Virgin Killer

Virgin Killer

Ich hatte nicht vor, über die aktuelle Zensurdebatte und die viktorianische Bigotterie in England etwas zu schreiben. Die öffentliche Hysterie über das Plattencover des Scorpions-Albums aus dem Jahr 1976 (!) langweilt mich einfach. Wem nach 32 Jahren auffällt, das ein Cover den Untergang des Abendlandes heraufbeschwört und dabei den ekligen Textbaustein „Kinderpornografie“ speicheltreifend im Maul führt, der ist für mich nicht satisfaktionsfähig. Aber ich hätte es besser wissen müssen. Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung meldet, haben die Jugendschutzwarte „eine Indizierung des Schallplatten-Titelbildes ‚Virgin Killer‘ bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien angeregt,“ Natürlich. Man konnte drauf warten wie das Amen in der Kirche. Wo kämen wir denn hin. Übrigens, liebe schmallippigen Jugendschutzwarte, Zensurfreunde und sonstige Calvinisten: Es gibt keine an sich „aufreizende“ Posen. „Aufreizend“ ist das Mädchen auf dem Cover nur in eurer dreckigen Fantasie. Und deshalb wollt ihr es aus den Augen haben.

Mehr zum Thema im Spiegel 28/1991: „Ich ficke Babies.“

World of Illusions, revisited II

James Bond

Die Dreharbeiten für meine neueste Photo-Serie sind in vollem Gange. Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser werden wie gewohnt hier exklusiv informiert. Frage: Welches der beiden Bilder zeigt meinen Avatar in Second Life und welches ist Realität…äh…auch eine Illusion?

Nothing Else Matters, reloaded

Nothing Else Matters“ von Metallica und dem San Francisco Symphony Orchestra – eine sehr schöne epische Version. „Not from this earth“, kommentierte jemand bei Youtube nicht ganz falsch. Jedenfalls ein Evergreen. Damit es nicht so kitischig wird, hier noch ein musikalischer Evergreen, an den man sich noch erinnern wird, wenn „Metallica“ schon völlig out ist.

Never cared for what they do

Ein bisschen Gänsehaut-Musik von Metallica: „Nothing else matters. (Wer nur Klassik hört, kann sich derweilen mit einem ähnlich fetzigen Ohrwurm vergnügen.)

Buchempfehlungen

BenzIch lese zu schnell und komme kaum noch nach, den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern von Büchern abzuraten oder sie zu empfehlen. Apropos: Es fällt mir schwar, ein Buch zu empfehlen. Die meisten belletristischen Werke lege ich nach wenigen Seiten enttäuscht weg, weil ich mich langweile oder weil ich mich angesichts des schlechten Stils ekele. Ich garantiere: Wenn ich etwas dem Publikum ans Herz lege, dann ist es gut.

Zwei Bücher habe ich schon nach wenigen Seiten wieder verworfen: „Blue Tango“ von Eoin McNamee und „Die Gouvernante“ von Stefan Chwin. Ersteres ist mitnichten spannend und auch nicht originell; der Anfang ist sogar völlig misslungen. Warum soll ich ein Werk weiterlesen, wenn mich die ersten zehn Seiten nicht interessieren? „Die Gouvernante“ spielt in den so genannten „höheren Kreisen“ in Warschau um 1900 – mit dem realen Leben der Bevölkerung hat der Plot nichts zu tun. Muss nicht sein. Ich lese ja auch nicht die Biografie von Flick oder will nichts über das Liebesleid irgendwelcher dekadenter Millionäre wissen,

Wärmstens empfehle ich von Wolfgang Benz „Überleben im Dritten Reich – Juden im Untergrund und ihre Helfer.“ Ich muss zugeben, dass ich mir nicht viel erwartete, eher – wie ich es von Benz kenne – eine dröge wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte, die man aus moraltheologischen Gründen so liest, um informiert zu sein. Hier war es anders: Die Geschichten um die einzelnen Schicksale sind zum Teil schlecht und langatmig geschrieben, aber dennoch so spannend, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte. Der Rezensent der taz trifft das genau: „Er hebt hervor, dass gerade der ‚lakonische Grundtenor‘ der Aufzeichnungen einen Eindruck von der Dramatik der Rettungsaktionen vermittelt.“ Man bekommt einen richtigen Hass auf die Feigheit, den Opportunismus und den widerlichen Antisemitismus der übergroßen Mehrheit der Deutschen und bewundert um so mehr die, die damals schon die Zivilcourage besaßen, heimlich Widerstand zu leisten. Die Botschaft ist durchaus ambivalent: Jeder hatte andere, zum Teil sogar niedere Motive, um Juden zu helfen. Das macht das Buch so realistisch und zu einer empfehlenswerten Lektüre auch für Jugendliche. Pfarrer der „Bekennenden Kirche“ versteckten Juden, nur um sie zu bekehren. Berliner Nutten versteckten Juden im Bordell – einfach so, aus Menschenfreundlichkeit. Haarsträubend ist die Geschichte von den jüdischen „Greifern“, die hofften zu überleben, indem sie andere Juden der Gestapo ans Messer lieferten.

Am meisten gefallen hat mir der Abschnitt über den Druckereibesitzer Theodor Görner, ein linker Sozialdemokrat, der aber immer politisch heimatlos blieb. Bezeichnend die Sätze über sein Leben nach dem Krieg, als Görner eine Schraubenfabrik in Berlin-Neukölln leitete: „jahrelang lebte er als Grenzgänger zwischem dem soziademokratisch regierten Westteil und dem kommunistischen Ostteil Berlins – eine Situation, die man als bezeichnend für sein ganzes politisches Leben betrachten könne. Aus des SED war der Nonkonformist bereits 1946 ausgetreten, unmittelbar nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD. Obwohl Görner nach eigenem Bekunden ‚das sowjetzonale System‘ aus Gewissengründen ablehnte und diese Meinung auch offen vertrat, bliebe er weitgehend unbehelligt, denn in seinem Wohnort Woltersdorf war er wegen seiner antifaschistischen Vergangenheit ein angesehener Mann. Den bundesrepublikanischen Umgang mit der Vergangenheit kommentierte er Freunden gegenüber später nicht ohne Verbitterung – mit Bemerkungen über die ‚Zuhälter“ des ‚Idioten Hitler“ etwa, die zum Teil wieder ‚in Amt und Würden‘ seien, oder die Stilisierung der Generale des 20. Juli, die in Wahrheit ‚jahrelang alles mitgemacht‘ hätten. Der Mann ist offenbar immer noch aktuell.

Görner sah sich als „Weltbürger und Philanthrop“. Das Bundesverdienstkreuz, was ihm später verliehen wurde, betrachtete er „eher skeptisch“. „Mit Matthäus 6,3 glaubte er, die eigenen Gerechtigkeit nicht öffentlich zur Schau stellen zu sollen.“ Mit Görner hätte ich mich sicher sehr gut verstanden.

Jetzt lese ich gerade von Patrícia Melo „Inferno“ – ein Roman über eine Jugend in den Favelas von Rio. Die ersten Seiten haben mir sehr gut gefallen, auch stilistisch; es verspricht, eine spannende Lektüre zu werden.

Parallel dazu lese ich von Andreas „Spider“ Krenzke: „Im Arbeitslosenpark“. Zunächste dachte ich, das sei eine Art Textversion der Cindy aus Marzahn, ein Buch, das man auf dem Klo liest oder in der U-Bahn. Aber weit gefehlt: Der Kerl kann wirklich gut und zynisch und mit abgrundtiefem schwarzen Humor schreiben. Ich musste ein paar Mal schallend lachen, obwohl das Büchlein nur leichte Hausmannskost ist. Über die Berufswahl in der DDR: „Der eine war vielleicht Rockmusiker, das wurde in der Berufsberatung so festgelegt, da konnte man nichts machen, und der konnte dann seinen eigentlichen Neigungen nur in der Freizeit nachgehen, Zum Beispiel Leute bespitzeln.“

Oder über einen seiner Gelegenheitsjobs: „‚Sag mal‘, frage ich den Chef. ‚wie viel zahlst du der Leiharbeitsfirma für jeden von uns?‘ ‚Zweiunddreißig Mark die Stunde.‘ ‚ Wir bekommen von denen elf. Stell uns doch für achtzehn Mark befristet ein, ist besser für uns alle. Wir kommen doch gut miteinander klar und sind ein flottes Kollektiv.‘ ‚Ach ich weiß nicht, das ist irgendwie branchenunüblich.“

Das Buch kann ich schon jetzt empfehlen – eignet sich als Geschenk zu Geburtstagen, wenn man nicht zu viel ausgeben will, wenn der Empfänger mit Büchern nicht so viel anfangen kann, man aber trotzdem das Lesen fördern will.

Immer wieder Köche, nichts als Köche

„Es war alles so unglaublich langweilig.“ (Marcel Reich-Ranicki laut faz.net über den Grund für seinen Frustausbruch bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. (Gelesen auf Welt.de.) Noch mehr Zitate: „Wütend gemacht hat mich, dass fast alle preisgekrönten Darbietungen auf einem erbärmlichen Niveau waren. (…) …zwischendurch immer wieder Köche, nichts als Köche. Es war schrecklich. (…) Kultur kommt im deutschen Fernsehen so gut wie gar nicht mehr vor.“

Luther und die deutsche Revolution

Der Lutheraner Paul Tillich paraphrasiert in seiner Geschichte des christlichen Denkens den „positivistischen Autoritarismus“ Luthers:

„Die Macht des Staatees, die es uns überhaupt erst ermöglicht, hier zu sein oder har Taten der Nächstenliebe zu tun, ist ein Werk der Liebe Gottes. Der Staat hat die Aufgabe, die Aggression der Übelwollenden, alle derer, die gegen die Liebe sind, zu unterdrücken. Das befremdliche Werk der Liebe ist es, zu zerstören, was gegen die Liebe ist. Es ist zutreffend, dies ein befremdliches Werk zu nennen, gleichwohl ist es ein Werk der Liebe. Die Liebe hörte ganz und gar auf, eine Macht auf Erden zu sein, wenn sie nicht zerstörte, was gegen die Liebe ist. Dies ist der tiefste Einblick in die Beziehung zwischen Staat und Liebe, den ich kenne. Die gesamte positivistische Staatsdoktrin macht es, vom theologischen Standpunkt betrachtet, dem Luthertum unmöglich, Revolution zu akzeptieren. Revolution mündet in Chaos. Auch wenn sie versucht, Ordnung zu schaffen, schafft sie doch zuerst Chaos, und die Unordnung nimmt zu. Mithin war Luther eindeutig gegen Revolution. Er glaubte an das absolute Geschenk des Schicksals.“

Auch das Zugeständnis, daß die lutherische Kirche sich bereitwillig dem Nationalsozialismus unterworfen habe, ändert nichts an Tillichs Ton liebevoller Verwunderung, wenn er insistierend feststellt:

„Luther hat dem revolutionären Willen des deutschen Volks das Rückgrat gebrochen. Er gibt keinen revolutionären Willen im Deutschen Volk; das ist alles, was wir sagen können, mehr nicht.“

Mit großem Vergnügen gelesen in John Updikes lesenswerten Buch „Selbst-Bewusstsein – Erinnerungen“ (1995).

Schriftsteller, die regelmäßig arbeiten

Das trudelte gerade rein (inklusive offener CC-Verteiler):

„Sehr geehrte Autorinnen und Autoren! Der DORT.con veranstaltet einen Storywettbewerb zum Thema „Auf dem Weg zum Über-Ich“. Gesucht werden Manuskripte, die das Thema eindeutig als Science Fiction behandeln und der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich waren. Fantasy und Horror werden nicht akzeptiert. Schriftsteller, die durch ihre Arbeit auf regelmäßiger Basis Geld verdienen, sind nicht zugelassen. (…)“

Sind die noch bei Trost? Darf ich nun oder nicht? Wie schlecht müsste ich sein, dass ich eine SF-Story im Sinne von DORT.con schreiben kann? Kein Wunder, dass die deutsche SF weitgehend unsäglich ist.

Pompejis Fresken 2.0

FreskenFresken

Neulich bin ich bzw. mein Avatar in eine Villa mit altrömischen Fresken geraten. Der Eigentümer ist übrigens ein Hesse aus Frankfurt am Main, der das Grundstück neben meinem Strand in Cymric besitzt (alles nur virtuell natürlich).

Das Portrait auf der Vase (linker Screenshots ganz rechts) erinnerte mich vage an etwas. Dann dämmerte es mir: Die Fresken von Pompeji. Hach, wieder humanistisch gebildet gewesen. Aber es stimmt noch nicht ganz: Das berühmte Ehepaar, das vor knapp zwei Jahrtausenden lebte und dennoch sehr lebendig aussieht, war es nicht. Oder doch? Als ich das Bild seitenverkehrt ansah – heureka: Die Dame war es, nur eben horizontal gedreht. Schönes Rätsel. Die großen Fresken (rechter Screenshot) kenne ich nicht. Aber vielleicht die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser?

Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana

Eco

Ich habe Umberto Ecos Buch „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“ nicht zu Ende gelesen – es war mir am Schluss schlicht zu langweilig,

Ja, eine typisch europäische erhabene Langeweile, die trieft vor humanistischer Bildung und eitler Selbstbespiegelung. Ein alter Mann rekonstruiert seine Kindheit und Jugend anhand der (Trivial)Literatur, die er damals gelesen hat und würzt das mit zwei, drei Geschichten, die man mit gutem Willen als einigermaßen spannend bezeichnen könnte. Nicht schwer zu erraten, dass es sich um eine Art Autobiografie des gehobenen Bürgertums handelt. Kein Kind eines Landarbeiters oder Proletariers hätte sich das alles kaufen können, woran sich der Held Yambo erinnert. Das Leben findet, wie zumeist bei Eco und seinen deutschen Pendants wie Walser in dem Milieu statt, in dem auch der Autor lebt. Das heißt: Es findet rein und pur gar nicht statt.

Gegenbeispiele? Hemingway, Jack London, Steinbeck, John Updike, auch meine Lieblingsschriftstellerin Joyce Carol Oates; ich zähle auch Chandler zur großen Literatur. Ecos Buch ist eines der Werke, die Oberstudienräte im Regal stehen haben müssen, weil man sich zu Weihnachten gegenseitig Bildung schenkt. Ich glaube, Eco ist für mich als Schriftsteller abgehakt. Er hat offenbar sein Pulver verschossen. By the way: Wer auch nur einen der von mir oben erwähnten Autoren nicht kennt, ist ein Banause.

Terroristische Feuchtgebiete

Heute eine E-Mail von Amazon:

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Feuchtgebiete von Charlotte Roche, Preis: EUR 14,90
Empfohlen, da Sie folgende Artikel gekauft oder bewertet haben: „Der Baader Meinhof Komplex“

Wie darf ich das jetzt verstehen?

Hildegard von Broder

Laut FAZ erhält Henryk M. Broder den Hildegard-von-Bingen-Preis (Die Dame „gilt als erste, aber nicht typische Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters.“). Broder dazu: „In meiner Jugend war ich ein bekennender Atheist. (…) Später wurde ich Agnostiker, aus Gründen der Logik: Wenn man nicht beweisen kann, dass es Gott gibt, kann man auch nicht beweisen, dass es ihn nicht gibt. Und heute, älter und reifer geworden, glaube ich an Gott. Ich bin überzeugt, dass es ihn gibt, mag er nun Christ, Jude, Muslim, Buddhist, Hindu, Zarathustraner, Mann, Frau oder ein Alien sein. Ich glaube nur nicht an den gütigen, gerechten, allmächtigen Gott. Der Gott, an den ich glaube, ist ein Sadist und ein Zyniker, ein Witzbold und ein Chaot.“ Und: „Ich sorge dafür, dass der Messias nicht kommt und der ganz normale irdische Betrieb weitergeht. Ich sorge dafür, dass Juden und Christen weiter ihre Kirchensteuern zahlen, dass die Priester und die Rabbis nicht arbeitslos werden, dass die Bahnhofsmission, die Caritas, das Müttergenesungswerk und die Aktion Mensch weiterarbeiten können. Und jedes Jahr der Hildegard-von-Bingen-Preis verliehen werden kann.“

Sehr schön auch Broders Passagen über Ersatzreligionen wie den Kommunismus und Barack Obamas „Yes, we can“, das erstens tpyisch für die real nicht existierende Linke in den USA ist, die an soziale Gerechtigkeit nur denken könnte, wenn das eine theologische Kategorie wäre und zweitens zeigt, dass ich vermutlich Recht haben werde mit meiner prophetischen Aussage, dass Obama scheitern wird, weil die USA ein zu rassistisches, bigottes und reaktionäres Land sind, als dass ein liberaler Prediger Präsident würde. (Ein viel zu langer Satz, und ich schweife zu sehr ab.)

Das Schönste kommt bei Broder zum Schluss: „Je länger das ‚Dritte Reich‘ tot ist, umso heftiger wird der antifaschistische Widerstand. Bringen Sie etwas Leben in die Erinnerungssülze, stehen Sie auf, und rufen Sie: ‚Und was ist heute mit den Baha’i?‘ Man wird Sie für verrückt halten. Machen Sie es trotzdem. Hildegard von Bingen hätte es auch getan. Verlassen Sie sich nicht auf Gott, Sie wissen doch: Es rettet uns kein höh’res Wesen, / kein Gott, kein Kaiser noch Tribun. / Uns aus dem Elend zu erlösen / können wir nur selber tun!“

Der Baader-Meinhof-Komplex

Zeit online lässt Gerhart Baum über den RAF-Film „Der Baader-Meinhof-Komplex“ zu Wort kommen: „Wichtige Zeitumstände bleiben leider ausgeblendet – so der zeitweilig von Teilen der öffentlichen Meinung und der Politik aufgeheizte Taumel in Panik und Hysterie. Heinrich Böll sprach 1972 vom »Notstand des öffentlichen Bewusstseins« und zielte damit auf diejenigen, die glaubten, man müsse den Krieg gegen Terroristen ausrufen. Ausgeblendet bleibt auch die Instrumentalisierung des Terrors für politische Zwecke, durch die sich der Rechtsstaat selbst in Gefahr brachte. (…) Unsere Grundrechte werden im Kampf gegen den Terror beschädigt – damals wie heute (…) Wenn wir eines aus dem Umgang mit dem RAF-Terrorismus lernen können, dann ist es dies: Angst darf unser Denken nicht vergiften. Wir müssen uns auch heute dagegen wehren, dass uns Bedrohungen wie der Dschihad-Terrorismus mental beherrschen und zu Sicherheitsmaßnahmen verleiten, die die Freiheit ohne Not beschädigen.“

„Flintenweiber“ – Frauen auf der Pirsch

Fernsehtipp für morgen: NDR – „Flintenweiber“ – Frauen auf der Pirsch. Immer mehr Frauen erobern eine der letzten Männerdomänen: Jagen. Die Reportage beobachtet Jagdschülerin Inga Tillmann bei der Ausbildung. Gehen Frauen anders mit Wild und Waffen um?“ Nicht zufällig habe ich dieses Blog verlinkt.

John Updike: Licks Of Love | Wie war’s wirklich

Updike

Heute empfehle ich von John Updike: Licks Of Love. Short Stories (dt. Wie war’s wirklich, 2004, Rowohlt). Ich habe mich gewundert, dass ich bei meinem Faible für US-amerikanische Schriftsteller Updike noch nicht gelesen hatte, dem „wohl besten Chronisten der amerikanischen Middle Class“. Zudem mag ich Kurzgeschichten, eine typisch amerikanische Literaturgattung. Zu der ihr eigenen lakonischen Sprache ist wohl nur das Englische à la Hemingway und Jack London in der Lage. Ich könnte Updike im Original lesen; mein Englisch ist jedoch zu schlecht, als dass ich viel Spaß daran hätte.

Die deutsche Übersetzung von „Wie war es wirklich“ ist außergewöhnlich gut. Alle Stories handeln von Männern, die sich mehr oder weniger nostalgisch an ihre Affären oder andere wichtige Ereignisse von früher erinnern. Mir gefällt der tiefschwarze, aber dennoch leichte Zynismus: „Wie merkwürdig es war, wieder auf einer Party zu sein, wo die Frauen noch menstruierten.“ Oder der Klappentext: „Erinnerungen an das sexuelle Paradies der Sechziger, als man sich getrost nachts um eins mit einer Frau verabreden konnte, weil man sicher war, dass die eigene bei deren Mann schlief.“

Sehr hübsch auch die Geschichte „Die Katzen“ – der Held muss auf dem Bauernhof seiner verstorbenen Mutter darüber nachdenken, wie er die mindestens 40 Katzen loswird, die diese gefüttert hat. Ein Nachbar sieht das pragmatisch: „Ja also, ich könnte die Schrotflinte nehmen und zur Abendbrotzeit rübergehen, wenn sie sich auf der Veranda versammeln. Ein paar wären dann schon mal weg, und für die anderen ist es vielleicht ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass sie türmen. Wenn du willst, frage ich Adam, ob er mit seiner Murmeltierbüchser rüberkommt.“ Kein Wunder, dass ein Städter so mit Katzen nicht einfach umgehen kann und will.

Aphex Twin

Per Kueperpunk bin ich auf einen elektronischen Musiker aufmerksam gemacht worden – Richard David James aka Aphex Twin. [YouTube] Nett auch „Best of Electronic Music“ und „Come to Daddy„. Second-Life-Fans sollten „Polygon Window“ anhören. Die Musik ist für SciFi-FreundInnen ein Muss.

Moments for Eternity, revisited

John Lee Hooker, Eric Clapton und die Rolling Stones 1989, zwei Jahre vor Hookers Tod.

Leo Baeck und der Kampf um Troja

TrojaTrojaBaeckMeine Eltern haben noch ein paar meiner Kinderbücher gefunden, mit denen ich groß geworden bin: „Kampf um Troja“ habe ich gelesen, als ich neun Jahre alt war. Der Einband des Büchleins ist aus Pappe; Erscheinungsjahr 1957 im W. Fischer-Verlag Göttingen. Wenn ich mich recht erinnere, haben die Billig-Bände, von denen ich fast alle besaß, eine Mark gekostet.

Den vom offenbar sehr produktiven Autor Thomas Trent nacherzählten „Kampf um Troja“ mit einem ausführlichen Anhang über Heinrich Schliemann fand ich damals äusserst spannend; ich habe die 78 Seiten so oft gelesen, dass ich das Buch fast auswenig konnte.

Im Vorspann heißt es: „Hervorgehoben ist jedoch die ritterliche Gesinnung jener Helden, die nach wie vor als Vorbild echter Männlichkeit zu gelten haben.“ Na also.

Zur Zeit lese ich Leo Baeck: „Das Wesen des Judentums“ (Auflage 1927). Gefällt mir auf Anhieb, sehr interessant und angenehm und gelehrt geschieben.

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, revisited

Von Sport-Redakteuren kann man kein korrektes Deutsch erwarten. „Alles ist bestens – dank dem zum Mittelfeldspieler umfunktionierten Stürmer“ schreibt Spiegel online. Vielleicht hat man in’s Archiv schauen sollen: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“. Dort steht ganz unten die Rubrik: „Präpositionen, die Genitiv und/oder Dativ regieren“. „Dank“ bedarf des Genitivs.

Santana & Clapton – Jingo

Musik-Tipp of the day: Santana und Eric Clapton spielen Jingo.

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