Keine Langeweile, nirgends [Symboltitel für alles]

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Symbolbild für alles

Mit dem, was ich machen möchte, könnte ich gern vier Leben vollstopfen. Vielleicht liegt es an meinem allzu hedonistischem Zeitmanagement. Ich komme zu nichts. Oder: Drei Berufe ist zu wenig. Oder: Immer ist irgendwas. Jetzt brauche ich mindestens eine Woche, um das zu reparieren, was ich in Secondlife in Monaten mühsam aufgebaut habe. Ein falscher Knopfdruck, und mehr als 6000 Polygone sind an der falschen Stelle. Es ist zum Kotzen. (Vgl. Screenshot: Welchen Knopf habe ich gedrückt, und alles war kaputt?)

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Ich wollte doch meine vier freien Tage nutzen, um die Schublade meiner Spüle zu reparieren und um aus Holzresten (Keller) einen zusätzlichen kleinen Küchenschrank zu basteln. Verschoben.

schublade

Und wann soll ich die Bücher besprechen, die ich angefangen habe zu lesen? Karsten Heinz Schönbach: Uneingeschränkt lesenswert, aber schwer wissenschaftlich und quellenlastig. Standardwerk, räumt mit der Legende auf, dass das Kapital der Weimarer Republik Hitler nicht unterstützt hätte. Zum ersten Mal wurden Firmenarchive ausgewertet. Alle anderen Bücher zum Thema Mumpitz.

Christian Barons: Proleten, Pöbel, Parasiten: Warum die Linken die Arbeiter verachten habe ich jetzt durch, ich wiederhole meine Leseempfehlung. Der wird nicht gut besprochen, weil die, die das tun (könnten), genau die Klientel ist, die er anpisst kritisiert. Ignoranz mit Ansage.

Harald Haarmann: Auf den Spuren der Indoeuropäer: Von den neolithischen Steppennomaden bis zu den frühen Hochkulturen: erst ein Drittel gelesen, sehr interessant. Demnächst mehr in diesem Theater.

Tomasz Konicz: Kapitalkollaps: Die finale Krise der Weltwirtschaft (Konkret Texte): liegt hier schon ein paar Monate herum, auf meiner To-Do-Liste.

Zwischendurch forsche ich noch in der Vergangenheit meiner Familie, um einige offene Fragen beantwortet zu bekommen. Irgendwas muss sich meinen Großneffen hinterlassen. Wer sonst, wenn nicht ich. Das funktioniert online erst seit ein paar Jahren, obwohl so und selbst ernannte Zukunftsforscher das Gegenteil behauptet haben. Spannend, wie ein Puzzle aus unbekannten Teilen. Bei einem Thema stieß ich auf Albert S. Kotowski: Polens Politik gegenüber seiner deutschen Minderheit 1919-1939. Gekauft und gelesen. Heikles Thema in beiden Ländern. Ich war verblüfft, dass es bis jetzt kein einziges Buch gibt, das sich auf die verfügbaren Quellen stützt. Kotowski ist also Standardwerk für alle, deren Vorfahren aus „Mittelpolen“ oder aus dem Weichselkorridor stammen.

By the way: Drei Berufe. Ich wollte immer machen, wozu ich Lust habe und mir nie etwas vorschreiben lassen. Davon kann man natürlich nicht leben. Wer sagt, er oder sie sei „Journalist“, nagt entweder am Hungertuch, hat einen Lebensabschnittsgefährten mit Festanstellung oder wurde schon mit einem Silberlöffel im Mund geboren (Hausbesitzer und deren Erben usw.). Es gibt nur wenige Ausnahmen bei denen, die „frei“ sind. Ich bin arm, aber sexy. Auf die To-Do-Liste: Bestseller schreiben.

Heute noch: Geld holen, Eltern besuchen, Baumarkt aufsuchen, Lebensmittel einkaufen, Rechnungen online bezahlen, einen Rechner zum Verschenken an einen Freund vorbereiten, Duschen, Blumen gießen. Habe ich was vergessen?

Kommentare

5 Kommentare zu “Keine Langeweile, nirgends [Symboltitel für alles]”

  1. ... der Trittbrettschreiber am Januar 4th, 2017 4:32 pm

    So so, dann steht jetzt also schon in Büchern, dass Hitler finanziell unterstützt wurde. Das muss man erstmal digital verarbeiten. Prost.

  2. blu_frisbee am Januar 4th, 2017 9:35 pm

    Der Wertkritiker Konicz verzapft ständig den Kollaps des Kapitalismus. Marx enumeriert dem tendentiellen Fall der Profitrate entgegenwirkende Tendenzen. Paul Mason zieht andre Schlüsse draus als Konicz.
    Im Übrigen ist Geschichte kontingent, von selber passiert nix und der Kapitalismus kann auch zur gewaltförmigen Plünderungsökonomie mutieren.
    Der Profitratenfall bezieht sich auf Einzelbetrieben.
    Daß global zu viel Geld flottiert legt ganz andere Krisenlösungen nahe.

  3. frater mosses zu lobdenberg am Januar 5th, 2017 12:39 pm

    Ich bin (noch) Hausbesitzer, ja: sogar Hauseigentümer und Vermieter und habe das ganze geerbt … an Silberlöffel oder dergleichen kann ich mich allerdings nicht erinnern, nur an ’reingestecktes, anderweitig sauer verdientes Geld.

  4. andreas am Januar 5th, 2017 1:45 pm

    Ich lese begeistert
    https://www.randomhouse.de/Buch/Alexander-von-Humboldt-und-die-Erfindung-der-Natur/Andrea-Wulf/C.-Bertelsmann/e449908.rhd
    und empfehle es hier. Liest sich wie ein Roman während man permanent interessante Dinge lernt. Zum Beispiel waren die Risiken Menschen gemachten Klimawandels vor 200 Jahren schon bekannt.

  5. tom am Januar 6th, 2017 1:52 pm

    Vergessen: essen und trinken!

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