Mea Shearim oder: Ultra Ultras, revisited
Wir rollen die Katze vom Schwanz her auf. Am Ende der gestrigen Hidden-Gems-Tour mit Noam Chen stand ein Besuch im ultraorthodoxen Stadtviertel Me’a Sche’arim. Das liegt nördlich vom Damaskus-Tor.
Aktuell angemerkt: Ich weiß hier kaum mehr, als in den israelischen Medien online oder von deutschen Qualitätsboulevardmedien live verbreitet wird.
„Nach den Informationen, die soeben vom Roten Kreuz eingegangen sind, wurden sieben Geiseln in dessen Obhut übergeben, und sie befinden sich nun auf dem Weg zu den Kräften der IDF und des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet im Gebiet des Gazastreifens.“
Die ersten freigelassenen Geiseln können mit ihren Familien reden.
Me’a Sche’arim ist heute ein Viertel im Westteil Jerusalems, wo die Alltagssprache vornehmlich Jiddisch ist. Die Bewohner, welche verschiedenen charedischen, also teils chassidischen und teils misnagdischen Gemeinschaften angehören, halten sich an die traditionelle Auslegung der Tora und an die Mitzwos, die schon seit mehr als 3300 Jahren von Lehrer zu Schüler, Vater zu Sohn und Mutter zu ihren Kindern weitergegeben wird (Wikipedia)
Die Fotos sind selbsterklärend. Ich habe mich mit Noam natürlich die ganze Zeit über alles unterhalten. Wir stimmten fast in allem überein, auch darin, dass die öffentlich verbreiteten Meinungen in Deutschland über Israel „für die Katz“ sind. Bis jetzt sagten alle Israelis, mit denen geredet habe, das sei noch nicht das Ende, und es würde natürlich weitergehen, weil die so genannten „Palästinenser“ völlig irre sind, und zwar mehrheitlich.
Daher ist divide et impera eine gute temporäre Lösung, aber das ist ja schon einmal schiefgegangen (obwohl die Haaretz in Israel so „Mainstream“ ist wie in Deutschland die „Junge Welt“). Der Sprecher der Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde: „Die Hamas legt derzeit den Grundstein für einen Bürgerkrieg im Gazastreifen“. Es ist gut möglich, dass Israel dies in der nächsten Phase bereits mit einkalkuliert hat und dass diese Entwicklung die Hamas von selbst schwächen könnte.
Die Hamas lässt sich mittlerweile von den Bewohnern Gazas feiern. Quod erat demonstrandum.
Zu Mea Shearim: Normalerweile sieht es dort ein bisschen anders aus. Jetzt sind auf allen Balkonen, die jedem Bauingenieur einen Nervenzusammenbruch bescheren würden, sukkotische Holzhütten gebaut. Auf dem Foto oben lugen Kinder aus dem Fenster so einer „Hütte“ auf die Straße. Noam sagte, auch er wäre ein Fremder hier, der neugierig betrachtet würde.
Überall wird darum gebeten, „angemessene“ Kleidung zu tragen. Was das ist, weiß man nicht so genau. Männer, von denen man bei den Orthodoxen offenbar annimmt, sie dächten nie oder immer an Sex, sollen kein nacktes Fleisch sehen.
Wir kamen ein paar Mal in den Gassen ins Gespräch, was aber immer komisch endete. Ich redete einen Mann mit einem Mädchen auf Jiddisch an, und er verstand nichts, obwohl er von oben bis unten voll halachisch aussah. Es stellte sich heraus, dass er orthodoxer Tourist war, also gar nicht von dort stammte. Das andere Mal wurde Noam gefragt, ob er Jude sei, und der Orthodoxe verwickelte ihn ein chiliastisch und für mich einseitig aggressiv klingendes Gespräch, bei dem es, wie mein Guide sagte, darum ging, warum überhaupt arabische Terroristen freigelassen würden.
Wir waren uns auch hier einig. Kann man machen, aber der Mossad kriegt sie auf lange Sicht sowieso alle.
Wir begegneten auch einer Familie, von der Noam sagte, man nennte sie spöttisch „Taliban-Juden“. Die Frau trug Ganzkörperburka und wäre auch im hintersten Afghanistan nicht aufgefallen. Offenbar eine Abspaltung von einer Abspaltung der halachischen Befreiungsfront mit elfeinhalb Mitgliedern.
Und Graffiti „Free Palestine“ oder so ähnlich (Foto unten), gesprüht von Juden. Sachen gibts. Die ultra Ultras lehnen den Staat Israel ab. Wer soll sie aber vor arabischen Terroristen schützen? Diese Haltung, auch hier stimmten Noam und ich überein, wäre eine sehr komplizierte Methode, Suizid zu begehen, wenn es die IDF nicht gäbe.
Auf dem Schild des Fotos unten steht: „Ich bin Jude und zutiefst entsetzt – ich würde lieber sterben, als mich der Armee des zionistischen Staates anzuschließen.“
Das ist nicht spezifisch judensektiererisch, auch die Zeugen Jehovas und die Mennoniten sind ähnlich gestrickt. Offenbar gibt es eine komische Sorte Jecken, wie hier schon kommentiert wurde, in jeder Religion.
Kommentare
3 Kommentare zu “Mea Shearim oder: Ultra Ultras, revisited”
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ich hatte ja schon gelegentlich die Vermutung geäußert, dass Burks Teil des Mossad sein könnte
aber nun – noch mehr
Burks plant eine Reise ins gelobte Land
und Trump kommt persönlich vorbei
die Geiseln werden freigelassen und ausgetauscht
Weltpolitik wird inszeniert
und das alles nur wegen Burks.
Das kann doch kein Zufall sein ^^
Vielen Dank für die tollen Bilder bisher.
Bitteschön.