Der Pass

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Man geht ja mit der Masse, durch Algorithmen getrieben, die sich die Großbourgeoisie ausgedacht hat. „Der Pass“ bei Netflix trifft offenbar den Geschmack des Streaming-affinen Volkes. Ich habe mir die erste Staffel angesehen und werde auch weiterschauen, weiß aber nicht, ob ich die Serie empfehlen soll.

Oder: Der einzige Grund, warum ich am Ball bleibe, ist der großartig aufspielende Nicholas Ofczarek. Schande über mich, dass ich den noch gar nicht kannte.

Ich finde, die Abgrenzung zwischen Rechten und Linken verschwimmt – man kann das nicht mehr so eindeutig benennen wie vor 20 Jahren. Es wird komplexer, schwieriger. (Nicholas Ofczarek in einem Interview)

Vielleicht muss man „gut“ und „schlecht“ der Serie einfach gegenüberstellen.

Schlecht: Ich mag die Hauptdarstellerin Julia Jentsch aka Kommissarin Ellie Stocker nicht. Ich finde sie auch nicht attraktiv. Gemeint ist natürlich, wie sie spielt – so irgendwie transusig, blass, psychisch verdreht. Warum setzt man mir eigentlich beim Kripo-Personal emotionale Wracks vor? Mir würden auch „normale“ Personen gefallen, die keinen an der Klatsche haben.

Schlecht und fast ein Grund abzuschalten: Es wird wieder die zigste „Online-Durchsuchung“ praktiziert, hier aber durch den Täter. Der kann wie ein Magier von fern in alle Rechner schauen, sogar die Kommissarin beim privaten Sex beobachten – der übliche Quatsch eben. Man hält – aber vermutlich zu recht – die Zuschauer für ziemlich bekloppt, was IT angeht. Der Plot, was Computer angeht, ist so realistisch wie „The Witcher“. Ich halte das auf Dauer nicht aus, ohne mich zu ärgern – und deswegen schaue ich keine Filme.

Gut: Spannung, überwältigendes Environment (Schnee, Berge, düstere Wälder), Maskenspiele, die auf örtlichen Sagen fußen. Das alles ist originell und definitiv unterhaltsam.

Gut: Nicholas Ofczarek aka Komissar Gedeon Winter spielt alle an die Wand. Man freut sich, wenn er auftaucht, damit es wieder interessant wird. Er ist der Typ, der im breitesten Österreichisch (oder was auch immer das für eine Sprache ist) seine Chefs anbrüllt, wer ihnen „ins Hirn g’schissen“ hätte. Oder auch durch seine bloße Anwesenheit die hartnäckigen Bösewichte einschüchtert, obwohl er sie nur anguckt und derweilen irgendein Fastfood mampft. Der Ofczarekt hat eine physische Präsenz fast wie Travis Fimmel oder Sean Connery.

Schlecht: Der Journalist Charles Turec ist ebenso Fantasy – so einen gibt es nicht, jedenfalls nicht in Deutschland: Einzelgänger, findet alles raus, und darf das auch noch alles drucken, ohne dass eine Kompanie Rechtsanwälte ihm Knüppel zwischen die Beine wirft. Nein, Leute, das ist eure Idee von Journalismus – und die ist so aktuell wie Sherlock Holmes ein Kommissar von heute ist.

Schlecht: Einen Krimi teilweise aus der Täterperspektive zu zeigen, halte ich immer für schwachsinnig. Auch Raymond Chandler hat das so gesehen. Aber ich bin nicht repräsentativ für irgendeinen Publikumsgeschmack.

Also, verehrtes Publikum, entscheide selbst…

der pass

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Kommentare

4 Kommentare zu “Der Pass”

  1. ... der Trittbrettschreiber am Oktober 13th, 2024 2:58 a.m.

    „Warum setzt man mir eigentlich beim Kripo-Personal emotionale Wracks vor?“

    NiemandIn heute möchte Beamten bei Ihrer minutiösen, bald oder vielleicht auch jetzt schon AI-gestützten Ermittlungsarbeit zusehen.
    Ein kleiner Tick, ein persönliches Problem, ein offener Hosenstall oder ein versagendes Nasenspray macht schon dankbar. Die Dialoge könnte man ja früh abschalten, wenn da nicht diese fast schon irgendwie irrationale Hoffnung auf wenigstens einen einzigen Zischlaut aus dem Vernehmungszimmer wäre….hx.

  2. nOby am Oktober 13th, 2024 9:25 a.m.

    Burks, wenn Dich solche Filmchen interessieren, dann kann ich Dir „Soko Wien“ beim ZDF empfehlen.

    1. GESTAPO ähnliches Auftreten der ermittelnden „Polizisten“
    2. Online Durchsuchungen finden immer in Sekunden statt
    3. alle digitalen Vorgänge funktionieren sofort und ebenfalls in Sekunden
    4. Männliche Darsteller sehen aus wie aus der Mülltonne
    5. Weibliche Darsteller sehen nicht aus wie aus der Mülltonne, aber sind wie Chuck Norris oder Bruce Lee. Eine geschätzt 47 kg schwere Schauspielerin legt einen geschätzt 160 kg Rocker per Schulterwurf flach – no Problemo.
    6. Befragungen, Gespräche mit Tätern oder mutmasslichen Tätern sind mehr oder weniger Pöbeleien aber leiden immer unter provokativer bis beleidigender Gesprächsführung von Seiten der „Polizistinnen“. Die männlichen „Polizisten“ halten meist die Klappe.
    7. Täter sind immer Kartoffeln oder indigene Österreicher

    Wenn Du auf sowas abfährst dann macht Dich „Soko Wien“ glücklich!

  3. KeinKölner am Oktober 13th, 2024 2:49 p.m.

    Quotenfrauen und speziell Kommissarinnen sind quasi vorgeschrieben, ansonsten wird das eben nicht gedreht.

    Schau dir mal den „Oiden Depp“ mit den
    Tatort Kommissaren aus München an. Da ist mir dieser Ofczarek erstmals aufgefallen.

    Der spielt da hervorragend einen Zuhälter im München der 60er Jahre. Einer der Besten Tatorte ever für mich.

  4. tvb am Oktober 17th, 2024 1:54 p.m.

    @Burks Danke für den Tip. Alleine Nicholas Ofczarek in einem zeitgenössischem Werk zu sehen ist es wert da reinzuschauen.
    Plot hin oder her.
    Achja und das von dir erwähnte >>breitesten Österreichisch (oder was auch immer das für eine Sprache ist)<< ist wohl der berühmte "Weaner Dialekt". Ein Ohrenschmaus.. ;-)
    Heller, Qualtinger, Kreisler u.v.m.

    Der gute Mann war einige Jahre der "Jedermann" der Salzburger Festspiele und ist Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters.

    Ein großartiger Schauspieler.
    Btw: Wien ist auch eine Reise wert.

    Grüße aus Berlin-Lübars.

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