Katka Kipping und die erbärmlichen deutschen Universitäten

Katja Kipping auf Facebook:
Die Bundesregierung hat gestern eine weitere Verschärfung des Rechts auf Asyl angekündigt. Ich bin sehr froh, dass sowohl der geschäftsführende Parteivorstand als auch die Fraktion der LINKEN im Bundestag in Beschlüssen deutlich gemacht haben, dass das Asylrecht ein Menschenrecht ist, dass keine Obergrenzen kennt. Die sexuellen Übergriffe und Eigentumsdelikte in Köln müssen konsequent verfolgt werden. Das Asylrecht ist und bleibt ein Menschenrecht, kein Gast- oder Gnadenrecht. Dieses Menschenrecht darf nicht als Sanktionsrecht missbraucht werden. Eine weitere Verschärfung des Asylrechts wird es mit der LINKEN nicht geben.

Ich frage mich, warum die immer so gestelzt einherkommen. So redet doch niemand? Es lehrt sie niemand, gutes Deutsch zu schreiben und zu reden und den Lautsprechermodus auszuschalten. Bevor die mitlesenden Linken wieder jammern, hier ein Zitat von Wilhelm Liebknecht, das meine Absichts auf’s Trefflichste bestätigt:
Marx legte außerordentlichen Wert auf reinen, korrekten Ausdruck. (…) Mit Bezug auf Reinheit und Korrektheit der Sprache war er von peinlichster Gewissenhaftigkeit. Ich erinnerte mich noch, daß der mich einmal in meiner ersten Londoner Zeit mit einer Standrede bedachte, weil ich in einem Schriftstück gesagt hatte: “die stattgehabte Versammlung”. Ich wollte mich mit mit dem Sprachgebrauch entschuldigen, aber da brach Marx los: “Die erbärmlichen deutschen Gymnasien, aufr denen man kein Deutsch lernt, die erbärmlichen deutschen Universitäten” – und so weiter. (…) Marx war ein strenger Purist – er suchte oft mühsam nach dem richtigen Ausdruck. (…) Er war Purist bis zur Pedanterie. (aus: Hans-Magnus Enzensberger (Hg.) Gespräche mit Marx und Engels, 1. Band))

Die obigen Sätze Kippings könnte man, wenn man sich Mühe gäbe, so verbessern, dass man sie mit Vergnügen läse – und nicht mit Mühe.
Die Bundesregierung hat gestern angekündigt, das Asylrecht zu verschärfen. Ja, ich weiß, die “ungs” sind bei der “Linken” eingebaut, sie können nicht anders als Nominalstil. Und belehrungsresistent sind die alle. Reaktion auf Kritik ist immer sofort der Beleidigte-Leberwurst-Modus.

Ich bin sehr froh – das wollen wir gar nicht wissen. Ich hin glücklich, bloggen zu dürfen, dass ich froh bin, den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern mitteilen zu können, dass Gefühle in der Politik irrelevant sind und somit auch die Unsitte, das Publikum damit zu belästigen.

Dass sowohl der geschäftsführende Parteivorstand als auch die Fraktion der LINKEN im Bundestag – warum müssen die gleichfalls völlig irrelevanten sperrigen Titel, die sowieso niemand kapiert, immer erwähnt werden? Erster Generalsekretär der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Vorsitzender der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Vorsitzender des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrats der DDR. Ist es das, was immer noch mitschwingt? Und was ist ein “geschäftsführender Parteivorstand” in Gegensatz zu einem Vorstand, der die Geschäfte nicht führt, was dieser und jener verhüten möge? Übrigens gibt es im Deutschen auch keine Wörter, die aus Majuskeln zusammengesetzt sind. Es heist also “Linke” und nicht “LINKE”.

Sie haben also etwas deutlich gemacht? Was ist denn das für ein Geschwurbel? Sie verdeutlichten, dass Asyl ein Menschenrecht sei (!)? Nein, das taten sie nicht? Sie sagten es nur?

Die Partei und die “Linke” im Bundestag (ist doch klar und deutlich, oder?) betonten (oder haben beschlossen, was aber unsinnig ist, da das schon vorher ihre Position war): Asyl ist ein Menschenrecht, das keine Obergrenzen kennt. Oder, in besserem Deutsch: Asyl sei ein Menschenrecht, das keine Obergrenzen kenne.

Die “Linke” wehrt sich dagegen, das Asylrecht noch weiter zu verschärfen. (Wieder ein “ung” weniger.)

Die Bundesregierung hat gestern angekündigt, das Asylrecht zu verschärfen. Die Partei und die “Linke” im Bundestag betonten gestern noch einmal: Asyl ist ein Menschenrecht, das keine Obergrenzen kennt. Das Asylrecht ist und bleibt ein Menschenrecht, kein Gast- oder Gnadenrecht. Dieses Menschenrecht darf nicht als Sanktionsrecht missbraucht werden. Die “Linke” wehrt sich dagegen, das Asylrecht noch weiter zu verschärfen.

Postscriptum: Das Volk versteht nicht, was “darf nicht als Sanktionsrecht missbraucht werden” heißen soll. Ich bin jetzt nur zu faul, darüber nachzudenken.

Kommentare

2 Kommentare zu “Katka Kipping und die erbärmlichen deutschen Universitäten”

  1. Vox Populist am Januar 13th, 2016 9:40 pm

    Angela Merkel hat es mit diesem Geschwurbel zum beliebtesten deutschen Politiker (gemessen an den “approval ratings”) seit Adolf Hitler nach dem Sieg über Frankreich anno 1940 geschafft. Eine bemerkenswerte Leistung, die eben Nachahmer_Innen_X findet.

    Ich hin glücklich, bloggen zu dürfen, dass ich froh bin, den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern mitteilen zu können, dass Gefühle in der Politik irrelevant sind und somit auch die Unsitte, das Publikum damit zu belästigen.

    Einspruch: Ein guter Autor oder Redner kann (und sollte) sehr wohl Gefühle vermitteln – nur eben nicht mittels der Unsitte, dem Leser/Zuhörer direkt mitzuteilen, was er fühlt. Zumindest in der Literatur ist das ein ziemliches no go und auf diversen “Don’t”-Listen für besseres Schreiben zu finden.

    Eine Sprache ohne Emotionen ist genau das klinisch reine Technokratensprech, mit dem Du niemanden erreichst, weil es die Menschen nicht dort packt, wo Du ihre kognitive Dissonanz überwinden kannst: Auf der Gefühlsebene.

    Für Angela Merkel mag das reichen, aber Linke kommen damit nicht weit, dafür ist die Medienbarriere zu hoch.

  2. Wolf-Dieter am Januar 16th, 2016 9:55 am

    Burks, deine Sprach-Schulmeisterei nervt machmal, berechtigt oder nicht. Dabei gehen Inhalte unter. Ich darf mal zurück schulmeistern:
    — Schulmeisterverbesserung —
    Katja Kipping auf Facebook:

    (…)

    Übersetzung in verständliches Deutsch:

    Die Regierung kündigt an, das Menschenrecht auf Asyl zu „verschärfen“, vulgo zu beschneiden. Wir von der LINKEN betonen, dass ein Menschenrecht nicht finanziell begrenzt werden darf. Denn ein Menscherecht ist kein Gast- oder Gnadenrecht und darf nicht zu Sanktion missbraucht werden. Wir machen das nicht mit.

    — Schulmeisterverbesserung Ende —
    Nebenbei fällt mir die Wortwahl Gast- oder Gnadenrecht auf. Überdurchschnittlich gutes Deutsch, urteile ich, trotz mancher Schwächen.
    (Nix für ungut.)

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