Das Interesse des Kapitals
Ich darf die Leserschaft auf ein kurzes, aber höchst interessantes Interview (auf Instagram und auf Facebook) mit dem chinesischen Milliardär Eric Xun Li (IMHO) aufmerksam machen. (Übersetzung unten)
„Why this Chinese billionaire says the West got it all wrong“
In America you can change political parties but you can’t change the policies. In China you cannot change the party but you can change policies.
Question: So in that time, China seeks to be communist. Is that what you are saying?
Well, China is a market economy and it’s a vibrant market economy but it is not a capitalist country. Here’s why. There’s no way a group of billionaires could control the poly bureau. As billionaires control American policy making. So in China you have a vibrant market economy but capital does not rise above political authority. Capital is not.. does not have enshrined rights.
In America, capital, the interest of capital and capital itself has risen above the American nation. The political authority cannot check the power of capital. That’s why America is a capitalist country but China is not.
Us so in the 65 or 66 years, China is being run by one single party yet … the political changes have taken place in China in this past 66 years have been wider and broader and greater than probably any other major country in modern memory.“
„In Amerika kann man die politische Partei wechseln, aber man kann die Politik nicht ändern. In China kann man die Partei nicht wechseln, aber man kann die Politik ändern.
Frage: Also zu dieser Zeit strebt China danach, kommunistisch zu sein. Ist das, was Sie sagen?
Nun, China ist eine Marktwirtschaft, und es ist eine lebendige Marktwirtschaft, aber es ist kein kapitalistisches Land. Und zwar aus folgendem Grund: Es ist undenkbar, dass eine Gruppe von Milliardären das Politbüro kontrollieren könnte – so wie Milliardäre die amerikanische Politik bestimmen. In China gibt es also eine dynamische Marktwirtschaft, aber das Kapital steht nicht über der politischen Autorität. Das Kapital hat keine verbrieften Rechte.
In Amerika hingegen ist das Kapital – das Interesse des Kapitals und das Kapital selbst – über die amerikanische Nation hinausgewachsen. Die politische Autorität ist nicht in der Lage, die Macht des Kapitals einzuschränken. Deshalb ist Amerika ein kapitalistisches Land, China aber nicht.
In den 65 oder 66 Jahren, in denen China von einer einzigen Partei regiert wurde, haben politische Veränderungen stattgefunden, die breiter, tiefgreifender und umfassender waren als in wahrscheinlich jedem anderen bedeutenden Land in der neueren Geschichte.“
Ist es das, was Marx mit der „Diktatur des Proletariats“ vorschwebte – dass die Politik über den Interessen des Kapitals steht? Darüber muss ich noch nachdenken.
Kommentare
14 Kommentare zu “Das Interesse des Kapitals”
Schreibe einen Kommentar




















interessante Argumentation
ABER
sie entspricht im Grunde dem, was die chinesischen Machthaber (also die politischen) hören wollen.
Wer was anderes behauptet, hat die längste Zeit etwas behauptet.
gibt es brauchbare Analysen zum politischen System Chinas?
Also wo auch der Frage nachgegangen wird, wie die Partei ihre Macht zementiert und behauptet…
Wie ist die Verzahnung mit Wirtschaft. Kapital, Militär und wer oder was da ggf. noch eine Rolle spielen könnte…
„gibt es brauchbare Analysen zum politischen System Chinas?“ – Nein, aber von mir kommt demnächst was.
Im unregulierten Kapitalismus kommt Eigentum aus der Menschennatur, letztlich von Gott.
Im gemanagten Kapitalismus (China) ist das Eigentumsrecht Erlaubnis (und Befehl) vom Staat.
Jack Ma plante eine Schattenbank „Ant“ und bestritt damit dem Geld seine Staatsfunktion.
Krypto ist letztlich der Versuch die Gesellschaft in eine Mafia zu mutieren.
China hat 5000 Jahre Geschichte, die Staatsverwaltung obliegt einer Beamtenschaft.
Sie haben den Marx sehr genau studiert.
China ist inkommensurabel mit dem Westen.
Dafür bräuchte man erst eine allgemeine Wirtschaftstheorie die Westen und China als Sonderfälle hat.
Darwin hat in der Natur nur die Umgangsformen seinerzeitigen Bourgeoisie erkannt.
Die westliche VWL ist erkenntnistheoretisch eine Kirche, ein Glaubenssystem.
In bürgerlicher Weltsicht kommen gesellschaftliche Phänomene aus unerforschlichen[*] Seelenblähungen der Individuen, Gesellschaft ist zusammenhangslose Ansammlung Einzelner. Liberalismus denkt Gesellschaft vom Individuum her.
[*] entweder von der Natur oder von Gott
Der Inhalt des Interviews erinnert an das ordoliberale Geschwätz, das die Wagenknecht vor Jahren meinte aufwärmen zu müssen.
China hat einfach jetzt sein „Wirtschaftswunder“ mit seiner „Sozialen Marktwirtschaft“ und wird in ein paar Jahren seine neoliberale Wende bekommen, mit Massenprivatisierung, Kaputtsparen, Verarmung der „Mittelschicht“, noch stärkerer Spreizung des „Wohlstands“, etc..
Aber in Russland steht die Politik doch auch über den Interessen des Kapitals. Im französischen Absolutismus doch auch? Nur weil Die Politik über den Interessen der Kapitalisten steht heißt das doch noch nicht, dass dies dann schon die Politik des Proletariats ist. Wäre also die Frage zu klären, ob die chinesische Regierung im Interesse des Proletariats handelt und ob das Proletariat die Regierung kontrolliert.
Ich weiß nicht, mir kommt das spanisch vor. Die haben in China eine gewaltige Riege an Milliardären und die wollen so gar keinen Einfluss nehmen? Die sind von Geld und Macht gar nicht korrumpiert? Das kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.
Wenn Milliardaere sich in die Politik einmischen, kann es sein das Sie einen Urlaub, in einer „Schule“ bekommen. Es ist immerhin noch Kommunismus.
Google suche: janco-gregory-terror-quota-state-security-lenin-stalin
politik/china-mysterioeses-verschwinden-des-alibaba-gruenders-milliardaer-jack-ma-peking-90161895
Da die Links abgewiesen werde, versuche Ich es mal so.
<8*) Der Aluhut meint, Regierung mit AI? Ergibt das Sinn?
@Jim
Wollen und dürfen ist nicht das gleiche
Vor ein paar Jahren gab es ja eine Säuberungswelle, der jene „reichen“ zum Opfer fielen, die etwas mehr beanspruchten als man ihnen zugestand.
Wie mir damals ein Chinesischer Student erklärte
Du kannst in China weitestgehend tun was du willst, kannst reich werden – ABER – stelle nie die Allmacht der Partei in Frage
Er meinte aber, im Westen dürfen man ja auch nicht die Allmacht des freien Marktes in Frage stellen
@Jim Jack Ma hats probiert.
Ihr Fehler ist Kapitalismus personal zu verstehen.
K. ist ein System, aufs Individuum kommts nicht an.
Jeder Staat will ein produktives Volk. Auch China.
Für Ökonomie Dillmann.
350 Millionen Billigarbeiter ohne Hukou.
30% Baukapazität (normal wären 15), leerstehende Millionenstädte, Krise im Immosektor.
Andererseits ohne swap lines wäre die Finanzkrise 2008 nicht bewältigbar gewesen.
Die chin. Regierung hat kein Interesse daran, daß der K. zusammenbricht. Das erledigt Trump.
Insofern isses absurd wenn westliche VWLer sorgen
ob China kapitalistisch ist. Die chin Politniks haben wenigstens Marx gelesen.
https://www.fr.de/politik/amerika-wang-huning-china-xi-jinping-konfrontation-usa-amerika-gegen-92270676.html
https://www.youtube.com/watch?v=lrDqzURCH6M
https://www.youtube.com/watch?v=vHB-tiLTuUc
Burks, ich verstehe Dich nicht.
Du bist 50 Jahre lang im Geschäft. Im Geschäft Marxismus. Du bist ein Spezialist. Und Du hast den Vorteil ausschließlich Theoretiker zu sein. Du bis meiner Beobachtung nach hochintelligent und könntest zum Beispiel von der Heidi Reichinnek, dem Stalin-clone oder sowas ähnlichem, beauftragt werden zu prüfen, ob die GenZ in „Unseredemokratie“ ™ tatsächlich links-sozialistisch geworden ist oder nicht. So in der Art wie damals, als der echte Stalin jemanden nach China entsandte, um dort den Maoismus zu prüfen. Das wird die nicht machen. Aber egal. Die Idee hört sich gut an. Das hat was von Witzigkeit genauso wie diese Zeilen
Antwort: Praktisch ja. Theoretisch nein. Ich glaube, bei der Mafia und der HAMAS ist es umgekehrt. :)
*************************
China? China? Ist das Dein Ernst?
Natürlich. Das ist doch das Ziel der Feudalismus-Reihe.
Jack Ma ist schon längst wieder aufgetaucht.
@admin
Ja. Reuig. Chef von Alibaba iss er nicht mehr.
Wer die Geschichte damals nicht verfolgt hat versteht nicht was ich sage.
https://www.jungewelt.de/artikel/389997.schattenbank-namens-ameise.html
Die KPCh ist ua ein Karriereclub mit ca 90 Mio Mitgliedern. Nicht alle sind reich. Aber alle sind treu. Die Partei bestraft Fehlverhalten.
Während schon ihre nächsten Verwandten oft in Geld schwimmen, gelten die chinesischen Politiker selbst als bettelarm. Ihr karges Salär aus chinesischem Holzgeld hat etwa die Kaufkraft von Monopoly Dollars. Aus Gründen der Pietät ist es in China unter härtester Strafe verboten, zu diesem Thema Nachforschungen anzustellen oder gar darüber zu berichten und kein Chinese ist dumm genug, sich dafür zu interessieren.