Delcy, die protestantische Arbeitsethik und die Hängematte
Die Juden sind wieder mal schuld. Die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez meint, hinter dem Angriff der USA stecke der Zionismus. Das hatte Maduro auch schon gesagt. Wie kann man so etwas öffentlich behaupten, ohne ausgelacht zu werden?
Die ehemals große jüdische Community von Venezuela kämpft ums Überleben. „Die Geschichte der jüdischen Gemeinde des Landes reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück, als sefardische Juden von den Karibikinseln aufs Festland übersiedelten. Ab den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts kamen Aschkenasim aus Osteuropa, und 1939 gewährte das Tropenland jüdischen Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland Asyl. Als Hugo Chávez 1998 zum Präsidenten gewählt wurde, lebten etwa 25.000 Juden in Venezuela. Heute sind es noch rund 7000, doch genau weiß das niemand.“
Übrigens: Das Publikum merkte an, dass es auch schon vor Chavez „Schlamperei“ gegeben hat. Als ich in Venezuela war, war der typisch südamerikanische „Caudillo“ noch nicht an der Macht. Schlamperei? Die ist in Venezuela kein Bug, sondern ein Feature.
Man hat mir dazu eine Geschichte erzählt. Zwischen Puerto Ayacucho im Süden und San Fernando de Atabapo gibt es keine Straßen. Das Flugzeug ist zu teuer, also fahren die meisten Leute, die in diese Einöde am Ende der Zivilisation wollen, mit dem Boot. Es gibt nur eines. Ich habe darüber schon am 20.04.2023 geschrieben:
„No existe ningun. Kein Transport, nirgends. Also nur vier Boote für die ganze Region, die halb so groß ist wie ganz Deutschland, und von denen garantiert so viele oder so wenige schwimmfähig sind wie die bei der Bundesmarine. Damals gab es nur eins, und ob die Reise damit losging, hing davon ab, ob der Kapitän und Besitzer sich am Abend vorher mit Damen vergnügt und vollgesoffen hatte oder nicht. Das erzählten mir die Mitreisenden.
Ich habe noch ein Foto gefunden, dass ich bei dieser – oben erwähnten – Reise per Boot gemacht habe – in Samariapo. Dorthin hatte uns ein LKW aus Puerto Ayacucho gebracht und damit die unbefahrbaren Stromschnellen des Orinoco umgangen. Vermutlich habe ich das Foto unweit des Comando Fluvial Puesto Samariapo geschossen.“
Wie denkt der preußisch erzogene Deutsche, wenn er für das einzige Transportmittel einer ganzen Region verantwortlich ist? In Kategorien wie Soll und Haben, Rücklagen bilden. Wo ist der nächste Mechaniker? Rendite und Abschreibung. Nicht so in Venezula: Als das Schiff kaputtging, habe der Kapitän gesagt, er hätte kein Geld, da er alles bei Parties und für Frauen ausgegeben hatte. Also musste ihm die Regierung ein neues Schiff kaufen, was dauerte. Es fuhr in der Zeit keins.
Also keine protestantische Arbeitsethik vorhanden. Nirgends. Das sagen die Venezolaner: Wenn du jemanden arbeiten sieht, ist es ein Kolumbianer.
Postscriptum: Das Publikum sorgte sich um meine Hängematte. Der geht es gut (Foto von gestern).
Kommentare
6 Kommentare zu “Delcy, die protestantische Arbeitsethik und die Hängematte”
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Im Mittelater fielen Arbeiten nur saisonal an,
das Jahr durchbrochen von 150+ Feiertagen.
Die moderne Arbeitsdisziplin mußten Kapitalisten erst herbeifoltern.
Der Staat brauchte Beamte und Soldaten.
Das ist nicht Natur sondern Kultur.
Weitgereiste wissen das, auch Arendt Vita Activa.
Blöde Normalos nicht.
Norbert Elias Der Prozess der Zivilisation
Zionismus? Klar, Die sind auch daran Schuld das es nun Kalt, die Bahn nicht fährt, in Paris noch kein öl gefunden wurde, plus das Von der Leyen, Chefin der EU ist.
Das ist so Wahr, als ob der Russe demnächst vor der Tür stehen würde. Kommen nicht mal mit der Ukraine klar, aber sollen Frankreich einnehmen. Warum Frankreich? Da gibt es wenigsten noch anständiges Essen, stabile Stromversorgung und besseres Wetter. Außerdem, wenn man so als Eroberer schon mal dabei ist, die Paar Kilometer machen es auch nicht mehr aus. Ich würde dann Deutschland wieder zurückgeben. Sollen Ihre Infrastruktur, Wetter, Sozial, Rüstungs- Verschrottung, Industrie und Regierungs-Probleme selber lösen. Dann noch dauernd, dieses Gejammer das geht einem aufs Gemüt.
<8*) Der Aluhut meint: Ein Ismus soll Probleme lösen? Kann Ich den Witz auch in Farbe hören.
Lateinamerika war doch u. a. ein beliebtes Ausflugsziel von Weltkriegsverlierern.
Moderne Gesellschaften existieren duch Feindbilder.
Feindbilder sind auch die wichtigste Säule der Aufmerksamkeitsökonomie.
Neue Feindbilder zu etablieren ist oft schwer. An Bestehenden anknüpfen ist einfach.
Die Logik spielt dabei keine Rolle.
🤡 Das Gerät mit der Nummer 31 im unteren Foto links neben dem Piano , was ist das?
Eine alte Filmleuchte von der Ufa.
Ein BILD tut nix.
Erst FeindSCHAFT, dann FeindBILD.
Sonst beseelte Gegenstände, magisches Weltbild.