Die Bakterien und OCR-Tools
Deutsche Kulturbilder der Berliner Morgenpost – diese „Postkarte“ ist eine „Quittung der Berliner Morgenpost über 55 Pfennig für die 18. Woche vom 03.05. bis 09.05.1931“.
Am 25.05.2023 hatte ich zum letzten Mal Bilder der „Berliner Morgenpost“ gepostet. Drei Jahre – und jetzt sieht man, was sich geändert hat: Ich brauchte den Text auf der Rückseite nur der KI zu zeigen, um ihn posten zu können. Damals hätte ich ihn mühsam abtippen oder ihn mit einem OCR-Tool transkribieren müssen. Ich habe auf meinem Handy immer noch Textfee, mit dem ich sehr zufrieden bin – aber das wird bald überflüssig sein.
Hier der Text – ChatGPT und Gemini sind gleich gut, aber Gemini bietet an, das Ergebnis gleich als HTML und in zwei Spalten zu kopieren.
Bakterien
Bei dem Wort Bakterien (oder Bazillen) packt die meisten Menschen ein Schreck, in ihrer Phantasie steigen sogleich Bilder von Krankheiten auf. Jeder denkt an Tage, an denen er mit Fieber und Schmerzen im Bett lag und neben sich ein Glas mit schlecht schmeckendem Spülwasser stehen hatte, um damit die Bakterien in seinem Hals abzutöten. Diese Vorstellung ist ganz falsch. Bei dem Wort „Bakterium“ sich etwas Böses vorzustellen, ist genau so falsch, als wollte man bei dem Begriff „Mensch“ an einen Mörder denken. So wie es unter unzähligen Menschen vereinzelt Mörder gibt, so sind unter zahllosen Bakterien-Arten einige wenige gefährlich.
Bakterien bevölkern die ganze Welt. Mit jedem Hauch Luft atmen wir mehrere tausend ein. Mit jedem Schritt über den Erdboden scharren wir hunderte auf. In jedem Tropfen Wasser (nicht Leitungs-Wasser, das filtriert ist, sondern Fluß-Wasser) leben zahllose Kleinst-Lebewesen. In einem Liter Milch sind mehr Bakterien enthalten, als es Menschen auf dem ganzen Erdball gibt.
Die Zahl der Bakterien auf der Erde anzugeben, ist absolut unmöglich. Man müßte eine Zahl schreiben, die so viel Nullen enthält, daß die Zahl von einem Zimmer ins andere reichte. Die meisten Bakterien sind nicht Feinde des Lebens, sondern für seine Entwicklung und seinen Bestand auf Erden unentbehrlich. Ohne sie würde sich unser Planet in wenigen Monaten in einen großen Friedhof verwandeln. Die Bakterien sind es, die, in jeder Krume Ackerboden lebend, hier die toten Mineralien auflösen und sie in halbflüssige und flüssige Formen überführen. Ebenso wirken sie im Flußwasser und im Meer. Sie stehen an der unteren Stufe zwischen der toten und lebendigen Natur, sie allein sind imstande, tote mineralische Stoffe zu verdauen, sie dienen den kleinsten unsichtbaren Meeres-Tierchen als Nahrung, diese wieder den größeren, diese abermals größeren. So baut sich auf der Urnahrung der Bazillen das lebendige Gebäude der irdischen Natur auf. Ohne die Mithilfe der Bakterien kann das Obst nicht reifen, bildet sich kein Essig, kann man aus der Milch keinen Käse gewinnen, gäbe es kein Bier, keinen Wein und auch kein Brot. Denn beim Backen bedient sich der Mensch der Mithilfe der Bakterien, indem er in die Teigmasse einen den Bakterien nahestehenden niederen Pilz, den Hefe-Pilz, als Hefe einbringt. Dieser nährt sich von der Teigmasse, erzeugt hierbei Kohlensäure-Gas, und dieses treibt den Teig auf, der hierdurch lufthaltig, krümelig und genießbar wird.
Im Körper des Menschen leben etliche Trillionen Bazillen. Das Verhältnis zwischen Mensch und Bazillus ist nicht das einer Feindschaft, wie zwischen Jäger und Fuchs, sondern das einer friedlichen Zusammenarbeit, wie zwischen Mensch und Haustier. Der Mensch gibt dem Haustier „Bazillus“ von seinen Nahrungs-Abfällen zu fressen, er gibt ihm die warme Stallung im Innern seines Leibes, dafür leistet ihm das Haustier Bazillus wertvolle Dienste. Beispielsweise weichen sie bei der Verdauung alle Zellen, Fasern, Kerne, Hornteilchen u. dgl. auf, die von den Verdauungs-Säften selbst nicht angegriffen werden. Ohne die Mithilfe der Bakterien kann kein Tierleben, und wenn man junge Hühnchen in einem ganz bakterienfreien Kasten aufziehen will, so gehen sie bald an Entkräftung zugrunde — es fehlen ihnen die Helfer des Lebens, die Bakterien.
Nur wenige Dutzend unter ihren vielen tausend verschiedenen Arten sind dem Menschen gefährlich und verursachen in seinem Innern die Infektions-Krankheiten (Scharlach, Masern, Diphtherie, Keuchhusten, Pocken, Pest, Tuberkulose, Blutvergiftung, Halsentzündung usw.).
Quittung der Berliner Morgenpost über 55 Pfg. für die 18. Woche vom 3. 5. bis 9. 5. 1931
Quittungen, auf denen Preis oder Bezugszeit geändert ist, sind ungültig
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