Versachlichung
Neusprech.org: „Daher lautet die Biermann-Haase-Erweiterung von Godwins Gesetz: Je länger eine politische Diskussion dauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand die V. derselben fordert. Beziehungsweise, in Anlehnung an Richard Sexton: Wenn jemand die V. einer politischen Debatte fordert, ist die Debatte beendet und der Forderer der argumentative Verlierer.“
Gut gesagt. Ein Wort mit -ung zeigt ohnehin, dass derjenige, der es benutzt, nicht wirklich weiß, was er sagen oder diese Tatsache hinter einer verbalen Nebelwand verbergen will.
Netanjahu ist ein Hampelmann
Spiegel online über den Klassenkampf in Israel: „In Israel gilt keine Fünfprozentklausel, derzeit sind 18 teils winzige Parteien in der Knesset vertreten. Viele betreiben dort Politik ausschließlich für ihr Klientel. Große Reformvorhaben werden regelmäßig von Kleinstparteien ausgebremst, deren Wähler Privilegien verlieren sollen. Im Fall der Regierung Netanjahus sind es vor allem die Parteien der Siedler und Ultraorthodoxen, die ihre Pfründe nicht aufgeben wollen.“
Die Pfründe nicht aufgeben wollen – das kommt mir bekannt vor. Soziale Probleme lassen sich natürlich nicht über das Wahlrecht ändern. Ich erinnere noch einmal an die Sätze Hermann L. Gremlizas (mir glaubt ja eh keiner):
„Solcherlei Substitut für Kritik und Widerstand soll aus dem Bewußtsein halten, daß eine Regierung (…) immer der regierende Ausschuß der herrschenden Klasse ist. Um ihrer und ihrer Klienten ‘Glaubwürdigkeit’ willen muß der Aberglaube an die persönliche Verantwortung des politischen Personals verbreitet werden. (…) Die Männer, die Geschichte machen, sind Hampelmänner (unter ihnen in neuerer Zeit auch immer mehr Hampelfrauen), Handlanger des höheren Interesses, genannt Sachzwang.“
An die Staatsanwaltschaft Berlin
Burkhard Schröder
(…)
08.08.2011
Staatsanwaltschaft Berlin
Turmstrasse 91
10559 Berlin
14 Js 3225/08
2. Mahnung
Sehr geehrte Damen und Herren,
Meine Schreiben vom 1.11.2010 und 13.11.2010 wurden von Ihnen nicht beantwortet
Ich zitiere: „mein Freispruch in der obigen Strafsache ist mittlerweile rechtskräftig. Das Amtsgericht Tiergarten (Gesch.Nr. (231 Ds) 14 Js 3225/08 (20/09) hat in der Sitzung vom 30.06.2009 für Recht erkannt: „Für die erlittene Beschlagnahme wird der Angeklagte entschädigt.“
„Wie aus dem beigefügten Beschluss des OLG München von 22.03.2010 (Az: 1 W 2689/09) ersichtlich ist, beläuft sich die Entschädigung in vergleichbaren Fällen auf 2,30 Euro pro Tag. Mein Rechner wurde am 11.11.2008 beschlagnahmt (…). Ich bitte um Überweisung der entsprechenden Summe auf mein obiges Konto.“
Sie hatten mir in einem Schreiben vom 5.11.20012010 bestätigt, dass ich einen Anspruch auf Entschädigung habe.
Ich darf auf eine Passage im Urteil des Landgerichts Berlin hinweisen, in der der Staatsanwaltschaft Berlin bescheinigt wird: „Der Abschluss des Strafverfahrens ist hier allerdings (…) von der Staatsanwaltschaft rechtsstaatswidrig derart verzögert worden…“
Dass sich seit neun Monaten nichts getan hat, können Sie nicht mit Arbeitsüberlastung oder dergleichen erklären, da die Kosteneinziehungsstelle der Justiz den von mir zu zahlenden Betrag im Verfahren wegen „verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlunng“ zügig und zeitnah angemahnt hat. ((560) 14Js 3225/08 Ns (81/09/)
Ich kann aus der Tatsache, dass rund neun Monate nach dem Urteil die Entschädigung noch immer nicht eingetroffen ist, nur schließen, dass Sie auch in diesem Fall wie gehabt zu verfahren gedenken – die Angelegenheit „rechststaatswidrig“ zu verzögern.
Falls die Entschädigung bis Ende August nicht eingetroffen ist, werde ich den betreffenden Richter informieren und alle Klagemöglichkeiten ausschöpfen.
Hochachtungsvoll
Burkhard Schröder
Faschistische Ästhetik: Unter Lichtdomen und Riefenstählern
Die Salonfaschisten von der Jungen Freiheit lassen erfreulich deutlich die braune Sau raus:
Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin waren ein sportliches Großereignis, wie es noch keines gegeben hatte. Die Organisation war perfekt, die Ästhetik atemberaubend, der politische und kommerzielle Erfolg durchschlagend.
Dazu aus meinem Buch Nazis sind Pop (Kapitel. „Nazis und Populärkultur – warum schwarze Uniformen sexy und Lichtdome erhaben wirken“):
Popkultur bedeutet also, wenn ihr eine verständliche Synthese gelingt. Mehrere einander als fremd definierte Elemente können jedoch als Einheit bedeutungslos bleiben. Prinzipiell gilt im weltweiten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts jedoch: Alles kann oder könnte mit allem kobiniert werden. Die klassische Bachsche Orgel mit traditionellen Instrumenten der indischen Sihks, die Malerei der australischen Aboriginals mit aztekischer Tempelkultur, „volkstümliches“ Jodeln mit der Pfeifkunst kanarischer Hirten.
Beinahe alles. Populärkultur kann nicht geschichtslos sein, denn sie wirkt aktiv an der Historie mit, sie erinnert, übersetzt Altes in neue Codes und mit Hilfe neuer Codes, sie konserviert Bedeutungen wie
ein Bernstein das prähistorische Insekt. Deshalb kann und darf niemand die Lichtdome der nationalsozialischen Parteitage mit Klezmer-Musik kombinieren, Leni Riefenstahls Fotografien afrikanischer „Natur“völker können, würden sie mit Bildern osteuropäischer Juden aus dem letzen Jahrhundert verknüpft, nie ihren historischen Kontext verleugnen, der sich vor allem mit der Biografie Riefenstahls eindeutig einstellt. Kunst ist nie Pop und Kultur ohne die Person des Künstlers. (…)
Den größten und medienwirksamen Erfolg erzielte „Rammstein“ aber durch ein Video zu ihrem Lied „Stripped“ [vgl. oben] : sie ließen Zitate aus Leni Riefenstahls Film über die Olympischen Spiele im Jahr 1936
montieren. Natürlich war das als Provokation gedacht, denn die Lichtdome Albert Speers, damals durch 150 Flakscheinwerfer gebildet, gelten in der kollektiven Erinnerung als nationalsozialistische Ästhetik par excellence. Leni Riefenstahl und ihre Methode, politische Inhalte mit den Stilmitteln säkularer Religionen zu vermitteln und somit bestimmte Formen der Popkultur zu antizipieren, ist vor allem deshalb problematisch, weil sie das leugnet, was den Kern ihrer Arbeit ausmacht: gruppendynamische Gefühle rituell einzuüben. Ein heutiges Skinhead-Konzert ist nichts anderes als die Bonsai-Ausgabe eines Reichsparteitages.
How do websites block Tor nodes?
Der Friederich, der Friederich, das war ein arger Wüterich! Jetzt fordert er „das Ende der Anonymität im Internet“. Bruhahaha.
Wie will er denn das durchsetzen? Wieso hat ihn das beim ehemaligen Nachrichtenmagazin niemand gefragt? Waren sie in Ehrfurcht erstarrt? Oder hat man bei der Ausbildung der Redakteure vergessen zu lehren, dass es nicht die Aufgabe von Journalisten ist, die Propaganda von Behörden zu verbreiten? (Die Leute, die dafür zuständig sind, nennt man „Pressestellen“.)
Übrigens muss ich hier das mir bisher unbekannte Blog Rentner-News lobend erwähnen. „Innenminister Friedrich fordert Zensur“ liest man da. Das ist zwar technisch gesehen nicht ganz richtig, aber inhaltlich ein Schritt in die richtige Richtung.
Friedrich kann sich darauf verlassen, dass die Mainstream-Medien seine Agitprop kritiklos wiederkäuen, ohne dass irgendjemand das Publikum darüber aufklärt, wie dämlich und technisch unsinnig die Forderung des Innenministers ist. Ihm geht es ja nur darum, einen Stein ins Wasser zu werfen und die medialen Wellen zu beobachten, die entstehen.
By the way: Sogar in der Mailingliste des Tor-Projekts kann man nachlesen, wie Websites den Anonymisierungdienst blocken können (Wikipedia macht das schon lange):
You can generate a list of Tor IPs that allow exiting to your IP(s) at https://check.torproject.org/cgi-bin/TorBulkExitList.py, or use the
TorDNSEL service https://www.torproject.org/projects/tordnsel.html.en
Services should never block Tor users altogether, but instead implement rate limiting, read-only access, etc, and unblock Tor after a few days or weeks.
Letzteres werden die Chinesen natürlich nicht beherzigen.
Second Life Facebook Style

Die größte 3D-Welt Second Life geht einen Schritt in Richtung Facebook. Die Profile, die man im Avatar über sich selbst anlegen kann, sind jetzt im World Wide Web einsehbar; man muss also nicht mehr einen speziellen Viewer benutzen.
Krypton Radio schreibt: San Francisco based Linden Lab (LL), creators of the virtual world Second Life (SL), have taken the next step in what appears to be their overall plans to merge SL with the social media craze that has been sweeping the internet for many years now. The public profiles of SL users have now been changed to work more like the well known Facebook wall, allowing other users to post comments on the profiles of anyone who has it turned on, and it’s turned on by default. Originally a users profile could only be seen by another user while logged-in and in-world, but as Linden Lab pushed its next-gen Viewer project, it moved the profiles to website based.

Die Geschäftsidee von von LindenLab unterscheidet sich überhaupt nicht von der anderer sogenannter „sozialer Netzwerke“. Es geht immer und ausschließlich darum, die Daten und das Nutzerverhalten zu loggen und zu verkaufen. Das ist bei Google Mail ja auch nicht anders. Diese Unternehmen vertrauen darauf, dass 95 Prozent alles Nutzer dämlich sind und sich das gefallen lassen. Damit liegen sie richtig.

Man kann das Schlimmste verhüten (vgl. Screenshot):
To adjust your privacy settings, log into your profile via https://my.secondlife.com/ Go to Settings, then Privacy, and you can set your Feed setting to Nobody. This will prevent anyone from using your Feed/Wall, and your other settings can only be set to a minimum of friends if you want to hide it from the general public. Also, the web-profiles work independently of your client, no matter what version you use. Using an older client will not disable this, you will still need to log into your web-profile in order to change your settings.
Atrevido
Das Foto wurde 1982 auf dem Amazonas in Brasilien gemacht. „Atrevido“ heisst Naseweis.
Im Internet gibt es [bitte selbst ausfüllen]
„Die Taliban erklärten in einer Mitteilung im Internet“.
Liebe deutsche Medien, Offline-Journalisten und Internet-Ausdrucker: „im Internet“ ist keine korrekte Ortsangabe. Guckst du auch hier:
Falsch und unjournalistisch ist daher die Gepflogenheit von Spiegel online (29.04.2008), die Quelle im World Wide Web zu kennen, den genauen Fundort aber bewusst zu verschweigen: “Im Internet ruft der deutsche Islamist Eric B., der in Pakistan oder Afghanistan vermutet wird, Gesinnungsgenossen zum Dschihad auf.” “Im Internet” kann heißen: In einer Newsgroup im Usenet, in einem WWW-Forum, auf einer Website, im Internet Relay Chat, in einer Mailingliste. Die Angabe ist zu ungenau, um noch einen informationellen Wert zu haben. Besser wäre hier gewesen, schlicht “rief öffentlich dazu auf” zu schreiben. “Im Internet” suggeriert auch, dass der Autor irrig “Internet” für einen Synonym für “World Wide Web” hält oder seine Informationen schlicht irgendwo abgeschrieben hat.
Ihr lernt es nie.
Hüfthohe Schweine
Spiegel online rotzt eine Meldung lieblos daher, ohne Links, ohne Quelle, noch nicht einmal den Ort erklären sie uns. Hier ist das Original von der Polizeidirektion Flensburg:
Wanderup / Oeversee (ots) – Freitagnachmittag, gegen 13:30 Uhr, kam auf der Tarper Straße eine junge Frau mit ihrem Golf von der Fahrbahn ab, durchfuhr einen Knick und kam auf einer angrenzenden Koppel zum Stehen.
Die Mutter alarmierte die Polize : Zirka 20 relativ große hüfthohe Schweine hatten den VW plötzlich umringt und am Fahrzeug gerüttelt. Das Revierverhalten beeindruckte die Frau so stark, dass sie mit ihrem 2jährigen Kind nicht aussteigen konnte.
Beamte der Polizei-Zentralstation Tarp eilten zur Hilfe und befreiten die beiden unverletzten Fahrzeuginsassen.
Es entstand geringer Sachschaden am Fahrzeug und am Knick. Um die Bergung des VW wollte sich die Familie selber kümmern.
Das Kind beobachtete die Maßnahmen wohlwollend.
Der verantwortliche Landwirt hatte Kenntnis und erschien am Unfallort.
Die letzten beiden Sätze sind zum Kringeln. Die reden wohl immer so und können sich das Beamtensprech nicht mehr abgewöhnen. „Das Kind freute sich, und der Bauer wusste schon Bescheid.“ Aber das wäre ja Deutsch.
Ganz viele Damen in Sicht
Ich hatte die schwarzen Steine und mein Gegner verlor, weil er das Zeitlimit beim Blitzschach überschritt, aber so eine verrückte Stellung hatte ich noch nie. Ich glaube, ich hätte nicht gewinnen können. Oder?
Klassenkampf in Israel
Schmok: „Gestern gingen 150.000 Menschen in Israel auf die Straße, um gegen die rechte Regierung und die sozialen Missstände zu demonstrieren. (…) Der soziale Friede in Israel bröckelt zunehmend. Während Überlebende des Holocaust in Armut leben und jedes dritte Kind hungrig abends ins Bett geht, Mieten ins unermessliche steigen und die arabische Bevölkerung schön getrennt vom Rest gehalten wird, schafft der Protest vielleicht etwas, was die Friedensbewegung in den letzten Jahren nicht vermochte: eine Annäherung zwischen palästinensischer und jüdischer Bevölkerung.“
Burks hat geklickt
Deutschlandradio: „Die Suche nach den Macher der rechtsextremen Internet-Seite „Nürnberg 2.0“.
„So unbedeutend die Webseite sein mag – man möchte doch wissen, wer dahinter steckt. Burkhard Schröder, Rechtsextremismusexperte und Fachmann für Internetrecherche in Berlin, hat die Seite angeklickt. Er stellt fest, dass sie lediglich eine Unterseite eines Portals ist, das sich ‚Artikel 20‘ nennt. Kein Impressum, keine Kontaktadresse. ‚Natürlich nicht‘, sagt Burkhard Schröder.“
Deutsches Internet
Deutschland: JWF beunruhigt über mögliche Einführung von „nationalem Internet“
5.8.2011 – Die Pläne der deutschen Regierung zum Aufbau eines „nationales Internets“ nehmen offenbar Form an. Journalists without Frontiers (JWF) zeigt sich besorgt über die Ankündigung des Ministeriums für Kommunikations- und Informationstechnologie, eine Testversion einer neuen Internetinfrastruktur bis Ende August 2011 freizuschalten.
Schon seit mehreren Monaten sprechen deutsche Regierungsvertreter öffentlich über ihre Pläne zur Einführung eines „reinen“ inländischen Internets. Sollte die Regierung ihre Ankündigung wahrmachen, droht aus Sicht von JWF eine neue Dimension der Online-Überwachung sowie eine Abschottung der deutschen Bevölkerung vom internationalen Internet. „Die Pläne zeigen, dass das Regime eine vollständige Zensur über alle Kanäle der Informationsverbreitung verhängen will“, so JWF. In der Konsequenz würde eine Art Intranet mit neuen Möglichkeiten entstehen, Dissidenten, Oppositionelle, Blogger und kritische Internetnutzer zu kontrollieren.
Nach den Angaben der Regierung dient das Projekt der Abwehr von Internetangriffen von außen, dem Schutz unter anderem vor „unmoralischen“ Inhalten im World Wide Web, insbesondere der Kinder- und Jugendpornografie, sowie der besseren Verwaltung nationaler E-Mails und Sammlung von Informationen im Inland. Möglicherweise soll das neue Netz zunächst parallel zum internationalen Internet eingeführt werden und dieses später ersetzen. Vermutlich sollen lediglich Unternehmen wie Banken und staatliche Einrichtungen wie Ministerien einen Zugang zum weltweiten Internet behalten.
Genauere Einzelheiten über die technische Umsetzung der Pläne sind bisher nicht bekannt. Dem Minister für Kommunikation und Informationstechnologie zufolge soll das neue Internet eine acht Mbps-Breitbandverbindung bieten, die später auf 20 Mbps erweitert werden soll. Zudem hat die deutschen Regierung für Beginn 2012 den Start einer nationalen Suchmaschine mit Namen „Heimat“ angekündigt.
Die Bundesrepublik Deutschland gehört seit Jahren zu den Staaten mit der weltweit stärksten Online-Filterung und Überwachung.
Ewiger Ruhm
Aus Datenschutzgründen
Guten Tag,
ich habe eine journalistische Frage an den Kollegen xxxxx und hätte gern eine E-Mail-Adresse von ihm, die andere Leute nicht mitlesen können.
Mit freundlichen Grüssen
Burkhard Schröder
Sehr geehrter Herr Schröder,
bitte senden Sie Ihre Mitteilung für Herrn xxxxxan uns. Wir leiten dann weiter. Sicher haben Sie Verständnis, wenn wir aus Datenschutzgründen die Adressen unserer Mitarbeiter nicht außer Haus geben.
Mit freundlichem Gruß
xxxxx
Süddeutsche Zeitung GmbH
xxxxx schrieb:
bitte senden Sie Ihre Mitteilung für Herrn xxxxx an uns. Wir leiten dann weiter.
Sie haben mich nicht verstanden. Ich schrieb: „ich hätte gern eine E-Mail-Adresse von ihm, die andere Leute nicht mitlesen können.“
Ich möchte nicht, dass Sie meine E-Mails an Herrn xxxxx mitlesen. Ausserdem zöge ich es vor, ihm eine verschlüsselte Mail zu schreiben, finde aber leider seinen öffentlichen Schlüssel nicht auf der Website
der Süddeutschen.
Burkhard Schröder
Sehr geehrter Herr Schröder,
ich habe Sie sehr wohl verstanden und Ihnen auch geschrieben: aus Datenschutzgründen geben wir keine Adressen unserer Korrespondenten außer Haus. Sie können auch gern den Postweg nehmen.
Mit freundlichem Gruß
xxxxx
Süddeutsche Zeitung GmbH
Snailmail
Stasi-Akten
Ich habe heute noch einmal bei der BStU einen Antrag auf erneute Einsicht in meine Stasi-Akten gestellt. 1993 hatte ich sie zum letzten Mal eingesehen; damals waren sie aber noch nicht vollständig.
„Das Objekt [B.S.] ist Bartträger, sauber, aber nicht modern gekleidet und macht den Eindruck, nicht besonders gesprächig zu sein.“
Har har. Die hatten mich vorsorglich auch unter der Abteilung „Internationaler Terrorismus“ gespeichert. Ein Mitarbeiter der BStU erklärte mir damals, dass das so üblich gewesen sei, wenn man aussergewöhnlich viele und exotische ausländischen Stempel im Reisepass gehabt hätte.
Ich bin gespannt, was sich jetzt dort findet. Ich vermute dort einen Namen, den ich ohne zu zögern auch hier posten würde…
Der allergrösste Schlag gegen das allerschlimmste Böse im bösen Internet
Ich darf aus gegebenem Anlass noch einmal auf meinen Telepolis-Artikel vom 31.12.2007 hinweisen: „Der angeblich „riesige Kinderporno-Skandal“ unter dem Code-Namen „Operation Himmel“ hat sich als Operation Heiße Luft erwiesen.“
Beim Thema KiPo im Internet heisst es ja: Kopf ab zum Gebet, wir drucken die Public Relations der Ermittler ohne kritische Rückfrage ab und träufeln noch ganz viele Superlative in den Artikel. „Die bisher größte Aktion“ (Beweise? Fakten?) Kein Wort darüber, dass es dem FBI erlaubt ist, kinderpornografische Angebote online zu stellen, also so zu handeln, wie hierzulande die Dauerskandal-Behörde Verfassungsschutz mit Neonazis – das Problem zu vergrößern oder gar erst zu erzeugen, was man bekämpfen will.
Viele deutsche Medien suggerieren in ihrer Berichterstattung missverständlich, es gebe Websites, auf denen jemand zufällig oder per Google Kinderpornografie finden könnte. Das ist so nicht richtig: Eindeutige Kinderpornografie ist so gut wie in jedem Land der Welt mit einem funktionierenden Rechtssystem verboten. Anonyme Websites, die keinem Provider zugeordnet werden könnten, gibt es aber nicht. Die Strafverfolger könnten also prinzipiell immer nachprüfen, wer eventuell Verbotenes hostet. Man sollte auch nicht unterschlagen, dass es dem US-amerikanischen FBI erlaubt ist, Lockspitzel-Angebote ins Netz zu stellen, also selbst strafbare Handlungen zu begehen und kinderpornografische Angebote zu verbreiten, um Kriminelle damit zu fassen. Das geschah etwa bei der „Operation Landslide“, die 1999 in den Medien als „der größte Schlag gegen die kommerzielle Kinderpornografie aller Zeiten“ bezeichnet wurde. (geschrieben 2007)
Spiegel online hat die „Fakten“ von CBS (natürlich ohne die Quelle oder die Presseerklärung des US-amerikanischen Justizministeriums zu verlinken. Wo kämen wir denn hin, wenn deutsche Leser mit ausländischem Medien konfrontiert würden!).
Nur zum Vergleich: laut TOP10 –die gefährlichsten Städte der Welt werden in Kapstadt 50, in Rio de Janeiro 20 Menschen am Tag ermordet. So etwas findet man aber nicht in den Headlines und „Top Stories“ der Mainstream-Medien.
Viel Lärm um gehackte zwielichtige Ratten
Jetzt raunt und hackt es wieder im deutschen Blätterwald. Das Internet ist ja sooo gefährlich! Und erst die pöhsen Chinesen! Ganz viele Rechner wurden „gehackt“, schreibt das ehemalige Nachrichtenmagazin Spiegel online und häckselt den Artikel in vielen kleine Abschnitte, um die Klickraten zu erhöhen:
„Den Analysen der Sicherheitsexperten zufolge nutzten die Angreifer traditionelle Phishing-Methoden: Sie schickten fingierte E-Mails an Mitarbeiter der Zielobjekte, die über die nötigen Zugriffsrechte für das jeweilige Computernetzwerk verfügten. Sobald die Opfer diese Mails öffneten oder auf einen darin enthaltenen Link klickten, lud der Trojaner weitere Schadsoftware.“
Und alle plappern es nach und fallen auf die PR-Kampagne von McAfee herein. Das sind Lobbyisten bei McAfee! (Und wie viele unabhängige Quellen hattet ihr eigentlich?)
Noch mal ganz langsam zum Mitschreiben: Wie kann ein Unternehmen so bescheuert sein, dass die Mitarbeiter auf Phishing-Angriffe hereinfallen? Ich weiß es: Man erlaubt E-Mails in HTML und surft mit Javascript. Wie in allen deutschen Medienanstalten auch üblich.
Euch ist einfach nicht zu helfen. Oder: Dummheit muss bestraft werden. Meine Schadenfreude ist groß, aber auch mein Ärger über die gewohnt dämliche Berichterstattung, die den Lesern das Wesentliche vorenthält: Niemand kann sich irgendwo „reinhacken“, wenn das nicht irgendein Idiot zulässt.

Ich zeige Euch was – diese E-Mail bekam ich gestern:
Date 2011.08.01
Aktuelle jдhrliche Berechnung Ihrer steuerlichen Tдtigkeit haben wir festgestellt, dass Sie haben Anspruch auf eine Steuerrьckerstattung von 431,10 EUR erhalten. Bitte senden Sie eine verifizierte Steuererstattung Anfrage und lassen uns von 1-3 Tagen in Oder, um es zu verarbeiten.
Eine Erstattung kann fьr eine Vielzahl von Grьnden verzцgert. zum Beispiel Vorlage ungьltige Datensдtze oder die Anwendung nach Ablauf der Frist.
Bitte downloa Datei in E-Mail mit dem Namen „Ьberprьfen Formular“ angehдngt fьr die Neugrьndung 431,10 EUR
Mit freundlichen GrьЯen,
Deutsche Postbank AG
Copyright © 2010. Alle Rechte vorbehalten.

Das Attachement war eine HTML-Datei. Ich kann die natürlich gefahrlos öffnen, da ich dem Browser verbiete, irgendwelche aktiven Inhalte zu laden. (Surft noch irgendein dümmster anzunehmende User mit eingeschaltetem Jacascript? Ja? Quod erat demonstrandum.)
Die HTML-Datei – das Attachment (vgl. oben) – sieht auf den ersten Blick wie die Login-Website der Postbank aus. Aber der Quellcode ist aufschlussreich:

Noch Fragen? Ich habe übrigens beim LKA Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Betrugsversuchs gestellt. Die haben alles bekommen, was sie brauchen. Mal sehen, was daraus wird.
Trödel
Heute besuchte ich den Rixdorfer Trödelhändler meines Vertrauens, fußläufig nur wenige Minuten von meiner Wohnung entfernt. Nach einer knappen Stunde hatte ich sechs Bücher und einen Stiefelknecht ausgesucht – letzteren bekommt man bei Ebay nicht unter acht Euro inklusive Versand.
Greg Egan: „Teranesia – bei Science Fiction kann man viel falsch machen und ich bin anspruchsvoll, da ich mich auch schon im Fach versucht habe. Einen australischen Autor, der zudem einen Ruf hat, kannte ich noch nicht. Gut für’s Klo oder beim U-Bahn-Fahren.
„Spanisch – wie es nicht im Wörterbuch steht“ – ich hatte geblättert und war amüsiert. „Kurzgefasste deutsche Stilschule“ (1966) und „Wegweiser zu einem guten deutschen Stil“ (1954) – das Erscheinungsjahr der Büchlein verspricht eine interessante Lektüre.
Das „Deutsche Universal Wörterbuch A-Z“ (1996) wiegt rund zwei Kilo und hat 1816 Seiten – immer nützlich. Dafür muss ich noch Platz freischaufeln irgendwo in meinen ohnehin übervollen Regalen.
Das Kochbuch werde ich durchblättern und herumexperimentieren. Ich habe schon ein paar, die sind aber unübersichtlich.
Dann noch Gwen Bristow – deren Bücher habe ich schon als Junge gelesen, weil meine Mutter sie besaß, nicht jedoch die Wildwestromanze „Kalifornische Sinfonie“ (Jubilee Trail).
Alles zusammen, samt Stiefelknecht: zehn Euro. Da kann man nicht meckern. Ich musste jedoch eine Weile handeln. So etwas bin ich jedoch aus Südamerika gewohnt, und da musste ich es in spanischer Sprache. Unter einer halben Stunde Gefeilsche geht dort gar nichts. Ein deutscher Trödler sollte mich also eigentlich nicht über’s Ohr hauen können.

























