Unreiner Kapitalismus

Zu meinem allergrößten Bedauern muss ich jetzt einen Satz des gegenwärtigen Papstes gegen die Angehörigen der Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM) verteidigen. Ein Leser wies mich per verschlüsselter E-Mail auf die FAZ hin:

In ihrem Papier loben beide Kirchen ausdrücklich das Modell der sozialen Marktwirtschaft. Die Kirchen würdigen, dass Deutschland die Krise der vergangenen Jahre aufgrund einer Rückbesinnung auf dieses Modell „ohne größere wirtschaftliche und soziale Verwerfungen“ überstanden habe. Zollitsch äußerte, Papst Franziskus habe mit seiner vieldiskutierten Aussage, dass das gegenwärtige Wirtschaftssystem „tötet“, nicht die Verhältnisse in Deutschland im Blick gehabt, sondern Zustände in anderen Teilen der Welt, wo ein „reiner Kapitalismus“ praktiziert werde.

So eine Schwachfug kann natürlich nur aus Deutschland kommen. Das postfaschistische Konzept der „Tarifpartnerschaft“, das sich ideologisch aus den gelben Gewerkschaften aus der Nazi-Zeit herleitet, dient dazu, den Klassenkampf („soziale Verwerfungen“) zu leugnen. Die Köpfe hierzulande sind immer noch dermaßen antikommunistisch verklebt, dass sogar die harmloseste Kritik am Kapitalismus, wie die des Papstes, noch medial konterkariert werden muss.

Das Manager Magazin geht noch einen Schritt weiter: Das kirchliche Thesenpaper solle „bis zum 18. Juni ‚eine breite Diskussion über unsere Wirtschafts- und Sozialordnung‘ anstoßen. Okay. Lassen wir mal zunächst all die kleinlichen Fragen weg wie: Wen interessiert das?“

Okay. Die Lohnschreiber des Kapitals wollen also erst gar nicht diskutieren, weil der Kapitalismus das Ende der Geschichte und der Himmel auf Erden sei. Das hätten die wohl gern.

image_pdfimage_print

Kommentare

Schreibe einen Kommentar