Ein sich wandelndes Schlachtfeld
Ich habe mir eine sehr interessante Analyse von Herb Keinon aus der Jerusalem Post „A changing battlefield: Five takeaways from Israel’s war with Iran, two weeks in“ übersetzen lassen und den Artikel ein wenig umformuliert und gestrafft.
Ein sich wandelndes Schlachtfeld: Fünf Erkenntnisse aus Israels Krieg gegen den Iran, zwei Wochen nach Kriegsbeginn
Zwei Wochen nach Kriegsbeginn mit dem Iran entwickelt sich das militärische Bild rasant, auch wenn sich bereits übergreifende Muster abzeichnen.
Alles begann vor zwei Wochen mit einem spektakulären Angriff auf ein Treffen der iranischen Führungsspitze in Teheran.
Unter den bei diesem Angriff Getöteten befand sich Irans oberster Führer Ali Khamenei – ein Mann, der wiederholt zur Zerstörung Israels aufgerufen hat und unermüdlich daran arbeitete, die Fähigkeiten zu entwickeln, dies auch umzusetzen, selbst wenn es bedeutete, die Zukunft seines Landes auf’s Spiel zu setzen. Er war wohl die größte Bedrohung für das jüdische Volk seit Hitler.
Dieser Angriff, der den Auftakt der Operation „Roaring Lion“ bildete, löste in ganz Israel Luftalarm aus, da man mit einem iranischen Vergeltungsschlag rechnete. Millionen Menschen eilten in Schutzräume.
Zwei Wochen nach Beginn des Krieges mit dem Iran, während Israelis weiterhin täglich Schutz vor iranischen Raketen suchen müssen, entwickelt sich die militärische Lage rasch weiter, auch wenn sich einige übergreifende Muster bereits abzeichnen. Hier sind fünf:
1. Strategischer Wandel: von der Eindämmung zur Zerschlagung von Bedrohungen
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist, wie dramatisch sich Israels strategische Denkweise seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober verändert hat.
Vor diesem Tag war Israels vorherrschende Doktrin die Eindämmung. Die Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon wurden weitgehend als Bedrohungen betrachtet, die sich durch Abschreckung, gelegentliche militärische Schläge und vorsichtige Schritte kontrollieren ließen. Gegen den Iran selbst führte Israel das, was es den „Krieg zwischen den Kriegen““ nannte – eine Schattenkampagne aus Luftschlägen, Sabotageakten und gezielten Tötungen, die den militärischen Aufbau Teherans verlangsamen sollte, ohne eine offene Konfrontation auszulösen. Ruhe – selbst eine fragile Ruhe – hatte weiterhin oberste Priorität.
Der 7. Oktober zerstörte dieses Weltbild.
Das Massaker machte die Gefahren deutlich, die entstehen, wenn feindliche Kräfte unmittelbar an Israels Grenzen Fähigkeiten aufbauen können, während man darauf vertraut, dass Abschreckung ausreicht. Die Lehre, die große Teile des politischen und sicherheitspolitischen Establishments Israels daraus zogen, war eindeutig: Bedrohungen, denen man Zeit gibt, sich zu entwickeln, bleiben nicht theoretisch.
Diese Erkenntnis prägt nun den aktuellen Krieg.
Israels Entscheidung, tief im Inneren Irans zuzuschlagen – im vollen Bewusstsein, dass dies Vergeltung auslösen würde – spiegelt die Bereitschaft wider, kurzfristige Kosten in Kauf zu nehmen, um künftig weitaus größere Gefahren zu verhindern. Das stellt einen deutlichen Bruch mit dem früheren Instinkt dar, eine Konfrontation hinauszuzögern, um eine Eskalation zu vermeiden.
Im Grunde ist Israel von der Verwaltung von Bedrohungen dazu übergegangen, sie zu zerschlagen.Die heutige Einschätzung lautet, dass Abwarten größere Risiken birgt als Handeln – selbst wenn Handeln bedeutet, die eigene Bevölkerung wochenlang in einen Kriegszustand zu versetzen.
2. Hamas und Huthis nicht beteiligt
Eine der am wenigsten diskutierten, aber folgenreichsten Realitäten des aktuellen Krieges ist etwas, das nicht passiert.
Zwei Wochen nach Beginn des Konflikts mit dem Iran ist die Hisbollah vom Libanon aus massiv in die Kämpfe eingetreten und hat mit Raketen- und Drohnenangriffen eine große Nordfront eröffnet.
Doch zwei weitere Säulen von Irans regionalem Netzwerk – Hamas im Gazastreifen und die Huthis im Jemen – haben bislang keine militärische Rolle gespielt.
Die Gründe dafür sind jedoch völlig unterschiedlich: Hamas, weil sie es nicht kann; die Huthis, weil sie es nicht wollen.
Beginnen wir mit Gaza.
Wenn die Hamas noch über die militärischen Fähigkeiten verfügen würde, die sie vor dem 7. Oktober besaß – tausende Raketen, unterirdische Raketenproduktionsanlagen und eine funktionierende Kommandostruktur, die anhaltenden Beschuss koordinieren kann – stünde Israel heute vor einem deutlich komplexeren Schlachtfeld.
Statt gleichzeitig dem Iran und der Hisbollah gegenüberzustehen, würde Israel an drei Fronten kämpfen.
Die Luftabwehr wäre stärker überlastet, die israelischen Streitkräfte müssten größere Operationen im Gazastreifen durchführen, und der Süden Israels – nicht nur der Norden – würde erneut unter ständigem Raketenbeschuss leben.
Ein solches Szenario würde die militärische, wirtschaftliche und psychologische Belastung für das Land drastisch erhöhen.
Doch die Fähigkeit der Hamas, diese Rolle zu spielen, wurde weitgehend entfernt. Die Organisation existiert zwar weiterhin, und Gaza bleibt instabil. Aber die Hamas kann keine Raketen mehr nach Israel abfeuern und kann daher das Schlachtfeld nicht mehr so prägen wie früher.
Die Huthis sind jedoch eine andere Geschichte.
Anders als die Hamas verfügen sie weiterhin über eine gewisse Fähigkeit, Israel und amerikanische Interessen anzugreifen. Dennoch haben sie sich entschieden, dies bisher nicht zu tun.
Ihre Zurückhaltung scheint eine Mischung aus Abschreckung und Kalkül zu sein. Jahre israelischer, amerikanischer und britischer Angriffe haben ihre Raketen- und Drohnenkapazitäten sowie Teile ihres Kommando- und Kontrollnetzwerks geschwächt. Angriffe jetzt zu starten, könnte eine verheerende Vergeltung nach sich ziehen – möglicherweise gegen ihre Führung und ihre Hochburg in Sanaa.
Gleichzeitig führen die Huthis weiterhin ihren eigenen Krieg im Jemen und scheinen zögerlich zu sein, wertvolle militärische Ressourcen in einer regionalen Konfrontation einzusetzen, die nicht unmittelbar über ihr eigenes Überleben entscheidet.
Analysten gehen zudem davon aus, dass der Iran selbst das Tempo der Eskalation durch seine Verbündeten sorgfältig steuert – einige zum Handeln ermutigt, während andere in Reserve gehalten werden.
Das Ergebnis ist, dass zwei wichtige Komponenten von Irans regionalem Netzwerk weitgehend außerhalb der Kämpfe geblieben sind.
Für Israel ist diese Abwesenheit strategisch bedeutsam. Hätten sich alle drei Fronten – Gaza, Libanon und Jemen – gleichzeitig zusammen mit direkten iranischen Angriffen entzündet, sähe der Krieg heute sehr anders aus.

Jerusalem, Blick ins Kidron-Tal, Oktober 2025
3. Trump sendet weiterhin gemischte Signale
Ein weiteres auffälliges Merkmal des Krieges bisher ist die widersprüchliche Kommunikation des Weißen Hauses.
An manchen Tagen deutet US-Präsident Donald Trump an, dass sich der Konflikt seinem Ende nähere. Er hat davon gesprochen, dass der Krieg weitgehend abgeschlossen sei, und angedeutet, dass ein Ende schnell kommen könnte.
Zu anderen Zeitpunkten schlägt seine Rhetorik in die entgegengesetzte Richtung aus. Er spricht davon, den Feldzug fortzusetzen, bis der Iran entscheidend besiegt ist, und von einer bedingungslosen Kapitulation.
Auf den ersten Blick scheinen diese beiden Botschaften unvereinbar zu sein. Die eine deutet auf ein baldiges Ende hin, die andere auf eine Kampagne, die noch einige Zeit andauern könnte.
Doch der Widerspruch ist möglicherweise weniger verwirrend, als es zunächst scheint.
Trump agiert gleichzeitig auf mehreren Ebenen. Die eine ist das Schlachtfeld; die andere ist die Weltwirtschaft.
Die Aussicht auf einen langen Krieg hat die Märkte nervös gemacht, insbesondere wegen der Auswirkungen auf die weltweiten Ölversorgung und die Schifffahrtsrouten. Schon die bloße Wahrnehmung, dass der Konflikt dramatisch eskalieren könnte, hat unmittelbare Folgen für die Energiepreise.
Signale, dass der Krieg bald enden könnte, helfen, diese Sorgen zu beruhigen. Gleichzeitig läuft die militärische Kampagne weiter.
Aus dieser Perspektive dient Trumps Kommunikation zwei Zielen: den Märkten und Verbündeten zu versichern, dass die Eskalation nicht unbegrenzt weitergehen wird, während gleichzeitig durch fortgesetzte militärische Operationen Druck auf den Iran aufrechterhalten wird.
Mit anderen Worten: Die Rhetorik über ein schnelles Ende richtet sich weniger an Teheran als an Händler, Investoren und Regierungen, die sich über wirtschaftliche Folgen sorgen. Währenddessen fallen die Bomben weiter.

Jerusalem, Altstadt, Arabisches Viertel, Oktober 2025
4. Israelische Einigkeit vs. amerikanische Polarisierung im Krieg
Eine weitere wichtige Erkenntnis bisher ist der Unterschied darin, wie sich der Krieg politisch in Israel und in den USA auswirkt.
Israel ging erneut tief gespalten in diesen Konflikt – wegen der Folgen des 7. Oktober, der Ausnahmen für den Wehrdienst für Haredim und der Gerichte. Mit anderen Worten: die alten Streitpunkte.
Doch der Krieg hat diese Spaltungen weitgehend überlagert.
Laut einer aktuellen Umfrage des Israel Democracy Institute unterstützen etwa 82 % der Israelis den militärischen Einsatz, darunter sogar 93 % der jüdischen Israelis. In Israel ist ein solcher Grad an Konsens außergewöhnlich.
Die Erklärung liegt darin, wie Israelis die Lage einschätzen. Israelis haben in den vergangenen drei Jahrzehnten Khameneis Drohungen gehört, seinen militärischen Aufbau beobachtet und die Angriffe der von ihm bewaffneten und finanzierten Terrororganisationen selbst erlebt.
Für Israelis ist die iranische Bedrohung real, unmittelbar und existenziell. Ihre Beseitigung übersteigt daher politische Spaltungen.
Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht das Bild ganz anders aus.
In den USA ist die öffentliche Meinung über den Krieg deutlich stärker gespalten. Umfragen zeigen eine Zustimmung von etwa 40 %, die stark entlang parteipolitischer Linien verläuft. Amerikaner, die Trump unterstützen, befürworten den Feldzug überwiegend; diejenigen, die ihn ablehnen, tun dies in der Regel auch beim Krieg.
Der Krieg hat diese beiden Lager nicht vereint, sondern die Polarisierung sogar noch verstärkt.
Während Israelis den Krieg weitgehend als Frage des nationalen Überlebens betrachten, sehen viele Amerikaner darin lediglich einen weiteren entfernten Konflikt im Nahen Osten mit unklaren Zielen – und einen, der sich möglicherweise an der Zapfsäule bemerkbar macht.
Diese Wahrnehmungslücke wurde zusätzlich dadurch verstärkt, dass es der Regierung nicht gelungen ist, die Konfrontation mit dem Iran überzeugend als unmittelbar mit amerikanischen Sicherheitsinteressen verbunden darzustellen.
Das Ergebnis ist eine politische Dynamik, in der Israelis den Krieg weitgehend unterstützen, während Amerikaner darüber tief gespalten bleiben – eine Divergenz, die zunehmend bedeutend werden könnte, wenn sie die Durchhaltefähigkeit Washingtons im Krieg beeinflusst.

Jerusalem, Westmauer aka „Klagemauer“, Oktober 2025
5. Iran erhöht globalen Druck, den Krieg zu beenden
Die Art und Weise, wie der Iran das Schlachtfeld erweitert hat, indem er Raketen auf seine Nachbarn am Golf – und darüber hinaus – abfeuert, verrät viel über seine strategischen Überlegungen.
Auf den ersten Blick mögen Teherans Raketenangriffe auf Israel wie die zentrale Front des Konflikts erscheinen. Diese Angriffe stören selbstverständlich den Alltag und die Wirtschaft des Landes erheblich – und der Iran weiß das. Teheran zeigt damit, dass es Israel direkt erreichen kann, dass es Störungen verursachen und die israelische Gesellschaft unter Druck setzen kann.
Doch der Iran weiß auch, dass diese Raketen Israel nicht besiegen oder zu einem Waffenstillstand zwingen werden. In diesem Sinne ist der Beschuss Israels in gewisser Weise symbolisch – ernst, aber symbolisch.
Die Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate – die mehr Raketen und Drohnen abgefangen haben als Israel – sowie auf Bahrain, Saudi-Arabien und andere Ziele am Golf sind strategisch weit bedeutsamer.
Diese Angriffe – neben amerikanischen diplomatischen und militärischen Einrichtungen – richteten sich gegen Flughäfen, Öl-Infrastruktur, Hotels und andere zivile wirtschaftliche Einrichtungen.
Die Auswahl der Ziele folgt einer klaren Logik.
Der Golf ist der sensibelste Energiekorridor der Welt. Störungen dort wirken sich sofort auf Ölmärkte, Schifffahrtsrouten, Versicherungskosten und globale Lieferketten aus.
Teherans Kalkül ist, dass wirtschaftliche Instabilität im Golf nicht nur diese Länder alarmiert, sondern auch Regierungen in Europa und Asien, deren Volkswirtschaften von Energie aus dieser Region abhängig sind.
Wenn Märkte erschüttert werden und Ölpreise steigen, könnte international der Druck auf Trump wachsen, den Krieg zu beenden.
Und diese Strategie ist nicht unrealistisch.
Man denke an die Worte des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz am Dienstag. Obwohl er versteht, worum es in dem Krieg geht, und seine Ziele unterstützt, sagte er angesichts steigender Ölpreise: „Die Vereinigten Staaten und Israel führen seit über einer Woche Krieg gegen den Iran. Wir teilen viele ihrer Ziele. Doch mit jedem Tag des Krieges entstehen neue Fragen. Besonders besorgt sind wir darüber, dass es offenbar keinen gemeinsamen Plan gibt, diesen Krieg schnell und überzeugend zu beenden.“
Der Iran versucht also, wirtschaftliches Chaos auszulösen, in der Hoffnung, dass externe Mächte Druck auf Washington ausüben, den Krieg zu beenden.
Teheran setzt darauf, dass eine wirtschaftliche Ausweitung des Konflikts in diplomatischen Einfluss umschlägt. Doch dieselben Angriffe könnten auch das Gefühl gemeinsamer Verwundbarkeit unter den Golfstaaten verstärken, die Irans Ambitionen ohnehin misstrauisch gegenüberstehen.
Diese Dynamik könnte neue Bündnisse in der Region hervorbringen. Dennoch wäre es verfrüht anzunehmen, dass dies automatisch zu großen diplomatischen Durchbrüchen wie einer Normalisierung zwischen Israel und Saudi-Arabien führen wird.
Selbst wenn der Iran geschwächt aus dem Krieg hervorgeht, werden Riad und andere Hauptstädte am Golf vorsichtig bleiben, was das regionale Machtgleichgewicht betrifft. Die Saudis fürchten seit langem eine iranische Hegemonie in der Region – und wie die iranischen Angriffe auf Teile ihrer Ölinfrastruktur in dieser Woche zeigen, nicht ohne Grund. Aber sie werden ebenso wenig wollen, dass Israel zu einer überwältigend dominierenden Regionalmacht wird.
Doch eine Schlussfolgerung wird für die Saudis – und für jeden anderen in der Region – schwer zu umgehen sein: Wenn es um weitreichende Aufklärung, operative Reichweite und dauerhafte militärische Einsatzfähigkeit geht, gibt es derzeit im Nahen Osten keinen anderen Akteur, der Israels Fähigkeit erreicht, militärisch auch über große Entfernungen hinweg wirksam zu handeln.
Das mag keine Sympathie schaffen, aber in dieser rauen Nachbarschaft zählt Respekt oft mehr- und Respekt kann die Grundlage für neue Bündnisse sein.

Jerusalem, Altstadt, Arabisches Viertel am Damaskus-Tor, Oktober 2025
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was sagt DeepSeek:
Diese Argumentation folgt dem klassischen Muster der „Präventivkriegslogik“. Sie stellt eine militärische Eskalation als erzwungene Reaktion dar, nicht als gewählte Option. Die Komplexität der regionalen Politik wird auf eine simple Dichotomie reduziert: entweder Bedrohungen verwalten (was angeblich versagt hat) oder sie zerschlagen. Dass es zwischen diesen Polen zahlreiche diplomatische, ökonomische und politische Alternativen geben könnte, wird unsichtbar gemacht.
2. Die Konstruktion von Feindbildern
Die Charakterisierung Khameneis ist bemerkenswert:
„Er war wohl die größte Bedrohung für das jüdische Volk seit Hitler.“
Hier wird ein rhetorisches Mittel verwendet, das man als „Hyperbel durch historische Analogie“ bezeichnen könnte. Der Vergleich mit Hitler dient mehreren Zwecken:
Er entzieht der Figur jede politische Rationalität (wer mit Hitler verglichen wird, ist nicht verhandlungsfähig).
Er suggeriert eine Kontinuität der Bedrohung des jüdischen Volkes, die jede Reaktion automatisch legitimiert.
Er schließt jede Diskussion über Verhältnismäßigkeit aus, denn gegen Hitler ist jedes Mittel erlaubt.
3. Die Selektivität der Wahrnehmung: Die Abwesenden
Besonders aufschlussreich ist Punkt 2: „Hamas und Huthis nicht beteiligt“.
Der Text gesteht hier implizit etwas ein, was sein eigenes Bedrohungsnarrativ untergräbt. Wenn die Hamas angeblich „nicht kann“ und die Huthis „nicht wollen“, dann stellt sich die Frage: Wie existenziell ist eine Bedrohung wirklich, deren potenzielle Verbündete nicht einmal in der Lage oder willens sind, sich zu beteiligen? Der Text löst dieses Problem, indem er die Abwesenheit als „strategisch bedeutsam“ umdeutet – also als Bestätigung der eigenen Stärke, nicht als Infragestellung der Kriegsnotwendigkeit.
4. Die widersprüchliche Kommunikation als Strategie
Die Analyse von Trumps Rhetorik ist bemerkenswert reflexiv:
„Trump agiert gleichzeitig auf mehreren Ebenen. Die eine ist das Schlachtfeld; die andere ist die Weltwirtschaft.“
Hier wendet der Text eine Form der „Tiefenhermeneutik“ an, die er für andere Akteure nicht zulässt. Trumps Widersprüche werden als rationale Doppelstrategie gedeutet. Diese Interpretationsgroßzügigkeit wird anderen Protagonisten des Konflikts nicht gewährt – deren Handlungen werden meist monokausal erklärt.
5. Die Konstruktion von „Einigkeit“
Der Kontrast zwischen israelischer und amerikanischer Öffentlichkeit ist instruktiv:
„In Israel ist ein solcher Grad an Konsens außergewöhnlich.“
Die 82% Zustimmung werden als Ausdruck geteilter Bedrohungswahrnehmung gedeutet. Ausgeblendet bleibt, dass Kriegszustände immer zu einer temporären Suspendierung von Dissens führen – das ist kein Spezifikum Israels, sondern eine soziologische Regelmäßigkeit. Die amerikanische Polarisierung wird dagegen als defizitär dargestellt („Wahrnehmungslücke“, „nicht gelungen“).
6. Die Ökonomisierung des Konflikts
Die Analyse der iranischen Strategie ist raffiniert:
„Der Iran versucht also, wirtschaftliches Chaos auszulösen, in der Hoffnung, dass externe Mächte Druck auf Washington ausüben.“
Hier wird dem Iran eine hochrationale, fast kybernetische Strategie unterstellt: Angriffe auf die Golfstaaten, um die Weltwirtschaft zu treffen, um Druck auf die USA zu erzeugen. Ob dies tatsächlich die iranische Strategie ist oder ob es sich um eine Zuschreibung handelt, die den Konflikt als globales Schachspiel inszeniert, bleibt offen. Die Funktionalisierung der arabischen Staaten als bloße Transmissionsriemen internationalen Drucks ist bemerkenswert – ihre eigenen Interessen werden kaum erwähnt.
Einordnung in den weiteren Kontext
1. Der Text als Teil des israelischen Sicherheitsdiskurses:
Die „Existenzbedrohung“:
Die Rahmung Irans als existenzielle Gefahr für Israel (und implizit für das jüdische Volk insgesamt) ist ein fester Bestandteil der israelischen politischen Rhetorik, insbesondere unter Netanyahu. Dieser Diskurs hat eine doppelte Funktion: nach innen mobilisiert er Unterstützung, nach außen signalisiert er Unnachgiebigkeit.
Die „Lektion des 7. Oktober“: Der 7. Oktober wird als epochale Zäsur konstruiert, die alles verändert hat. Dies ist ein typisches diskursives Muster nach traumatischen Ereignissen – es erlaubt, bisherige Politiken als gescheitert zu verwerfen und neue, radikalere Optionen zu legitimieren.
Die „Einigkeit der Nation“: Die Betonung des innerisraelischen Konsenses dient der Selbstvergewisserung und der Abgrenzung von der als zerrissen wahrgenommenen amerikanischen Öffentlichkeit.
2. Die Positionierung im Verhältnis zu den USA
Der Text balanciert geschickt zwischen zwei Polen:
Einerseits wird Trump als Verbündeter dargestellt, dessen widersprüchliche Kommunikation rational erklärt wird.
Andererseits wird die mangelnde Unterstützung in der amerikanischen Bevölkerung als Problem markiert („Durchhaltefähigkeit Washingtons“).
Dies spiegelt eine Grundspannung im israelischen Diskurs wider: Man ist auf die USA angewiesen, fürchtet aber deren politische Unzuverlässigkeit. Die Erwähnung des deutschen Bundeskanzlers Merz dient hier als Beleg für internationale Besorgnis – und damit als implizite Warnung an Washington.
3. Die Konstruktion regionaler Neuordnung
Der letzte Abschnitt ist besonders aufschlussreich:
„Respekt kann die Grundlage für neue Bündnisse sein.“
Hier wird das klassische Realismus-Paradigma bemüht: In einer „rauen Nachbarschaft“ zählt nicht Sympathie, sondern militärische Stärke. Die israelische Überlegenheit wird als Fakt gesetzt, aus dem sich automatisch neue Bündnismöglichkeiten ergeben sollen. Dies ignoriert, dass Bündnisse in der Region traditionell von einer Vielzahl von Faktoren abhängen – wirtschaftlichen Interessen, innenpolitischen Dynamiken, historischen Rivalitäten – die sich nicht einfach durch militärische Demonstrationen überspielen lassen.
4. Formal gibt sich der Text als unabhängige Analyse. Tatsächlich ist er Teil dessen, was man „embedded analysis“ nennen könnte – eine Berichterstattung, die sich vollständig innerhalb der Logik und Perspektive einer Kriegspartei bewegt. Dies zeigt sich:
In der Übernahme militärischer Begriffe („Operation Roaring Lion“) ohne Distanzierung.
In der Naturalisierung israelischer Perspektiven („Für Israelis ist die iranische Bedrohung real, unmittelbar und existenziell“).
In der Abwesenheit iranischer Stimmen oder Perspektiven.
In der impliziten Legitimation gezielter Tötungen (die Tötung Khameneis wird als gegebener Fakt behandelt, nicht als völkerrechtlich problematischer Akt).
5. Welche Arbeit leistet dieser Text im politischen Diskurs?
Legitimation: Er legitimiert einen eskalierten Krieg durch die Konstruktion einer alternativlosen Situation.
Simplifikation: Er reduziert komplexe regionale Dynamiken auf ein klares Freund-Feind-Schema.
Immunisierung: Er immunisiert israelische Entscheidungen gegen Kritik, indem er jede Alternative als gefährlicher darstellt.
Normalisierung: Er normalisiert gezielte Tötungen und Präventivkriege als legitime Instrumente der Politik.
Selbstvergewisserung: Er bestärkt israelische Leser in der Überzeugung, dass ihr Land richtig handelt.
Der Text ist ein Paradebeispiel für strategische Kommunikation im Kriegskontext. Er bedient sich einer rationalen, analytischen Sprache, um eine hochgradig parteiische Position zu naturalisieren. Seine zentrale diskursive Leistung besteht darin, eine bestimmte Handlungsoption (militärische Eskalation) als alternativlos erscheinen zu lassen, indem er die Komplexität der Region auf ein überschaubares Bedrohungsszenario reduziert und alle anderen Perspektiven unsichtbar macht.
Besonders bemerkenswert ist die reflexive Schleife: Der Text analysiert die strategische Kommunikation anderer Akteure (Iran, Trump), bleibt aber für seine eigene Positionierung blind. Diese Asymmetrie ist charakteristisch für politische Analyse, die sich nicht als solche reflektiert.
Der Text ist weniger eine Analyse des Krieges als vielmehr selbst ein Teil der Kriegsführung – ein Beitrag zur diskursiven Mobilisierung von Unterstützung und zur Konstruktion einer Wirklichkeit, in der militärische Gewalt als einzig vernünftige Option erscheint.
und sonst so?
tja der krieg wurde schnell langweilig.
Israel zensiert rigoros die eigenen Schäden
als Medienspektakel ist der verbale Schwanzvergleich ausgereizt.
Porno wo nur gelabert wird, ist öde.
Die Action fehlt aber.
Baudrillard würde fragen: findet der Krieg überhaupt statt?
in Teutonenland regiert mal wieder die Realsatire:
Kritik an Spotify – soweit ok
https://www.tagesschau.de/kultur/musik-streaming-verguetung-100.html
Aber dann:
„Den Schritt da wegzugehen, kann man nur einmal machen. Und dann schneidet man sich hauptsächlich ins eigene Fleisch.“
Dota – eine Trällerlärche aka Kleingeldprinzessin – die mit Zeilen wie
„Und irgendwann legen wir hoffentlich
Den ganzen Kapitalismus ad acta
Gründe gibt es genug, zum Beispiel denke ich
Geld verdirbt den Charakter“
die bürgerliche Wohlstands- und Lifestyle-Linke bezirzt…
wo bleibt der autonome Underground der 80er?
zu dem verblödet Teutonenland im Eiltempo
https://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/gelsenkirchen-grundschule-sitzenbleiben-grundschule-id301986770.html
https://www.derwesten.de/staedte/duisburg/duisburg-grundschule-erste-klasse-schueler-rekord-id302008369.html
https://www.mannheimer-morgen.de/orte/ludwigshafen_artikel,-ludwigshafen-graefenauschule-ludwigshafen-erneut-bleiben-42-erstklaessler-sitzen-_arid,2325315.html
im übrigen bin (nicht nur) ich der Meinung, dass Merz weg muss
https://www.openpetition.de/petition/online/ruecktritt-von-friedrich-merz-kein-kanzler-fuer-soziale-gerechtigkeit-und-frieden
https://www.amazon.de/Merz-muss-weg-Anti-CDU-Friedrich/dp/B0F7W5GXR9
Die Römer hatten sich immer nur verteidigt.
Am Ende hatten sie ein Imperium.
Die Welt der Juden ist denen ein gefährlicher Ort.
Ständig umgeben von Antisemiten,
in der Notwehr sind wo alle Mittel erlaubt.
In der Psychiatrie nennt mans Paranoia.
Herb Keinon verbläst Propaganda.
Wie sieht es denn perspektivisch aus? Auch 30 Jahre amerikanisch dominiertes Internet haben dem Feindbild „Jude“ in den Ländern des nahen Ostens keinen Abbruch getan.
Die sogenannte Umma, die vielbeschworen Einheit der Muslime könnte ein Stück näher rücken
Bisher profitiert man davon, das Schiiten und Sunniten sich so lieben, wie die Katholen und Evangelen früher.
Ein gemeinsames Feinbild jedoch bewirkt da immer „Großes“. Wer sollte das besser wissen, als Deutsche?
Afrika war noch vor 30 Jahren weitestgehend säkular aufgestellt. Heute ist es weitestgehend islamisch mit steigender Tendenz. Alles trotz amerikanisch dominiertem Internets. Bis nach Israel haben es viele da nicht weit
Wirtschaftlich bliebe auch noch zu klären, wie die USA und Israel denn gedenken, sich ihr „Friedenswerk“ aufzuteilen. Ein Trump, der nach Belieben Wegezoll für die Straße von Hormus ein treibt, dürfte kaum etwas Gutes für unsere Exportnation bedeuten.
Was immer noch verwundert, ist Chinas Zurückhaltung. Deren Seidenstraße nimmt gerade empfindliche Rückschläge in Kauf. Historisch gesehen, sind die Chinesen immer „ausgerastet“, wenn sie ihre nationalen Interessen bedroht sahen.
Im Nahen Osten hast Du es mit Menschen zu tun, die Waffengewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung persönlicher Interessen halten. Auch daran haben 30 Jahre amerikanisch dominiertes Internet nichts geändert.
Anders dagegen z. B. in Deutschland. 80 Jahre Bespassung durch einseitig amerikanisch kontrollierte Medien haben sogar bewirkt, dass selbst Dortmunder eher den Kuklux Klan feiern, als einen Rudolph Hess. Die haben sogar eine Partei dazu gegründet.
Der Artikel feiert einen taktischen Erfolg, während er sehenden Auges in ein strategisches Desaster rennt. Wer glaubt, mit dem Ausschalten der alten Garde den Widerstand gebrochen zu haben, ignoriert die Realität von Modschtaba Chamenei.
Er ist kein unerfahrener Erbe, sondern seit Jahrzehnten tief in die Strukturen der Revolutionsgarden (IRGC) eingewoben. Während wir hier über ,Sieg‘ schwadronieren, übernimmt ein Mann das Ruder, der das Handwerk der asymmetrischen Kriegsführung perfekt beherrscht und dessen Ideologie auf einer Jenseits-Logik basiert, die westliche Abschreckungsszenarien schlicht auslacht. Was will man jemanden mit Marschflugkörpern drohen, der den Tod als heilige Beförderung zu den 72 Jungfrauen betrachtet?
Ohne eine echte Besetzung oder den mühsamen Aufbau einer zivilen Opposition – was ja keine so schöne ,Show‘ für die Kameras liefert – produzieren wir lediglich ein hochgefährliches Machtvakuum. Wir finanzieren uns ein kurzes Strohfeuer in der Rüstungsindustrie auf Kosten der Zukunft, während wir zusehen, wie das Öl ,ranzig‘ wird und die Region endgültig im Chaos versinkt. Das ist kein strategischer Triumph, das ist bankrotte Außenpolitik mit Ansage. Aber hey, solange die Bilder der Explosionen in der Prime-Time stimmen, scheint die Naivität ja keine Grenzen zu kennen.
„Aber hey, solange die Bilder der Explosionen in der Prime-Time stimmen“
genau das stimmt ja schon mal nicht.
über die Ticker laufen nur Texte – wer wieder womit gedroht hat, wo wieder welche Rakete abgefeuert oder/und abgefangen wurde.
die paar verwackelten und verschwommenen Bilder, die maximal auf Nokia N95 Niveau daherkommen, kann man doch vergessen…
für Leute wie Burks ist nur wichtig: Israel macht mit, also ist es toll, egal wie Scheiße es tatsächlich ist…
“America spent 20 years and trillions of dollars replacing the Taliban with the Taliban. But Trump managed to replace Ayatollah Khamenei with Ayatollah Khamenei in just 9 days! Most efficient President ever!“
Given all this, China has absolutely no reason to get involved in an unpredictable regional war. It makes far more sense for Beijing to sit on the sidelines, consolidate its position, and avoid wasting resources on peripheral concerns.
https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2026/03/china-russia-rescue-iran
Jahrzehntelang war der Golf ein Schauplatz überwältigender US-israelischer technologischer Dominanz. Diese Dominanz ist nicht verschwunden. Doch sie wurde still und bewusst durch jahrelange chinesische Hardwaretransfers und russischen Geheimdienstaustausch ausgehöhlt. Wie ein ranghoher US-Militärkommandeur kürzlich bestätigte, sind Signale die neuen Kugeln: Wer das Spektrum kontrolliert, kontrolliert den Kampf. Keine Seite kontrolliert sie entscheidend. Das ist an sich schon eine tiefgreifende Veränderung.
Der Golf wird zum ersten Einsatzgebiet, in dem elektronische Kriegsführung entscheidender sein könnte als konventionelle Feuerkraft. Allianzen werden nicht durch Truppeneinsätze oder Vertragsunterzeichnungen neu gezogen, sondern durch Informationsflüsse und Satellitenkonstellationen. Russland und China entsenden keine Divisionen zur Unterstützung Teherans. Sie tun etwas Nachhaltigeres: Sie bringen dem Iran bei, wie man sieht.
https://www.aljazeera.com/opinions/2026/3/12/the-war-of-signals-how-russia-and-china-help-iran-see-the-battlefield