Deutsche Kurrentschrift, poesitisch
Ich digitalisiere gerade ein schmales Büchlein oder Poesiealbum, das mehr als ein Jahrhundert alt ist. Es stammt von meiner Urgroßmutter Anna Emilie Kuku(c)k, Bäuerin, geb. 22.5.1864 in Elsendorf (Groß Dombrowo, heute Dambrowa Wielka, ehem. Westpreußen), gest. 1943.
Ich kann das nicht lesen oder nur ansatzweise. Zum Glück habe ich die KI, aber bei einigen Wörtern muss auch die passen. Ist hier jemand besser als die KI?
ChatGPT meint beim Entziffern: Das ist deutsche Kurrentschrift, nicht die spätere Schul-Sütterlin. „Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts, vor allem nach ihrer Abschaffung in den Schulen im Jahr 1941 durch den Normalschrifterlass der Nationalsozialisten, wurde die deutsche Kurrentschrift (einschließlich ihrer Sütterlin-Variante) immer weniger verwendet.“ Und: „Die deutsche Kurrentschrift wurde in der Bundesrepublik ab 1954 wieder an den Schulen einiger Bundesländer als zusätzliche Ausgangsschrift gelehrt, konnte sich jedoch nicht mehr nachhaltig gegen die lateinischen Schreibschriften durchsetzen.“
Meinem lieben Enkel
Kurt [mein Vater]
zur steten Erinnerung
gewidmet von deiner
dich liebenden Großmutter
Emilie Schröder
Mittenwalde im August
1923 (für mich sieht das eher nach 1933 aus, wurde auch korrigiert.)
Text auf der rechten Seite:
O Menschenseele verzage nicht, wenn dir an
Hoffnung auch gebricht, denn in der
Kampfesstraße beschieden dich
von Leid u. Qual, der schwere Winde-
heil(?) dir zielt, ein neues Glück erschließt
nicht weit, von Gott auf! Sei des Men-
schen Schicksal ein Zweifel an des
Schöpfers Huld, sich stets blümen(?) spricht
auch [trübe?] … nicht doch wieder Frühling
werden…
Du stark im Leid, empor im Blick, ein
fromm(?) liegt oft im Mißgeschick, zwing
dir nur den [Stern?] war der alte
Gott lebt immerdar. Er läßt auch dich
im Kümmernisse mit deinem
Geschick nicht untergehn, …(?) …
Kommentare
6 Kommentare zu “Deutsche Kurrentschrift, poesitisch”
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Also, beim Überfliegen lese ich da einige Dinge ganz anders.
[Überschrift:]
Durch Nacht zum Licht
[Zeile 2:]
Menschenseele -> Menschenherz
wenn -> wenns
[Zeile 3:]
„wenn dir an“ -> „denn wieder“
[Zeile 4:]
„Kampfesstraße“ -> „kommt ein Sonnenstrahl“
beschieden -> [das sieht für mich eher wie „befreihend“ aus]
Ich habe jetzt keine Zeit mehr, vielleicht gucke ich mir heute Abend die anderen Zeilen auch noch mal an, wenn ich Zeit habe (und wenn es gewünscht ist.)
https://www.transkribus.org
https://www.transkribus.org/de/kurrentschrift-uebersetzen
Recherchiert man das nach, sieht es bei Kurrent in der OCR nicht gut aus, erst recht, was Handschriften betrifft.
Oben ist der Marktführer verllinkt. Auf dem reddit gibt es ein paar bemerkungen zur Problematik.
ein Preiß [sic] liegt oft im Mißgeschick
So, nach Cunninghams Law musste ich der KI-Transkription meine entgegen stellen.
Die Kampfesstraße hat mich auf jeden Fall amüsiert.
Durch Nacht zum Licht
O Menschenherz verzage nicht. wenn’s dir an
Hoffnung auch gebricht, denn wieder
kommt ein Sonnenstrahl, befreihend[sic!] dich
von Leid u Qual, die schwers te[sic!] Wunde
heilt die Zeit, ein neues Glück es ist
nicht weit, wie groß auch sei des Men-
schen Schuld, ein Zweifel an des
Schöpfers Huld, sieh, jede Blume spricht
auf Erden! Es muss doch wieder Frühling
werden!
Sei stark im Leid, empor den Blick, ein
[Preiß?] liegt oft im Mißgeschick, [wring?]
dir neu, was dein schon war, der alte
Gott lebt immerdar. Er lässt auch dich
im Sturmesweh’n mit deinem
Schiff nicht untergeh’n, u. führt es [um?]
Immerhin, »Emilie Schröder« und »Mittelwalde« steht da in leichter dechiffrierbaren lateinischen Buchstaben.
Ich habe schon viel schlimmere Klaue in deutscher Kurrent gesehen, bei der ich passen musste. Das ist beinahe sauber, aber eben auch flott und flüssig geschrieben. Weil der Kern hier bereits transkribiert ist, lasse ich mal den eigenen Leseversuch.
Erring dir neu