Die Küste der Garifuna

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Die Atlantikküste von Honduras – die gepunktete Linie zeigt die Reiseroute zwischen La Ceiba und Puerto Lempiras im Osten. Quelle: OpenStreetMap

Einer der interessantesten und auch anstrengensten Reisen führte mich von Honduras nach Nicaragua – aber per Schiff und vom äußersten Osten Honduras per Jeep bis an die Grenze von Nicaragua. Die kleinen Schiffe brauchen für die Strecke – Luftlinie rund 200 Kilometer – rund eine Woche. (Unser Schiff sah so aus wie auf dem Foto in der dritten Reihe von oben, rechtes Bild, das kleine Holz-Schiff in der Mitte.)

Vor jedem kleineren Dorf wird geankert, und die besten Ruderer kommen und holen die Güter per Kanu. Am heutigen Biospärenreservat Rio Planato verläuft die Siedlungsgrenze zwischen den Garifuna und den Miskito.

Wikipedia-Auszug: Die Garifuna (Eigenname, ursprüngliche Bedeutung auf Igñeri: „Yamsesser“, in korrekter Pluralform eigentlich Garinagu), sind eine Volksgruppe mit heute über 100.000 Angehörigen in Zentralamerika und den USA. Die Ethnie der Garifuna basiert ursprünglich auf einer Verschmelzung von Sklaven westafrikanischer Herkunft mit Kariben, welche selbst mit den von ihnen einst unterworfenen Arawak verschmolzen waren, auf der Karibikinsel St. Vincent. Der Zusammenschluss beider Bevölkerungsgruppen nahm vermutlich 1635 seinen Anfang, als bei St. Vincent zwei Sklavenschiffe Schiffbruch erlitten: Die Afrikaner konnten fliehen, wurden von den Inselkariben (Kalipona) aufgenommen und vermischten sich mit ihnen. Ihre Sprache, das Igñeri, gehört zur indigenen amerikanischen Arawak-Sprachfamilie und zeigt im Lexikon indigene karibische, französische und englische sowie in neuerer Zeit regional auch spanische Einflüsse. Die vereinzelten afrikanischen Einflüsse im Igñeri entstammen am ehesten dem Yoruba in Südwestnigeria. Die religiös-kulturelle Überlieferung ist überwiegend (west-)afrikanisch. Die über 100.000 Garifuna leben heute in Belize, wo sie bis zu 7 % der Bevölkerung ausmachen, in Guatemala, Honduras und Nicaragua mehrheitlich als Fischer an der Küste sowie als Beschäftigte im Bananenanbau.

Die Skyline des Hafens La Ceiba in Honduras hatte ich hier schon gepostet. Die Fotos habe ich 1982 gemacht. Die junge Dame ist meine damalige Lebensabschnittsgefährtin.

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Auf einem der Fotos sieht man, wie schwierig es ist, schwere Gasflaschen (oder was auch immer da drin war) ohne Kran von einem schwankenden Schiff auf ein Ruderboot zu befördern. Der Seegang war schrecklich, weil der Misikito-Kapitän möglichst nah an die Küste fuhr, damit der Weg für die Ruderer nicht so weit war, und die Brandung uns alle wie ein Ball von der einen Seite auf die andere Seite warf. Übrigens hatten wir uns nachts, da wir nicht auf den Decksplanken schliefen, sondern auf den Ölfässern, die alles blockierten und die genau so hoch waren wie die hölzerne Reling, mit Seiten angeschnallt, um nicht schlafend ins Meer zu fallen.

Wer denkt, das Palmen, türkisblaues Meer, Sonne und braungebrannte Menschen automatisch romantisch sind, der sollte sich mal überlegen, wie man auf einem Schiffs-Plumpsklo (auf den Fotos zu sehen) sein Geschäft verrichtet, während die gesamte „Toilette“ sich abwechselnd in beide Richtungen um rund 50 oder mehr Grad neigt – und zwar mit Caracho und das eine Woche lang ohne Pause.

Seit dieser Reise habe ich eine Abneigung gegen Kokusnuss-Geschmack – die ersten vier Tage bekamen wir nur eine Art Fraß vorgesetzt, zermatschten Reis mit ein Paar Bohnen – alles von der Schiffsbesatzung aus den Kisten geklaut, die sie befördern sollten. Und wir lebten von den Kokusnüssen, die wir dabei hatten. Kokusnuss-Diät ist aber scheusslich. Das änderte sich erst, als ich einige der Mitreisenden beiläufig fragte, wem das Schiff eigentlich gehöre. Da die guten Leute nicht wirklich einschätzen konnte, welchen Einfluss ein Ausländer haben konnte, sprach sich das schnell zum Kapitän herum, der uns plötzlich eigenhändig eine akzeptable Mahlzeit servierte. Als ich ihm dann noch eine Karte der Küste von Honduras schenkte (offenbar fuhr er nur auf Sicht), nannte er mich „hermano“ („Bruder“) und behandelte mich wie den Pascha von Dingsda.

Kommentare

One Kommentar zu “Die Küste der Garifuna”

  1. Kein Artenschutz : Burks' Blog am April 12th, 2019 11:12 am

    […] gefangener Schildkröten in La Ceiba, Honduras (1982). Vermutlich war das damals schon illegal. Schildkröten sind eine bedrohte […]

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