Geistiges Eigentum – eine Chimäre jüngeren Datums

Der CCC hat eine Antwort geschrieben auf den offenen Brief der Tatort-Autoren. Zitat:

Für Software gibt es keine Verwertungsgesellschaften, mangels historischen Präzedenzfalls. Wenn Ihr Euch mal umschaut, werdet ihr sehen, daß auch kein einziger von uns Software-Autoren eine GEMA für Software fordert. Wir nehmen Euch nichts weg, das wir für uns fordern. Wir haben uns nur von der Idee verabschiedet, daß dieses Modell in zehn Jahren noch existieren wird. (…)

Wir sollen also die Finger von den Schutzfristen lassen. Oh bitte, es bluten einem die Ohren bei diesem ewiggestrigen Singsang, den wir uns seit Jahren anhören müssen, während alle paar Jahre die Fristen verlängert werden. Wir sind jetzt bald bei einer Länge von einem Jahrhundert angekommen, und da bringt Ihr echt das Argument, man dürfe die Schutzfristen nicht anrühren? Wir glauben, es hackt. Das ist das Digitalzeitalter, Freunde, wir wissen nicht mal, wie wir digitale Daten ein ganzes Jahrhundert lang bewahren sollen. Die Archive und Bibliotheken haben noch nicht mal annähernd ein Konzept dafür. (…)

Das von Euch als gottgegeben hingestellte sogenannte „geistige Eigentum“ ist bei näherem Hinsehen eine Chimäre jüngeren Datums, gerne als unsachlicher Kampfbegriff angeführt, um gewisse grundsätzliche Diskussionen zu vermeiden.

Kommentare

6 Kommentare zu “Geistiges Eigentum – eine Chimäre jüngeren Datums”

  1. Michael am März 30th, 2012 12:24 am

    Ausgerechnet Tatort-Autoren, die bequem am GEZ-Tropf hängen… Aber das wird in den wirklich lesenserten CCC-Artikel auch gewürdigt.

  2. Granado am März 30th, 2012 6:15 am

    Die Tatort-Autoren fragen sogar, warum es kein ewiges Schutzrecht gibt:
    „Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass nirgendwo eine Argumentation versucht wird, warum gerade diese Eigentumsform überhaupt eine Einschränkung erfahren darf“
    Naja, Mexiko hat schon 100 Jahre post mortem auctoris; hatte Nicaragua nicht mal ewiges?
    Reclam konnte nur existieren, als in Deutschland noch 20 Jahre galten. Die Nazis – wegen Wagners Witwe und Waisen und Nietzsches verfälschende Schwester – haben 30 auf 50 Jahre verlängert
    USA hatten lange Zeit 28 Jahre nach Erscheinen.
    Ein Film gilt als Werk des Regisseurs. Nosferatu musste offiziell komplett vernichtet werden auf Verlangen von Bram Stoker.

  3. ninjaturkey am März 30th, 2012 6:53 am

    @Michael: Nein, bequem am GEZ-Tropf hängt die ARD. Die Autoren bekommen zunehmend nur noch das, was daneben tropft. Weil sie aber aus besseren Zeiten nicht gelernt haben, für ihre Einkommen selbst zu streiten, hängen sie sich lieber an den Rockzipfel der geizigen Mama und rufen Mamas Parolen. Ds erwartet Mama schließlich von ihnen. Auf die Idee, dass es nur besser werden kann, wenn man das vertraute Kinderzimmer verlässt, kommen sie erst gar nicht.

  4. sprut am März 30th, 2012 4:00 pm

    OOps,
    jetzt haben sie uns erwischt. Mich und alle meine Kumpels die immer heimlich die neuen Tatorte aus dem bösen Internet saugen, schon Monate bevor diese endlich im Fernsehen gesendet werden.

    Vielleicht wird es endlich mal Zeit, dass man diese Tatortautoren unter den Bedingungen arbeiten lässt, die heutzutage in der Industrie gelten. Wir brauchen Patente auf kriminalfilmrelevante Ideen! Mord durch Schusswaffe? Ist schon patentiert, zahl gefälligst für das Patent oder lass dir einen anderen Mord einfallen. Giftmord? Pech gehabt, ist auch schon als geistiges Eigentum geschützt.
    In der echten produktiven Welt wären 99% aller Tatorte als Plagiate, Produktfälschungen oder zumindest als patentverletzend eingestuft worden. Die Jungs und Mädels wissen doch gar nicht wie gut es ihnen geht.

  5. hartmut am April 2nd, 2012 7:52 pm

    falls es Missverständnisse über meine haltung gegeben haben sollte: http://kritikundkunst.wordpress.com/2012/04/02/noch-einmal-kurz-zum-urheberrecht/

    Das mit den tatort-drehbuchautor(inn)en ist wirklich herrlich, it made my day, my month

  6. hartmut am April 2nd, 2012 8:10 pm

    @ ninjaturkey: Nicht so ganz! ich kann mich, aus Gründen, die auf der hand liegen, hierzu nicht deutlicher äußern, aber soviel vielleicht: Für Drehbuchautor(inn)en gilt, was für alle anderen berufszweige auch gilt: es gibt die, die drin sind und die, die draussen sind. Wer draussen ist und rein möchte, muss sich ersma n paar Demütigungen gefallen lassen. Zum Beispiel – das ist jetzt selbstredend ein völlig fiktiver, erfundener Fall – Treatments für lau abliefern, mit denen dann andere (für sich, nicht für Dich!) Fördergelder einwerben. Und wenn Du ganz brav geliefert hast, könnte es sein, dass Du vielleicht und weißnichtsogenau bekannt gemacht wirst mit den Zuständigen beim Sender xxx. Und dann darfste vielleicht mal Lektor sein beim Drehbuchschreiben. Und ganzganzganz vielleicht darfste irgendwann mal und weißnichtsogenau auch mal n Drehbuch anliefern, welches dann ganzganzganz vielleicht auch vergütet wird…

    Ist jetzt mal so ne Fiktion. Ich bin ja kein Verschwörungsirrer!

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