Ja. Nein. Ung. Das Burkssche Gesetz.

Halina Wawzyniak (Die Linke“) auf Zeit online: „Die originäre Aufgabe von Linken-Politik ist, das System infrage zu stellen, nicht konkrete Personen. Das System infrage zu stellen, meint nicht dessen Abschaffung, sondern dessen Weiterentwicklung.“

Nein, Halina. Der Kapitalismus gehört abgeschafft, wie schon vorher der Feudalismus oder die Sklavenhaltergesellschaften. Er macht das selbst, aber man kann ihm dabei helfen, sich „weiterzuentwickeln.“ Man muss dem gemeinen Volk ja nicht verraten, was danach kommt, weil es noch vor dem bösen K-Wort zurückschreckt, aber man muss den Leuten sagen, wie man das ungefähr machen will und was an dessen Stelle treten soll.

By the way. Ich formuliere jetzt das Burkssche Gesetz: „Für Mitglieder der Partei ‚Die Linke‘ ist es unmöglich, auch nur drei deutsche Sätze zu sagen, ohne dass ein Wort vorkommt, das mit UNG endet.

Kommentare

10 Kommentare zu “Ja. Nein. Ung. Das Burkssche Gesetz.”

  1. ninjaturkey am September 17th, 2017 12:41 pm

    Na ja, genau genommen wurden Slaverei und Feudalismus ja nicht abgeschafft so dern haben sich weiterentwickelt®.

  2. ... der Trittbrettschreiber am September 17th, 2017 12:48 pm

    Ich finde Gerechtigkeit viel schöner.

  3. Wolf-Dieter Busch am September 17th, 2017 1:17 pm

    Zur Abschaffung des Kapitalismus brauchts eine Methode, lieber Burks. Da gibt es keinen Knall von der Sorte „Puff, jetzt sind wir frei“, und die Menschheit könne sich ihrer Bestimmung widmen. Wir müssen einen Weg finden.

    Purismus ist nichts anderes als die Angst vorm Anfangen. Da nehme ich mich selbst nicht aus. Du kennst sicher den Spruch vom Anarchisten, der sich mit unrealistischer Forderung vor der Realität drückt.

    Methode also. Ist 1789 ein Beispiel? Als Produkt von äußeren Gegebenheiten (Staatsverschuldung, Missernten, Hunger) ist es eine historische Begebenheit; als geplantes Ereignis wäre es stark unprofessionell. Denn es ging sehr unappetitlich zu. Stell dir die Revolution bitte nicht zu romantisch vor.

    Und übrigens scharrte 1789 das Kapital bereits ungeduldig mit den Hufen. Es war eine – nicht optimale, aber reale – Wirtschaftsbasis bereits vorhanden, die der Bevölkerung konkret gut tat: aus der Buchführung über Rekruten bei den napoleonischen Kriegen geht hervor, dass die durchschnittliche Körperlänge der männlichen Bevölkerung um einige Zentimeter nach oben wuppte.

    Eine Bewegung in der Wirtschaftsbasis also. Und da ist eine Idee im Raum, die ich zunächst irrtümlich weggefiltert habe. Und zwar handelt es sich um den Vorschlag von Lafontaine / Wagenknecht, dass eine Fabrik nur zur einen Hälfte dem Kapital, zur anderen aber den dort Arbeitenden gehören solle.

    Meine erste Spontanreaktion war (wie vielleicht deine auch): Symbolpolitik, hebelt den Kreislauf G→W→Gʼ nicht aus.

    Aber jetzt kommt meine Sekundärreaktion: tendenziell doch. Denn hier wird erstmals der Eigentumsbegriff der bisherigen Missdeutung entzogen, sie müsse auch die Produktionsmittel umfassen.

    Das ist es, was ich aus Wawzyniaks Vorschlag rauslese. Kann sein, dass ich schief liege. Aber es ist eine Bewegung nicht am verräucherten Stammtisch, sondern auf dem Straßenpflaster.

    Burks? Hallo wach?

  4. Patrix am September 17th, 2017 1:53 pm

    Man muss ja nicht den Fehler vieler Politiker wiederholen und das gemeine Volk für blöd halten. Die meisten wissen sehr wohl, was diese in hübschen Worten umschriebene Alternative hinter dem k-Wort ist, und welch überwältigende Erfolge damit im 20. und 21. Jahrhundert gefeiert werden konnten (oder eben eher nicht).

  5. ... der Trittbrettschreiber am September 17th, 2017 2:22 pm

    @Burks, @Wolf-Dieter Busch :

    Die mechanistische Betrachtungsweise von Gesellschaftsdynamik gehört seit Freud/Feuerbach in das Fotoalbum der politischen Reflexion.

    Die Welt dreht sich momentan selbstreferentiell. Auch die Wirtschaft. Prost Karl?

  6. Godwin am September 17th, 2017 4:27 pm

    der Burks irrt einmal mehr:

    „Die Marxsche Kritik besteht nicht in einer moralischen Vorhaltung, sondern im Nachweis, wie der Kapitalismus tatsächlich funktioniert.“ [Michael Heinrich]

    oder wie ich bereits an anderer Stelle hier postete:
    „Marx hat aufwendige und zum Teil verwirrende Reproduktionsschemata entwickelt, um zu beweisen, daß der Kapitalismus tatsächlich funktionieren kann.“ [Oskar Negt u. Alexander Kluge]

    interessanter wäre die Frage, warum H.W. solche Töne anschlägt, NACHDEM sie sich aus allen Verantwortlichkeiten zurückgezogen hat?

    „Gemäß dem Historischen Materialismus können dann, wenn die Produktionsverhältnisse zu Fesseln der Entwicklung der Produktivkräfte werden, Revolutionen entstehen, die zu einer neuen gesellschaftlichen Produktionsweise mit gegebenenfalls neuen Produktionsverhältnissen überleiten.“
    es bleibt zu befürchten, das eben jene neue Produktionsweise auch nur eine andere Form der Knechtschaft bedeutet…
    Oder wie Stanislaw Jerzy Lec sagte: „Erwartet euch nicht zuviel vom Weltuntergang.“

  7. Wolf-Dieter Busch am September 17th, 2017 5:26 pm

    @Trittbrettschreiber: wenn wir dich nicht hätten …

  8. ... der Trittbrettschreiber am September 17th, 2017 8:19 pm

    @Wolf Dieter Bush im Oktober

    Danke

    https://www.youtube.com/watch?v=RVCYYb4BOZM

  9. Wolf-Dieter Busch am September 18th, 2017 11:55 am

    @Trittbrettschreiber … ganzer Satz: Wenn ich dich nicht hätte, und den Löffel, müsste ich die Suppe mit der Gabel essen.

  10. blu_frisbee am September 19th, 2017 6:15 pm

    Der Kapitalismus schafft sich nicht von selber ab sondern wenn ihn die Leut nicht mehr aushalten. Gleichzeitig mit dem tendentiellen Fall der Profitrate hat Marx die dem entgegenwirkenden Tendenzen analysiert.
    ZB was passiert wenn es eine Maschine gibt die ewig hält.
    http://www.deutschlandfunk.de/re-das-kapital-4-6-der-niedergang-des-kapitalismus.1184.de.html?dram:article_id=370390
    Es ist auch gut möglich, daß der Kapitalismus zur direkten gewaltförmigen Plünderungsökonomie mutiert.
    Auf der anderen Seite ist die Ökologie eine äußere Schranke.
    https://www.lrb.co.uk/v33/n03/benjamin-kunkel/how-much-is-too-much

    A bisserl genauer sollt ma Marx schon lesen.

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