Mehr Links und mehr Porn, verdammt noch mal!
Jemand hat netzpolitik.org anonym Listen von zahlreichen SchülerVZ-Nutzern zugeschickt. (Anonym? Wie hat dieser Jemand das gemacht? Wir haben die Antwort!)
„Ein Datensatz umfasst mehr als eine Million Datensätze mit den Feldern Profil-ID, Name und dazugehörige Schule samt ID. Ein kleinerer Datensatz zeigt detailliertere Informationen mit den Feldern Profil-ID, Name, Schule samt ID, Geschlecht, Alter und Profil-Bild (Plus dazu gehörigem Link auf Bild) an.“ Zum Thema steht im Heise-Forum ein hübscher Link: svz-captcha – „a captcha solver for studivz/schülervz/meinvz“. Nachmachen.
Bei Spiegel Offline geht es um die Taliban und Al Kaida: „Bei der Pressekonferenz brachte einer der Journalisten den neuen TTP-Chef dazu, ein paar autobiografische Notizen handschriftlich zu verfassen. Die New Yorker Nefa-Foundation, ein Think Tank mit dem Arbeitsschwerpunkt Terrorismus, veröffentlichte die Blätter und eine Übersetzung.“ Faules und arrogantes Pack, uns den Link zur Nefa-Foundation und zu den Quellen vorzuenthalten! Ja, faul und arrogant seid ihr. Keine Ahnung vom Online-Journalismus.
Gleich noch mal, weil Sex sells: Feministischer Pornopreis – „Wir wollen die Jungs aus der Schmuddelecke holen“ Spiegel Offline geht erst gar nicht hinein: „…spricht die Initiatorin Laura Méritt über faire Pornos, farbige Sexspielzeuge und genretypischen Schmalspursex.“ Nachdem wir uns jetzt voyeuristisch aufgegeilt haben, wollen wir einen Link, oder? Nicht bei Spiegel offline, aber hier. Twitter findet PorYesEurope, dort ist auch der Link zur Website. „Mit dem Label PorYes werden zukünftig eingereichte Filme zertifiziert, die feministischen Kriterien entsprechen und den Reichtum sexueller Ausdrucksweisen einbeziehen.“
Die Webmistress braucht noch ein wenig Nachhilfe in HTM, und Laura Méritt ein paar Tipps, wie frau gutes Deutsch schreibt. Auf keinen Fall, mit Verlaub: „Wenn Sie bei der Vorfreude und Entscheidungsfindung eine fröhlich kompetente Unterstützung brauchen“. Mit dem Deutsch ist es wie mit dem Sex: Immer locker bleiben bei der Orgasmusfindung!
New in the Blogroll: Más de una (idea)
Neu in der Blogroll: Lucía Schaffer aus Montevideo in Uruguay mit dem Blog „Más de una (idea)“ [„mehr (als) eine Idee“, in spanischer Sprache]
I had a dream…
Ein sehr stimmungsvolles Bild – erinnert mich irgendwie an Edward Hopper. [Via Erotica Curiosa]
Krass billisch lecker Paprika
Vielleicht wollen die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser etwas selbst kochen, vegatarisch (ich esse aber alles, was nicht mehr als vier Beine hat) und super lecker und billig (Neuköllner Preise sind wie üblich unschlagbar)?
Man und frau nehme drei rote Paprika (88 Cent bei Aldi), zwei Zwiebeln, dazu Lauchzwiebeln (ein Bund 25 Cent) oder drei Porreestangen (Lauch gibt’s bei bei Aldi zur Zeit nicht einzeln, 89 Cent), Knoblauch auf Vorrat (49 Cent drei große Zwiebeln), eine Tube Tomatenmark (55 Cent, für eine Mahlzeit verbraucht man rund ein Drittel der Tube), eine Tüte Spaghetti (49 Cent), eine große Dose passierte oder Schältomaten (69 Cent), ein halbes Dutzend Peperoni (rund 50 Cent), Chilischoten oder Pulverchili oder beides und Käse zum Reiben (weniger als ein Euro). Alles zusammen kostet rund fünf Euro. Eine Flasche Breznak-Bier (habe ich nur bei Edeka gefunden) kostet 59 Cent.
Öl in die Pfanne, kleingehackte Zwiebeln anbraten, Knoblauch klein häckselnoder mit der Knoblauchpresse zerquetschen. Auch rein. Paprika und Lauch/Lauchzwiebeln und Peperoni klein schneiden, dann in die Pfanne. Deckel drauf und ein wenig dünsten lassen, bis alles weich ist. Dann die passierten Tomaten rein und das Tomatenmark (je nach Geschmack), Salz, Pfeffer und Chili. Wenn‘ fertig ist, Käse drüber raspeln.
Währenddessen die Nudeln al dente kochen, abschrecken und mit Butter anrichten. Es reicht für zwei Personen. Oder für eine zwei Tage. Am nächsten Tag kocht man Kartoffekn (am besten Pellkartoffeln), schneidet sie klein und legt sie in einen Bräter (Römertopf geht auch, dauert aber länger). Die Reste vom Vortag (inklusive Nudeln) schüttet man darüber, raspelt wieder Käse darüber (oder legt einfach Scheiben darauf), stellt den Bräter in den Backofen und macht einen Auflauf.
Steampunk mal anders

Via Erotica Curiosa
Froh zu sein bedarf es wenig
Ich sag Euch jetzt, was Luxus ist. Ich sitze hier auf meinem kleinen Balkon, surfe und blogge, die letzten Strahlen der Herbstsonne huschen über die Dächer, ich trinke grünen Tee, höre via Headset fetzigen Merengue und Cumbia aus Kolumbien (das rockt!).
Natürlich wäre ein Ausblick auf den Orinoco, die Cordillera Blanca in Peru, die spanischen Pyrenäen, die Bucht von Georgetown auf Grenada oder den Ozean vor Cartagena hübscher. Auch könnte ich jetzt sehr gut 10 000 Euro gebrauchen, um wieder ruhig schlafen zu können. Aber das Ambiente hier ist wahrer Neuköllner Luxus.
Eric Dane, Rebecca Gayheart, And Kari Ann Peniche’s Uncensored Sex Tape
Manchmal ist es nur noch lächerlich und man fragt sich, ob deutsche Journalisten gar kein Gespür mehr dafür haben, wie albern sie sind. Spiegel Online: „‚Grey’s Anatomy‘-Star verklagt Blog auf eine Million Dollar“. Anlass: „Seit Montag wird ein Sex-Video des US-Schauspielers Eric Dane im Internet verbreitet, das den 36-Jährigen „Grey’s Anatomy“-Star zusammen mit seiner Ehefrau Rebecca Gayheart, 37, und dem Hollywood-Sternchen Kari Ann Peniche, 25, nackt zeigt“.
„Danes Anwalt Marty Singer argumentiert einem Bericht des ‚People‘-Magazins zufolge, ‚Gawker“‚ sei informiert gewesen, dass eine Veröffentlichung des Privatvideos rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen werde und habe es dennoch in seiner ‚Defamer‘-Kolumne gezeigt. ‚Gawker‘-Herausgeber Nick Dention reagierte betont gelassen – und zitiert eine frühere Äußerung des Anwalts Singer: „Wenn du nicht willst, dass ein Nacktvideo ins Internet gelangt, dann dreh keins!'“
Wie kann man nur so bescheuert sein, und derartige Sätze linkfrei lassen und sich dann noch „online“ schimpfen? Ich verstehe es einfach nicht. Dummheit, Ignoranz, Faulheit, Feigheit?
Hier sind das Video, das gawker.com-Blog, Infos zu Eric Dane, Rebecca Gayhear, Kari Ann Peniche (süß!), Marty Singer ( Rechtsanwalt), Grey’s Anatomy (Fersehserie). Diese Links hätten in einen Artikel gehört, der den Anspruch erhebt, Online-Journalismus zu sein. Spiegel „online“ erfüllt diesen Anspruch definitiv nicht.
Weiter heißt es: „Wie das Online-Portal people.com berichtet, gebe es zudem eine weitere Version des Films, auf dem der spätere Geschlechtsverkehr zu sehen sein soll.“ Soll. Gerüchte. Den Rest des Videos suche ich jetzt nicht. Das sollen die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser selbst tun. Oder fragen Sie Spiegel offline.
Burks goes Gor
Dumm gelaufen. Jetzt habe ich eine Woche gebraucht, um eine zweite Fotoserie über Second Life zu produzieren – und niemand will sie kaufen. Allzu lange biete ich die auch nicht an. Der Kundenkreis ist ohnehin extrem überschaubar. Standardargument: „Wir haben kein Geld dafür und produzieren unsere Bilder selbst.“ Ja, so sehen die über Second Life dann aber auch aus – irgendwelche grinsende Avatarinnen auf zwei Jahre alten Screenshots und sonst nichts. Ich werde die Story – Bilder und Text – in Kürze als Serie hier veröffentlichen und garantiere gute Unterhaltung und „Fotos“, die auch die Second-Life-Abstinenzler mit Vergnügen ansehen werden.
Bei einem anderen Thema, für das ich schon einen Abnehmer habe, komme ich ebenfalls nicht voran, weil die Recherche sich als sehr kompliziert gestaltet (mehr dazu demnächst). Daher habe ich mir gleich etwas ganz anderes in Second Life vorgenommen, über das auch noch nie jemand etwas geschrieben hat. (By the way, liebe KollegInnen: Ihr habe kaum Chancen, mir das Thema zu klauen – dazu ist es zu aufwändig zu recherchieren.) Eine der größten Communities in Second Life und gleichzeitig eine, die sich hermetisch von gewöhnlichen Nutzern abschottet, sind die „Goreaner„. In „Gor“ findet ein kompliziertes und oft sexuell konnotiertes Rollenspiel statt: „Gor, the Counter-Earth, is the alternate-world setting for John Norman’s Chronicles of Gor, a series of twenty six novels that combine philosophy, erotica and science fiction.“ Wer mehr Informationen will, lese zum Beispiel den Wikipedia-Eintrag über Kajira („The phrase „la kajira“ is said to mean „I am a slave-girl“ in the Gorean language“) oder über „Male domination„. („Male dominance, or maledom, refers to BDSM activities where the dominant partner is male.“)
Es handelt sich also auf den ersten Blick um ein pseudo-mittelalterliches Fantasy-Rollenspiel anhand vorgegebener Trivialromane (deren Inhalt als bekannt vorausgesetzt wird, um überhaupt teilnehmen zu können). Auf den zweiten Blick geht es um zum Teil abseitige sexuelle Praktiken, die in geschlossen Online-Communities in bestimmten Kostümen exzessiv ausgelebt werden. (Ja, ich verspreche Screenshots!) Ich habe genug Kontakt zu Frauen online, die mir Tipps geben werden. Die Ausstattung meines Avatars ist abgeschlossen (kostete eine Menge Lindendollar – einige reale Euro), auch ist mein Avatar bis an die Zähne bewaffnet (Langbogen, Schwert, Messer, vgl. Screenshots). In Gor in Second Life wird man gewzungen, den Avatar „sterblich“ zu machen – wer sich dem verweigert, ist zwangweise als „Beobachter“ zu erkennen, wird nicht beachtet und kann die interessanten Orte nicht erkunden. Man kann dort gekidnappt, versklavt und verkauft werden. Natürlich darf man sich dem entziehen, indem man sich ausloggt – aber man darf dann die virtuellen Terrotorien auch nicht mehr betreten – außer man akzeptiert den Status quo ante des Avatars. Im Unterschied zu Computerspielen muss man das Ambiente erkunden, sich die Regeln, die zum Teil erheblich variieren, selbst zusammensuchen – es gibt keine Handbücher, die diesen Namen verdienten.
Ich habe einigen Kontaktpersonen, die in „goreanischen“ Second-Lfe-Territorien fleißig mitspielen, schon angekündigt, dass ich mich als zu Beginn als „heimatloser“ einsamer Krieger einer Gruppe anschließen werde, die auf Raub- und Kriegszüge geht. Kriege („raids“) müssen 48 Stunden vorher angekündigt werden, damit die „Betroffenen“ vorher alle ihre Avatare, die Waffen tragen können, herbeitrommeln, um zu verhindern, dass die Frauen geraubt und das Territorium erobert wird.
Das verspricht richtig spannend zu werden, weil die „Goreaner“ das alles richtig ernst nehmen. Ich geriet bei meinem ersten Ausflug gleich in eine „verschneite“ Sim, die weiblichen Avataren vorbehalten war, die halb nackt herumliefen, aber ebenso wie ich gut bewaffnet waren und die – hinter einer Burgmauer verschanzt – mich aufforderten, wieder zu verschwinden, weil ihre „Herren“ ihnen den Kontakt zu „fremden Männern“ nicht erlaubten.
Risiko: Es gibt auch „Amazonen“ in Gor, die insbesondere Jagd auf alleinstehende – bzw. -reisende Männer machen. Ich habe noch nicht herausgefunden, woran man die erkennt, werde mich aber im Falle der Fälle so teuer wie möglich verkaufen….
Wofür man Schuhe auch verwenden kann
Broder darf von Hecht-Galinski Pornoverfasser genannt werden
Wikinews, 12.12.2008: – Nach einem Urteil des Berliner Landgerichts darf Evelyn Hecht-Galinski Henryk M. Broder Pornoverfasser nennen.
In einem Brief, veröffentlicht am 29.04. 2008 auf der Internetseite Das Palästina Portal hatte Hecht-Galinski Broder unter anderem als ‚Pornoverfasser‘ bezeichnet: ‚Im Gegensatz zu den Falschaussagen des ehemaligen St.Pauli-Nachrichten Redakteurs, Pornoverfassers und heutigen Spiegelredakteurs, Ausputzer der Israel-Lobby und Großinquisitors, Henryk M. Broder, ich würde auf meiner ‚Vortragstournee‘ Israel mit den Nazis vergleichen…‘
Broder verklagte Hecht-Galinski auf Unterlassung der Behauptung in der Öffentlichkeit, Broder sei ein Pornoverfasser. Die Klage wurde von der 27.Zivilkammer des Landgerichts Berlin abgewiesen. In dem Urteil wird u.a. darauf verwiesen, dass sich Broder über Hecht-Galinksi und andere Personen in der Vergangenheit unflätig, unsachlich und auch in grob verletzender Weise geäußert habe: ‚Wer das Recht der freien Meinungsäußerung in der Weise benutzt wie der Kläger, muss sich auch selbst deutliche Kritik an seiner Person gefallen lassen.‘ Hecht-Galinski hatte als Beispiele für das pronografische Vokabular Broders die folgenden Zitate angeführt:
* ‚Er wichst zusammen, was zusammen gehört.‘
* ‚Der Wichser vom Dienst.‘
* ‚Keine Pornografie, sondern politisch korrekte Tampon-Prosa: Die Vagina-Monologe mit Promifrauen in Berlin.‘
* ‚Fräulein Krienen zu schade, dass ich mich nicht mit einem Tritt in die Eier bedanken kann, Sie verblödeter Pseudo-Eunuch.‘
Das Gericht bezog sich auch auf Broders Buch Wer hat Angst vor Pornografie? mit Abbildungen von kopulierenden Paaren.“
Ich empfehle insbesonder die Lektüre der Seiten sieben und acht des Urteils zur Lektüre.
Sprechen wie R2-D2
Durch Spiegel Online wurde ich auf die Website R2-D2-Translator aufmerksam. Jetzt kann jeder hören, wie Burkhard Schröder sich anhört, wenn der berühnte kleine Roboter es sagt.
Nur für Erwachsene
Welt Online zeigt eine schöne Bilderserie verbotener Plattencover der letzten Jahrezehnte. Man sieht sehr deutlich, dass „Jugendschutz“ immer ein Vorwand war, die jeweiligen calivinistischen Moralvorstellungen durchzusetzen. Heute nimmt man gleich den Totschlags-Knüppel „Kinderpornografie“. Verlogen und heuchlerisch bleibt der Begriff „Jugendschutz“ immer. Mit dem Unterschied, dass die Diskussion in den siebziger und achtziger Jahren wesentlich unpolitischer und ästhetischer war. Heute geht es in Wahrheit um knallharte politische Zensur und staatliche Repression (vgl. Vorratsdatenspeicherung), die sich nur mit dem Mäntelchen „Jugendschutz“ kostümiert.
BVerfG: Kosmetika auch für Männer
Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts: „Die Verfassungsbeschwerde eines Strafgefangenen, der sich gegen die Ungleichbehandlung männlicher und weiblicher Gefangener in Bezug auf Telefonate und Einkaufsmöglichkeiten wandte, war erfolgreich.
In der Justizvollzugsanstalt, in der der Beschwerdeführer untergebracht ist, dürfen die in einem gesonderten Hafthaus untergebrachten weiblichen Gefangenen von ihrem Eigengeld monatlich für 30 Euro telefonieren und für 25 Euro Kosmetika einkaufen. Der Antrag des Beschwerdeführers, ihm dasselbe zu gestatten, wurde abgelehnt. Seine Klage zum Landgericht blieb erfolglos. Nach Auffassung des Landgerichts stützte sich die ablehnende Entscheidung hinsichtlich des Telefonierens zu Recht darauf, dass im Hafthaus des Beschwerdeführers, anders als in dem Hafthaus für die weiblichen Gefangenen, keine speziell für die Gefangenen eingerichteten Telefonapparate zur Verfügung stünden und die im Hafthaus des Beschwerdeführers aus Sicherheitsgründen notwendige Überwachung der Gespräche zudem personell nicht zu leisten sei. Hinsichtlich des Kosmetikeinkaufs liege eine Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ebenfalls nicht vor, da es sich aufgrund der grundsätzlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht um einen im wesentlichen vergleichbaren Sachverhalt handele.
Die 3. Kammer des Zweiten Senats hob den Beschluss des Landgerichts wegen Verstoßes gegen Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG (Verbot der Benachteiligung oder Bevorzugung u.a. wegen des Geschlechts) auf und verwies die Sache zur erneuten Entscheidung an das Landgericht zurück.“
Never cared for what they do
Ein bisschen Gänsehaut-Musik von Metallica: „Nothing else matters. (Wer nur Klassik hört, kann sich derweilen mit einem ähnlich fetzigen Ohrwurm vergnügen.)
Blondine heimlich im Solarium gefilmt
Virtuelle Affäre
Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser dieses onlindedurchsuchungsfeindlichen und Second-Life-freundlichen Blogs werden sich gelangweilt haben angesichts der Sau, die durchs mediale Dorf getrieben wird. FAZ.net: „Ein Paar aus Cornwall nämlich hat sich scheiden lassen, weil der Gatte fremdging – nicht realiter, sondern in Person seines Avatars, der angeblich einer Second-Life-Sexbombe verfallen war.“ Gulli: „Ein Ehepaar aus der britischen Grafschaft Cornwall hat sich scheiden lassen, weil der Ehemann Dave Pollard mit seinem Avatar im Online-Spiel Second Life einen Seitensprung hatte. Die Ehefrau Amy Taylor ertappte ihren Mann in einer äußerst folgenschweren Situation: Dave Pollard vergnügte sich mit einer Online-Prostituierten in der Welt von Second Life.“ Heise: „Im Februar 2007 habe die Ehefrau ihren Gatten dann aber das erste Mal mit dem Avatar einer Online-Prostituierten erwischt, heißt es, und daraufhin einen virtuellen Privatdetektiv engagiert. Damals sei es noch zu einer Versöhnung gekommen. Seit April dieses Jahres soll ihr Mann zudem eine weitere Damen-Bekanntschaft haben, mit der sie ihn auf dem virtuellen Sofa plauschend ertappt hatte.“
Man merkt schon, dass sich die Medien noch nicht einmal auf den Sachverhalt einigen können. Ich habe mir deshalb die britischen Quellen angeschaut, weil die deutschen bekantlich aus Angst des Redakteurs vor dem Link ihre Quellen nicht verlinken: The Times titelt lustig: „Oh Dave, sex with you in cyberland is unreal“ und schreibt: „I know it’s easy to make jokes about people who live out their fantasies online via geeky computer games that function as alternative worlds. David Pollard and Amy Taylor are, or rather were, one such couple. They are getting divorced because Taylor, 28, caught Pollard, 40, having an online “relationship” with a cartoon person, or avatar, and found the pain of cyber-infidelity too hard to bear.“ Und so weiter.
Der Plot ist nicht neu. Im August 2007 hat ihn das Wall Street Journal schon einmal abgefeiert: „Is This Man Cheating on His Wife?“ Die Story ist hübsch erklärt und bebildert und fast identisch. Ich hatte sie in meinem Telepolis-Artikel „Einsame Herzen 2.0“ verlinkt..
Wie an den Screenshots unzweifelhaft zu erkennen ist, gvibt es in Second Life einen Markt für Privatdetektive, die „Scheidungssachen“ bearbeiten. Mein Avatar hat auch eine dieser wenigen Detekteien. Ungefähr ein oder zwei Mal im Monat bekomme ich einen Auftrag, einen männlichen Avatar zum Cybersex zu verführen und einen Beweis-Screenshot der Auftraggeberin vorzulegen. Da ich genug Kontakte zu bildschönen Cyberhuren habe, die das als Lockspitzel für meine virtuelle Agentur gern erledigen, verdiene ich im Durchschnitt zwei bis vier reale Euro pro Auftrag. Ich kann mich jedes Mal kaputtlachen und hätte auch einschlägige Screenshots beizutragen, wenn mein Rechner mit dem Archiv nicht zur Zeit beim Landeskriminalamt stünde.
Man fragt sich natürlich, warum die Geschichte ausgerechnet jetzt wieder auftaucht. Vermutlich ist das einfach Zufall. Man wird zum Zyniker, wenn man sieht, warum welche Meldungen durch die Mainstream-Medien gejagt werden. Von Aufklärung oder Hintergrund-Recherche keine Spur. Ohnehin wurde alles von den englischen Zeitungen abgeschrieben und nichts selbst recherchiert. Der einzige Lichtblick ist ein nachdenklicher Kommentar auf Welt Online: „Bald machen dreidimensionale Projektionen von Menschen die Anwesenheit in ‚Fleisch und Blut‘ entbehrlich: beim Flirten, Debattieren, Therapieren. Die Existenz im Netz bekommt etwas Fluides: Sehnsüchte können unmittelbar und zunehmend gefühlsecht gelebt werden. Dennoch: Wer seine Träume uneingeschränkt nachgeht, muss Treue bald altmodisch finden. Ähnlich wie bei der Flucht in Drogen, erscheinen die Verlockungen unmittelbaren Glücks gefährlich für Menschen, die im Hier und Jetzt ihre Träume stets unerfüllt sehen.“ Naja, Deutscher Kulturpessimismus, und der Vergleich mit „Drogen“ hinkt nicht nur, sondern hat gar keine Beine. Aber man ist ja schon froh, wenn ein deutscher Autor zum Thema Second Life überhaupt nachgedacht zu haben scheint.
SMeet und andere – alles, was zählt
Da kaum ein Journalist kontinuierlich etwas Substanzielles über virtuelle Welten berichtet, bekomme ich mittlerweile zahlreiche (leider unverschlüsselte) E-Mails von Werbeagenturen und Unternehmen, die mich auf die jeweils Ihre aufmerksam machen. Mein Posting über ExitReality ließ eine Nachricht eintrudeln, die mir Smeet zum Testen empfahl. Gern geschehen, ich möchte Marktführer im Online-Journalismus über 3D-Chats sein. Risiko und Nebenwirkung: Ich bin kritisch und lasse mich vom Gesäusel von Werbefuzzies nicht einlullen, sondern versuche hinter die virtuellen Kulissen zu schauen und den praktischen Nutzen abzuwägen.
Smeet funktioniert ohne Download einer Software, sondern, wie ExitReality, direkt über den Browser. Der Avatar läuft dorthin, wo man mit der Maus klickt. Das ist einfach und niedlich, aber technisch nur ein wenig anspruchsvoller als Larry auf einem Atari. Was tun, sprach der Avatar? Gemeinsam Musik hören, virtuell shoppen und Chatten in 3D. Smeet bietet als Schmankerl zusätzlich Telefonieren an, eine Art 3D-Skype. Das kennen wir schon aus Second Life – Voice-Chat, leider nur für Windows. Das 3D-Chat-Forum wendet sich vor allem an Schüler und Jugendliche, ist „jugendfrei“, also nach deutscher Sitte klostertauglich. Man wird unerbittlich geduzt wie in Second Life, nur dass dort der Altersdurchschnitt zwei Jahrzehnte höher liegen dürfte.
Alles, was wirklich zählt, steht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen und wird in dem einen Satz im obersten Screenshot perfekt zusammengefasst. Hony soit qui mal y pense. Je mehr du die Hosen runterlässt, um so interessanter bist du als werberelevante Zielgruppe oder: Früh übt sich, wer ins Schäuble-Zeitalter passen will. Ich bin also definitiv nicht die Zielgruppe von Smeet, zumal meine Browsereinstellungen mindestens die Hälfte der Features verboten haben.
Mich regen die dämlichen Artikel in deutschen Medien über 3D-Welten leider noch zu sehr auf. Vermutlich müssen immer nur die Praktikanten ran, die das Handwerk des Journalismus für so relevant halten wie Klaus Störtebeker das Handelsrecht. Nehmen wir computerzeitung.de: „Virtuelle Büros dürfen direkten Kontakt nicht verdrängen“. Ja, lustiges Thema, daraus könnte man etwas machen. Sogar einen originellen Screenshot bekammt man zu sehen: Zwei grottenmäßig gestylte Avatare bei Sun, wo sich die Mitarbeiter virtuell austauschen. Aber was lehrt uns das? „Die Technik darf jedoch nicht überhand nehmen oder gar die menschliche Kommunikation komplett ersetzen.“ Wer hätte das gedacht. Wäre ja auch komisch, wenn in einem deutschsprachigen Bericht keine moraltheologische Warnung vor den pöhsen 3D-Welten und deren Gefahren auftauchte. Ich will keine unreflektierten Halleluja-Orgien wie während des Second-Life-Hypes im letzten Jahr, aber wenn schon berichten, dann bitte auch fragen, warum die Deutschen so etwa wie Sun oder SAP gar nicht tun und warum sie sich vor virtuellen Welten so fürchten. Ich ahne es: In der männlich geprägten Kultur deutscher Firmen, wo Herrschaftswissen und „Dienstanweisungen“ zentrale Machtfaktoren sind, ebneten Avatare die Hierarchien ein, wenn der Chef seine Sektetärin darum bitten müsste, seinen Avatar ordentlich anzuziehen, er denselben aber mit seiner Maus nicht über die nächstbeste virtuelle Treppe bewegt bekäme.
Auch die Netzeitung bekleckert sich nicht mit Ruhm (ja, Beiträge freier Mitarbeiter werden nicht mehr genommen – so sieht das auch aus.) „Avatar-Mörderin in Japan verhaftet“. Eine geile Schlagzeile. Es geht aber nicht um Second Life, sondern den einen primitiven Manga-Chat Maple Story. Jemand hat den Account eines anderen gelöscht. Vermutlich kleben Nutzernamen und Passwort am Monitor. Die Story ist ohnehin nicht selbst recherchiert, sondern von CNN abgeschrieben. CNN bebildert Maple Story mit einem Screenshot aus Second Life – als benutzte man bei einem Bericht über das LKW-Aufkommen am Kamener Kreuz ein Foto aus einem Bahnhof der Bundesbahn als Illustration. Man fasst es nicht – für wie geistig beschränkt halten die eigentlich die LeserInnen?
Die Moral von der Geschicht‘ kommt bei der Netzeitung wie der legendäre Monthy-Python-Satz: „Wir begrüßen sie in der Mitte des Films“: „Aber es gibt auch positive Meldungen aus der Welt der Online-Spiele.“ Wer hätte das wiederum gedacht – und das in einem deutschen Medium! (By the way: Second Life ist kein „Online-Spiel“ – aber das kapieren die ohnehin nie.) Die Meldung: „In den letzten 12 Monaten ist unser Umsatz um 67 Prozent gestiegen‘, sagte Kingdon der britischen Zeitung ‚Times'“. Ach ja. Schon wieder abgeschrieben, ohne die Quelle zu verlinken. (Ja, eine abhängige Quelle, nicht mindestens zwei unabhängige, wie es wäre, wenn man seriös recherchierte. Das Portrait Mark Kingdons in der Times ist übrigens hervorragend und interessant geschrieben und besteht nicht nur aus Textbausteinen wie der Artikel der Netzeitung.) Der seichte Stumpfsinn lässt sich noch steigern: „‚Second Life‘ war in den letzten Monaten immer mehr in Vergessenheit geraten. Bei dem Spiel sind 15 Millionen User registriert, diese sind aber längst nicht alle aktive Spieler.“ In Vergessenheit geraten? Bei wem? Ist das ein Kriterium? Was will uns der Schreibkünstler damit sagen?
„Beim DJV sind gut 30.000 Menschen Mitglied, diese sind aber längst nicht alle aktive Journalisten.“ Das wäre immerhin eine korrekte Tatsachenbehauptung. Am liebsten würde ich bei manchen Journalisten das tun, was man jetzt in sMeet virtuell kann (Kommafehler im Original): „Neben der Tanz- und Winkfunktion, kannst du jetzt auch mit Kissen auf Andere schmeißen! Probier‘s mal aus…“
Weltweites Flirt- und Erotikverhalten
Stellenanzeige bei newsroom.de: „Es ist der absolute Traumjob….für den Playboy auf Weltreise gehen…um schöne Frauen kennenzulernen. Wir suchen einen freien Journalisten, der für eine große Playboy-Serie weltweit über das Flirt- und Erotikverhalten berichtet.“
Dazu hätte ich einige Fragen: 1. Wie hoch ist das Spesenkonto? Viele Frauen würden bei unmoralischen Angeboten sicher nicht nein sagen, wenn sie nur hoch genug sind. Das verfälschte die „embedded Recherche“ ganz gewaltig. 2. Was ist „Erotikverhalten“? Muss ich mir das Ergebnis so vorstellen: Thailänderinnen sind kuschelig im Bett, poppen gut, neigen aber zur Dominanz im Haushalt, bei Isländerinnen ist es umgekehrt? (Getestet mit 500 Probandinnen in fünf Tagen) 3. Gilt „Weltreise“ auch für virtuelle Welten? Ab 300000 Lindendollar lasse ich mit mir reden. 4. Ihr habt also niemanden, der „erfahrener Reporter“ ist, der über eine „ausgezeichnete Magazinschreibe“ verfügt, der „gern flirtet und reist“ und mehrere Sprachen spricht? Das dachte ich mir. ? 5. Seid Ihr jetzt total verblödet beim Playboy? [Via Shrip’s Inn]
Brosamen an Feuerwasser
Tölchen aka Ajax vom Teufelslauch darf nicht in die Küche, wenn wir essen, damit er nicht bettelt. Bekommen wir jedoch Besuch wie gestern und speisen dann im „Salon“, sitzt er unter dem Glastisch und wartet auf die Brosamen (Links dürfen auch originell sein), die eventuell von der Herren Tische fallen. Hier handelte es sich aber nicht um Brosamen, sondern um Tomatensuppe, Coq au Vin und selbstgemachten Apfelkompott mit Mandeln und Butter an weißer Schokoladencreme und Schlagsahne mit integriertem Feuerwasser.
Bettlermarmelade im Herbst
Die hohe Kunst des Einkochens gerät in Vergessenheit. Gekaufte Marmelade ist aber teurer, fantasieloser und schmeckt schlechter. Man muss nur wissen, wie das Einkochen geht und ein bisschen Zeit mitbringen. Meine Gattin hat heute Bettlermarmelade (der Name entspricht unserem Kontostand) gemacht:
1,2 kg säuerliche Äpfel, Saft von ein bis zwei Zitronen, ein kg Gelierzucker, 150 g Walnusskerne, 150 g Haselnüsse oder Mandeln, 100 g Rosinen, 100 g Trockenobst und Rum.
Die Äpfel schälen, entkenen und sehr klein schneiden. Mit dem Zitronensaft vermischen. Den Gelierzucker drüberstreuen. Äpfel über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag alle Nüsse und die Mandeln grob hacken und mit den Rosinen vermischen. Das Trockenobst etwas zerkleinern und mit dem Nussgemisch unter die Äpfel heben. Den Rum dazugeben. Alles unter Rühren zum Kochen bringen und vier Minuten sprudelnd kochen lassen. Die heiße Masse sofort in saubere Gläser füllen. Gläser fest verschließen und fünf Minuten kopfüber stehen lassen.
Dazu passt ein herbstlich-jagdliches Arrangement auf dem Tisch.











































