Unter Indianern
Ich habe noch einen Brief gefunden, den ich vergessen hatte. Er gehört zeitlich hinter den Brief vom 25.09.1981. Über die Tarahumara, auch bekannt als Raramuri, hatte ich hier schon öfter geschrieben.

Tarahumara – Foto: L. Verplancken S., Creel. Chihuahua, Mexico
Creel, 2.10.
Liebe Eltern!
Ich schreibe jetzt noch mal, weil wir morgen für 2 Wochen in ein kleines Dorf fahren, wo es keine Post, sondern nur einen Postesel gibt, wie man sagt. Wer weiß, wie oft der kommt. Dort wohnen die Tarahumara-Indianter (s. Foto), mehr noch als hier.
Wenn das Wetter einigermaßen ist, werden wir auch endlich zu unserem einwöchigen Ritt kommen. Hier in Creel sind wir eine Woche steckengeblieben, weil es weder Bus noch Auto gab, die uns die nächsten 80 km hätten mitnehmen können. Bei den Straßenverhältnissen dauert es ca. 8 Std..

Tarahumara in Creel, fotografiert im Oktober 1981
Hier ist es sehr ruhig, so richtig zum, Ausspannen, 2 Straßen, ein paar Häuser, eine Eisenbahnstation (1x am Tag ein Zug), sehr viel Staub, Pferde, ein paar urtümliche LKWs, die nur den Weg von einem Ortsende zum anderen schaffen, Männer mit hohen Cowboyhüten – nach dem Motto: je kleiner der Mann, desto größer der Hut, ein paar Indianer, die aus dem Gebirge kommen, um Sachen zu verkaufen. Es gibt ca. 50000 von ihnen hier, aber über ein gebiet verstreut, das 10000 Quadratkilometer groß ist.
Im Ort 3 Hotels. fast alle leer – eigentlich sind es nur Schlafmöglichkeiten, allerdings kommen manchmal reiche Amerikaner in das eine, sie bezahlen auch entsprechend. Sonst ist hier nicht slos.
Das nächste Mal aus Mexiko City!
Gruß Burkhard

Das Hotel Korachi scheint es noch zu geben.
Kommentare
2 Kommentare zu “Unter Indianern”
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einige ehemals abgelegenen Regionen sind ja mittlerweile vom Massentourismus überlaufen und überflutet.
Machu Picchu hattest du bereits selber erwähnt.
Papua Neuguinea wäre ggf. eine Region in der man via Langzeitstudie die Überformung durch den Kapitalismus beobachten und erforschen könnte…
aber ja – sei froh, dass du das damals gemacht hast.
Da sind Eindrücke und Erfahrungen, die heute kaum noch jemand überhaupt machen kann.
eine weitreichende Erschließung der Aufzeichnungen der ersten Spanier in Südamerika wäre mal interessant.