Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will

laufenberg

BVG-Streik 1932: Straßenbahnschienen in Berlin-Schöneberg werden blockiert, um von Streikbrechern gefahrene Straßenbahnen aufzuhalten. Credits: Bundesarchiv, Bild 183-B0527-001-789 / CC-BY-SA 3.0

Die Busfahrer der BVG in Berlin streiken. Ein Streik ist immer ein gutes Mittel, auch wenn die Vertreter des Kapitals das anders sehen. Streikbrecher gibt es übrigens nicht – und das ist auch gut so! Auch keine Streikbrecherinnen!

Da ich nicht erwarte, von den hiesigen Medien adäquat informiert zu werden, worum es geht, habe ich mich kurz informiert. „Hintergrund des Streiks sind die laufenden Tarifverhandlungen“, schreibt der Tagesspiegel. Da wäre ich nicht drauf gekommen. Gut, dass es den Journalismus gibt.

Der RBB übt sich in Neusprech und faselt von „Arbeitsverdichtungen“. Gemeint ist: Die Angestellten sollen mehr arbeiten. (Man muss nicht jedes bürokratische Blähdeutsch, auch wenn es von Verdi-Funktionieren kommt, übernehmen!) Obwohl die Positionen im Klassenkampf (nein, es sind keine Tarif“partner“!) umrissartig dargestellt werden, geruht der RBB nicht, mir Links zu den Standpunkten anzubieten. Das nenne ich unverschämt.

Ach, sieh an: „Zudem hätten die Arbeitgeber verlangt, die Arbeitsschichten von achteinhalb auf neun Stunden zu verlängern, Ruhezeiten von elf auf zehn Stunden zu kürzen und die Wendezeiten der Fahrerinnen und Fahrer an den Endhaltestellen von mindestens vier Minuten ganz abzuschaffen.“

Ich interpretiere das so: Die BVG will, dass die Angestellten mehr arbeiten und weniger pausieren und bietet dafür ein bisschen Geld an. Die Gewerkschaft will eine „36,5 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich“.

Die BVG meint, sie könne nicht ausreichend Mitarbeiter finden, um das umsetzen zu können. Da kommen einem die Tränen, wenn man die Sorgen der Unternehmer hört. Warum ist das denn so? Vielleicht sollte man die bescheidenen Arbeitsbedingen verbessern und bessere Gehälter zahlen?

Ihr könnt froh sein, dass das Proletariat heute zahm ist und nicht so militant wie 1932! Venceremos!

Kommentare

One Kommentar zu “Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will”

  1. Martin Däniken am März 14th, 2019 1:07 pm

    Und Verspätungen von 15min sind keine Verspätungen mehr…
    „Von der Bahn lernen heisst Siegen lernen1“ ;-)

    „Einholen statt überholen!“
    Im altmodischen Sinne..
    War nicht mal die 35-Stundenwoche in Gespräch oder 37,5-Stunden,ich kann mich erinnern,ganz ganz schwach…musste man damals nicht mit DM bezahlen und Raider war noch nicht Twix oder so…
    und die Dinosaurier waren noch zum Fürchten…
    die Metaller haben sich in Stuttgart-Degerloch getroffen.

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