Zigeunerschnitzel: Die Sprachpolizei ermittelt
Die Sprachpolizei meldet einen mentalen Massenunfall: „Im Tumult wurden sogar unbeteiligte Begriffe an den Haaren herbeigezogen und in das Unglück verwickelt. So überschlug sich regelrecht die Befürchtung, bald dürfe man wohl nicht einmal mehr „Jägerschnitzel“, „Hamburger“, „Berliner“ oder „Wiener Würstchen“ sagen, wenn bald auch Jäger, Hamburger, Berliner oder Wiener über Diskriminierung klagten. Die Sprachpolizei ermittelte daraufhin wegen Verstößen gegen die Gesetze zur Verwendung schlüssiger Vergleiche und zur richtigen Wahrnehmung von Fakten. Im Laufe des Nachmittags und des frühen Abends konnten mehrere Nutzer wegen gelebter Dummheit in Grammatikgewahrsam genommen werden. In der Folge kam es zu Wortgefechten, bei denen bedauerlicherweise ein Teil der Häftlinge exekutiert werden mußte.“
World Porn League Table

„Germany has very strict and particular rules about hard core porn web sites hosted on their turf. They require the publishers to have age verification mechanisms in place. I’m guessing that more than anything discourages a lot of rough trade.“
No sex porn please, we are Amoeboid Zingatularians german.
(Via ibtimes.co.uk via blog.metacert.com via Pornoanwalt)
Pornos aus Übersee (nach Baden-Württemberg und auch anderswohin)

Screenshot: Pornos, vermutlich aus Übersee (Abbildung ähnlich)
„So könnten bislang pornografische Inhalte aus Übersee ohne Probleme an den internetfähigen Fernsehern abgerufen werden,“ sagt Thomas Langheinrich, der Chef der baden-württembergischen Landesanstalt [sic] für Kommunikation (LfK).
Oha. Immer wenn ein deutscher Internet-Aufseher, Jugend“schützer“ oder ein sonstiger Blockwart 2.0 etwas sagt, weiß man schon von vorneherein, dass man sich besser a priori mit Grausen abgewendet hätte. (Die kriegen bei der Anstalt auf ihrer Website noch nicht einmal ein Layout hin; vermutlich kopieren sie alles mit Word da rein, und um den Rest kümmert sich die outgesourcte EDV-Abteilung im Keller Agentur, deren Webdesigner gerade im Urlaub sind.)
Das Wort „Übersee“ ließ mich stutzen. Es klingt so gemütlich. Ein fernes Echo hallt herüber aus den fünfziger Jahren, als Leute von der anderen Seite des Sees Meeres sich selten in Europa blicken ließen.
Wikipedia definiert – und ich passe das unserem Thema an: „Pornografie, die im weiteren Sinne von den durch Ozeane getrennte Kontinenten und Gebieten der Erde stammt, die von einer bestimmten geografischen Region über den Landweg nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten erreichbar sind, im europäischen Kontext also auch Australien und Ozeanien sowie große Teile Asiens, Afrika und die Antarktis.“
Das hört sich schon ziemlich gefährlich an, und diese überseeischen Inhalte hindern die teutsche Jugend auch daran, sich sittlich und normengemäß zu entwickeln. (Frage an die pornokompetenten Leserinnen und sittlich-moralisch gefestigten Leser: Können Fernseher eigentlich deutsche Pornos anzeigen?)
Ich wüsste schon eine urdeutsche Lösung: Das Internetz darf im deutschen Fernsehen erst am 22 Uhr empfangen werden, und alle nackten Geschlechtsteile müssen mit einem Foto des Bundesinnenministers eines Internetwarts einer Anstalt überblendet werden.
Nachrichten aus dem Hinterhof der USA: Soldaten als Auftragsmörder
Diese Nachrichten werden wohl kaum in den deutschen Mainstream-Medien vorkommen, sind aber dennoch – oder gerade deswegen – interessant:
Klassenkampf (der Begriff ist in deutschen Zeitungen untersagt) in Venezuela: Die Regierung will einen Manager einsetzen und die Belegschaft wehrt sich dagegen.
Diana ist ein Unternehmen mit jahrzehntelanger Geschichte und wurde im Jahr 2008 von der Bolivarischen Regierung übernommen. Seitdem wurde der Betrieb unter Kontrolle eines Rats der Arbeiter und Arbeiterinnen geführt. Die Belegschaft unterhält ein eigenes Radioprogramm und eine Arbeiteruniversität. Der Betrieb gilt als gelungenes Beispiel für eine von der Belegschaft übernommene Leitung.
Das ist natürlich ein Grund dafür, dass dieses Unternehmen nicht in deutschen Wirtschaftsnachrichten erwähnt werden darf. Die Glaubensgemeinschaft Freie Marktwirtschaft(TM) würde das missbilligen.
Da wir beim Thema Religion sind: Manchmal machen Pfaffen erstaunlicherweise auch etwas Gutes, zum Beispiel die „Pastors for Peace“ aus den USA. Das ist natürlich auch eine Ausnahme, weil dort alles religiös ist. Vermutlich könnte man in den USA sogar mit einer linksradikalen Organisation Erfolg haben, wenn sie als Kirche organisiert wäre.
Portal america21.de berichtet: „US-Aktivisten brechen Kuba-Blockade Washingtons“. „Die US-Bürger unter ihnen reisten ohne die eigentlich erforderlichen Genehmigungen ihrer Behörden“.
Aha. Und ich dachte immer, im Kapitalismus in Ländern, in denen der freie Markt bekanntlich alle Menschen glücklich und reicht macht, herrschte Reisefreiheit und Verbote, irgendwo hinzureisen, gäbe es nur in Unrechtsregimes wie damals in der DDR?
Spannend finde ich die Rolle Chinas in Lateinamerika: „Auch andere Staaten wie Chile, Panama und Peru erleben eine wirtschaftliche Verlangsamung. Eine der Hauptursachen für das verringerte Wachstum sei die hohe Abhängigkeit von Rohstoffexporten in die EU und in die Volksrepublik China.“
„Wirtschaftliche Verlangsamung“ – das ist natürlich nicht nur Deutsch des Grauens, sondern auch ein pseudereligiöses Mem unserer „Volks“wirtschaftler, die meinen, es müsse bis zur Apokalypse zum Ende aller Tage immer mehr und mehr und mehr produziert werden. Was bedeutete das Gegenteil? „Wirtschaftliche Beschleunigung“? In Deutschland würden die Medien, die vorgeben, Ökonomie erklären zu wollen, vermutlich schreiben: „Die Konjunktur belebt sich“ oder „die Gottheit Märkte sind in guter Stimmung„. (O je, ich wollte nur scherzen und übertreiben, aber die schreiben das wirklich so!)
Im obigen Artikel heisst es: „Schätzungen gingen zuletzt davon aus, dass China die USA als den wichtigsten Handelspartner des lateinamerikanischen und karibischen Raumes bereits 2015 ablösen könnte.“ Das wäre natürlich für Lateinamerika eine Revolution. China wird aber an den den Problemen nicht viel ändern, abgesehen davon, dass die Staaten mit einer Regierung, die die USA nicht wollen oder in die die USA früher ziemlich schnell einmarschiert wären, nicht länger erpressbar sind. (Zitat aus dem Film „Avatar“: „Venezuela – that was a mean bush“.) Venezuela etwa lebt von der Substanz aka Öl, und auch die linke Regierung macht nicht viel mehr als die Einnahmen zu verteilen – nur bekommen mehr Leute davon etwas ab, nicht nur die nationale kapitalistische Oligarchie.
Hübsch ist auch diese Meldung:
Wie aus einem vertraulichen Bericht des FBI vom April diesen Jahres hervorgeht, kommt es immer häufiger zu gezielten Anwerbungen US-amerikanischer Soldaten durch mexikanische Drogenkartelle. Für eine Bezahlung von mehreren Tausend Dollar führten die professionell geschulten Soldaten Auftragsmorde durch oder trainierten die Mitglieder der Organisationen, so Sicherheitsexperten laut Fox News.
Natürlich geben russische Medien diese Nachrichten genüsslich wieder; aber sogar in britischen Medien wird berichtet, inklusive der Steckbriefe: „Mexican drug cartels are using U.S. military personnel as guns-for-hire“.
Gute Nachricht aus Bolivien: „Bolivien für Koka-Anbau zu medizinischen Zwecken“. Präsident Morales hat bereits mehrmals vor den Vereinten Nationen die Legalisierung der Koka-Pflanze gefordert und deren Kriminalisierung als „historischen Fehler“ bezeichnet.
Man müsste sich mal vorstellen, ein deutscher Politiker forderte, „Drogen“ müssten zu medizinischen Zwecken angebaut werden – und nicht nur das harmlose Hanf. Wer das forderte, würde gesellschaftlich geächtet und würde zu Mainstream-Talkshows, die „Politik“ in Deutschland weitgehend ersetzen, nicht mehr eingeladen.
Ich denke manchmal ernsthaft darüber nach, im Alter, falls es mir noch gelänge, eine Art Bestseller zu schreiben, nach Lateinamerika auszuwanden. Aber der politische Wind dort kann sich auch sehr schnell wieder drehen.
Winkeladvokaten
Gute Nachrichten vom Bundesverfassungsgericht: „Die Bezeichnung einer Rechtsanwaltskanzlei als ‚Winkeladvokatur‘ kann von der Meinungsfreiheit gedeckt sein“.
Freie Marktwirtschaft – Reichtum und Glück für alle!

Keine Konsequenzen – wetten dass?
Livestream zur Freilassung Mollaths. Mit Mollath ist es wie mit dem Verfassungsschutz: Justiz GeheimdienstSkandale ziehen keine Konsequenzen nach sich. Interessant der Satz: „Es gibt eine Inflation psychischer Krankheiten“.
Die Schönheit der Moderne
Berlin-Rudow (Gropiusstadt), Efeuweg.
Sächsischer Genitiv jetzt auch in Englisch!

Ein weites Feld
Der Kommunismus ist an allem schuld
„Die Kommunisten hätten Gleichberechtigung glorifiziert und ein Stück weit das Selbstbewusstsein der Männer zerstört, schreibt der Mongolei-Experte Carl Robinson.“
Wie blöd muss man eigentlich sein, um so einen Unsinn zu verzapfen? Und wo war in der Sowjetunion „Kommunismus“? fragt der Kommunismus- und Feminismus-Experte Burks.
Strahlender Ozean, reloaded
N-TV: „Der Anstieg radioaktiv verstrahlten Grundwassers im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima nimmt nach einem Zeitungsbericht immer dramatischere Formen an. Das Wasser könne innerhalb der nächsten drei Wochen an die Oberfläche treten, meldet die Zeitung ‚Asahi‚ [die heisst Asahi Shimbun! Das kommt davon, wenn man keine Links setzt!] und beruft sich auf Ergebnisse eines Krisentreffens vom Vortag.“
Mir fehlt da irgendwie ein Satz: „Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung“. Sollten die den versehentlich vergessen haben?
The beautiful ballerina girlfriend Lindsay Mills

Komisch, dass die Boulevardpresse jetzt gar nichts mehr über Edward Snowdens Freundin schreibt. Mail online und der schweizer Blick hatten das Thema genüsslich durchgehechelt. Auch von Medien auf Hawaii wurde die äußerst ansehnliche Dame als Lindsay Mill von der Waikiki Acrobatic Troupe geoutet.
L’s Journey, das Blog der Tänzerin, ist mittlerweile nur noch über archive.org erreichbar. So eine Frau würde ich nicht sitzenlassen, es sei denn, sie wäre eine Oberzicke. Vielleicht hat sie ja doch schon ein Ticket nach Moskau in der Tasche.
Prism funktioniert nicht mehr

Eingesandt von Leser B. – danke!
Neulich beim Verfassungsschutz

Eingesandt von Leser O. – danke!
Inside North Korea
Bilder und Filme von David Guttenfelder, Associated Press chief photographer: „Inside North Korea“. Sehr interessant.
Vom Kapitalismus lernen heisst siegen lernen!
Die Süddeutsche (via Fefe) berichtet:
Die Investmentbank Goldman Sachs lässt einem Medienbericht zufolge täglich Tausende Tonnen Aluminium in ihren eigenen Lagerhäusern hin- und hertransportieren. Das treibt den Rohstoffpreis künstlich in die Höhe. (…) Außerdem treiben diese nach Recherchen der New York Times absichtlich verschleppten Lagerfristen den Marktpreis insgesamt in die Höhe.
Jetzt müssten die Angehörigen der „Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM)“ den Unterschied zwishen „Preis“ und „Wert“ einer Ware kennen. Da diese Heilslehre aber gar keine Werttheorie hat, die ein Wissenschaftler vielleicht immerhin mit der Kneifzange anfassen würden, sondern ganz primitiv wie ein papuaneuguinesischer Regenzauberer den Anschein für die Realität nimmt „(Ich tanzte, also regnete es“), können die das nicht erklären: Der Wert bleibt gleich, aber der „Marktpreis“ (gibt es einen Unterschied zwischen „Preis“ und „Marktpreis“?) steigt. Schwierig, gelle?
„Den Märkten“ gefällt das, würden die Lautsprecher des Kapitals formulieren.
Der Kommunismus fängt in Unna an
Das Aluminiumwerk Unna gehört schon zu einem Viertel der Belegschaft, Der Chef und Mehrheitsaktionär ist der ehemalige Betriebsratsvorsitzende.
Die Lokalzeitung schreibt: „Durch den Verzicht auf eine Dividendenausschüttung, den die Hauptversammlung der Aktionäre nun beschlossen hat, steigt der Bilanzgewinn auf über 26 Millionen Euro. Dies entspreche einer Eigenkapitalquote von 53 Prozent“.
Am 28.10.2008 hatte ich hier schon einmal berichtet:
Vergesellschaftung bedeutet aber so etwas wie zum Beispiel wie im Fall des Aluminium-Werks in meiner Heimatstadt Unna geschehen: „Ganz Deutschland schaute im Januar 2000 auf das Aluwerk. Noch nie hatten ein Betriebsrat und die Belegschaft ein Unternehmen übernommen. Für eine Mark wurde das Werk damals verkauft.“ Das Werk im Besitz der Belegschaft sei heute eine „verdeckte Perle“, wie sogar das Wall Street Journal schrieb.
Die Aluminiumfabrik in Unna ist für eine neue und andere Gesellschaft nach dieser, in der wie gerade leben und deren Wirtschaftsform und Gottheit „Der freie Markt(TM“ wir alle lieben und verehren, so etwas wie die Ciompi (14. Jahrhundert, Italien) für den Kapitalismus – dessen embryonale Form, ein zartes Pflänzchen, das fast allein auf weiter Flut steht, aber die Richtung in die Zukunft weist eingedenk der Tatsache, dass irgendwann viel mehr Planzen dieser Sorte kommen werden.
In rund 200 Jahren wird die Mehrheit der Unternehmen in der Hand deren sein, die in ihnen arbeiten. Erinnert mich daran, wenn es soweit ist.
Radioaktiv verseuchtes Grundwasser im Meer? Keine Gefahr!
Ich komme Fefe jetzt zuvor: Am zerstörten AKW in Fukushima ist radioaktiv kontaminiertes Grundwasser ins Meer geflossen. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe laut AK-Betreiber Tepco natürlich nicht.
Warmest regards, you insufferable bastard!
Ich liebe britischen Sarkasmus. Ben Pobjie macht sich im Guardian Gedanken darüber, wie man am Ende einer E-Mail grüßen sollte:
You can sign off with „regards“, which means, quite literally, „I have no regard for you at all“. Or you can use the more extreme „warmest regards“, which means, „never contact me again you insufferable bastard“. Then there’s „yours“, which means, „I don’t even know who you are or what you wrote to me about“, and its cousin, „yours sincerely“, which means, „you owe me money and I will make your life a living hell until I get it“ (…) At the worst end of the spectrum are the faux-affectionate sign-offs. Writing „love“ is fine when writing to someone you actually love: otherwise you’re either going to sound disturbed or sarcastic. Writing „fondly“ is almost the same as writing „I hate you“.





















