Zu viel Gewalt & Porno: Berufsverbot für Heavy-Metal-Fans

Mir verschlägt es schier die Sprache. In Telepolis lese ich, dass ein Musiker der Band Debauchery (das ist wohl eher Death Metal, nicht Heavy Metal) kein Ethik-Lehrer sein darf.

Noch schlimmer: Er wurde vor “…die Alternative gestellt, entweder sein Engagement als Musiker aufzugeben oder als Lehrer zu kündigen. Er entscheidet sich für Letzteres. Doch damit gibt sich das Stuttgarter Regierungspräsidium nicht zufrieden. Es will Gurrath erst dann wieder als Lehrer einstellen, wenn er ‘(…) den Nachweis erbringt, dass er sich von seiner bisherigen Musikrichtung (…) über einen Zeitraum von drei Jahren distanziert hat (…)'”.

Distanzieren – das ist auch so etwas typisch Deutsches. Eine Art exorzistisches Ritual des Prostantismus – die Katholiken kennen ja die Flagellation. Was dem Büßer seine Peitsche, ist dem Protestanten und Lichterkettenträger das Distanzieren. Ja, ich bekenne feierlich, dass ich meinen Musikgeschmack geändert habe und nur noch seichten Mainstream höre und produziere und dass ich alles, was ich an Geräuschen von mir gebe, zuerst dem örtlichen Jugendschutzblockwart vorlegen werden. Das ist Deutschland. Angeblich, so Telepolis, soll die Rektorin des Hegelgymnasiums Stuttgart den Delinquenten als “psychisch krank” bezeichnet haben. Vermutlich hört sie jeden Abend Musikantenstadl. Das nenne ich “psychisch krank”.

Wie berichten die Mainstream-Medien, etwa die Welt? “In einem anderen Video (hier geht es zur Homepage der Band, ACHTUNG: VIDEO AB 18!), das aus gutem Grund auf YouTube nicht frei verfügbar ist, haben zwei Frauen miteinander Sex vor dem “Pussycat”-Zeichen.” Aus “gutem” Grund? Aus welchem denn? Werden 17-Jährige irgendwie geschädigt, wenn sie verpixelten Frauen beim Sex zusehen? Übrigens küssen die sich nur. (Und es ist durchaus noch bei Youtube vorhanden, Dirk Peitz. Vielleicht haben sie nur den Kinderfilter bei Welt Online nicht umgehen können? Ich sehe auch kein “Porno”. Das ist ekelhafte und dämliche Denunziation, Herr Kollege!)

Natürlich weiß jedes, dessen Intelligenzquotient die Zimmertemperatur übersteigt, dass diese Entscheidung der hohlköpfigen Schulbürokraten in Baden-Württemberg vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte keinen Bestand haben wird: Der hat bekanntlich auch den so genannten und urdeutschen Radikalenerlass in Gänze in die Tonne getreten. Was soll der Quatsch also?

Jemand kommentierte bei Youtube: “der Kerl dürfte jederzeit meine Kinder unterrichten …denn die schlimmeren Alternativen für Kinder sind eine Waldorfschule-Gehirnwäsche oder eine mögliche Vergewaltigung in einem katholischen Internat.” Recht hat er.

Kommentare

One Kommentar zu “Zu viel Gewalt & Porno: Berufsverbot für Heavy-Metal-Fans”

  1. Fello am Juni 2nd, 2010 10:25 am

    Also ich finde den Artikel bei WELT online sehr objektiv und unvoreingenommen. Ist einwandfrei geschrieben und setzt sich kritisch mit dem Thema auseinander. Ausserdem hast du wohl das falsche Video gesehen. Es geht um das Video zum Song “Warmachine” – und dieses ist nicht länger verfügbar, leider nichtmak auf der Website der Band. Und in diesem Video wird mehr als nur geküsst. Da stecken sich blutbesudelte Frauen Dildos in ihre Muschi. Ich nehme an das Problem war, dass das Video auf debauchery.de ohne Alterseinschränkung verfügbar war. Nichts desto trotz, ist diese Entscheidung natürlich eine Schande für Deutschland.

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