Taktischer Ratschlag, nicht nur an Trump
Man kann darauf warten, dass bald diejenigen aus ihren Löchern gekrochen kommen, die schon immer für Trump waren, das aber bis kurz vor den Wahlen noch nicht wussten.
Interessant finde ich übrigens das Zitat: „Nicht das woke Hollywood hat diese Wahl entschieden, sondern die arbeitende amerikanische Bevölkerung.“
Oha?! Die AfD ist also die Partei der arbeitenden Bevölkerung und setzt sich für deren Interessen ein? (Natürlich traut sich Alice Weidel nicht zu sagen: „Wir sind die Partei der Arbeiter des Proletariats“ – das wäre ja Kommunismus.) Man muss schon intensiv recherchieren, um herauszufinden, was da nicht stimmt. Oft findet man nur wolkiges Gefasel, das mit Neusprech gefühltslinkssektiererischen und sinnfreien Textbausteinen gespickt ist („gut aufgestellter Sozialstaat“, „gute Arbeit“, „Geflüchtete und Schutzbedürftige“).
Wie ich schon in anderer Form mehrfach schrieb: Wer in den USA – und nicht nur dort – politisch Erfolg haben will, darf nicht mehr – wie weiland (Wolf Schneider: „weiland“ benutzen Journalisten, die damit ihre Qualitifkation für’s Feuilleton beweisen wollen) um Margret Thatcher – die Arbeiterklasse direkt angreifen. Man kann es auch nicht mehr so offensichtlich machen wie Otto von Bismarck, der die SPD verbot und gleichtzeitig die Sozialgesetzgebung einführte, um das Volk zu besänftigen (das hat bekanntlich auch nicht funktioniert).
Wenn man dem Ausschuss vorsitzt, der die gemeinsamen (!) Geschäfte der Bourgeoisie organisiert, muss man seine wahren Interessen verbergen. Man kann sich an historischen Vorbildern orientieren:
Nachdem die Arbeit Reupkes veröffentlicht wurde, brachen innerhalb der NSDAP-Führung heftige Kämpfe um den offiziellen programmatischen Kurs der Partei aus. Denn die Propaganda der Nazi-Partei, die sie gegenüber der Bevölkerung Deutschlands entfaltete, stand in krassem Widerspruch zu den Offerten, die einige Elemente aus der Parteiiführung und ihrem Umfeld — zu dem auch Reupke gehörte – den Kreisen der deutschen Großindustrie machten. Da die Wirkung der NSDAP auf ihre Wählermassen vorrangig auf ihrer „sozialistischen“ Propaganda beruhte, konnte die NSDAP unmöglich mit einem Wirtschaftsprogramm vor die Masse ihrer Anhänger und Wähler treten, in welchem politische Ziele formuliert wurden wie sie Reupke in seinem Buch den Großindustriellen unterbreitete. Ein taktischer Ratschlag über ein anderes Vorgehen gegenüber den Wählern wurde der NSDAP daher vom ehemaligen Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht sogar persönlich unterbreitet. Schacht erklärte Hitler in einem Schreiben vom August 1932, dass «er möglichst kein detailliertes Wirtschaftsprogramm bringen solle, da 14 Millionen Wähler sich nie über ein solches einigen könnten. Gegenüber der Wählermasse trat die NSDAP daher mit einer anderen Ideologie auf. (Schönbach, S. 163)
Schön, dass wir darüber geredet haben.
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Kommentare
6 Kommentare zu “Taktischer Ratschlag, nicht nur an Trump”
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Politik ist eben ein sexloser, durch faktisch verknotetes Gerödel ausgelöster Orgasmus, der außer Kontrolle geraten ist. Die anal ysierenden VoyeurInnen, die um dieses mit Kameras und Mikrofonen begleitete Setting herumstehen, sind dermaßen genervt (weil sie draußen sind und die Hauptarbeit machen müssen), dass sie auf den Tag warten, an dem AI all das übernimmt – aber wer will da dann noch dabei sein (falls man das als konsumorientierter neoliberaler Narzist JEVERmochte)…hx.
Remember remember the 5th of November
Der tagesaktuelle Brennpunkt wurde mit den Worten eingeleitet, heute Morgen seien viele Toitsche überrascht gewesen.
Wer Burks liest, war es nicht.
Wenngleich ich ein wenig überrascht war, ob des deutlichen Vorsprungs…
(und natürlich war ich ein wenig enttäuscht – ich hätte gern erfahren, was passiert wäre, wenn der Ergebnis knapp pro Harris ausgefallen wäre)
Marx hatte Louis Bonaparte, der sich scheinbar als Vertreter der Bauern aufspielte…
Apropos aufspielen:
Burks – nun MUSST du erst recht zum 10. November Bundeskanzler Olaf Scholz und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder beim DJV die Fragen stellen, die gestellt werden müssen.
PS
ein kleiner Hinweis:
ist kein Gefasel, sondern eine Art Konzept
Frage:
Gibt es Hinweise darauf, dass die Nadsis tatsächlich mit sozialistischen Parolen punkten konnten?
afaik beschränkte sich der „Sozialismus“ hier auf unklare Formulierungen wie „Brechung der Zinsknechtschaft“
Zumal die Nadsis wohl vor allem im protestantischen Kleinbürgertum punkten konnten.
Aber imho wird der Aufstieg der Nadsis größtenteils mit Plattitüden „erklärt“…
@Godwin: ja, die KPD war zum Schluss mehr eine Arbeitslosenpartei, die besser gestellten Arbeiter wählten SPD, und die Kleinbürger aus dem protestantischen Milieu mehrheitlich NSDAP.
https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_M%C3%A4rz_1933
„Daneben setzte bereits die staatliche Verfolgung ein, und die Strukturen der KPD wurden praktisch zerschlagen. Bei der Wahl selbst konnte die NSDAP zwar stark zulegen, erhielt aber nicht die erhoffte absolute Mehrheit. Zusammen mit der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot, einem von der DNVP dominierten Wahlbündnis, hatte die Regierung nach der Wahl eine parlamentarische Mehrheit und konnte darauf gestützt den Weg in die Diktatur ebnen.“
Bei der letzten Reichstagswahl unter regulären Bedingungen hatte die KPD rund 17 Prozent, zusammen mit der SPD hätte sie mehr als die NSDAP gehabt und die Machtübernahme vermutlich verhindern können. Aber da gab es ja Stalin und Thälmann…
https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahlen_in_Deutschland#Ergebnisse_1919_bis_1933
Otto von Bismarck, der die SPD verbot und gleichtzeitig die Sozialgesetzgebung einführte, um das Volk zu besänftigen
Thats bürgerlicher bullshit.
Der Sozialstaat wurde eingeführt weder aus noblen Gefühlen noch aus Furcht daß die Arbeiter sonst rebellisch würden.
Sondern allein aus der Einsicht daß dieser Staat nicht vorankäme wenn das Kapital den Ruin der Arbeiter beendete und deren Lage wenigstens aushaltbar machte.
Also aus Berechnung.
Der Hitler hat mitten im Krieg den Sold erhöht weil er einen Dolchstoß vermeiden wollte.
Götz Aly
Leider findet eine politische Auseinandersetzung mit der AfD ohne Schaum vorm Mund kaum statt. Das Interview hier finde ich deutlich ansprechender als die meisten Auseinandersetzungen die ich in den Veröffentlichungen der großen Medienhäuser wahrnehme. https://youtu.be/jJRWFI_Ivds?feature=shared ab etwa Minute 12. Danke für den Hinweis auf Schönbach.
Interessant finde ich immer wieder, wie genau bei manchen Parteien, die noch nie irgendwo regiert haben, auf jedes Wort im Programm geachtet wird. Wenn’s um Arbeiter geht, sollte man sowas mal bei der SPD machen und dann kann man dies mit der Realität vergleichen. Nach meinem Gefühl hat die sogenannte Sozialdemokratische Partei eine ganze Menge Arbeiter- bzw. Gewerkschaftsrechte geschliffen und seit Schröder einen sehr konsequenten Sozialabbau betrieben. Anfegangen von Rentekürzungen, über H4 und dem ausbluten der Gesundheitsversorgung, durch z.b. Fallpauschalen und in dem verhindert wird, das die Beiträge (für Arbeiter und Arbeitgeber) steigen.
Ich wähl deshalb nicht eine Partei mit einer Vorsitzenden aus dem Goldman Sachs Umfeld, aber die SPD sorgt sowieso dafür das auch so Goldmann Sachs Finanzminster wird. Daher kann es mit der afd nicht schlimmer werden.