Offener Brief an den Neuköllner Genossen Ferat Koçak

Ferat Koçak

Lieber Genosse Ferat Koçak!

Vermutlich interessiert es niemanden bei der „Linken“, warum ehemalige Stammwähler sie nicht mehr wählen können. Jetzt aber kann man das auch an Deiner Person festmachen. Wenn mich – den alle meine Freunde einen „Marxisten“ nennen – jemand fragte, würde ich antworten: Ich wähle keine völkischen Antisemiten.

Warum Antisemiten? Wer Israel das Recht abspricht, sich gegenüber Terroristen und feindlichen Nachbarstaaten mit Waffen zu verteidigen, akzeptiert die Vernichtung des jüdischen Staates. Das hat innerhalb der deutschen „Linken“ natürlich eine lange Tradition (vgl. Taz v. 5.10.2007), nicht nur seit 1976, als ein deutsch-palästinensisches Terrorkommando im ugandischen Entebbe die Insassen eines gekidnappten Flugzeugs in Juden und Nichtjuden selektierte (sic!).

Warum völkisch? Die Araber in Palästina sind genauso wenig ein Volk wie die im und nach dem 2. Weltkrieg aus Osteuropa vertriebenen Deutschen. Oder sind ehemalige Schlesier jetzt ein „Volk“? Wer Kriege beginnt und verliert wie die Araber, muss die Konsequenzen tragen. Oder sollten die Deutschen jetzt das Elsass oder Ostpreußen zurückfordern?

Übrigens nannte man in der DDR und auch in der westdeutschen Linken diejenigen, die die ehemaligen deutschen Ostgebiete zurückforderten, „Revanchisten“. Ich nenne auch alle so genannten „Palästinenser, die seit 1948 in Palästina (eine geografische Region) vertrieben wurden, Revanchisten, wenn sie Israel das Recht absprechen, die Gebiete, die in diversen Kriegen, die alle von den Arabern begonnen wurden, erobert wurden, zu behalten. Für mich gehören Samaria und Judäa zu Israel. Einen weiteren arabischen Staat in Palästina darf und wird es nicht geben.

Übrigens war der arabische Nationalismus schon im Ottomanischen Reich untrennbar damit verbunden, dass Juden aus Palästina vertrieben werden sollten. Das hat sich bis heute nicht geändert. Das Massaker von Hebron (1929) ist dafür ein Beispiel.

Alle meine Vorfahren stammen aus Wolhynien und Polen. Der Hof meines Urgroßvaters wurde 1955 von Polen enteignet (vgl. die Urkunde auf meinem Blog vom 30.01.2024). Gehöre ich jetzt zum „Volk der Westpreußen“? Meine Vorfahren saßen schon im 18. Jahrhundert im heutigen Polen – aber die Deutschen waren nicht in der Lage, in Frieden mit ihren Nachbarn zu leben. Irgendwann ist Schluss. Das war hier das Ende des 2. Weltkriegs.

Ich habe mich immer als Erzlinker verstanden. Wie auch bei Dir, Genosse Koçak, kann man das aus der Biografie erklären, nicht aber durch die Lektüre kluger Bücher. Ich stamme aus einer Bergarbeiterfamilie die Ruhrgebiets, schon mein Ururgroßvater war Kumpel. Einer meiner Großvater war während der Zeit der Roten Ruhrarmee Kommunist, der andere war bekannt als Hitler-Gegner. Die Gestapo wollte ihn wenige Tage vor Kriegsende verhaften lassen, weil er russische Kriegsgefangenen mit Lebensmitteln versorgt hat, was verboten war. Er wäre erschossen worden, wenn nicht die US-Armee das Dorf befreit hätte. Meine Mutter (gab. 1925) war Augenzeugin.

Während meiner Zeit als Student in Berlin (West) war ich Maoist und habe alle „Klassiker“ des „Marxismus-Leninismus“ von vorn bis hinten, allein und kollektiv, studiert, bis es uns zu den Ohren rauskaum, auch Rosa Luxemburg, die bekanntlich etwas zu dem Thema Antisemitismus geschrieben hat. Niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat, kann mich einen „Rechten“ nennen, zumal ich später acht Bücher über Neonazis in Deutschland geschrieben habe.

Ist Dir, Genosse Koçak, bekannt, dass die Sowjetunion die Gründung des Staates Israel unterstützt hat? Dass die damalige sozialistische Republik Tschechoslowakei Israel in dessen Unabhängigkeitskrieg mit Waffen versorgt hat? Man kann zur Geschichte Israels die Bücher Tom Segevs lesen, der alle Akten und Quellen aufgearbeitet hat.

In den 70-er Jahren waren die sozialistischen Kibbuzim in Israel für viele West-Linke attraktiv. Eine Freundin von mir hat damals sogar länger in einem Kibbuz gelebt. Israel ist nicht von religiösen Juden gegründet worden, sondern von säkularen zionistischen Juden, die meistens von den Traditionen der europäischen Arbeiterbewegung beeinflusst worden waren.

Die Kommunisten in Israel hatten damals die Illusion, zusammen mit Arabern leben zu können. Ein Irrtum, wie sich schnell herausstellte. Vielleicht ist Dir bekannt, dass es eine Kommunistische Partei Palästinas gab, die den „Zionismus als Bewegung der jüdischen Bourgeoisie, die mit dem britischen Imperialismus verbündet sei“, ansah. Und das angesichts der jüdischen Flüchtlinge vor den Pogromen in Russland (die erste Alija) und später vor der Shoah in Deutschland… Die Kommunisten machten alle politischen Volten der Sowjetunion mit; trotzdem wurden ihre Führer durch Stalin ermordet oder landeten im Gulag.

Antisemitismus ist leider in der „Linken“ in Deutschland nicht neu, sondern hat eine Tradition seit der Gründung der KPD. (Ich empfehle das Buch Olaf Kistenmachers: Arbeit und »jüdisches Kapital«. Antisemitische Aussagen in der KPD-Tageszeitung „Die Rote Fahne“ während der Weimarer Republik, erschienen 2016).

Ich bin also politisch heimatlos, wenn die so genannte „Linke“ in Deutschland weder eine Arbeiterpartei ist noch Israel unterstützt, wie es sich für einen aufrechten Menschen gehört. Die Genossin Wagenknecht hat eine vergleichbare Position, die ebenfalls Träger des „Palästinensertuchs“ anzieht.

By the way: Die „Linke“ möchte Netanjahu verhaften lassen, wenn er nach Deutschland kommt? Seid Ihr noch bei Trost? Und in welches KZ möchtet Ihr ihn dann stecken? Oder ihn an die Hisbollah oder die Hamas ausliefern? Wer so etwas fordert, sollte mit einem Fallschirm über Gaza abgeworfen werden. Ich spendiere gern das Flugticket, würde aber vorher den Fallschirm durchlöchern.

Dis Diskussion wird natürlich dann interessanter, wenn man vor Ort ist. Om Oktober 2023, am Tag nach dem Beginn des Krieges, bin ich nach Israel gereist, weil ich dort meinen lang geplanten Jahresurlaub verbringen wollte. Es war interessant zu sehen, wie man in Israel angesichts des arabischen Terrors lebt. Direkt am Strand von Tel Aviv wurde über mir eine Rakete abgeschossen. Ich habe sogar ein Foto davon machen können. Ich wäre neugierig zu erfahren, wie es sich anfühlte, wenn man mit einem linken „Israelkritiker“ unter diesen Umständen diskutierte.

In diesem Sinne: Venceremos und #IstandwithIsrael!

Burkhard Schröder

Soeben versendet an info@feratkocak.de und cc an vorstand@die-linke-neukoelln.de

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Kommentare

9 Kommentare zu “Offener Brief an den Neuköllner Genossen Ferat Koçak”

  1. Juri Nello am Februar 26th, 2025 9:17 a.m.

    Iat zum Schluss etwas seltsam wütig geraten. Die ein- oder andere Tippfehlerkorrektur hätte sich auch ganz gut gemacht.

    Jetzt kommt es aber drauf an, ob der Brief auch gelesen wird.

  2. ... der trittbretschreiber am Februar 26th, 2025 9:18 a.m.

    „Ist Dir, Genosse Koçak, bekannt, dass die Sowjetunion die Gründung des Staates Israel unterstützt hat?“

    Muss einem Politiker, gleich welcher Couleur heute irgendetwas bekannt sein? Wichtig ist, dass er (sie, es) dem „Volk“(der Gesellschaft, der Klientel, den Waehlerninnenenen) aufs Maul haut und seiner Partei (ausblendende Blase voller realitaetsferner Rhetorikingenieure) Stimmen (Kapital zum Gestalten des Profits) verschafft, um damit wuchern zu koennen (Zitat Helmut Kohl), denn die Politik ist das Geschaft mit den Mehrheiten(Zitat Merkel).

    Bleibt bloss nuechtern und nicht wie eh Und JEVERsoffen…hx!

  3. blu_frisbee am Februar 26th, 2025 10:16 a.m.

    Wer die PdL (Partei die Linke) für marxistisch hält hat keinen politischen Begriff. Die PdL hält Gesellschaft für Gemeinschaft. Im moralischen Weltbild wird ständig „Ungerechtigkeit“ beklagt.
    Als obs nen „gerechten“ Kapitalismus gäbe.
    Das selbe gilt für die Rede vom bedrohten Volkstum.

  4. Godwin am Februar 26th, 2025 3:34 p.m.

    DIE LINKE ist von den Toten zurückgekehrt, wie Phönix aus der Asche gestiegen (und läuft natürlich potentiell Gefahr, wie Ikarus wieder runterzufallen)

    Glaubt du ernsthaft, deine kleinkarierte religiöse Verblendung juckt da gerade jemanden?

  5. nOby am Februar 26th, 2025 3:51 p.m.

    Also! Der Ferat Koçak wird heute im Burksblog zum ersten Mal erwähnt. Warum nicht früher? Das weiß ich nicht. Und das obwohl der Ferat Koçak sowas wie ein politischer Popstar sein soll. Also bei denen von „links“. Die BILD schreibt das der Mann ein Trotzkist ist. Trotzki war der Vordenker eines gewissen Lenin. Nicht Vordenker als Marxist, sondern als Vordenker im Hinblick auf das was in GULAGs und die ganze Tschekisterei mündete. Das hat der Trotzki grob gesagt dem Lenin „vorgedacht“. Er war ein purer Theoretiker.

    OK, ich verstehe jetzt nicht die Aufregung. Das was Friedrich Schmerz, der Kanzler der Vernünftigen, aktuell macht gibt mir mehr zu denken. Oder das Theaterstück mit den afghanischen sogenannten Ortskräften. Das regt mich wirklich auf.

    In der BILD lese ich das

    Am Dienstagvormittag um 10.15 Uhr setzte eine Maschine mit 155 Personen auf dem Flughafen BER in Berlin auf, erfuhr BILD. An Bord: Flüchtlinge und sogenannte Ortskräfte – also Afghanen, die bis zum Abzug der Bundeswehr im Jahr 2021 für Deutschland gearbeitet hatten.

    […] Der nächste Flug aus Pakistan mit afghanischen Flüchtlingen soll nach BILD-Informationen Anfang März in Deutschland ankommen.

    und das.

    Das im Stich lassen ist deutsche Tradition. Das ist Deutschtum.

    In Afghanistan war das deutsche Militär wieder auf dem Stand des Kaiserreich. Hilfskraft = Verräter.

    Ich halte das für eine Schweinerei. Eine typisch deutsche Sauerei. Das ist Verwahrlosung und Inkompetenz in Sachen militärischer Führung. Nationen, die häufig Krieg führen, die kümmern sich um die Hilfskräfte. Die Deutschen haben das nie getan. Niemals. Nicht ein Mal. Wenn sich Deutsche kümmerten, dann waren das Einzelfälle auf Initiative einer Einzelperson im Rahmen seiner Teileinheit oder ein Kommandeur im Rahmen eines Regiment oder Geschwader.

    Die Ortskräfte zu holen ist für mich OK, wenn das tatsächlich alles Ortskräfte sind. Laut BILD waren 5 Ortskräfte an Bord. Der Rest Frauen und Kinder. Insgesamt sind es 160.000 Afghanen die im Laufe der Zeit geholt werden sollen. Jede Ortskraft darf 4 Angehörige mitbringen. Warum nur 4? Keine Ahnung. Wenn die Ortskraft jetzt 2 Frauen und 8 Kinder hat, was passiert mit dem Überhang? Es kommen auch Personen mit an Bord, denen durch die Taliban Verfolgung droht. Das wären dann per Schlußrechnung alle Bürger Afghanistans die nicht Taliban sind. Oder? Demnach sind 160.000 reine Makulatur. Passen wirklich immer nur 155 in ein Flugzeug, dann ergeben sich über 1000 weitere Flüge. Das ist doch verrückt. Wer denkt sich sowas aus?

    2021 floh die Bundeswehr ungeordnet mit Hilfe der US Air Force aus Afghanistan.

    Während Amerikaner, Engländer, Franzosen und sogar die Holländer es schafften Ortskräfte zu evakuieren, bei den Engländer sollen es sogar 100% gewesen sein, war das den Deutschen wieder einmal nicht möglich.

    Ab 2025 wird nun regelmäßig evakuiert.

    Und die Taliban machen das mit? Mein erster Gedanke: Ein Kalif und Taliban = Steinzeit-Islamist wird die von den Ortskräften entweder alle versklaven oder erschießen. Machen die aber nicht. Warum nicht? Ganz einfach. Die Passagiere kommen ohne Ausnahme aus Pakistan. Die Taliban stehen bei den Passagierlisten außen vor.

    Der F0CUS schreibt

    Dem Auswärtigen Amt zufolge konnten seit Beginn der verschiedenen Aufnahmeverfahren nach dem Fall Kabuls im August 2021 über 35.000 Personen nach Deutschland einreisen. Im Rahmen des Bundesaufnahmeprogramms hätten etwa 3.000 Personen eine Zusage erhalten, tatsächlich eingereist seien bisher 1000 Personen.

    Die Kosten für das Bundesaufnahmeprogramm für besonders gefährdete Afghaninnen und Afghanen belaufen sich laut Bundesinnenministerium bisher auf rund 25 Millionen Euro.

    35.000 Hilfskräfte? Die gesamte deutsche Wehrmacht hatte im letzten Weltkrieg von 1939 bis 1945 keine 50.000 Hilfskräfte auf ihren Soldlisten. Die hatten alle Ausweise und waren zentral registriert. Die SS beschäftigte Hilfskräfte wie den Ukrainer John Demjanjuk. Mit anderen Worten: Niemand in der Bundesregierung hat einen Plan. In 10 Jahren dürfte Kabul ohne Bevölkerung da stehen. Die sind dann alle bei uns.

    Einer wie der Ferat Koçak will das. Es ist Teil seines persönlichen Vernichtungsplan. Er will das System Bundesrepublik Deutschland vernichten. Womit er es ersetzen will, das teilt er nicht mit. Trotzki hat es gemacht. Trotzki wird deswegen als Nationalist von Leninisten, Maoisten und Stalinisten zu tiefst verachtet bis gehaßt. Ist Ferat Koçak wirklich ein Nationalist oder hat er Trotzki nicht verstanden? Wahrscheinlich werde wir das nie erfahren. Davon könnte sein Bundestagsmandat abhängen und das bedeutet Geld, Wohlstand.

    Wahrscheinlich ist er NUR genauso clever wie der Kahrs von der undemokratische Schwefelpartei. Maximilian Krah ist der lebendige Beweis für die parasitäre Haltung gewisser Politiker zu Pfründen und sich geschickt in Pfründe zu bringen. Maximilian Krah ist allerdings ein super Unterhalter. Deswegen vergleichen den Mann einige mit Trump. Ferat Koçak hat davon nix. Er muß sogar seine Politik vom Papier ablesen. Krah hat das nicht nötig.

  6. blu_frisbee am Februar 26th, 2025 7:50 p.m.

    nOby hat AfD-Weltbild und verzapft AfD-Propaganda.

    https://www.youtube.com/watch?v=hg1cmCwwaV0

    Volkstum ist Jodeldiplom.
    Die Rentiere auf den Pribilof-Inseln wußtens nicht.
    Affen führen Krieg während der Urwald brennt.

    https://www.dtv.de/buch/die-evolution-der-gewalt-28438

  7. Jim am Februar 27th, 2025 10:34 a.m.

    @blu_frisbee
    Du liest dir durch, was der jeden Tag teils mehrfach in die Kommentarecke schwallt? Respekt!

  8. Mutant am Februar 27th, 2025 3:34 p.m.

    Mir erscheint vieles von dem logischer was nOby schreibt.

    „Kein Gott“? Hier geht’s doch um Religion?
    Die gleichzeitig als Grundlage eines Volkes das sich wehren muss erklärt wird. Und das Marxismus was mit „keine Arbeit“ zu tun hat, ist für mich als unbelesenes Proletarierkind nicht glaubwürdig. ging es bei Marx nicht mal um die Spannungen zwischen Arbeit und Kapital?
    Kann mich natürlich irren.

    Darüber hinaus sind die Probleme natürlich religiöser Natur, wer glaubt der gelobten Religion anzugehören hat ein Problem mit den anderen. Letztlich ist heute nur die Frage: wer vermarktet sich besser? Der darf dann die anderen töten. Solange wir zuschauen findet sich immer ein gutes Argument für jede Position.

    Ich finde es aber merkwürdig, wenn die Araber mit den deutschen im 3. Reich verglichen werden. Neben vielen mehr oder weniger bedeutenden Details, erfolgte die Vertreibung aus Polen, nachdem man deren Länder zerstört hat und Millionen ermordete. Bei allen Terror durch Hamas usw. aber an eine gross angelegte erfolgreiche Zerstörung kann ich mich nicht erinnern und die Frage der Perspektive stelle ich hier mal lieber gar nicht.

    Aber aus linker – und vermutlich auch marxistischer Sicht – müsste jeder religiöse und völkischer Hintergrund ignoriert werden und jeder der eines davon nutzt aus allen politischen Entscheidung ausgeschlossen werden. Aber davon sind die im Nahen Osten weit entfernt.

  9. Stefan am Februar 28th, 2025 8:45 p.m.

    Der Internationale Strafgerichtshof ist eine Parteiorganisation der Linken? Spannende These. Die darauf folgenden Äußerungen sind an Geschmacklosigkeit kaum noch zu unterbieten.

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