Wie umgeht man Zensur und Sperren von Websites?

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Take a photo that describes the content of this judgment: A free press, not controlled by public authority and not subject to censorship, is an essential element of a free state; in particular, a free, regularly published political press is indispensable for modern democracy. If citizens are to make political decisions, they must be fully informed, but also be aware of the opinions that others have formed and be able to weigh them against each other. –s 750

Diesen Text habe ich für das Nitro-Magazin (Dezember 2024) verfasst.

Eine freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfene Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates; insbesondere ist eine freie, regelmäßig erscheinende politische Presse für die moderne Demokratie unentbehrlich. Soll der Bürger politische Entscheidungen treffen, muß er umfassend informiert sein, aber auch die Meinungen kennen und gegeneinander abwägen können, die andere sich gebildet haben. (Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 05.08.1966 – das so genannte „Spiegel-Urteil“)

Ich glaube, dass diese unregulierte Form von diesen sozialen Medien inzwischen nicht mehr akzeptabel ist. (Robert Habeck am 17.10.2024)

Wir sind massiver Propaganda und Desinformation über diesen verabscheuungswürdigen Angriff auf ein freies und unabhängiges Land ausgesetzt. Wir werden diesen Sprachrohren des Kreml nicht länger gestatten, ihre toxischen Lügen zu verbreiten, um Putins Krieg zu rechtfertigen und zu versuchen, unsere Union zu spalten.(Ursula von der Leyen, 2.3.2022)

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Journalisten müssen umfassend informieren, wenn sie ihren Beruf ernst nehmen. Das heißt: Nach dem berühmten Satz „audiatur et altera pars“ handeln – höre auch die andere Seite. Diese Maxime ist im Zeitalter des betreuten Denkens und des Haltungsjournalismus leider außer Mode gekommen.

Wer sich im Internet als Journalist informieren will, muss jedoch in der Lage sein, Zensur und so genannte „Netzsperren“ umgehen zu können. Das dürfte selbstverständlich sein. Länder wie Russland, China, Iran, Russland, die Türkei, Saudi-Arabien, Pakistan, Ägypten und Vietnam, dazu viele kleinere Länder zensieren und sperren „unliebsame“ Websites direkt.

Auch Suchmaschinen und Soziale Medien, etwa Facebook, zensieren Nutzer aus bestimmten Ländern, Deutschland inklusive.

Der Spiegel titelte schon 2010: „Wie die Deutschen Zensur-Vizeweltmeister wurden – Sperren, löschen, Personen identifizieren: Google macht jetzt erstmals öffentlich, welche Staaten solche Anfragen stellen. Bei der Entfernung von Videos, Blogeinträgen und Suchtreffern landet Deutschland auf Platz zwei hinter Brasilien“.

Fast alle Internet-Sperren kann man umgehen, sogar mit wenig Aufwand und ohne technische Spezialkenntnisse. Hier werden die gängigsten Zensur-Maßnahmen beschrieben – und wie man sie ad absurdum führt. (Die Liste ist nicht vollständig.)

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A female computer genius in front of a futuristic computer, using sophisticated virtual tools to circumvent the censorship measures of a totalitarian state

2. Internet-Sperren und Maßnahmen gegen Zensur

Geo-IP-Blocking:
Die Betreiber von Websites erkennen die IP-Adresse eines Nutzers. Diese wird mit Datenbanken abgeglichen, etwa Maxmind oder IP Geolocation. Damit kann man IP-Adressen aus bestimmten Ländern blockieren.

Gegenmaßnahmen: Anonymisieren der eigenen IP-Adresse, zum Beispiel durch VPN-Dienste oder den Tor-Browser.

DNS-Blocking:
Die Internet-Provider blockieren den Zugriff auf bestimmte Domains, indem ihre Domain-Name-Server (DNS) den gefragten Hostnamen nicht auflösen. Beispiel: rtnewsde.site (Hostname) hat die IP-Adresse 185.79.236.191 – die kann man auch direkt eingeben.

Gegenmaßnahmen: Wenn nur der Hostname nicht in die IP-Adresse „übersetzt“ wird, gibt man einfach diese ein. Falls auch die IP-Adresse vom DNS-Server blockiert wird, wählt man einen anderen DNS-Server als den, den der Internet-Provider vorschlägt. Manche Provider (wie Vodafone) versuchen das zu unterbinden.

– Liste vertrauenswürdiger und unzensierter DNS-Server www.privacy-handbuch.de/handbuch_93d.htm
– Schneller und ohne Sperren: Alternative DNS-Server einsetzen:
www.heise.de/ratgeber/Schneller-und-ohne-Sperren-Alternative-DNS-Server-einsetzen-8659971.html
– DNS How to (CCC) www.ccc.de/censorship/dns-howto/

IP-Blocking auf Netzwerkebene:
Regierungen oder ISPs blockieren bestimmte IP-Adressen oder IP-Bereiche von Websites, um den Zugriff auf Websites zu verhindern. Diese Methode kann auf nationaler Ebene durchgesetzt werden.

Gegenmaßnahmen:
– VPN-Dienste oder Tor-Browser. Manche Länder blockieren auch deren IP-Adressen, zum Beispiel die der Torserver.
– Surft man mit dem Tor-Browser und erreicht eine gesperrte Website dennoch nicht, hilft meistens die „Brücken-Relay“-Technik von Tor: Man fordert einen Server an, der verbirgt, dass er zum Tor-Netzwerk gehört.
– Gegen Sperren auf Netzwerkebene helfen oft so genannte (meistens kommerzielle) Smart DNS-Dienste, etwa GetFlix. Nicht alle dieser Dienste sind empfehlenswert.

Keyword-Blocking (Deep Packet Inspection)
Diese Methode scannt den Internetverkehr nach bestimmten Schlüsselwörtern oder Inhalten und blockiert den Datenverkehr, der diese enthält. Internet-Provider nutzen oft Deep Packet Inspection (DPI), um den Inhalt der übertragenen Datenpakete zu analysieren und unerwünschte Inhalte herauszufiltern oder zu zensieren.

Gegenmaßnahmen:
– Tor-Browser benutzen
– Manche kommerziellen Anbieter bieten sogenannte Obfuscated-Server an, die speziell gegen DPI entwickelt wurden.
– Man verwendet Shadowsocks (Open Source). Shadowsocks verschleiert den Datenverkehr und ist schlechter erkennbar als VPNs. Es wird häufig in Regionen mit starker Internetzensur eingesetzt – wie in China, Iran und Russland.
Psiphon (Open Source). Psiphon kombinierts VPN, SSH und HTTP-Proxys, um Zensur zu umgehen. Psiphon passt sich automatisch an die sicherste Verbindungsmethode an (als App und Desktop-Version).
– UDP-basierte Protokolle (zum Beispiel die VPN-Lösung WireGuard, kostenlos, erhältlich für Smartphones, PCs und Fritz!Box-Router).

URL-Filtering:
Bei dieser Methode wird der Zugriff auf bestimmte URLs oder Pfade innerhalb einer Domain gesperrt, um bestimmte Inhalte zu zensieren.

Gegenmaßnahmen:
Tor, VPN, alternative DNS-Server. HTTPS statt HTTP (Hypertext Transfer Protocol ) verwenden: Einige URL-Filter blockieren nur die HTTP-Version einer Seite und nicht die HTTPS-Version. Der direkte Zugriff über HTTPS (https://) kann manchmal die Sperre umgehen.

Verschlüsselungs-Blocking:
In einigen Fällen können Regierungen den Zugriff auf Websites einschränken, die verschlüsselte Verbindungen (z. B. HTTPS) verwenden. Sie tun dies, um die Inhalte besser kontrollieren zu können, da verschlüsselte Verbindungen die Überwachung erschweren.

Gegenmaßnahmen: Alle oben erwähnten

Throttling oder Drosselung:
Eine weniger offensichtliche Methode der Zensur ist die Drosselung des Datenverkehrs zu bestimmten Websites oder Diensten. Dies macht den Zugriff so langsam, dass die Nutzer davon abgehalten werden, die Seite zu besuchen, obwohl sie technisch gesehen noch zugänglich ist.

Gegenmaßnahme u.a.: Browser-Erweiterungen für Datenkomprimierung. Einige Erweiterungen wie Google Chromes „Lite Mode“ komprimieren Daten und leiten den Datenverkehr über Google-Server, wodurch das Datenvolumen reduziert wird und der ISP das Nutzungsverhalten schwerer überwachen kann.

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3. Begriffserklärung:

Tor-Browser
Der Tor-Browser schützt die Privatsphäre beim Surfen, indem er die Internetverbindung über ein Netzwerk von Servern weltweit verschlüsselt und weiterleitet. Dadurch werden die Identität und der Standort des Nutzers verborgen.
Den Tor-Browser gibt es für alle Betriebssysteme, einschließlich für Smartphones, und ist einfach zu installieren.
Für Smartphones ist Orbot eine Alternative:

Tor gerantiert nur Anonymität, wenn man den Browser wie „ab Werk“ vorgesehen nutzt, also alles verbietet, was Hinweise auf den Nutzer geben könnte (Cookies, Scripte usw.). Soziale Medien kann man damit nicht benutzen.

Alternativen und kostenpflichtige VPN-Dienste: www.netzwelt.de/sicherheit/anonym-surfen/alternativen-zum-tor-browser.html

Virtuelles Privates Netzwerk (VPN)
Ein VPN (Virtuelles Privates Netzwerk) stellt eine sichere und verschlüsselte Verbindung über das Internet her. Es verbirgt die echte IP-Adresse des Nutzers und lässt ihn so erscheinen, als sei er von einem anderen Standort aus online. Das VPN schützt dadurch die Privatsphäre, macht das Surfen sicherer – vor allem in öffentlichen Netzwerken.
Für VPN kann man kostenpflichtige Dienste benutzen oder etwa WireGuard.

1. China: China blockiert das Tor-Netzwerk systematisch über die „Great Firewall“. Tor-Nutzer müssen auf „Bridges“ oder alternative Technologien zurückgreifen, um Zugriff zu erlangen. Die Nutzung des Tor-Netzwerks ist jedoch praktisch illegal und kann zu Strafen führen.

2. Russland: In Russland ist Tor de facto illegal, da das Land eine umfassende Zensur durchführt und den Zugang zu anonymisierenden Netzwerken stark einschränkt. Die Regierung hat in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen, um den Zugriff auf Tor zu blockieren, und russische Behörden warnen vor rechtlichen Konsequenzen für Nutzer.

3. Iran: Im Iran ist die Nutzung von Tor ebenfalls illegal, da das Land strenge Internetkontrollen durchführt. Tor wird häufig blockiert, und Nutzer riskieren rechtliche Verfolgung oder Strafen, wenn sie beim Zugriff auf Tor erwischt werden.

4. Belarus: In Belarus ist der Zugang zu anonymen Netzwerken wie Tor und VPNs offiziell verboten. Die Nutzung solcher Technologien kann zu rechtlichen Konsequenzen führen, und der Zugang wird vom Staat blockiert.

5. Venezuela: Venezuela hat in den letzten Jahren die Nutzung von Tor und anderen anonymisierenden Diensten eingeschränkt, insbesondere während politischer Unruhen. Obwohl es kein ausdrückliches Verbot gibt, wird der Zugang häufig blockiert und die Nutzung kann in bestimmten Fällen zu Problemen führen.

6. Türkei: In der Türkei ist der Zugang zu Tor nicht explizit illegal, aber das Netzwerk wird häufig blockiert, insbesondere während politisch sensibler Zeiten. Die Regierung hat in der Vergangenheit Maßnahmen gegen Tor-Nutzer ergriffen, insbesondere, wenn sie für Aktivitäten genutzt wird, die als „regierungsfeindlich“ angesehen werden.

7. Ägypten: In Ägypten wird Tor teilweise blockiert und überwacht, besonders während politischer Krisen. Der Zugang ist nicht explizit illegal, aber Nutzer können Schwierigkeiten bekommen, wenn sie auf das Netzwerk zugreifen.

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Examples for censorship of websites

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Kommentare

7 Kommentare zu “Wie umgeht man Zensur und Sperren von Websites?”

  1. Trebon am Dezember 10th, 2024 2:44 a.m.

    Hübsch, jedoch kann man sich mit nichts besser auf sich aufmerksam machen wie durch Verwendung des TOR browsers. Wenn man es so macht, they see you coming sucker. In diesem Fall mit eigener IP bis zum TOR browserportal

    Das Teil ist außerdem vom US Geheimdienst entwickelt worden, angeblich um deren Agenten zu anonymisieren. Das klingt nach Märchenstunde, s. oben.

    Sinnvoll ist m.E. mit nicht trackbaren Geräten (Raspy auf’m Flohmarkt gekauft) in offenen Netzen zu surfen. WLAN Café, Bahnhof oder Freifunk. wer da sein Handy dabei hat kann es auch sein lassen. Ebenso wer von dem Teil wo auch immer hinsurft.

    Ab da greifen dann die Maßnahmen aus dem Artikel, ohne scheint es mir etwas sinnlos. Mit der alten Grundregel „konspiratives arbeiten bedeutet auf elektronische Geräte zu verzichten“ lässt sich dann noch prüfen wie wichtig das einem selber ist.

  2. admin am Dezember 10th, 2024 3:36 a.m.

    Unsinn. Woher soll jemand wissen, dass ich einen Tor-Browser benutze – und wie das mir zuordnen? Natürlich wird Tor auch von Geheimdiensten genutzt. Das ist kein Bug, sondern ein Feature.

    Offene Netze sind am unsichersten. Wenn schon, dann nur per VPN.

  3. Godwin am Dezember 10th, 2024 6:10 a.m.

    Aufruf zum freien Denken = Störung der öffentlichen Ordnung
    Anleiten zum umgehen von Hürden = ProtoTerrorismus

  4. ... der trittbrettschreiber am Dezember 10th, 2024 8:09 a.m.

    @trebon
    huch – da ist jemand awake?
    piraten erkennt man ja auch an der augenklappe und dem buddle voll rrumm…hx.

    … ein tor, wer da geheimes denkt und auch noch verschluesselt!

  5. Trebon am Dezember 10th, 2024 6:37 p.m.

    Unsinn. Woher soll jemand wissen, dass ich einen Tor-Browser benutze

    Tja woher wohl. Aber schaun mer mal.
    haschan etwas off topic aber public

    Nicht böse gemeint, aber wenn du länger als sagen wir mal 15 Minuten brauchst um das a.) zu verstehen und b.) in eigenen Worten wieder zu geben bitte ich um ein Wissenstandsupdate.

  6. Juri Nello am Dezember 10th, 2024 6:48 p.m.

    WireCard ist doch gar nicht mehr existent?

  7. Lotta am Dezember 11th, 2024 10:47 a.m.

    Natürich kann man erkennen, ob man über TOR kommt,
    da dessen Server ja bekannt sind.
    Der Inhalt der Übertragung ist aber verschlüsselt,
    und an den ist schwerer heranzukommen.

    Die Wirecard ist deshalb nich mehr existent,
    da Herr Scholz sich nicht mehr an sie erinnern
    kann. ;-P

    @Admin:
    Hattest Du mal ne „Berührung“ mit einem
    erstklassigen Profiler mit dem Handle TER?

    mfg

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