Syrien oder die gerufenen Geister

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Leider muss ich das Publikum noch einmal mit Syrien belästigen. (Chor im Hintergrund mit weinerlichem Unterton: „Warum tust du dir das an?“) Es geht um die Kohle, woher sie kommt und geht und um Öl und Gas.

Die Experten sind sich nicht einig, deshalb muss ich selbst recherchieren.

Meinung I: Die Hauptakteure der ausländischen Parteien, die in Syrien Krieg führen, sind Gas-Exporteure mit Interessen in einem von zwei umkämpften Pipeline-Projekten. Dabei geht es um die Ausbeute der weltgrössten Erdgasreserven, nämlich des Gasfeldes South Pars/North Dome, welches auf dem Grund des Persischen Golfs liegt und zum Teil dem Iran, zum Teil Katar gehört.

Meinung II: Der Krieg für Gas und die „Pipeline-Theorie“ seien ein Märchen. Besonderer Popularität erfreut sich die „Pipelinetheorie“. Ihr zufolge sei der Krieg in Syrien auf das Scheitern einer „Katar-Türkei-Pipeline“ zurückzuführen. Diese hätte von Katar über Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien in die Türkei und von dort nach Europa führen sollen. Die USA hätten das Projekt unterstützt um die ebenfalls Erdgasexportierenden Iraner zu schwächen – auch hätte es Europa unabhängiger von russischen Gasimporten gemacht. Doch Assad, so die Erzählung, hätte ihnen allen einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem er das Projekt ablehnte (um die Interessen seiner iranischen und russischen Alliierten zu schützen).

Und im Hintergrund agiert natürlich Erdogan.

Zur Info: die zweite Meinung wird von der Organisation Adopt a Revolution (AaR) vertreten, die Gendersprache schreibt („zivilgesellschaftlicher Akteur*innen“). Man weiß also schon vorher, was sie sagen und dass möglichst bald und oft der Begriff Rassismus vorkommt. Und siehe: die Pipelinetheorie „ist perfide rassistisch, weil sie Syrerinnen und Syrern ihren freien politischen Willen abspricht und sie stattdessen als Marionetten ausländischer Mächte denunziert…“ Man kann solche Leute* nicht ernst nehmen, aber die Argumente sind nicht alle von der Hand zu weisen.

Die erste Meinung (2015) vertritt der Journalist Helmut Scheben. Der hat, wie er schreibt, seine Analyse von Mitchell Orenstein und Foreign Affairs. Der Pipeline-Streit war wohl nicht mehr als ein gewichtiger Faktor unter vielen, die Syrien in den Krieg trieben.

Scheben bezieht sich auch auf das Buch Lüders‘ Buch Lüders‘: „Die den Sturm ernten: Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte“. Die grünen „Faktenchecker“ sehen das anders: Auch in Michael Lüders‘ Syrien-Bestseller „Die den Sturm ernten“ wird die falsche Geschichte unkritisch wiederholt.

Beide Seiten haben Argumente, aber Scheben IMHO die Besseren. Ich glaube aber eher nicht an einen Masterplan der USA, sondern dass alle beteiligten Parteien da hineingeschlittert sind und jetzt das klassische Problem des Zauberlehrlings haben.

Herr, die Noth ist groß,
Die ich rief die Geister
Werd ich nun nicht los.

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*Im Impressum steht u.a. Svenja Borgschulte, Sprecherin der BAG Migration und Flucht der „Grünen“.

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Kommentare

7 Kommentare zu “Syrien oder die gerufenen Geister”

  1. Trebon am Dezember 12th, 2024 11:13 p.m.

    Naja, wer glaubt das irgendeine Regierung sich die Durchleitungsgebühren entgehen lässt weil RussiaIsraelUsaTurkey Gefühle zeigt hat ne merkwürdige Haltung zu Politik. Um den derzeitigen Stand im Golf zu checken reicht auch jeder Ship.. ähhmm AIS ähhhmmm überhaupt n Schimmer wie man sowas recherchiert? Die Märchenstunden aus Tageschau und von Zionistenfans wie hier helfen da wohl kaum weiter.

  2. ... der trittbrettschreiber am Dezember 12th, 2024 11:28 p.m.

    Theo Waigel sagte kuerzlich bei Lanz, man sollte die Subventionen per Giesskanne kuerzen – da koennte man doch bei den Besenherstellern gleich anfangen…hx.

  3. blu_frisbee am Dezember 13th, 2024 9:53 a.m.

    Mit Klimakatastrofe kriegen fossile Konzerne das Geld,
    Proleten billige Lebensmittel.
    Der „Oh-Shit“-Moment kommt später.

    https://www.youtube.com/watch?v=xWWXD_NKpHs

  4. Godwin am Dezember 13th, 2024 5:24 p.m.

    wird man die Einnahmequelle weiter sprudeln lassen,
    oder werden die Preise hier bald explodieren?

    https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Rebellen-fuehren-durch-riesiges-Drogenlabor-in-Syrien-article25431119.html

  5. Jens am Dezember 13th, 2024 9:58 p.m.

    „Der „Oh-Shit“-Moment kommt später.“
    … genialer Einwurf. Den werde ich mir merken.
    Gruß Jens

  6. nOby am Dezember 14th, 2024 12:38 p.m.

    Nein Burks, kein Öl. Wo sollte der Öl fördern? Alles kaputt. Und die wenigen funktionierenden Förderanlagen sind nicht ergiebig genug um nennenswerte Milliarden zu erwirtschaften.

    Laut BILD-online sind es Drogen.

    BILD titelt „Der gestürzte Diktator Baschar al-Assad verdiente mit dem Drogenhandel jedes Jahr Milliarden“. 54 Milliarden € Einnahmen oder Umsatz (?) sollen es 2023 gewesen sein.

    Der brauchte kein Öl.

  7. Detlef am Dezember 15th, 2024 12:08 p.m.

    weil sie Syrerinnen und Syrern ihren freien politischen Willen abspricht und sie stattdessen als Marionetten ausländischer Mächte denunziert

    Das ist die Gebetsmühle der NAFO-Hanseln.
    Das behaupten die auch bzgl. des Maidan über „die Ukrainer“.
    So versuchen sie ausländische Finanzierung, Ausbildung, Waffenlierung, Kämpfer, Besetzung (die Macht aus den Gewehrläufen) einfach wegzuwischen.
    Aber die Bewohner der VRen Donezk und Lugansk sind für sie nur Marionetten Putins.

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