Epilog: Was sollte das?
Ich muss mich vermutlich bei den bibelunkundigen Leserinnen und den der Theologie abholden Lesern entschuldigend erklären. Was sollten also die drei Postings über die Apiru, Elohim und sonstigen weithin völlig unbekannten Gestalten, Begriffe, die fast vier Jahrtausende alt sind?
Und dann noch ein Mao-Zitat dazu? Das erklärt doch schon etwas. Ein Bibel- bzw. Tora-Wissenschaftler, der zustimmend Mao über die Revolution erwähnt? Da konnte ich nicht widerstehen…
Ich muss das Publikum, um es mental einzustimmen, in einer fremde Welt entführen, die ihre eigenen Regeln und Gesetze hat, aber manchmal gleich um die Ecke ist. Nur merkt es keiner. Wie bei den Absonderlichkeiten in Jerusalem braucht man einen „ortskundigen“ Führer. Ich biete mich gern an.
Wer sich durch die drei Texte gequält hat (die das erste Kapitel von Robert Wolfes: „From Habiru to Hebrews and Other Essays“ sind), wird eines sofort feststellen: Obwohl Fantastilliarden von Theologen und sonstigen Heilige-Schriften-Kundigen seit 200 Jahren herumforschen, gibt es keine eindeutigen, wissenschaftlich validen Ergebnisse. Mit demselben Material, in letzter Zeit flankiert von handfester Archäologie, kann man ganz unterschiedliche Schlüsse ziehen.
Und: Es kommt auf den politischen Hintergrund des jeweiligen Wissenschaftlers an.
Man nimmt wohlwollend zur Kenntnis, dass Wolfe Marxist ist – eine aussterbende Gattung – und die legendäre Gestalt des jüdischen Königs David zu einem Sozialrevolutionär machen will. Das wirkte bis in die Gegenwart, weil, wie er kühn behauptet, deswegen die Juden fortschrittlicher seien als die Araber. Das ist sicher so, aber wohl kaum aus dem Grund.
Finkelstein hingegen, den Wolfe natürlich kennt, zitiert gibt sich als Zyniker und – wie ihn die ebenfalls alte Steine ausbuddelnden Kollegen nennen – als „Minimalist“, das heißt: Er glaubt nichts, was sich nicht eindeutig beweisen lässt. Alles sei Fake News, ist seine Standard-Antwort auf Heilige Bücher. Für ihn war David ein Räuberhauptmann, der mitnichten ein großes „Reich“ gegründet habe.
Beide Standpunkte haben starke Argumente. Aber man braucht nicht darauf zu hoffen, dass die Archäologen etwas finden, das alle Fragen beantwortet.
Was beide für mich interessant macht: Sowohl Wolfe als auch Finkelstein – beide sind Juden – legen sich vehement mit allen Verehrern höherer Wesen der christlichen und jüdischen Art an. Und das sind eine ganze Menge.
So etwas wäre unter Muslimen undenkbar: Es gibt bei denen weder eine Tradition der Aufklärung noch eine kritische Theologie. Für die reitet Mohammed noch immer auf irgendwelchen Fabeltieren in den Himmel, und wer das nicht glaubt, wird mit dem Tod bedroht.
Ach so, die Bilder bzw, die Videos dahinter der „fremden Welt“ Es wandelt eine heil’ge Schar. Hausaufgabe: Was sind die Unterschiede und was ist allen gemeinsam, außer dass bei orthodoxen Juden keine Frauen zu sehen sind?
Und man möge sich schaudernd vorstellen, dass das dritte Foto bzw. Video auch mich zufällig hätte zeigen können, wenn es ein vor einem halben Jahrhundert aufgenommen worden wäre… (Bist du vom Lebenskampf Bei den Titeln der NAK-Liedern gruselt es mich heute noch.)
Kommentare
5 Kommentare zu “Epilog: Was sollte das?”
Schreibe einen Kommentar























Die Frage, die mich eher antreiben würde, warum aus dieser Religion, bzw. dieser kleinen Volksgruppe, so viele Größen in allen kulturellen und wissenschaftlichen Bereichen stellen und andere wenig bis gar nicht vertreten sind.
Hat was mit Büchern zu tun. Wenn die Tempel weg sind, bleiben nur noch Texte. Und wer exzessiv studiert, ist immer schlauer als der, der nur nomadisierend raubt und neue Räuber zeugt.
Ist mir zu kurz gegriffen. Wenn man sich alleine anschaut, was die Musik so alles hervorgebracht hat.
Ob nun Pop oder Klassik oder Experimentelle.
Die Ersteren wären in der heutigen Form so nicht vorhanden und das leider sogar ganz ohne Klezmer.
Das könnte auch einer der Gründe sein, warum Musikverbote bei den muslimischen Hardlinern
immer hoch im Kurs stehen.
Haben sie ja kürzlich in Afghanistan auch so probiert. Hat die Bevölkerung aber wohl anders gesehen, bzw. gehört. Man hört davon jedenfalls nichts mehr.
Seltsam – oder?
Das ist auch immer ein guter Test im Barber Shop. Einfach mal fragen, ob die auch was mit versauten Texten haben, so richtig frivol.
„Eh, das ist arabische Musik. Die ist sauber!“ „Hast Du denn nichts von Bushido oder Sido oder…?“
Im Barbershop fragt man nach einem Haarschnitt oder einer Rasur oder wann das nächste Cash Game ist.
Zwischen Text und Intention (was hat Gott damit gemeint) hatten Juden Interpretation.
Das erheischt Textkenntnis und umfangreiches Kommentarwerk.
Juden streiten gerne.
Sie sagen nicht: Hier ist die Wahrheit, da knie nieder.
Ein ordentlicher Jude kann lesen & schreiben in mehreren Sprachen. Auch rechnen.
Das wußten die Könige als man noch Juden brauchte.
Natürlich gibts auch unterschichtige Juden.
1 Hats inzwischen nachgelassen, im Tel Aviver Hupamarkt kriegt man Schweineschnitzel.
2 Es gibt eine Vielzahl von Sekten. Manche echt nazimäßig, andere nur sonderbar.
3 Juden selber sind uneins was Judentum sein soll.