Unter Siedlern, revisited
Ich lache mich immer noch schlapp über einzelne Passagen von Tuvias Tenenboms „Wie nennt ihr dieses Land hier? – Unter Siedlern“. Lesebefehl!
Ich empfehle auch ein Interview mit ihm auf Mena-Watch:
„Nein, das Problem liegt darin, dass Israel das Gebiet nie annektiert hat. Welche Gesetze sollen also gelten? Sie können kein israelisches Recht anwenden, da das Gebiet nicht zu Israel gehört. Sie selbst sagen, dass es nicht zu Israel gehört; sie bezeichnen es als umstrittenes Gebiet. Welches Recht gilt also? Es gibt das osmanische Recht und das jordanische Recht. Das sind die Rechtsgrundlagen im Westjordanland.
Israelisches Recht gilt dort nicht, weil Israel das Gebiet bis heute nicht annektiert hat. Man kann schließlich kein Gesetz für ein Gebiet erlassen, das man nicht kontrolliert. Es gehört nicht zum eigenen Land. Das wäre so, als würde die Knesset entscheiden, wie Immobilientransaktionen in New Jersey rechtlich abzuwickeln sind. Nein, sie haben kein Mitspracherecht bei dem, was in New Jersey geschieht. Sie können Gesetze nur für Gebiete erlassen, die ihnen gehören. In dem Moment, in dem Israel das Gebiet annektiert, gibt es keine Siedler mehr. Denn dann siedeln sie nicht mehr, sondern leben in Israel. Sobald Israel es also annektiert, wird es – zumindest nach israelischem Recht – als Israel gelten.“
Tenenbom hat das seltene Talent, Dinge lächerlich zu machen, ohne die Leute zu diskreditieren, die den Quatsch glauben und verfasst haben. Das Buch wird zwar positiv besprochen in Deutschland, der Inhalt und die Thesen werden aber nicht bis in die Anstalten vordringen – und zu Dunja Hayali und Sawsan Chebli ohnehin nicht. Hier zwei bemerkenswerte Zitate:
„Die Haupthalle der Synagoge ist den Männern vorbehalten, während die Frauen obendrüber auf dem ersten Rang beten. Die Frauensektion ist abgeschirmt, sodass die Männer nicht zu den Frauen schauen und, Gott bewahre, von ihren weiblichen Körpern verführt werden. Die Frauen hingegen können die Männer nach Herzenslust in Augenschein nehmen, weil Männer, wie man nie vergessen sollte, nicht verführerisch sind, ihre Körper sind nichts, womit sich prahlen ließe, und die Holzbänke, auf denen sie sitzen, geben weitaus mehr her als ihre Gesichter.
Ich gucke mir das Bücherregal im nichtverführerischen Männerbereich an und entdecke ein Buch darüber, wie sich männliche Soldaten in der israelischen Armee benehmen sollen, insbesondere in der Gegenwart von Soldatinnen. Nämlich wie? Sie sollen ihren Austausch mit Frauen auf Themen beschränken, die auf Logik, Rationalität und praktischen Fragen beruhen, es jedoch vermeiden, mit den Damen über irgendetwas zu plaudern, was mit Gefühlen zu tun hat.
Wenn ich das richtig verstehe, dann ist es, wenn eine Frau an einen Mann herantritt, um mit ihm zum Beispiel über mathematische Ableitungen zu sprechen, in Ordnung, wenn der Mann sich auf ein stundenlanges Gespräch mit ihr einlässt. Wenn sie sich jedoch an ihn wendet und beispielsweise gurrt, »ich habe Lust auf ein Eis«, sollte er davonflitzen wie vor einer iranischen Rakete.
Habe ich ein Glück, dass ich hier bin, in Elon Moreh, um solche Schmankerl zu lernen.
Neben weiteren Regeln darüber, wie sich ein Soldat im Dunstkreis von Soldatinnen verhalten soll, findet sich auch folgende: Bei einer Musikdarbietung von Frauen sollten die Männer tunlichst mitsingen, da sie dies von deren verführerischen Stimmen oder deren stets verführerischen Leibern ablenken würde.
Wunderbar!“
Und:
„Sie müssen verstehen, dass die Leute, die bereit sind, in jüdische Viertel einzudringen, um Terrorangriffe zu verüben, unterschiedlicher Art sind und aus unterschiedlichen Motiven handeln. Einige sind durch ihre Ideologie motiviert, eine religiöse Ideologie gegen Juden, aber das ist nur eine Art potenzieller Terroristen. Andere hingegen begehen terroristische Akte aus ganz anderen Gründen, zum Beispiel Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben.
Ein solches Beispiel: eine Frau, die mit einem Mann gesehen wurde, der nicht ihr Ehemann ist. In der muslimischen Gesellschaft von Nablus ist diese Frau erledigt. Anstatt von einem Angehörigen ihrer Familie in einem sogenannten ›Ehrenmord‹ getötet zu werden, kann sie beschließen, ehrenvoll als Märtyrerin zu sterben. So zieht sie mit einem Messer los, um einen Juden umzubringen, und wenn sie dabei selbst den Tod findet, dann ist das großartig für sie, weil sie nun ins Paradies kommt und zu einer jungfräulichen Braut wird, einer sexy Lady, der die Ehre zuteilwird, die Gerechten zu unterhalten.
Der Mann einer solchen Frau, der seine Ehre verloren hat, könnte ebenfalls entscheiden, dass der beste Ausweg für ihn zur Wahrung seiner Würde sein Tod als Märtyrer ist. Er zieht ins Paradies ein, glaubt er, wo er mit Dutzenden von jungfräulichen Bräuten in alle Ewigkeit belohnt wird. Und ein auf frischer Tat ertappter Dieb weiß, dass seine beste Chance, dass Allah und seine eigene Gesellschaft ihm vergeben, in der Tötung von Juden besteht.“
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