Vorrede zu den Gems

Jerusalem

Am 07.09.25 schrieb ich: „Ich lasse mich übrigens im Oktober von Noam Chen in Jerusalem herumführen (…) Wir werden auch gemeinsam nach Me’a Sche’arim gehen.“

Das geschah heute. Die Tour heisst Hidden Gems, also die verborgenen Schätze von Jerusalem – Orte, die normalerweise kein Tourist besucht (weil er sie gar nicht findet). Was genau, entscheidet der Kunde. Ich hatte von Noam eine Liste bekommen und suchte mir einige aus. Die Führung ist nicht billig, aber es ist es wert. Sie dauerte vier Stunden.

Ich war aber heute insgesamt zehn Stunden auf den Beinen und habe soviel gesehen und erlebt, dass ich ich nicht weiß, wie weit ich heute komme. Zwischendurch musste ich auch noch nach Tel Aviv und zurück.

Warum der Supermarkt? Ich hatte auf Reisen immer das Gefühl, ich sei erst dann richtig „angekommen“, wenn ich etwas in einem normalen Supermarkt eingekauft habe – wie heute Shampoo.

Jerusalem

Jerusalem ist immer noch proppevoll, weil Sukkot gefeiert wird. Zwischendurch, als wir gerade losmarschierten, wurde die Altstadt sogar wegen Überfüllung geschlossen – aber mein Guide (um das Wort Führer zu vermeiden) kannte natürlich einen „Nebeneingang“, und der Polizist, der ihn bewachte, wurde überredet, uns vorbeizulassen.

Jerusalem

Ich hatte mich eine Stunde vorher schon an das Jaffa-Tor gesetzt, um die Leute zu beobachten. Die Kombination aus Knarre, Bekishe und Shtreimel ist schon schrill, obwohl die selten vorkommt. Recht oft aber der klassische orthodoxe Hut mit weißem Hemd und Karabiner oder Pistole. Mir wurde gesagt, das sei erst seit dem Terroranschlag der Hamas vor zwei Jahren so.

Jerusalem
Jerusalem

Die Stimmung, das fühlt man, ist irgendwie erleichtert, aber noch angespannt, als erwarte man ein großes Ereignis. Man sagt, morgen sei jeder, der Beine hat, in Tel Aviv auf der Straße. Und Trump soll eine Rede vor der Knesset halten. Es wäre kein Durchkommen, und man sollte besser nicht dahin fahren.

Tel aviv
Tel aviv

Ich bin also nach der Führung noch schnell in den Zug nach Tel Aviv gesprungen und habe aus dem Hotel die Sache geholt, die ich vergessen hatte, und bin jede Menge Lokalbusse gefahren. Das Viertel Shapira nördlich und südlich der Levinski – „home to a large community of migrants and foreign workers“ – sieht gefährlich aus, ist es aber wohl nicht.

Tel aviv

Ich bin da durchgelaufen, aber es ist nicht anders als rund um den LaGuardia Interchange. In Lateinamerika würde ich bei solchen Gegenden on alert sein. In Israel ist das nicht nötig.

Tel aviv

Ich habe für die Strecke Jerusalem – Hotel am Strand von Tel Aviv – und zurück nur gut drei Stunden gebraucht.

Jerusalem

Als ich wieder am Hauptbahnhof Yits’hak Navon ankam, war es schon dunkel und alles so voll, dass man kaum die Rolltreppen hochkam. Das ist wirklich ein fröhliches Feiervölkchen hier. Die Leute haben gesungen, und als eine der vier Rolltreppen ausfiel, gab es ein großes Hallo und man feuerte die, die jetzt hochsteigen mussten, an.

Jerusalem

Die Straßenbahn war so überfüllt, dass noch nicht einmal ein Kind mehr hineingepasst hätte. Ich musste eine fahren lassen, weil es aussichtslos gewesen wäre, sich da noch zwischenzuquetschen. Aber die Tram auf der Jaffa Road kommt fast im Fünf-Minuten-Takt.

Auch alle Cafés und Restaurants waren überfüllt, zusätzlich noch die stilisierten „Laubhütten“, die man überall aufgebaut hatte. Die Tram hupte und bimmelte vor sich hin, und die Polizei fuhr auf und ab, um die Fahrbahn zu sichern.

Jerusalem

Ich habe bei Alma noch eine gewohnt superleckere Suppe gegessen und mich mit einem älteren Ehepaar unterhalten. Sie wunderten sich, dass ich vor zwei Jahren nicht wie alle anderen abgereist bin. Ich meinte, die Israelis hätten doch auch nicht flüchten können vor dem Krieg. Die Antwort war: „But we are used to it.“ Das ist eine Antwort, die man so wohl nur in Israel bekommt.

Was irgendwann noch kommt: Etzel-Museum Tel Aviv, Israel Museum Jerusalem usw.

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