Publikumsbeschimpfung

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The Dissenter (via Fefe) lässt Gleen Greenwald ausführlich zu Wort kommen:
Another document that I probably shouldn’t share since it’s not published but I am going to share it with you anyway—and this one’s coming soon but you’re getting a little preview—It talks about how a brand new technology enables the National Security Agency to redirect into its repositories one billion cell phone calls every single day, one billion cell phone calls every single day.

What we are really talking about here is a globalized system that prevents any form of electronic communication from taking place without its being stored and monitored by the National Security Agency.

Jetzt vergleichen wir die Krokodilstränen unserer politischen Kaste, von den US-Amerikanern ausgespäht zu werden, mit dem, was sie seit 2006 zum Thema „Online-Durchsuchung“ von sich gegeben haben. Was für eine heuchlerische, verlogene Bande! Das gilt auch für viele Journalisten. Mein hanebüchenstes Lieblingszitat (weil es Unfug ist) von Annette Ramelsberger (Süddeutsche, 07.12.2006):
Den meisten Computernutzern ist es nicht klar: Aber wenn sie im Internet surfen, können Verfassungsschützer oder Polizei online bei ihnen zu Hause auf die Festplatte zugreifen und nachschauen, ob sie strafbare Inhalte dort lagern – zum Beispiel Kinderpornographie oder auch Anleitungen zum Bombenbau.

Wenn die NSA und der englische Geheimdienst die elektronische Kommunikation in Deutschland komplett belauschen, welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Keine? Wie viele Journalisten in Deutschland verschlüsseln ihre E-Mails? Mehr als hundert? Weniger? Was muss noch passieren, dass die sich vernünftig verhalten? Ich habe bei zahlreichen Redaktionen angefragt, was die zum Thema zu tun gedenken, von den meisten bekam ich gar keine Antwort.

Und wenn hier einer der wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser meint, mir in Zukunft eine unverschlüsselte E-Mail zu schicken – VERGESST ES! Bringt Euch das gefälligst SOFORT bei und verhaltet Euch wie rational denkende Menschen, sonst beschimpfe ich Euch als Pappnasen oder belege Euch mit noch schlimmeren Ausdrücken oder schicke Euch zum Psychologen oder Völkerkundler, um mir erklären zu lassen, warum erwachsene Menschen sich dermaßen bescheuert verhalten.

Ich werde jeden, der mir in Zukunft eine unverschlüsselte E-Mail schickt, als Wähler Angela Merkels oder Bosbach-Groupie abheften. Irgendwo müssen die doch sein. In meinem so genannten sozialen Umfeld gibt es niemanden, der CDU oder FDP wählt. Irgendwo müssen diese Ignoranten ja frei herumlaufen.

Update: Aufruf zur Datenspende!

Kommentare

5 Kommentare zu “Publikumsbeschimpfung”

  1. koogleschreiber am Juni 30th, 2013 9:52 am

    In der guten alten Zeit, als die USA noch nicht von der noblen Selbstlosigkeit geziert waren, dem ganzen Planeten die Nutzung ihrer militärischen Infrastruktur zu erlauben, war auch die sichere Verschlüsselung von Nachrichten nur denen möglich, die an der Spitze der Entwicklung standen. Das, was z.B. befreundete Staaten von den USA erhielten, war immer nur das Zweitbeste. Von niemandem zu knacken, außer natürlich vom besten Freund…

    Hat sich das inzwischen geändert? Ich bin da von keiner großen Sachkenntnis getrübt, aber mein gesunder Menschenverstand rät mir, mißtrauisch zu sein ggü. Verschlüsselungsmöglichkeiten, die normalen Zivilisten wie mir verfügbar sind.

  2. admin am Juni 30th, 2013 9:53 am
  3. altautonomer am Juni 30th, 2013 9:56 am

    Jedem, der noch ein Rad mit 3-Gang-Schaltung und Rücktrittbremse fährt, sollte der Fahrradfüherschein entzogen werden. Seit 1.1.2013 besteht übrigens Carbonpflicht.

  4. Ruedi am Juni 30th, 2013 6:21 pm

    Ich, Angela Merkel Wähler oder Bosbach-Groupie, was auch immer dieses befeuten soll, werde meinen bescheidenen E-Mail Verkehr gegen besseres Wissen anderer weiterhin unverschlüsselt abwickeln und mich damit in die Reihe der ungezählten DAU stellen.
    Ich werde auch weiterhin tagsüber meine Wohnung nicht abschliessen, mein Gragentor offen lassen und gelegentlich bei offenem Fenster mit meiner lieben Gattin streiten.
    Ich werde auch, wenn ich Anlass und Lust dazu habe, dem Burks unverschlüsselte E-Mails senden.
    Wenn ihm die Art der Übermittlung wichtiger ist als der erlesene Inhalt, dann halt ..

  5. kikujiro am Juli 1st, 2013 6:35 am

    Zu den Krokodilstränen unserer politischen Kaste:
    http://www.privacysurgeon.org/blog/incision/former-nsa-contractor-warns-of-murky-interception-arrangements/

    „She’s acting like inspector Reynaud in Casablanca: ‘I’m shocked – shocked – to find gambling going on here’“

    Dazu gab es einen Artikel in der WELT:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article117571925/Ehemaliger-NSA-Agent-wirft-Merkel-Heuchelei-vor.html

    der ein paar Stunden später auf wundersame Weise wieder verschwunden war:
    „Es tut uns leid. Es gab einen Fehler.
    Die gewünschte Seite konnte nicht gefunden werden.
    Wir werden versuchen den Fehler so schnell wie möglich zu beheben.“

    Zufälliger Weise passierte das Selbe beim Abendblatt:
    http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article117571925/Ehemaliger-NSA-Agent-wirft-Merkel-Heuchelei-vor.html
    „Der von Ihnen gewählte Artikel kann leider nicht gefunden werden.“

    Und welch ein Zufall, ebenso bei der Morgenpost:
    http://www.morgenpost.de/politik/ausland/article117571925/
    „Der von Ihnen gewählte Artikel kann leider nicht gefunden werden.“

    Und bei n-tv, die ihren Beitrag anders überschrieben hatten, gab es leider einen Server-Fehler:
    http://www.n-tv.de/politik/Europaeische-Laender-geben-Daten-an-USA-weiter-article10909736.html
    „Server-Fehler 404: Dokument nicht gefunden
    Das von Ihnen gewählte Dokument ist auf unserem Server nicht bzw. nicht mehr vorhanden.“

    Wer wissen möchte, wie der WELT-Artikel lautete, kann ihn noch über den Google-Cache erreichen:
    https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:http://www.welt.de/politik/ausland/article117571925/Ehemaliger-NSA-Agent-wirft-Merkel-Heuchelei-vor.html

    Deshalb sind auch Add-Ons wie Screengrab wichtig
    https://de.add-ons.mozilla.com/de/firefox/addon/screengrab-fix-version/
    das bei Bedarf eine komplette Webpage (nicht nur den gerade per Monitor sichtbaren Ausschnitt, den man ja simpel per Alt+Druck speichern könnte) mit einem Klick als Bild sichert: um solchen bedauerlichen gehäuften Zufällen, für die natüüüüürlich niemand etwas kann, etwas entgegensetzen zu können.

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