Links ist kein Lifestyle

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Natürlich hat Sarah Wagenknecht recht: Linkssein heiße, soziale Missstände zu bekämpfen, „und nicht etwa, einen bestimmten Lifestyle zu pflegen, der womöglich sogar noch ziemlich elitär ist. (…) Die Linke hat sich von den ärmeren Schichten teilweise entfremdet, weil sie oft nicht deren Sprache spricht.“

Wie kommt das nur? Ich habe mir die Mitglieder des Parteivorstands der „Linken“ mal genauer angesehen und mich gefragt, warum ich sie wählen würde oder nicht. Schon merkwürdig, dass die biografischen Angaben bei fast allen sehr lückenhaft sind. Beim Internet und wie man sich dort präsentiert, müssen einige auch noch üben.

Jan van Aken, Biologe (Wissenschaftler), hat eine nicht aktiv bediente Website. Definitiv kein Mitglied der Arbeiterklasse.

Ali Al-Dailami, geboren im Jemen, Arbeiter, ist Atheist. Für mich sofort für alles wählbar.

Friedrike Benda. Angestellte: „Mitarbeiter bei MdB“. Spricht Gendersprech. Nichts über ihre Herkunft zu finden. Für mich nicht wählbar.

Judith Benda, Studentin („European Studies“). Für mich nicht wählbar (leider mein Wahlkreis).

Arne Brix, Altenpfleger, jetzt Gewerkschaftssekretär. Wählbar.

Christine Buchholz, Studentin der Erziehungswissenschaften und Geschichte, war Betriebsrätin. Trotzkistin. Sympathisiert laut Jungle World und laut der Zeit „offen mit der palästinensischen Hamas oder der libanesischen Hisbollah, die beide zur Vernichtung des israelischen Staates aufrufen.“ Gibt Wirres über Gaza von sich. Für mich unwählbar.

Tobias Bank, Politik- und Verwaltungswissenschaftler – „einjähriges, freiwilliges Praktikum in einer Haus- und Grundstücksverwaltung“. Für mich nicht wählbar: typischer Parteisoldat ohne Kontakt mit dem Proletariat.

Ulrike Eifler, Politologin, Sinologin, Journalistin. Angestellte des DGB. Keine Informationen über ihre Klassenherkunft.

Franziska Fehst, Chemikerin, Ingenieurin.

Katalin Gennburg, Wissenschaftlerin.

Thiess Gleiss, „Autohasser“ und „Öko-Sozialist“. Metallarbeiter. Für mich sofort für alles wählbar.

Harri Grünberg, war Mitglied bei Matzpen (israelische Linkssektierer). Schwer einzuschätzen.

Bettina Gutperl, Politikwissenschaftlerin, aber Arbeiterkind. Schreibt mit Gendersternchen. Unter Umständen wählbar.

Stefan Hartmann: nicht mehr da. Irrelevant bei Wikipedia – was nichts heisst. Hat mit Kipping zusammengearbeitet. Keine Meinung zu ihm – aber es ist schon merkwürdig, dass nirgendwo etwas Biografisches zu finden ist.

Claudia Haydt, Heilpädagogin, Religionswissenschaftlerin, Soziologin. Ex-Grüne. Würde ich nicht wählen.

Andrej Hunko, machte dies und das. Für mich ein Parteisoldat. Fragwürdige Position zu Gaza und Israel. Bin unschlüssig.

Sigrid Hupach Facharbeiterin für Schreibtechnik, später Diplomingenieurin. Ihr Lebenslauf beeindruckt mich, ihre politischen Schwerpunkte sind vage (irgendwas mit Kultur). Wählbar (ich glaube, dass man ihr die Gendersternchen auf der Website der „Linken“ untergejubelt hat.)

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Katja Kipping (ihr solltet mal die Website für Leute lesbar machen, die ohne Javascript surfen!), studierte Slawistik und Amerikanistin, Juristin – und redet und schreibt auch so. Schrecklich.

Ralf Krämer. Studierte Sozialwissenschaften. Gewerkschaftssekretär. Keine Meinung. Für mich ein Parteisoldat.

Kerstin Köditz, stammt aus der Arbeiterklasse. Antifaschistin, obwohl ich ihre Meinung vermutlich nicht teile. Könnte ich wählen.

Sofia Leonidakis (diese Website ist nicht erreichbar). Politikmanagement und Gestalterin. Für mich nicht wählbar. Ich weiß auch nicht, was „Queerpolitik“ ist – vielleicht so etwas wie „Querdenker“?

Xaver Merk. Arbeiter, Betriebsrat und Gewerkschaftler. Kann ich wählen.

Zaklin Nastic, studierte Slawistik. Ich finde keine Angaben darüber, was sie gearbeitet hat. Vertritt eine rationale Politik zu Russland und zu Polen. Für mich unter Umständen wählbar, ob gleich im Verdacht, nur Parteisoldatin zu sein. (Sorry für das irrelevante Kriterium, aber ich finde sie sympathisch.)

Thomas Nord. „Ich war aus politischer Überzeugung inoffizieller Mitarbeiter des MfS.“ Ein Mann mit klaren Überzeugungen. Auch wenn ihr mich jetzt wegen dessen Biografie scheel anseht: Ich würde ihn wählen.

Simone Oldenburg, Lehrerin. Kein Gendersprech auf ihrer Website. Keine Informationen zu ihrer Klassenherkunft. Wählbar.

Tobias Pflüger, Politikwissenschaftler, bildungsbürgerliche Herkunft. Seine Meinung zum Thema Religion interessierte mich. Keine Meinung zu ihm.

Lucy Redler, Diplom-Sozialökonomin. Kleinbürgerliche Herkunft. Ich würde sie trotzdem wählen, weil sie sich traut, gegen den Mainstream aufzutreten und weil sie einen „starken marxistischen Flügel“ in der Linken aufbauen will. Unter dem Generalverdacht des Linksradikalismus im Leninschen Sinne.

Martina Renner, studierte irgendwas mit Kultur und Kunst. Für mich eine Parteisoldatin ohne Profil.

Franziska Riekewald Kauffrau für Groß- und Einzelhandel, studierte BWL. „Mitarbeiterin im Marketing und Vertrieb bei einem kleinen Leipziger Forschungsbetrieb“. Sieht für mich bodenständig aus. Wählbar.

Christian Schaft, studierte etwas mit Kommunikation und so, beschäftigt sich aber mit interessanten Themen. Kein Zugpferd für die Arbeiterklasse. Keine Meinung.

Dr. Johanna Scheringer-Wright, studierte Agrarwirtschaft. Trotz der schrecklichen Website wählbar, weil es auch nach der Revolution Landwirtschaftsministerinnen geben muss.

Jörg Schindler, Jurist. Schon klar.

Martin Schirdewan, Politikwissenschaftler. Hat einen interessanten Großvater, der ihn hoffentlich beeinflusst hat. Allein deshalb würde ich ihn schon wählen.

Christiane Schneider, Schriftsetzerin, Ex-Maoistin. Ich würde sie wegen ihrer Position zu Religionsführern wählen.

Dr. Ilja Seifert (der Screenshot ganz oben ist von seiner Website), Germanist. Ich würde ihn wählen, weil er querschnittgelähmt ist und für Leute steht, die sich durchbeißen müssen.

Marika Tändler-Walenta (schwierig, etwas über sie zu finden), Parteisoldatin.

Frank Tempel, ehemaliger Kriminaloberkommissar. Das ist kein Arbeiter, aber er spricht ein Milieu an, in dem es vermutlich nicht so viele Linke gibt.

Daniela Trochowski, Dipl. Volkswirtin und Beamtin. Kennt sich vermutlich mit Geld aus, aber ich wüsste gern ihre Meinung zum tendenziellen Fall der Profitrate. Ich würde sie vermutlich wählen.

Axel Troost, „Volkswirtschaftler“ und promovierter Finanzexperte. Ich würde gern von ihm wissen, wie man Großbanken in der Nacht nach der erfolgreichen Revolution verstaatlicht und die Sache nicht wie Tsipras versemmelt.

Jochem Visser, Historiker und Publizist. Für mich nicht wählbar.

Janine Wissler, Politikwissenschaftlerin. Lehnt den Kapitalismus als „unmenschliches, grausames System“ ab“. Gute Frau. Wählbar, obwohl keine Informationen über ihre Klassenherkunft vorhanden. Unter dem Generalverdacht des Linksradikalismus im Leninschen Sinne.

Harald Wolf, Diplom-Politologe. Ex-Trotzkist. Nee.

Raul Zewlik, ist mir natürlich sympathsich, weil er mal Professor in Kolumbien war. Gendersprecher: „Venezolaner*innen “ – geht’s noch?. Wäre nach der Revolution guter Diplomat in Lateinamerika. Könnte ihn aber hier nicht wählen.

Kommentare

14 Kommentare zu “Links ist kein Lifestyle”

  1. Wolf-Dieter Busch am April 8th, 2019 4:53 pm

    Natürlich hat Sarah Wagenknecht recht: Linkssein heiße, soziale Missstände zu bekämpfen …

    Was die „Die Linke“ definitiv nicht tut. Nicht wählbar.

  2. ... der Trittbrettschreiber am April 8th, 2019 4:54 pm

    Da schließe ich mich doch Nina Hagen an – „kann mich garnicht entkleiden, ist alles so schön wund hier, ahuahuahuyiodldiahuahii“.

    Ich vermute mal, dass in garnicht so ferner Zeit Wahlzettel mit linken Großkonzernen ausliegen:
    Bosch []
    Siemens []
    ALDI []
    Dr. Oetker []
    … []

    dazu die Direktwahl der jeweiligen Vorstands-Coaches, die kennt eh keiner, will auch keiner kennen.

    Und als Gegen-„Bewegung“ wegen des Demokratie-Gefühls: LIEGENBLEIBEN.

    Ach was…

  3. Godwin am April 8th, 2019 8:48 pm

    ein Vorstand – ein Führungsgremium also mit viel Verantwortung soll sich deiner Meinung nach aus Angehörigen der Arbeiterklasse zusammensetzen??
    Junge – das ist kein Fussballverein in der Kreisklasse.
    Hier braucht es Profis.
    Selbst die Emporkömmlinge cutten ihre Wurzeln, haben längst aufgehört Teil der sog. Arbeiterklasse zu sein. Evtl. wurden einige ordentlich erzogen und sozialisiert.

    Wagenknecht labert nur Eribon nach. Warum aber erst jetzt? und nicht schon vor 5 Jahren?

    Klar – in dieser Partei wird das niemand interessieren. Da stehen Wahlen an – da gibt es Posten zu ergattern.
    Kipping will irgendwelche Mehrheiten herstellen und erlebt zudem „eine andere Linke“…
    tja so verschieden können Wahrnehmungen sein…

    PS. mit der Einschätzung einiger Personen liegst du falsch

  4. admin am April 8th, 2019 9:10 pm

    @Godwin: 1. Die Führung sollte mehrheitlich wissen, was die Arbeiterklasse ist und NICHT irgendwas mit Medien machen oder ein Parteisoldat sein.

    2. Das kann schon sein, dass ich bei einigen falsch liege, aber ich habe nur die Infos genommen, die ich gefunden habe.

  5. Martin Däniken am April 9th, 2019 12:22 am

    @Trittbrettschreiber:
    Da ist noch Luft nach oben!
    0 MCkinsey (links)
    O MCkinsey(rechts)
    Sowie in der Twix-Reklame,sone Geschichte drumspinnen wie Romeo und Julia/Zielgruppengerecht mal für die homosexuelle oder transgender Community umgebastelt mit Lokalen Schwerpunkten..für die Wähler massengeschneidert und zugleioch individualisiert…

  6. R@iner am April 9th, 2019 8:06 am

    Und was macht man eigentlich, wenn man Führung generell ablehnt? Frage für einen Freund.
    Btw. habe ich einiges von Raul Zelik gelesen und halte ihn für einen klugen Kopf, der wohl in der kommunalen Plattform zu verorten wäre. Dafür, dass er im Vorstand von irgendetwas ist, hat er sich zu Beginn entschuldigt, was ihn mir doppelt sympathisch ist.
    Mao, Lenin, Trotzki – Ich glaube, mir wird schlecht.

  7. blu_frisbee am April 9th, 2019 8:36 am

    Wer „Missstände“ sagt unterstellt, es gienge auch ohne und wäre eine Abweichung vom normalen Funktionieren.

  8. Roman Bardet am April 9th, 2019 10:47 am

    Hallo Herr Schröder,

    netter Artikel. Habe erstmals alles bis zum Schluß gelesen.

    Was fehlt ist der Absatz zu Frau Wagenknecht und ob Sie Frau Kipping nun wählen würden oder nicht. Das bitte nachreichen. Danke.

    Mein Fazit zu diesem Artikel:

    1. Die LINKE liest hier nicht mit, das sagen mir die Kommentare.

    2. Herr Schröder würde auch Moslems wählen.

  9. Jim am April 9th, 2019 11:20 am

    Ohne Kontakt zur Arbeiterklasse? Aber nicht doch, bitte nicht so streng sein. Die bestellen sich auch nen Handwerker nach Hause, wenn die Spülmaschine nicht mehr funktioniert!

    Ansonsten unteressante Liste. Beim ehemaligen Kriminaloberkommissar wüsste ich zu gern, was ihn zur Linken gebracht hat.

  10. Serdar am April 9th, 2019 3:33 pm

    Sag mal Burks, was ist für dich „Arbeiter“ oder „Arbeiterklasse“? Ich weiß das es in der Linken dazu schon immer eine Diskussion darüber gab.
    Wenn jemand arbeitet (irgendwas macht um seinen Unterhalt zu verdienen) ist er oder sie Arbeiter? Ich würde gerne deine Meinung dazu hören.

  11. Crazy Eddie am April 9th, 2019 9:45 pm

    @ Serdar
    Die Arbeiterklasse ist eine Teilmenge aller Sklaven in unserer Gesellschaft, was aber nicht mehr als eine akademische Unterscheidung ist. Die eigentliche Frage ist: Wer ist nicht Sklave? Oder näherungsweise: Wer ist weniger oder am wenigsten Sklave?

    Die Linke verrät sich schon dadurch selbst, wenn sie vorzüglich darauf abhebt, das Los der Arbeiterklasse zu bessern. Mehr Lohn, weniger Steuern, preiswertere Absicherungen gegen Lebensrisiken? Wenn der soziale Friede wirklich bedroht ist, gewährt diese Wohltaten auch: Corporate Elect!

    Aber noch brennen bei uns nicht die Großstädte und solange keine politische Bewegung der Mehrzahl der Sklaven deren Sklaventum bewußt macht, wird das auch niemals geschehen.

    Deshalb wird jeder, der sich seiner Rolle als Sklave bewußt ist, sich damit begnügen müssen, sich seinen Pflichten als Sklave so weit wie möglich zu entziehen, das System möglichst kostspielig in Anspruch zu nehmen und im Allgemeinen so dicht wie möglich unter dem Radar zu fliegen.

    Als Sklave genügt es Dir nicht, Deine grauen Zellen zu nutzen, um Dein Los zu bessern. Du mußt auch die schwarzen Zellen benutzen ;).

  12. admin am April 9th, 2019 11:13 pm
  13. Martin Däniken am April 10th, 2019 10:30 pm

    Also bin ja ein Freund des latent-subversiven Obskurantismus…hat mir mal jemand von der MLpd gesagt!
    Wir sollten wieder anfangen auf Links-gedrehte Kleidung zutragen,
    wie diese Kiddies in den Achtziger
    -war damals sogar vom KGB zur Unterwanderung und letzlich Zerstörung des Kapitalismus initiiert worden
    …kein Scheiss,isch schwör ;-)
    Linksdrehende Joghurtbakterienkulturen müssen den Leuten wieder bewusst werden!
    Linksabbiegen ohne Zeichen zugeben-sorgt dafür das nur die Besten überleben!!
    Und die Revolution ist nahe

  14. megatherium am April 11th, 2019 2:55 pm

    Zumindest Christian Schaft kann ich empfehlen.
    Ein Studienfreund von mir. Sehr engagiert und ein lieber Kerl!

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