Alles sicher, auch im Dunklen
Sagte ich schon, dass ich mir hier sicher fühle?
Soeben habe ich ein kleines selbst verschuldeten Abenteuer hinter mir. Ich komme mir total blöd vor. Ich hatte seit dem Frühstück nichts gegessen und Hunger, es war schon dunkel und alles noch geschlossen oder schon wieder. Also zum arabischen Späti in der Altstadt. Jemand sagte mir, nachdem ich schon kreuz und quer abgebogen war: Zweite Straße rechts, womit die engen und manchmal krummen Gassen gemeint war. Ich fand den Laden sogar.
Ich aß, trank und ging aufs Geratewohl mit den orthodoxen Massen, die irgendwohin eilten. Und siehe, ich war plötzlich an der Klagemauer. Und siehe auch, ich hatte meinen kleinen Rucksack im Späti vergessen. Also zurück, aber wohin?
Wer einmal in der Altstadt von Jerusalem war, weiß, dass es so gut wie aussichtslos ist, etwas zu finden. Dieses Gewirr von Gassen mit mehreren Stockwerken ist einfach undurchschaubar, und Google wird ziemlich vage. Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe den Späti, der gerade schließen wollte, und den Rucksack dennoch gefunden.
An der Klagemauer war die Hölle los. Selbst für jemanden, der weder religiös noch jüdisch ist, ist der Anblick faszinierend. (Instagram-Video) Und dann ertönte noch der Muezzin, weniger später bimmelten Kirchenglocken von irgendwo her.
Diese Stadt ist einfach magisch. Ein anderes Wort fällt mir nicht ein. Nur das alte Prag und Cusco können da mithalten, aber Jerusalem ist fast viertausend Jahre alt. Nur Damaskus ist ähnlich lange besiedelt, aber der Araber sind nicht so geschichtsbewusst wie Juden.
Ich unternahm noch eine kleine Nachtwanderung am Zionstor vorbei und verlief mich prompt wieder, trotz Google.
Irgendwann nahm ich das Handy nicht mehr aus der Hand und landete irgendwie im armenischen Viertel, das ich mittlerweile ganz gut kenne – es ist auch das kleinste.
Am Jaffa-Tor war es immer noch voll, und auch Busse und Straßenbahnen fuhren wieder, weil bei Dunkelheit der Schabbat am Samstag vorbei ist.
Morgen gehe ich, wie schon geschrieben, mit einem persönlichen Guide durch die Altstadt, also alles sicher.
Kommentare
5 Kommentare zu “Alles sicher, auch im Dunklen”
Schreibe einen Kommentar






























Du gehst mit meinem Guide durch die Straßen? Du traust Dich ja was!
„Nur das alte Prag und Cusco können da mithalten…“
Naja, wenn man nicht so weit auf der Welt rumgekommen ist, vielleicht schon…
Als ich 78 dort war ging eine Stunde später in der Medina ein Sprengkörper hoch, nicht ungewöhnlich in der Zeit. Ich mag Jerusalem dennoch, sieht jetzt ja richtig fancy aus.
Ich meine mich zu erinnern das man sich in dem Benediktinerkloster, in dem ich zu Gast war, auch privat einmieten kann. Das Kloster ist ein sehr interessanter Ort, und die tiefsinnigen Gespräche mit den Patri haben mich auch als Atheist beeindruckt, sie sind alle sehr gebildet.
Toll, man kann sich dort ein Zimmer nehmen, kann ich nur wärmstens empfehlen:
https://dormitio.net/pilger-und-gaeste/
wenn 2 das Gleiche tun, ist das noch lange nicht das Selbe
https://www.burks.de/burksblog/pix/2025/10/111025_10gr.jpg
Zivilist mit Knarre läuft herum: Burks fühlt sich sicher
https://image.bz-berlin.de/data/uploads/2017/08/waffe-mitte3-kopie_1503689842.jpg
Zivilisten mit Waffe: Burks fühlt sich unsicher
sei doch mal subversiv Burks und bringe dieses Schild dort an
https://www.n-tv.de/img/26043346-1758280561000/16-9/750/Dauerhafte-Messerverbotszonen-gibt-es-in-Berlin-bereits.jpg