Gouvernantenpolitik oder: Schwundstufe linker Ideologien

Interessantes Interview in der Schweizer Wochenzeitung: „Wenn das Glück der anderen nur noch eine Bedrohung ist: Der Kulturtheoretiker Robert Pfaller sieht in unserer Verbotskultur ein Symptom für die realen Versäumnisse der Politik.“
Geht es dabei denn wirklich um Moral, also darum, die Menschen zu einem besseren Lebenswandel zu erziehen?
Letztlich ist es eine rechte Einschüchterungspolitik. Das Vertrackte daran ist, dass alles, was die Gesellschaft in letzter Zeit repressiver gemacht hat, nicht mit rechten, sondern mit scheinbar linken Argumenten gerechtfertigt wurde. Die neoliberalen Beraubungsmassnahmen an der Gesellschaft konnten nur mit einem bestimmten Überbau durchgesetzt werden, der signalisiert hat, dass man schon dafür sorge, dass es den Schwachen gut gehe. Genau diesen Überbau muss man aus einer linken Perspektive angreifen. Das ist eine groteske Verzerrung linker Anliegen. Erstens kämpfen wir nicht dafür, dass es den Schwachen gut geht, sondern dass niemand schwach ist. Zweitens haben diese Massnahmen fast immer nur ihren Repräsentanten genutzt. Das ist eine Schwundstufe linker Ideologien, die im Namen irgendwelcher Schwachen, die übrigens meist fiktiv sind, jeden kritischen Diskurs und jedes Aufbegehren ersticken.“

Zentraler Satz: „Die Moralisierung ist ja ein anderes Symptom dieser Entpolitisierung mit scheinbar linken Argumenten“.

Da ich schon dabei bin: Ulli Kulke sagt, die Bienen stürben nicht aus.

Kommentare

5 Kommentare zu “Gouvernantenpolitik oder: Schwundstufe linker Ideologien”

  1. Stachelbeere am August 7th, 2017 11:44 am
  2. Peinhart am August 7th, 2017 1:24 pm

    Die Sachpolitik ist weiterhin stramm rechts, da darf oder soll wenigstens die Symbolpolitik ‚irgendwie links‘ sein. Passt zum ‚Softwareupdate’…

  3. ... der Trittbrettschreiber am August 7th, 2017 4:00 pm
  4. Martin Däniken am August 7th, 2017 4:37 pm

    „Das Verhalten des Menschen ist bedürfnis-orientiert.“
    habe ich vor Jahren erst nach der Lektüre eines Buchs über Serienkiller und Profiler richtig kapiert…
    Vor allem kennen Bedürfnisse kein richtig oder falsch,rechts oder links.
    Aber das Bedürfnis alles einzuordnen,ja einordnen zumüssen,
    unterliegt interessanterweise nicht dieser Beschränkung!

  5. Eike am August 8th, 2017 5:57 pm

    >>Etwas seriöser gesprochen, sehe ich darin eine Tendenz der Infantilisierung in der Gesellschaft, die den Leuten nicht nur Unwissenheit unterstellt, sondern auch eine gewaltige Empfindlichkeit. Das halte ich für politisch fatal.<<

    Ich würde dem Herrn Professor da mal einen Arbeitsurlaub beim Support empfehlen, vorzugsweise IT. Dann ändert er diese Meinung nach spätestens 2 Wochen. Man kann ja hochrechnen.

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