Zeugen Gretas oder die ernsten Klimaforscher

telefonzelle
Symbolbild für Berlin-Neukölln

Ich habe nur angefangen, einen Artikel auf der Kinderseite der Zeit (in Gendersprache) zu lesen. „In einer Potsdamer Wohngemeinschaft leben Julia, Steffi und Tina ihr Ideal von Nachhaltigkeit. Genau zu wissen, wo das Essen herkommt und wie man Seife selbst herstellt, ist für sie so selbstverständlich wie der Gang zur Klimademo.“

Mehr muss man nicht wissen, man weiß, was jetzt kommt. Da fiel mir eine soziologisch verwandte Gruppe ein: Was ist das Gemeinsame?

Jonas Kuhn schrieb auf Fratzenbuch: „Die neuen Menschen der grünen Avantgarde stellen sich vor: Tina („Ich habe Biologie studiert und mache jetzt Seife“), Julia (hat „ihre Arbeitszeit auf 20 Stunden reduziert, damit sie einen Master in strategischem Nachhaltigkeitsmanagement machen kann“) und Steffi („die zwei Bachelorabschlüsse hat – einen in Medienkommunikation und einen in Kulturwissenschaft“) erfüllen alles, was es braucht, um aktiv zu werden im Bereich gutes Gewissen (jung, wohlhabend, angehende Fachkraft im grünen Allerlei). Und zeigen der nächsten Generation, dass einfach nur Freitag morgens Klassenkampf von oben zu betreiben nicht ausreicht, um die Welt zu retten. Man muss sich der Sache schon mit Leib und Seele verschreiben und sich kompromisslos in Gänze zurichten. (…) Freilich gelten diese Regeln vor allem für den Pöbel.“

Ganz wie bei anderen chiliastischen Gruppen: Das tägliche Leben wird streng reglementiert (man muss bei jedem Furz noch nachdenken), weil die Apokalypse naht. Tut Buße, denn das Klima ist im Arsch!

Kommentare

12 Kommentare zu “Zeugen Gretas oder die ernsten Klimaforscher”

  1. Jim am September 10th, 2019 12:45 pm

    Ist auch nicht mein Fall, aber „jem Tiersche sin Pläsiersche“, sollen sie doch.
    Erkläre das mal jemandem, der von ALG2 sich und seine Kinder durchbringen muss. Obwohl, wenn die endlich mal ihren Urlaub einsparen würden ginge das auch. Muss ja immer vier Wochen Seychellen sein für das Pack!

  2. ... der Trittbrettschreiber am September 10th, 2019 1:05 pm

    Was sagen denn die Fachkräfte der Proktologie dazu?
    Könnte ja sein, dass da noch was zu machen ist, solange die Gletscher noch nicht ganz geschmolzen sind: Stell dir vor, sie gäben eine Freitagsdemo und alle hätten Blähungen.

  3. flurdab am September 10th, 2019 2:09 pm

    Man ist erstaunt.
    Das Sendungsbewustsein der drei Grazien ist sicher religiös einzuordnen.
    Aber wie kommt man damit finanziell über die Runden?

    Ich lege mich fest, wir leben in der Zeit der Tatookalypse.
    Jeder vierte in der Altersgruppe der Damen ist genadelt las ich neulich. Vermutlich weil man sich individualisieren und von der „Masse“ absetzten will. Was soll man da noch erwarten?

  4. Siewurdengelesen am September 10th, 2019 2:57 pm

    Und weil die Zeit solchen Schmonz raus bolzt, ist das tatsächlich gesellschaftlich bedingte Problem des Klimas für den Allerwertesten?

    Was kann Greta Thunberg für diesen Quatsch, der sich dort aus den Fingern gesaugt wird im Artikel?

    Genau nichts!

    Und das trifft auf den ganzen Zinnober genau so zu, den sich jetzt viele meinen in ihrem Fahrwasser als öko aus den Fingern ziehen zu müssen.

    Hier passiert doch nur das Übliche, dass „das Establishment“ selbst von dieser Seite Gefahr wittert für sich und da sich Kinder und Jugendliche auf Demos so Scheisse öffentlich verprügeln lassen, steigt man scheinbar lieber auf und macht das tödliche Umarmen.

    Die Kleine hat unabhängig davon schlicht recht und ob da jetzt „Revolution von oben“ betrieben wird oder nicht, mir sind die Halbwilden lieber, die auf den Demos das Maul aufmachen als die alten Penner, die sich in in ihrer Blase der Lethargie aalen und doch nur denken, dass sie vorher weg sind – also was soll´s…

    Das Prekariat und Proletariat macht derweil Abstimmen mit den Füssen und legt dank genau dieses Blödsinns den Grundstein für den nächsten Faschismus und das ist das eigentliche Problem.

    Kämen noch ein paar andere Dinge dazu, welche hier einen eigenen Blog rechtfertigten, aber so einen PR-Mist für bare Münze zu nehmen und sich dran hoch zu ziehen, ist Pipifax.

    Die, die es betrifft, lesen das sowieso nicht.

  5. Godwin am September 10th, 2019 3:22 pm

    Es ist auffällig, dass vor allem bzw fast ausschließlich junge Frauen und Mädchen medial in Szene gesetzt werden.
    Das scheint von vornherein imun gegen jede Form von Kritik zu machen.
    Diese Mischung aus klassischer Beschützerrolle und unschuldiger Reinheit finden wir auch anderswo

    „Nicht zufällig zeichnet die Ikonographie des Nationalsozialismus ein Bild von der (jungen) Frau, das sie als vital, aber unschuldig, als rein und unberührt charakterisiert.“
    Aber wie heißt es so schön
    It’s Not Faschismus when WE do it

  6. flurdab am September 10th, 2019 7:11 pm

    @ Siewurdengelesen,
    der „nöchste“ Faschismus ist doch schon längstens da.
    Der einzigen „Klimaretter“ in Deutschland sind Hartz- Empfänger, aber leider nicht freiwillig.
    Und jedes Kotelett das hier nicht verkauft wird, wird exportiert. Da wird kein Schwein weniger gemästet oder geschlachtet.
    Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden bei vollem Lohnausgleich und mind. 90 Tage Urlaub, das könnte was bringen. Aber das will ja keiner.

    Zu der Zett, ich finde die Photos der Au-Toren nett. Die haben sowas von alter Kinderschokoladen Werbung.

  7. Michael am September 10th, 2019 8:41 pm

    Den größten ökologischen Fußabdruck hinterlassen die Reichen. Ernst genommener(!) Klimaschutz ist daher durchaus Klassenkampf in die richtige Richtung.

  8. flurdab am September 11th, 2019 6:58 am

    Der erste Schritt zu mehr „Klimaschutz“ wäre die Beendigung der diversen Kriege und militärischen Drohszenarien.
    Einen Veggiday für jede Waffengattung der US/ Nato- Truppen wäre ein Anfang. Montags bleiben die Schiffsdiesel aus, Dienstags die Panzermotoren kalt, Mittwochs wird nicht geflogen, Donnerstag bleiben die Drohnen am Boden und die benötigten Server fahren herunter, und am Freitag macht die NSA frei.
    Hier in Deutschland wird die Sendezeit des ÖRR auf 8 Stunden pro Tag gekürzt, spart eine Menge Strom in den Sendern und bei den Empfangsgeräten.
    Ach man könnte sovieles machen.

    Statt dessen sorgen kindliche Dummköpfe dafür, dass die Regierung eine hübsche Extrasteuer einführen kann, mit der die „Migrationskosten“ sowie die Erhöhung des Kriegshaushalt auf 80 Mrd. € per anno finanziert werden wird.
    Gleichzeitig meldet die „Presse“ das wohl so um die 26000 Grundschullehrer bis 2025 fehlen werden.

    Da stellt man sich doch die Frage wofür man überhaupt Politiker beschäftigt?

    An „Klima- oder Umweltschutz“ will man diese Leute doch freiwillig nicht mehr heranlassen.
    Genau, der dicke Jungeselle der in Berlin auf 250 qm wohnt, phantasiert von einem Fond der über Steuern eine Verzinnsung von 2% garantieren soll.
    Wer wird da wohl seine überschüssigen Milliönchen parken. Burks oder die alte Frau Paschulke?
    Oder doch die diskreten Herrn und Damen die auch in die Privatisierung der Autobahnen, Bundesstraßen und Schulen investieren?

    In diesem Land kann man doch nur noch schreiend über die Straße rennen.

  9. Herbert Eisenbeiß am September 11th, 2019 11:37 am

    Hat Biologie studiert und macht nun Seife – welch eine Verschwendung von Lebenszeit.

    Auch der Rest erfüllt alle möglichen Klischees von weltfremden Weltverbesserern, die am schieren Dasein verzweifeln und sich ständig gegenüber sich selbst rechtfertigen müssen, warum sie überhaupt leben, um so das selbstgemachte, schlechte Gewissen zu beruhigen. Wie wäre es mit einer kleineren Wohnung, da kleinere Heizkosten?

    ze*tt, soso, schlechter als Bento geht also doch tatsächlich, wer hätte es gedacht.

    Solche Schönwetterweltverbesserer braucht echt kein Mensch. Die faseln nur von irgendwas, aber wirklich bewegen tun die auch nichts.

    Da ist mir der radikale Selbstversorger aus dieser Dokumentation allemal sympathischer, geerdeter und lebensechter als diese drei Gefühltlinkentrullas aus dem Artikel oben:

    https://www.youtube.com/watch?v=gn0qbdjcNC0

  10. ... der Trittbrettschreiber am September 11th, 2019 12:50 pm

    @Herbert Eisenbeiß

    Zum Video:
    Dieser Mann ist genial und hat das seit langem etablierte Konzept „Betreutes Wohnen“ auf wunderbare Weise perfektioniert – er betreut sich selbst. Das spart Kosten für die Gesellschaft, denn Betreuer sind einfach schweineteuer. Was mich etwas aus meiner städtischen Lethargie aufschreckt, ist das massive, auch nach innen gerichtete Sendungsbewusstsein dieses sympathischen, wenn auch etwas kauzigen Ganzschafverwerters. Ich wäre wahrscheinlich nicht ohne Diplomkamerapraktikantin dort erschienen.

  11. Herbert Eisenbeiß am September 11th, 2019 10:23 pm

    @Trittbrettschreiber: dass der gute Mann durch seine Scheidung einen Knacks weg bekommen hat ist klar.

    Aber er ist im Gegensatz zu vielen „nachhaltigen WGs“ sich im Klaren darüber, was er tut und sagt knallhart, dass dieser Lebenswandel seinen Preis fordert und das nichts für jedermann ist.

    Sein Sendungsbewußtsein dürfte daher rühren, dass er wohl kaum viel Besuch hat.

  12. Alreech am September 15th, 2019 9:38 pm

    wie man Seife macht und den Umsturz plant kann man auch im Fight Club lernen… ;-)

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