Wir waren jung und wild und brauchten das Geld
„Dieses beispielhaft moderne, zivile, selbstreflexive, kreative, ökonomisch besonnene, durch und durch demokratische, in Berlin sogar wilde und junge Land ist die derzeit einzig denkbare Führungsmacht Europas“- (Angelo Bolaffi in der „Süddeutschen“ über deutsches Führen und Herrschen.)
Wer lügt? Oder: Es ist ein wenig scheinheilig.
Aus dem Interview mit Otto Schily im Spiegel:
Haben Sie in Ihrer Amtszeit jemals von Abhörprogrammen wie „Tempora“, „Prism“ oder „XKeyscore“ gehört?
Schily: Nein.
Aus dem Interview mit Obama-Berater John Podesta im Spiegel:
Podesta: Na ja, die Europäer agieren schon etwas heuchlerisch. Die meisten Regierungen dort wissen ja tatsächlich seit langem, was wir Amerikaner tun. Und sie haben davon zumeist kooperiert und davon profitiert. Ich verstehe, warum europäische Politiker non öffentlich gegen Prism und andere Programme protestieren müssen – aber es ist ein wenig scheinheilig.
Forensic Analysis of the Tor Browser Bundle [Update]
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Die in London lebende Norwegerin Runa A. Sandvik, die auch gern in Dubai Ski fährt, erklärt (in US-amerikanischem Englisch), wie Tor funktioniert. [Vortrag 2012: „Snakes and onions – Python developers and Tor“]
Runa A. Sandvik: „Forensic Analysis of the Tor Browser Bundle on OS X, Linux, and Windows“ (Tor Tech Report 2013-06-001, June 28, 2013).
Der Report ist insoweit auch interessant, als er untersucht, welche – temporären – Spuren der Tor Browser Bundle auf den drei großen Betriebssystemen hinterlässt. Dabei sind auch Bugs aufgefallen.
The Tor Browser Bundle aims to ensure that no traces are left on the user’s system. However, a number of the traces listed in this report are related to default operating system settings, some of which the bundle might not be able to remove. We therefore propose the creation of a document which lists steps our users can take to mitigate these traces on the different operating systems.
So eine Frau wie Runa würde ich vom Fleck weg heiraten. Har har. Falls jemand sich hier heimlich fragt, welche Frauen Burks wohl gut findet.
Und jetzt zu etwas ganz anderem, einem Zitat aus einer Tor-Mailingliste von Robert J.Hansen: „The overwhelming majority of technology journalism is somewhere between wildly uninformed and complete bollocks. (…) Beware of all experts.“
Der Ausgang der kommenden Bundestagswahl
„Es wird so kommen, dass alles bleibt, wie es ist“. (Meine Mutter, 87, über den Ausgang der kommenden Bundestagswahl)
Alles geheim
„Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, wo über die geheime Ausspähung meiner geheimen Daten darüber geheim im Parlament beraten wird.“ (@noXforU)
Der Führer, ganz oben
Deutsche Leitkultur bei Spiegel online: „Wir brauchen Führung von ganz oben.“
Ich gehe mal eben ganz unten kotzen.
Die Privatsphäre im Verwertungsprozeß des Kapitals
„Der Idee zufolge, die die bürgerliche Gesellschaft von sich hat, kann das System der freien Konkurrenz sich selbst regulieren; ja, nur unter der Voraussetzung, dass keine ausserökonomische Instanz in den Tauschverkehr eingreift, verspricht es, im Sinne der Wohlfahrt aller und der Gerechtigkeit nach dem Maßstab individueller Leistungsfähigkeit zu funktionieren. (…)
Staatliche Eingriffe ohne Ermächtigung durch ein Gesetz sind, ihrem soziologischen Sinne nach, nicht primär darum verwerflich, weil sie naturrechtlich statuierte Prinzipien der Gerechtigkeit verletzten, sondern einfach, weil sie unvorhersehbar wären und darum genau die Art und das Maß an Rationalität versagten, das im Interesse der kapitalistisch fungierenden Privatleute liegt.“ (Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit, Neuwied und Berlin 1962)
Sehr aktuell, der Mann. Das Wort „privat“ gibt es im Deutschen erst seit dem 16. Jahrhundert. Man sollte sich mal Gedanken darüber machen, wie unsere Idee der „Privatsphäre“ mit der kapitalistischen Ökonomie zusammenhängt und den mehr oder minder religiösen Ideen, die darüber im Umlauf sind.
„Private Autonomie, die ihren ökonomischen Ursprung verleugnet (…) spielt ihre genau umschriebene Rolle im Verwertungsprozeß des Kapitals. sie garantiert als ein genealogischer Zusammenhang die personelle Kontinuität, die sachlich in der Akkumulation des Kapital besteht und im Recht auf freie Vererbung des Eigentums verankert ist. Vor allem dient sie, als eine Agentur der Gesellschaft, die Aufgabe jener schwierigen Vermittlung, die beim Schein der Freiheit die strenge Einhaltung der gesellschaftlich notwenigen Forderungen dennoch herstellt.“ (ebd.)
Deutsche Frauen, deutsche Treue, Deutscher Boden und deutsche Daten
Wichtige Meldung: „Auf deutschem Boden gilt deutsches Recht.“ (Angela Merkel, Kanzlerin im deutschen Internet)
Weitere Meldungen: „Auf Internet-Festplatten gilt US-amerikanisches Recht.“ – „Auf Hochseetelefonkabeln gilt das Seerechtsübereinkommens von 1982.“ – „Deutsche Gehirne sind ein rechtsfreier Raum. Nähere regelt in Bundesgesetz.“ – „Für unverschlüsselte E-Mails gelten die Abfallsatzung und die Abfallgebührensatzung.“
Welche Liebe am Schönsten ist
„Fantasy love is much better than reality love. Never doing it is very exciting. The most exciting attractions are between two opposites that never meet.“ (Andy Warhol)
Wir haben es versucht
„Ob die Regierung wirklich geglaubt hätte, diese gewaltige Sammlung von Telefondaten vor dem amerikanischen Volk geheim halten zu können, wollte der Ausschussvorsitzende Bob Goodlatte von Litt wissen. Daraufhin erklärte der Jurist: „Nun, wir haben es versucht.“ (Quelle: Spiegel online)
Was versuchen eigentliche unsere Geheimdienste?
Willkommen im Polizeistaat
„Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern, seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen.“ (Ernst Benda, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts in der „Tagesschau“ 05.07.2007)
Religious websites contain more malware than porn sites
Sorry, diese Meldung von Symantec (via The Raw Story) ist schon mehr als ein Jahr alt, aber zu schön, als dass sie den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern vorenthalten werden sollte.
Also, liebe Kinder: geht nicht auf Websites, die propagieren, man solle höhere Wesen verehren oder die anderen Formen des Aberglaubens huldigen – etwa Esoterik. Das hemmt eure geistige und psychische Entwicklung ist gefährlich!
Sicher ist sicher [Update]

„Nur analoge Kommunikation kann halbwegs gesichert werden.“ (Stefan Plöchinger, Chefredakteur Sueddeutsche.de)
[Update] Das sagt auch der Russische Geheimdienst. Dann muss es ja stimmen.
Unter Rechtsextremismus-Experten
Die Tagesschau (via Feynsinn) interviewt einen Jugendschutzwart „Experten“ von jugendschutz.net:
Kai Brinckmeier: Eigentlich dürfte der Rechtsextremismus gar nicht so existieren, wie er existiert. Er tut es aber. Meine These ist, dass es am Internet liegt.
Der Wind des Wandels
Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. (Chinesisches Sprichwort)
Was wirklich absurd ist
„Ist es nicht absurd, dass jemand, der die Angriffe auf die Demokratie publik macht, sich von Nicht-Demokraten helfen lassen muss, weil die Demokraten alle vor der ‚Weltpolizei‘ kuschen?“ (Quelle)
Überhaupt nicht peinlich
Johannes Kuhn auf sueddeutsche.de: „Sollten die vier EU-Staaten tatsächlich einem Staatsoberhaupt den Flugweg versperrt haben, um einen von den USA gesuchten Whistleblower nicht entkommen zu lassen, könnte man für den Vorgang nur drei Worte finden: taktlos, undiplomatisch, peinlich.“
Um „Takt“ geht es beim Gesellschaftstanz. „Undiplomatisch“ war so gewollt, als Warnung für die, die Snowden eventuell Asyl gewähren wollen. „Peinlich“ ist denen überhaupt nichts.
How can we invest our trust in a government that spies on us?
„How can we invest our trust in a government that spies on us?“, fragt George Monbiot vom Guardian. Die Antwort, warum die Deutschen ihre Regierung lieben, findet man hier.
Kapitalismus – die Neurose der Menschheit
„Eine der größten Errungenschaften des Kapitalismus ist gerade, dass sich selbst der proletarische Sklave wie ein Meister fühlt. Dass selbst er glaubt, er habe die Wahl, sein Leben zu ändern. (…) Kapitalismus ist die Neurose der Menschheit.“ (Renate Saleci, Philosophin, für das deutsche Wikipedia zu irrelevant)
Spiegel online entblödet sich nicht, den Kapitalismus zu einer anthropologischen Konstante zu erklären: „Am Ende reflektiert Kapitalismus doch nur die menschliche Natur.“ Hätten Sie’s gewusst? Die Sklavenhaltergesellschaft oder das Lehnswesen sind wider die menschliche Natur, nur der Kapitalismus bringt uns Glück, Wohlstand und Freiheit für alle und erfüllt die Vorgaben der Evolution.
Merke: Nur Philosopen, schräge Vögel oder andere Spinner dürfen in Mainstream-Medien das Wort „Kapitalismus“ sagen. „Volkswirtschaftler“ aka Angehörige der Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM) jedoch nicht. Deren religiöse Weltanschauung zwingt sie, affirmativ „freie soziale Marktwirtschaft“ zu stammeln.
Durchschnittliche Wähler
„The best argument against democracy is a five-minute conversation with the average voter.“ (Winston Churchill)


















