die funktionieren.
Es geht immer darum abzuwägen – das Interesse der Freiheit gegenüber zum Teil berechtigten Partikularinteressen, diese einzuschränken. Ich entscheide mich immer zugunsten der Freiheit der Information und der, sich informieren zu können. Ich wäre erfreut, wenn das auch andere zu tun würden. Leider ist meine Meinung, die ich für selbstverständlich halte, auch unter Kolleginnen und Kollegen nicht allzusehr verbreitet. Hier blogge und schreibe ich. Ich kann nicht anders. Und höhere Wesen sollten sich ganz raushalten.
Polizei beschlagnahmt Computer eines Telepolis-Autors
Heise Newsticker: „Am Dienstag wurden auf Anordnung eines Berliner Amtsrichters die Wohn- und Arbeitsräume des Journalisten und Telepolis-Autors Burkhard Schröder von der Polizei durchsucht und sein Arbeitscomputer beschlagnahmt. Der Durchsuchungsbeschluss stützte sich auf den Verdacht eines Vergehens nach den Paragraphen 40 und 52 des im April 2008 novellierten Waffengesetzes. Paragraph 40 verbietet unter anderem, ‚zur Herstellung‘ von Waffen ‚anzuleiten‘.“ [mehr…]
Wohnungsdurchsuchung reloaded 2

Mittlerweile sind alle Passworte geändert – falls jemand in diesem Moment meinen beschlagnahmten Rechner durchsuchte. Hier mein neuer GnuPG-Schlüssel: www.burks.de/burks0xD3B7E99D.asc.

Ein guter Freund hat gerade einen Rechner vorbeigebracht. Wir installieren den alternate Desktop von Ubuntu (Hardy Heron). Ab sofort ist meine gesamte Festplatte verschlüsselt.

Nur als Hinweis für die heute noch zu erwartenden Heise-Leser: Ich habe auf Anraten meiner Anwältin die strittige Website bzw. das Zitat eines Usenet-Postings aus dem Jahr 1995 (sic) vorerst verschoben, dass das öffentlich nicht zugänglich ist. Die anderen Quellen sind ohnehin nicht von mir, zum Beispiel:
Wikipedia: Sprengstoff
Wikipedia: Explosive material
University of Mississippi: Explosive Materials Disposal
Prof. Blumes Bildungsserver: Über die Leichtigkeit, Spreng- und Kampfstoffe herzustellen
Reference.com: Explosive material
Documentation and Diagrams of the Atomic Bomb
Links zur Pyrotechnik
Nachtrag: Bitte aktualisierte Version zu Kenntnis nehmen!
Wohnungsdurchsuchung reloaded 1
Ich werde vertreten werden durch Natalie von Wistinghausen, Fachanwältin für Strafrecht.
Wohnungsdurchsuchung bei mir heute früh
Heute morgen um 7.30 Uhr stand die Polizei vor der Tür. Meine Wohnung wurde durchsucht und mein Rechner beschlagnahmt. Vorwurf: Verstoß gegen das Waffengesetz.
Ich stehe in dem Verdacht einesVergehens nach §§ 40,52 i.V. m. Anlage 2 Abschn. 1 Nr. 1.3.4 WaffG. Mir wird der Link www.burks.de/forum/phpBB2/viewtopic.php?t=5633 vorgewofen, unter der Überschrift „Rezepturen diverser Explosivstoffe“ eine Anleitung zur Herstellung von Explosivstoffen verbreitet zu haben. Die Durchsuchung sei verhältnismäßig, insbesondere seien mildere Maßnahmen „beim jetzigen Stand der Ermittlungen nicht ersichtlich.“ Unterschrieben von Ebsen, Richter am Amtsgericht Tiergarten.
Es geht also um eine Website. Es soll verhältnismäßig sein, deshalb meinen Rechner mitzunehmen? Die Beamten fragten mich, ob der Rechner mit einem Passwort gesichert sei. Ich habe nichts unterschrieben und nichts gesagt. Heute Nachmittag habe ich einen Termin mit meinem Anwalt. Mal sehen, welcher der Journalisten-Verbände, denen ich angehöre, mir Rechtsschutz gewährt.
Vielleicht ist ja die Polizei nur gekommen, weil es mit einer Online-Durchsuchung nicht geklappt hat. SCNR. By the way: Alle meine öffentlichen Schlüssel sind ab sofort ungültig.
Nachtrag: Ich bin heute ab ca. 20.30 Uhr in Freies Neukölln, um mich mit Kollegen zu treffen. Der Termin stand schon länger fest.
Nachtrag 09.30 Uhr. Ich muss mich erst einmal ein wenig beruhigen und gehe jetzt mit dem Tölchen spazieren. Leider ist mir auch ein Artikel flöten gegangen, den ich heute abgeben wollte und für den ich kein Backup hatte. Aber mit so etwas rechnet man auch nicht
Nachtrag 10.00 Uhr. Einige Kollegen haben mir schon geschrieben. „Darf ich Dich Bomben-Burks nennen?“ mailte einer. Ein anderer fragte, ob die Wohnungsdurchsuchung vielleicht in Zusammenhang mit diesem Fall stünde. Ich weiß es nicht. Aber eines ist gewiss: Ich werde nicht kuschen, wenn mich das nur einschüchtern sollte.
Waidmannsheil
Morgen fahren wir zu einer Treibjagd ins Brandenburgische. Ich bin nur Treiber und werde eine knallrote Schutzweste tragen. Wenn ich morgen nicht blogge, hat das nichts geholfen und ich bin versehentlich erschossen worden.



























