Kaltstartangriffe und Hidden Volumes, minderlegal reloaded

hidden volume
Multiple nested encrypted containers, inspired by VeraCrypt, layered vaults inside each other, glowing secure cores, digital locks and keyholes, symbol of strong cryptography, dark background, blue and cyan light, ultra detailed, cinematic lighting, 3d render, octane style –ar 3:2 –s 750 (Midjourney)

Ich habe mich kurz umgesehen, was es an verständlichen Anleitungen gibt, ein hidden volume mit Veracrypt anzurichten. Es gibt einige und recht gute (auf Englisch), sogar für Lehrer.

Wenn man weiß, wie Veracrypt funktioniert, ist es fast selbsterklärend.

Merke: Bevor Sie ein komplettes Laufwerk inklusive Daten verschlüsseln, sollten Sie die Dateien zuvor unbedingt sichern. Zwar arbeitet Veracrypt seit Jahren sehr zuverlässig, doch Fehler können trotzdem passieren.

Das habe ich noch nie gemacht. So viele Daten, die privat bleiben sollten, habe ich gar nicht. Ich begnüge mich mit Containern und verschlüsselten USB-Sticks (vor allem auf Reisen). Umgekehrt: Wenn man das ganze Laufwerk des Rechners verschlüsselt, braucht man keine Container.

Aber: Wozu sollte man hidden volumes überhaupt haben? Für misstrauische Ehepartner?

Ich habe mir ein Szenario überlegt, das vielleicht für Geschäftsleute realistisch ist, die davon ausgehen müssen, dass sie in dem Land, in dem sie gerade sind, gezwungen werden, den Inhalt ihrer Rechner den neugierigen Augen der dortigen Sicherheitsbehörden preiszugeben, etwa China und Hongkong, USA, Großbritannien, Kanada. (Fährt hier jemand oft nach Russland? Weiterlesen!)

darknet

Ich muss ein bisschen ausholen. Vor Jahren habe ich ein Vortrag in einem großen Rüstungskonzern über Sicherheit und Recherche gehalten und einer der Teilnehmer fragt, ob von ihrer Firma etwas im Darknet zu finden sei. Nichts leichter als das.

Man muss natürlich die Realität berücksichtigen; In welcher Firma ist es erlaubt, den Tor-Browser zu installieren und in dunkelsten Ecken des Netzes herumzusurfen? Ich habe schon in internationalen Konzernen gearbeitet, die sich IT-mäßig als Hochsicherheitstrakt – ohne jedwede Fremdgeräte – gaben, aber natürlich lagen alle Daten bei Microsoft in der Cloud.

Ich fand damals irgendwelche internen Preislisten der Firma im Darknet und löste eine gewissen Panik aus nach dem Motto: Kriegt man das wieder da weg?

Nehmen wir an, wie schicken dem potenziellen Geschäftskunden keine verschlüsselte E-Mails, sondern möchte bestimmt Dokumente, die viel wert sind, persönlich diskutieren. Und die Konkurrenz sollte davon auch nichts erfahren.

Es fängt schon bei den basics an und mit der – bei Microsoft-Hassern – legendären Schlagzeile „Microsoft Word bytes Tony Blair in the butt“. Oder jemand erstellte ein PDF für uns mit eingebettetem Javascript, das beim Aufrufen dieses und jenes aus dem Internet lädt. „Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonst wie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen.“

Wir haben uns bemüht das zu vermeiden, und wollen zwei Dutzend Dokumente absolut sicher verbergen, auch wenn die Briten, Russen und US-Amerikaner unseren Laptop bei der Einreise auseinandernehmen, die Daumenschrauben rausholen und verkünden: Wenn du uns nicht alle Passwörter verrätst, musst du wieder heim!

Wir machen es richtig schwer. Die Chinesen sagen sogar: Öffnen Sie den Veraclypt-Containel! Und wenn der leer ist, werden sie erst recht misstrauisch.

hidden volume

Wenn wir nicht freiwillig verraten, das da noch in den Tiefen ein hiden volume schlummert, sind wir auf der sicheren Seite – mit kleineren Einschränkungen, die zu beachten wären.

Segment Bedeutung Erklärung
Header des Standard-Volumes Startbereich des normalen VeraCrypt-Volumes Enthält die verschlüsselten Informationen, mit denen VeraCrypt das äußere Volume öffnen kann.
Speicherplatz, der von Dateien belegt ist Sichtbare Dateien im äußeren Volume Hier liegen die normalen, harmlosen Dateien, die beim Öffnen mit dem äußeren Passwort sichtbar werden.
Freier Speicherplatz Scheinbar leerer Bereich Dieser Bereich ist mit Zufallsdaten gefüllt. Dadurch ist nicht erkennbar, ob er wirklich leer ist oder ein Hidden Volume enthält.
Header des Hidden Volumes Startbereich des versteckten Volumes Wird nur mit dem Passwort des Hidden Volumes erkannt. Für Außenstehende sieht er wie Zufallsdaten aus.
Datenbereich des Hidden Volumes Geheimer Speicherbereich Hier liegen die eigentlichen geheimen Dateien. Ohne das richtige Passwort ist dieser Bereich nicht vom übrigen Zufallsdatenbereich zu unterscheiden.

Wer das noch nie gemacht hat und des Lesens von kurzen Texten mächtig ist: Bei VeraCrypt wird ein Hidden Container (bei mir unter Linux) über die grafische Oberfläche genauso geöffnet wie ein normaler Container.

Zunächst startet man VeraCrypt über das Anwendungsmenü und klickt anschließend auf select file (Veracrypt gibt es auch auf Deutsch), um die Container-Datei auszuwählen. Danach markiert man einen freien Slot (oder „Laufwerk)) und klickt auf mount.

Entscheidend ist allein das eingegebene Passwort: Wird das Passwort des äußeren Containers (oder volume) eingegeben, öffnet VeraCrypt das normale äußere Volume; wird dagegen das Passwort des Hidden Volumes eingegeben, wird automatisch das versteckte Volume geöffnet.

Es gibt dafür keinen besonderen Menüpunkt und auch keine separate Datei für das Hidden Volume, da sich beide Bereiche innerhalb derselben verschlüsselten Containerdatei befinden.

Nach erfolgreichem Einhängen erscheint das Volume wie ein normales Laufwerk im Dateimanager. Wichtig ist außerdem, dass beim Öffnen des äußeren Volumes Schreibzugriffe das versteckte Volume beschädigen können. Deshalb sollte man beim Mounten des äußeren Volumes in den „Mount Options“ die Funktion „Protect hidden volume against damage caused by writing to outer volume“ aktivieren und zusätzlich das Passwort des Hidden Volumes angeben.

Bei VeraCrypt bleibt ein Hidden Volume auch dann unsichtbar, wenn man beim Öffnen des äußeren Containers die Funktion mount all devices beziehungsweise „Alle Datenträger einhängen“ verwendet: Das versteckte Volume ist technisch kein eigenes Laufwerk und keine eigene Datei. Äußeres Volume und Hidden Volume befinden sich innerhalb derselben verschlüsselten Containerdatei oder Partition. VeraCrypt erkennt daher nicht zwei getrennte Datenträger, sondern nur einen einzigen verschlüsselten Container. Welcher Bereich tatsächlich geöffnet wird, entscheidet ausschließlich das eingegebene Passwort.

Technisch ist das Hidden Volume zwar nicht von zufälligen verschlüsselten Daten zu unterscheiden. In der Praxis entstehen aber unter Umständen Hinweise durch das Verhalten des Nutzers oder durch „Daten-Beifang“ außerhalb des Containers.

hidden volume
Multiple nested encrypted containers, inspired by VeraCrypt, layered vaults inside each other, glowing secure cores, digital locks and keyholes, symbol of strong cryptography, dark background, blue and cyan light, ultra detailed, cinematic lighting, 3d render, octane style –ar 3:2 –s 750 (Gemini)

Ein Risiko: Das äußere Volume wirkt ungewöhnlich leer. Wenn ein großer Container vorhanden ist, sich darin aber nur wenige harmlose Dateien befinden und gleichzeitig nur wenig freier Speicher angezeigt wird, kann dies Verdacht erregen. Deshalb empfiehlt VeraCrypt, das äußere Volume mit glaubwürdigen Dummy-Dateien zu füllen, damit der belegte Platz plausibel erscheint.

Ich würde als Geschäftsmann daher in den äußeren Container Duplikate aller meiner geheimen Dokumente legen, aber mit falschen Zahlen und Angaben, am besten noch mit „streng geheim“ markiert, und beim erzwungenen Öffnen des (äußeren) Containers händeringend in Tränen ausbrechen.

ChatGPT warnt: Auch Metadaten außerhalb des Containers können problematisch sein. Beispielsweise können Dateimanager, Backup-Programme oder Cloud-Synchronisationsdienste Hinweise liefern, dass bestimmte Dateien häufiger benutzt werden, als es der sichtbare Inhalt des äußeren Volumes vermuten lässt. Ebenso können temporäre Dateien, Vorschaubilder, zuletzt geöffnete Dokumente oder Einträge in der Shell-History verraten, dass mit sensiblen Daten gearbeitet wurde.

Ein weiteres Risiko liegt in forensischen Analysen des Systemspeichers. Wenn ein Hidden Volume geöffnet ist, können Schlüsselmaterial oder Dateinamen zeitweise im RAM vorhanden sein. Wird ein laufendes System beschlagnahmt oder ein sogenannter Cold-Boot-Angriff durchgeführt, könnten Ermittler Hinweise auf ein geöffnetes verstecktes Volume finden. Deshalb schützt VeraCrypt vor allem ruhende Daten (Data at rest), nicht unbedingt ein bereits laufendes und entsperrtes System.

Ich habe natürlich einen unschlagbaren Vorteil – solange niemand mein Blog liest: Bei meinem Alter werden Grenzbeamte sich vermutlich fragen, ob ich den Unterschied zwischen einem Betriebssystem und einem Browser kennte. Und ich werde harmlos lächeln und mich angemessen verbeugen.

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Kommentare

2 Kommentare zu “Kaltstartangriffe und Hidden Volumes, minderlegal reloaded”

  1. nOby am Mai 26th, 2026 4:06 p.m.

    Zunächst Danke für die Mühe, die Recherche und die Abtipperei bzw. das copy & paste – und das bei fast 30°. Andere gehen in die Schwimmbäder, Du sitzt am Schreibtisch.

    Du packst die Sache falsch an. Wer wurde denn bereits dazu gezwungen sein Smartphone oder seinen Laptop dem chinesischen Beamten zu übergeben? Wer dem Amerikaner oder dem Engländer? Wer mußte danach schwierige Fragen beantworten?

    Du stellst es dar, als würde jeder, der in die USA oder China reist, dieser Prozedur unterzogen. Demnach gibt es irgendwo eine Schlange von Aus- bzw. Einreisenden, die entweder auf die Rückgabe ihrer Hardware warten oder die darauf warten ihre Hardware zur Kontrolle abzugeben, weil es an Personal fehlt, um alle diese Hardware sofort zu durchleuchten. Das habe ich noch nie gesehen.

    Ich würde mich jetzt auch nicht unbedingt auf Veracrypt verlassen.

    Die echten Verheimlicher und Täuscher benutzen veraltete Betriebssysteme und eine genauso alte *crypt Software. Als Journalist wäre es für Dich eine leichte Übung zu recherchieren, was geht und was nicht geht. Frag mal einen älteren Staatsanwalt wie er digitale Akten mit Strafverteidigern austauscht. Du würdest Dich wundern wie das einige machen. Dir würden die Haare, ähnlich wie dem Jimi Hendrix, zu Berge stehen, weil sich das fast unglaublich an hört. Die sitzen nämlich an den Quellen und wissen was die heutige Technik entschlüsseln kann und was nicht. Oder frag mal eine dieser Sokos, die ausschließlich gegen die von Rechts vorgehen und frag die nach beschlagnahmten Computern. Als Journalist kannst Du das. Mit etwas Glück bekommst Du ehrliche Antworten auf die richtigen Fragen.

    Natürlich können das genauso Deine Kollegen. Zum Beispiel die vom SPIEGEL. Die haben erstklassige Kontakte zur Polizei und sehen sich vermutlich selbst schon lange als Sonderabteilung Spiegel der Polizei oder denken tatsächlich, sie hätten polizeiliche Sonderfunktionen. Die könnten das locker erfragen. Tun die aber nicht oder tun es und veröffentlichen die Erkenntnisse nicht. In diesem Sinne psssst!

    Jetzt mal ganz ehrlich – zu 99,99% geht es nur darum Fotos mit nackten Frauen oder entsprechende Filmchen vor der Mutter oder Ehefrau zu verstecken. Wer mag, der kann das debianforum.de gerne mit dem Suchwort veracrypt o.ä. absuchen. Wer das macht, dem wird schnell klar was das für Frager sind und was die tatsächlich verschlüsseln wollen. In jedem Fall ist meiner Beobachtung nach keine Frau unter denen.

  2. admin am Mai 26th, 2026 6:22 p.m.

    Ich würde natürlich nie auf die Idee kommen, während meiner 12-stündigen Nachtschichten irgendwelche Blogpostings zu verfassen.

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