Von Honduras nach Nicaragua
Managua, 9.12.1981
Liebe Eltern,
Ich habe heute Euren Brief bekommen, er war schon seit dem 21.11. hier angekommen, wir allerdings erst gestern. Wir haben uns über alle Briefe sehr gefreut, weil wir ja seit September nichts mehr gehört hatten. Jetzt machen wir erst einmal ein paar Tage Pause, schreiben Briefe und quatschen mit den anderen Rucksacktouristen hier in der Herberge (Wir haben seit dem 7.11. keine Deutschen mehr gesehen – das war in Belize) und werden dann die anderen Städte Nicaraguas im Westen aufsuchen.
Die letzten 2 Wochen waren äußerst anstrengend. Wir sind von La Ceiba, Honduras, mit einem kleinen alten Holzschiff die Küste lang gefahren und haben 3 Tage und 2 Nächte (Schlafen nur auf Decksplanken) mit einer fürchterlichen Schaukelei verbracht bei miserablen Essen (die ganze Zeit nur Bohnen und Reis, mit Meerwasser gekocht). Ich war am ersten Tag seekrank, die anderen Passagiere die ganze Zeit – das Schiff war 20 m lang und 5 m breit und über 50 Leute!
Bei jedem Dorf an der Küste, wo nur Schwarze wohnen, hielten wir an – ungefähr 1 km vor der Küste, und die besten Ruderer des Dorfes kamen in einem riesigen Einbaum herangepaddelt, mitten durch die riesigen Wellen der Brandung – das war das Schöne, diese prächtigen Gestalten zu sehen, alle über 1,70 groß, die meisten größer als ich, muskelbepackt und über alle Backen grinsend, ohne Karies. Einer der „Matrosen“, auch einer von den Garifunas (so nennen sie sich), hob ohne sichtbare Anstrengung 50-kg-Säcke voll Salz aus dem Laderaum nach oben.

Die Straße von Puerto Lempira, Honduras, nach Leimus, Nicaragua, bisher unveröffentlicht.
In Puerto Lempira in Honduras, einem Dorf ohne Straßenverbindung und nur mit ein paar tausend Einwohnern, sind wir dann eine Stichstraße (wer die gebaut hat und warum, weiß ich nicht) 6 Std. an den Grenzfluß [Rio Coco] zu Nicaragua. Dort an der anderen Seite war ein kleines Dorf, aber sehr viele Soldaten, alle sehr jung, mit abenteuerlichen Uniformen, teilweise langen Haaren, unterschiedlicher Bewaffnung, aber alle sehr revolutionär aussehend.
Nachdem sie unsere Rucksäcke bis auf die letzte Wäscheklammer auf dem Fußboden ausgebreitet hatten (einige Dinge kannten sie gar nicht, z.B. Tampons, den Benzinofen, die Taschenlampe hielten sie für eine Kamera) und sich überzeugt hatten, daß wir keine amerikanischen Spione waren, bekamen wir erst mal ein ausgezeichneten Gratis-Essen in der „Volkskantine“ (nur eine Holzhütte), und wir hatten die Ehre, mit dem Kommandanten zu speisen (er war jünger als ich und gab sich mit Erfolg Mühe, wie Che Guevara auszusehen), anschließend ein Empfehlungsschreiben an das Einreisebüro in der nächsten Stadt. Leider durften wir keine Fotos machen, aber alles war äußerst freundlich und vor allem neugierig.
Nach einen 6-stündigen Fahrt mit einem kleinen Lastwagen waren wir dann wieder an der Küste in einer kleinen Stadt – im Frühstücksraum des Hotels Bilder von Lenin und Arafat (!), sehr ungewohnt.

Islas del Maíz, Nicaragua, englisch: Corn Islands, fotografiert in der ersten Dezemberwoche 1981.
Nach ein paar Tagen sind wir dann wieder mit einem Schiffchen die Küste Nicaraguas entlang bis zu einer winzigen Insel, wo wir wegen nicht existierender Verbindung mit dem Festland hängengeblieben sind, dafür aber am Meer unter Palmen und am menschenleeren Sandstrand baden konnten. Dann ging es per Schiff nach Bluefields an der südlichen Küste, wo wir 2 Tage Wäsche gewaschen haben, und gestern endlich von der Küste weg ins Landesinnere hier nach Managua – endlich!
Hier ist auch alles sehr seltsam – die Stadt gibt es eigentlich gar nicht, die meisten Gebäude sind beim Erdbeben 1972 völlig zerstört und dann noch sehr viel im Bürgerkrieg 78/79. Es gibt nur noch riesige Außenbezirke mit einstöckigen Häusern, im Stadtzentrum stehen ein halbes Dutzend großer Häuser, ziemlich verstreut, dazwischen riesige Ruinenfelder oder einfach Wiesen. Wir werden uns mal umsehen in den nächsten Tagen.

Straßenszene in Managua, Nicaragua 1981, kurz nach der sandinistischen Revolution.
Ich weiß nicht, ob ich es schon geschrieben habe: am 22.12. oder einen Tag später fahren wir nach San José, Costa Rica, vor Neujahr nach Panama (vielleicht wird es schwierig mit der Post, weil angeblich alles zurücḱgeschickt wird, wenn nicht „Republic of Panama“ draufstehe). H. hat uns geschrieben, daß er uns Geld nach Bogotá schickt, das beruhigt uns.
Wir schrieben viele Weihnachts- und Neujahrskarten, wenn wir jemanden vergessen, bitte entschuldigt uns – das Porto ist auch nicht gerade billig bei der Menge. Sonst geht es uns gut, wir sind gesund und munter und schon kräftig gebräunt.
Die nächste Post wahrscheinlich aus Panama, deshalb jetzt schon ein fröhliches Weihnachen und vorsorglich einen guten Rutsch – wir werden Weihnachten in großer Hitze erleben, aber sehr gut essen gehen. Grüße von Susanne!
Burkhard
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Dafür gibt es einen Trick und es mußten bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Einer meiner angeheirateten Verwandten war direkt nach dem Krieg als Hafenarbeiter im Hamburger Hafen beschäftigt. Der konnte das. Vom Boden auf den Rücken oder ähnlich sportliches, das konnte der aber nicht. Leider habe ich vergessen wie der Trick ging.
Nachbarn von mir (echte Bauern) kannten ebenfalls einen Trick. Dazu waren zwei Mann nötig und ein Knüppel – Typ gekürzter Baseballschläger – mit dem erwachsene Schweine und Bullen damals „gelenkt“ wurden. Diese Tricks kennen heute nur noch die ganz alten Opas. Die jungen Bauern mit Studium kennen das nicht mehr. Mir ist jedenfalls keiner bekannt. Das klappte sogar wenn der Sack direkt auf dem Boden lag und ging recht flott mit wenig körperlicher Anstrengung.
Bei der Bundeswehr waren bei mir Rucksäcke mit ca. 40kg Gewicht das Maximum. Die konnte ich vom Boden – mit einem Trick und Schwung – gerade noch so alleine auf meinen Rücken heben. Mehr Gewicht klappte nur mit einem zweiten Mann oder den Rucksack irgendwo drauf stellen und den von dieser Überhöhung auf den Rücken ziehen. Mehr als geschätzte 60kg (also Rucksack mit Funkgerät oben drauf geschnallt oder 4 Granaten für die Panzerfaust) konnte ich nicht tragen und das auch nur weil ich als Radsportler die Beinmuskeln dazu hatte. Danach mußte jeder Schritt sitzen oder man lag auf der Schnauze. Nieder knien und wieder aufstehen war unmöglich. Heute sind diese Gewichte bei der Bundeswehr und den Holländern nicht mehr erlaubt. In anderen Armeen gibt es keine Gewichtsbeschränkungen. Jedenfalls sind mir keine bekannt. Die sind allerdings trainierter wie die von der Bundeswehr, haben die passende Ausrüstung und wissen wie es geht. Das ist bei der Bundeswehr – meinem Erleben nach – alles Fehlanzeige. Dort wird immer vorausgesetzt jeder Soldat kann das. Eine Art Trainingsplan um die körperliche Fitness an solche Strapazen heranzuführen und zu unterhalten, wie z.B. die Briten oder die US Marines es kennen, das hat die Bundeswehr bis heute nicht. Wer das will, der muß außerhalb der Dienstzeit ran.