Konkret Ruhe und Ordnung
Die konkret lese ich schon seit den siebziger Jahren, als das Cover noch nacktes Frauenfleisch zeigte. (Ja ich bekenne: Als Student las ich auch Spontan, die heute von den Jugendschutzwarten sofort beschlagnahmt werden würde.) „konkret bezeichnet sich selbst und wird charakterisiert als eine (radikal) linke Zeitschrift, d.h. sie steht im politischen Spektrum links von den im Bundestag vertretenen Parteien. Ein Leitspruch der Zeitschrift ist ‚lesen, was andere nicht wissen wollen‘.“ (Hübotter – den kannte ich noch nicht, war eine Bildungslücke.) So ist es denn auch: Bei der Hälfte der Artikel wendet man sich mit weltanschaulichem Grausen laut fluchend ab, wie in der aktuellen Ausgabe beim lesen des Gesprächs mit Peter O. Chotjewitz „über die Stadtguerilla und die Revolution“ (der hat wirklich einen politischen Knall), bei den anderen nickt man als gelernter unorthodoxer Linksextremist anerkennend.
Artikel in der konkret über die kackbraunen Kameraden überlese ich zumeist, weil es sich nur um die übliche alarmistische Attitude mit moraltheologischem Hintergrund handelt. So auch bei „Ruhe und Ordnung“ von Svenna Triebler. Aber dann blieb mein flüchtig schweifendes Auge doch an einem Gedanken hängen. Und siehe, er war gut: „So lange sich der faschistische Mob darauf beschränkte, in seinen „national befreiten Zonen“ auf Ausländer, Linke und sonstige nicht ins rechte Weltbild passende Menschen loszugehen, konnte er dies relativ ungehindert tun. Seit der braune Nachwuchs aber nicht nur linke Dresscodes kopiert, sondern auch offen staatsfeindlich auftritt, sieht der Staat sein Gewaltmonopol in Frage gestellt und geht mit Maßnahmen gegen die Szene vor, mit denen bisher vor allem Linke bedacht wurden, etwa mit teils absurden Auflagen für oder Totalverboten von Demonstrationen.“ Und sogar ein zweiter auch: „Ein Staat, der tagtäglich unerwünschte Ausländer in die Armutszonen der Welt abschieben läßt und die übrigen mißtrauisch ob ihrer Deutschlandkompatibilität beäugt, macht sich mit noch so vielen „Bunt statt braun“- und „Friedliches Miteinander“-Appellen nicht glaubwürdiger im Kampf gegen Rassismus.“
Das war das Wort zum Sonntag.
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