Frauen stricken und Männer politisieren
Ariadne aka Yetused schreibt in meinem Lieblingsfrauenblog: „Blogoscoop wird jetzt auch bei heise.de beworben, und dort wird wieder lamentiert, dass Frauen immer noch zu wenig bei den Themenblogs vertreten sind, Technik und Politik seien so stark, aber die Garten- und Strick-Blogs der Frauen fehlen noch. Yaddayadda, möchte man da sagen. Kleines Klischee-Witzle eingebaut. Aber der Artikel ist auch noch von einer Frau geschrieben. Way to go. Das Problem ist nicht der unterdurchschnittliche Frauenanteil in der Blogosphäre – in der Tat werden mehr als 60% der Blogs von Frauen geführt – sondern das offensichtliche Desinteresse der Lady-Blogger am Schubladen- und Nischenbefüllen. Frauen führen Blogs, Männer öfter Themenblogs. Problem gelöst.“
Lebendiger Voyeurismus
Ein Interview mit Ex-WDR-Intendant Nowottny über das Gladbeck-Geiseldrama vor 20 Jahren: „Das Auftauchen des Internet hat die Nachrichtengebung noch sehr viel schneller gemacht, als es damals der Fall war. Damals ging es über Telefon, und es ging über Fernschreiber und es gab Live-Schaltungen – diese schrecklichen Interviews da in Bremen werde ich nie vergessen. Das ist alles durch das Internet noch potenziert worden. Die Schnelligkeit ist potenziert worden, die laienhaften Journalistendarsteller haben sich zahllos erweitert. Es gibt die Leserreporter, die nur ihr Handy zu heben brauchen, um die Bilder zu machen und sofort zu senden. Das sind alles Geschichten, die mich nicht ruhig schlafen lassen, wenn ich daran denke, Gladbeck würde sich in irgendeiner Weise wiederholen. Ich traue nicht den Schwüren, dass sich so etwas journalistisch und publizistisch nicht wiederholen würde, um es mal kurz zu sagen.“
Burks‘ Blog
Beinahe übersehen auf netzwert.de: „Wenn es um Blogs geht, darf natürlich ein prominenter Blogger nicht fehlen. Burkard Schröder, freier Journalist, hat einen unglaublichen Themenbaum geschaffen. Ob Politik, Rechtsextremismus, technische Belange oder ganz einfache Themen wie Kryptografie dürfen auf seinem Blog nicht fehlen. Burks schafft es immer wieder mit schwarz gepfefferten Humor auf Missstände aufmerksam zu machen und seine Link-Sammlung sucht ihresgleichen. Beim Stöbern also unbedingt Zeit mitbringen.“
The Rolling Exhibition
Via Behindertenparkplatz: „Kevin Connolly ist Photograf und hat die ganze Welt bereist. Er kam ohne Beine zur Welt und ist auf einem Skateboard unterwegs. In Wien starrte ihn mal wieder jemand an und er nahm die Kamera und drückte ab. Das war der Beginn einer Fotoserie (…): Menschen die ihn anstarren.“ [Vgl. auch National Public Radio: „Photographer Without Legs Returns Stares“]
Reality-TV und die Folgen | Toto und Harry
MIR: „Der Sender hatte in seinem Programm im Juni 2007 über die Arbeit einer Münchner Gerichtsvollzieherin berichtet. Im Fernsehen war zu sehen, wie die Gerichtsvollzieherin mit Hilfe eines Schlossers in Begleitung von zwei Polizeibeamten und einem Kamerateam die Wohnung eines gesuchten Schuldners betritt. Dort trifft die Gerichtsvollzieherin den nur mit einer Unterhose bekleideten Kläger, der bei der Kontrolle seines Ausweises brav seinen Namen nennt. Problem bei der Sache: Der aus der Slowakei stammende Kläger war – wie sich noch während des Drehs herausstellte – nicht der gesuchte Schuldner. Gesendet wurde trotzdem. (…) Entscheidung des Gerichts: Das von dem Betroffenen in Ausnutzung der Überrumpelungssituation abgerungene Einverständnis in Filmaufnahmen ist sittenwidrig erworben, damit nichtig und die gleichwohl erfolgende Ausstrahlung der Filmaufnahmen rechtswidrig – Schmerzensgeld in Höhe von EUR 5.000 EUR.“ Richtig so. [via law blog]
Angriff der Killertomaten
Fotostrecke in der Berliner Zeitung über die traditionelle Gemüseschlacht zwischen Kreuzberg und Friedrichshain. Leider habe ich sie schon wieder verpasst…
Zensur in Second Life
The Avastar: „Lab verscheucht Karikaturisten“
Bestellte Bilder
Frankfurter Rundschau: „Vor dem Zaun – oder dahinter“ – „Bis auf die Knochen abgemagert, weggesperrt hinter Stacheldraht“. Für die Bild-Zeitung bot die Verhaftung Radovan Karadzics Anlass, sich noch einmal des legendären Bildes zu erinnern, das 1992 um die Welt ging und die internationale Gemeinschaft im jugoslawischen Bürgerkrieg emotionalisierte. Es zeigt den damals 22-jährigen Fikret Alic, einen auf 48 Kilogramm abgemagerten jungen Muslim im serbischen Lager Trnopolje. (…) Für Deichmann stellt sich die Situation vom August 1992 so dar. Die britischen Journalisten seien zuvor in Omarska gewesen. Dort habe man ihnen aber den Zugang zu bestimmten Bereichen des Lagers verweigert. Der erbärmliche Anblick von Fikret Alic in Trnopolje sei ihnen da gerade recht gewesen. Es passte ins Bild dessen, was man sehen wollte. Der Medienscoop, glaubt Deichmann noch heute, war bereits vorbereitet, eine kritische Überprüfung des Materials nicht vorgesehen.“
Plötzensee zum Nulltarif
Tagesspiegel: Henryk M. Broder soll wegen 0,00 Euro in den Knast (via law blog).
Wer ist Heinz Buschkowsky?
Informativer Artikel im Tagesspiegel über den Berlin-Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky: (…) „2001, als er sich von einem Bündnis aus SPD, Linken und Grünen wieder zum Bürgermeister wählen ließ. Das hat ihm die Neuköllner CDU nie verziehen und sie beschimpft den Sozialdemokraten gern als inkompetent und schlampig, Buschkowsky mache Politik auf Gutsherrenart. Ein merkwürdiger Kontrast zum Lob der Landes-CDU für den kernigen SPD-Mann, der sich von den eigenen Genossen nichts vorschreiben lässt und in der Bezirksverwaltung eher gefürchtet als beliebt ist. Eine politische Dummheit hätte ihn 2005 fast das Amt gekostet: Als sich Buschkowsky in der Rechtsaußen-Zeitung Junge Freiheit über „Gutmenschen“ und „sozialromantische Multikultiträumer“ mokierte. Grüne, Linke und Christdemokraten forderten den Rücktritt des Bezirksbürgermeisters, der sich mit einer öffentlichen Entschuldigung retten konnte.“ (…)
Vgl. auch Berliner Morgenpost: „Bürgermeister findet sein Neukölln ‚affenscharf'“
Nachtrag (aus dem aktuellen SPIEGEL): “‘Neukölln ist nichts für Weicheier”, sagt Buschkowsky und amüsiert sich über die Bundespolitiker, die sich nur mit Personenschutz in die Gegend trauen.”
The Enchanted Doll
Nackte Porzellanpuppen von Marina Bychkova (Thanks to Ariadne).
Ohne Worte | Speicherwahn im Kabinett
Sueddeutsche.de (02.07.): „Justizministerin Zypries und der oberste Datenschützer Schaar diskutierten in Berlin das neue ‚Computergrundrecht‘. (…) Die Referenten, mehrheitlich Juristen, gaben offen zu, dass sie keine Ahnung von Technik haben. Selbst der Spruch ‚Um Computer und Internet kümmert sich meine Frau‘ fiel: Im Hause des innenpolitischen Sprechers der SPD, Dieter Wiefelspütz, darf die Gattin den Rechner wieder hochfahren, wenn er abgestürzt ist.“ Man fasst es nicht…
Kein Firefox auf Sandwich
Sandwich-Inseln noch noch immer ohne vernünftigen Browser!
Nahles Natterngezücht
Sturm rational: (…) „Andrea Nahles ist ja schon damals bei den Jusos vor allem durch ihr ganz besonders unangenehmes Auffallen ganz besonders unangenehm aufgefallen. (…) Aber Andrea Nahles ist da von ganz anderem Holz geschnitzt. Vor allem ist sie eine Frau, und spätestens, seitdem das Merkelferkel hochoffiziell auf dem Kanzlerstühlchen sitzt, sollte auch dem letzten verbohrten Schwanzträger in der Politik klar geworden sein, dass Frauen auf dem Weg zur Macht zu ganz besonders ekelhaften Dingen fähig sind. Zu Dingen, vor denen vielleicht selbst ein ganz besonders ausgemachter Mistkerl wie Roland Koch seine hässliche Fratze mit Grausen abwenden würde.“ (…) Lesenswert!
Default Password List
Ohne Worte: Default Password List.
Die Grimme Online Awards, oder: Wie dumm kann man sein?
Zeit online: „Denn gerade habe ich meinen Kopf mehrmals mit Wucht auf meine Schreibtischplatte knallen lassen. Grund dafür ist die unglaubliche mediale Inkompetenz des Adolf Grimme Instituts. Blenden wir noch einmal zurück in das vergangene Jahr, als die Grimme Online Awards ungebremst in den Rhein rasten. Zuerst wurde mit dem „Elektrischen Reporter“ (ein Angebot von Handelsblatt.com) ein Angebot nachnominiert, dessem Mitglied in der Jury saß. Mario Sixtus trat aus der Jury aus – und bekam den Preis. Dann kamen die Gewinner durch einen technischen Fehler schon vorab an die Öffentlichkeit. (…) Zunächst einmal wurde zumindest ein Sieger schon vorab informiert – der WDR, rein zufällig Gesellschafter des Grimme Instituts.“
Papers give peek inside al Qaeda in Iraq
CNN: „In this exclusive report, CNN’s Michael Ware examines the largest collection of al Qaeda in Iraq documents ever to fall into civilian hands, discovering surprises about how the insurgents operate and clues about their strength today.“
Privacybox für Whistleblower und Journalisten vorgestellt
Heise.de: „Die German Privacy Foundation hat im Büro des Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix die PrivacyBox vorgestellt. Die mit Open-Source-Software programmierte Box ist ein mit jedem Browser zu erreichendes Web-Formular, das Journalisten, Bloggern sowie ihren Informanten und Hinweisgebern („Whistleblower“) eine anonyme und vorratsdatenfreie Kontaktmöglichkeit anbietet.“ [mehr]
Understanding individual human mobility patterns
Nature: „Understanding individual human mobility patterns“, vgl. auch heise.de: „Wissenschaftler analysieren individuelle Bewegungsprofile von Handynutzern“: „Die Bewegungsmuster der einzelnen Menschen haben die Wissenschaftler in räumliche Wahrscheinlichkeitsverteilungen zusammenfassen können, nach denen deutlich werde, dass Menschen trotz ihrer unterschiedlichen Bewegungen ‚einfachen, sich wiederholenden Mustern‘ folgen.“ Für das Denken gilt das vermutlich auch….
„Mein Kampf“ bald in der Buchhandlung?
Rheinische Post: „Gift für die Demokratie – oder einfach nur ein schlechtes Buch? In Deutschland wird diskutiert, ob Hitlers Bekenntnisschrift neu herausgegeben werden sollte. Ein Plädoyer für eine wissenschaftliche Edition. (…) Historiker haben deshalb eine kommentierte Neuausgabe angeregt.(…) Der Zentralrat der Juden ist für eine kommentierte Neuausgabe, der Publizist und Historiker Rafael Seligmann fordert gar völlige Freigabe. Auch wenn prominente Juden für eine Edition eintreten – der Freistaat Bayern lehnt ab. Begründung: Respekt vor den Opfern des Holocaust. Außerdem hat sich der Fachbereichsleiter Printmedien der Bundeszentrale für politische Bildung gegen die Pläne ausgesprochen. Hans-Georg Golz, ebenfalls Historiker, zweifelt am Sinn einer Neuedition. Er frage sich, was man damit erreichen wolle, sagte Golz im Deutschlandfunk. So ein Argument aus Wissenschaftlermund überrascht. Denn welchen Nutzen eine Arbeit hat, erweist sich oft erst im Nachhinein. Und wenn die Wissenschaft wirklich der Wahrheitssuche verpflichtet ist, wie jeder Studienanfänger lernt, dann ist eine Edition von „Mein Kampf“ geradezu Historikerpflicht. Auch wenn und gerade weil es kein Buch wie jedes andere ist.“ (…)



















