Einer wird gewinnen

„Bild berichtet gewohnt das Wichtigste nach dem Motto „Inhalte überwinden!“ (pro Harris)
Ich muss schamerfüllt bekennen, dass ich eine Dame, die Taylor Swift heißt („gehört zu den kommerziell erfolgreichsten Musikern aller Zeiten“), gar nicht kannte. Muss ich hoffentlich auch nicht. Ich höre keinen „Country-Pop“. Ich bin aber irrelevant. Es gibt offenbar Leute, die geben ihre Stimme bei Wahlen denjenigen, die von Country-Pop-Sängern empfohlen werden. Nun gut.
Eigentlich wollten wir heute die Berichterstattung der Medien über das TV-Duell zwischen Trump und Harris durchnehmen. Nach der ersten Presseschau gruselte es mich dergestalt, dass ich die Lust auf weitere Lektüre verlor. Deutsche Medien sind grundsätzlich und ausnahmslos für Harris und gegen Trump, sowohl in der Texten als auch in den Fotos. Harris lächelt immer, Trump guckt immer grimmig. In seriösen Medien des Auslands ist das anders.
Man kann das nicht „Gleichschaltung“ nennen, weil niemand schaltet. Korrekt wäre: „gleicher Klassenstandpunkt“. Aber auch das reicht nicht aus, weil beide Kandidaten, die dem Ausschuss vorsitzen wollen, der die gemeinsamen Geschäfte der Bourgeoisie der USA organisiert, der herrschenden Klasse angehören, nur eben zwei unterschiedlichen Fraktionen, die konkurrieren. Interessant, das auch die großen Medien – als auch die kleineren „liberalen“ wie „Mother Jones“ – ausnahmslos gegen Trump sind.
Zum Erinnern: Es ist völlig wurscht, ob Politiker lügen. Sie müssen das. Lügen und das Volk betrügen ist ein Feature dieser Charaktermasken, kein Bug, den man ausmerzen [sic] könnte.
Nur die Mittelklassen interessieren sich für Moral. Ob jemand Rassist ist, ist eine Frage der Moral. Auch wie jemand sich verhält oder wie er etwas sagt. It’s the economy, stupid. Alles andere ist Feuilleton, also irrelevant. Das werden deutsche Journalisten aber nie verstehen.

Titelseite des Berliner „Tagesspiegel“ (pro Harris)
Schaut man sich aber internationale Medien an, merkt man: Es geht auch neutral. Es ist mitnichten die Aufgabe von Journalisten, Flagge zu zeigen irgendeine Haltung zu zeigen und die Welt „einzuordnen„. Das können die Rezipienten ganz allein, wenn sie über ausreichende Fakten und Informationen verfügen, die zu liefern die Journaille verpflichtet ist.
„Tense disputes“ (harte Debatten), die der indische „The Hindu“ es formuliert, ist neutral und steht in guter angelsächsischer Tradition. So war es auch. Was Journalisten meinen, wer „gewonnen“ habe, interessiert mich einen Scheiß feuchten Kehricht. Auch das würde ich selbst entscheiden wollen, wenn ich mir dieses verbale Schauboxen ansähe.
Auch Israel Hayom („der Tag“) titelt neutral, obwohl jeder in Israel weiß, dass eine Präsidentin Harris eine Katastrophe wäre: „Viele Millionen wollten der Debatte zuschauen“. Geht doch!
Überraschend sachlich ist sogar die russische Propaganda (also automatisch alles voll gelogen): „Trump, wie auch Harris, überraschten wenig in ihrem Agieren, das Inhaltliche musste bei bekannten Standpunkten zu relevanten Terminen zurückstecken. Nickeligkeiten und regelmäßige Versuche, sich gegenseitig zu provozieren, prägten das Gespräch.“

Israel Hayom (neutral: „Harris vs. Trump: High-stakes debate showdown attracts millions“)
Übrigens: Peruaner essen auch ihre Haustiere.
Kommentare
5 Kommentare zu “Einer wird gewinnen”
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„Ich muss schamerfüllt bekennen, dass ich eine Dame, die Taylor Swift heißt („gehört zu den kommerziell erfolgreichsten Musikern aller Zeiten“), gar nicht kannte. “
Es ist schon bezeichnend für den Zustand unseres Zeitgeistes, wenn eine der langweiligsten Musikerinnen dieses Jahtausends allein mit ihren Songs und Shows Milliardärin werden kann.
Auch ich musste sie hier unten im Keller gugeln und dabei zusehen, wie mein JEVER noch vor dem Ansetzen des Flaschenöffners ohne auch nur einen einzigen Blubb verschalte.
Die Glimmer-Windelhöschen dieser Dame lassen selbst meinen besoffensten Blick mitleidslos nach unten driften, um einer meiner gepflegten Kellerasseln die berechtigt vorrangige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Sollten die Amerikaner tatsächlich auf Empfehlungen solcher dahinsiechende Kunst- und Geisteshaltungen wählen, kann ich, von Fake-Empörungsanfällen längst müde geworden nur sagen: „Hicks!“.
„Alter, weißer Mann“ gegen „junge, schwarze Frau“.
Selbst wenn Vance angetreten wäre, wären die Medien mehr für das Kamel.
Und Taylor Swift soll Musik machen und ansonsten die Klappe halten.
Taylor Swift sollte man schon kennen
gerade wegen der Ökonomie
aber auch, weil sie wirkt grenzüberschreitend
Die Amis interessiert das einen feuchten Kehricht, was unsere Presse zu ihrer Wahl so sagt.
Überhaupt ist deren Wahlkampf schon seit Monaten hier um, lediglich unterbrochen am Wahltag der Landeswahlen, wo sich schon viele fragten, wo man denn diese tollen Kandidaten wählen kann. Auf dem Wahlzettel stehen nur die Altbekannten.
Interessant würde es lediglich, wenn sich die hiesige Presse gegen die Mittelstreckenraketenaufstellung positionieren würde.
„… wären die Medien mehr für das Kamel“
Sprache kann sehr entlarvend sein.
Gruß
Jens