Das antropomorphe Böse

Essen für den Frieden (Symbolbild)
– Das Böse ist wieder anthropomorph. Das ist gut für die öffentlich gepredigte Moral und im Sinne der Pfaffen. Was haben wir denn noch heute so…
– Eine einsame Stimme wagt es, in der Berliner Zeitung etwas einzuwenden: „Putin hat einen durch nichts zu rechtfertigenden, barbarischen Krieg begonnen, aber es wäre vielleicht nicht dazu gekommen, wenn der Westen sich anders verhalten hätte.“
– Die geschätzte Leserschaft machte hier auf einen Artikel David Stockmans aufmerksam: „The Land Where History Died“ – lesenswert! „The effect was to send Kiev on a path toward massive economic and military aid from the US/EU and NATO membership that was bound to produce the adverse Russian reaction that Ambassador George Kennan had warned about two decades earlier.“
– Im New Yorker analysiert der Friedensnobeltreisträger Dmitry Muratov, der Herausgeber der Novaya Gazeta: „I think the plan is to divide Ukraine. With the Western part of the country, whose center is Lviv, the thinking is, Let them live as they want. Central Ukraine, with the center in Kyiv, will have the government that Putin requires, one that is oriented toward Moscow and not the West. And, as for the east, the whole Donbas will be accepted into Russia. Around eight hundred thousand people there were just given Russian passports.“
Das wird durch die hiesigen Qualitätsboulevardmedien bestätigt: „Putin will treuen Ex-Präsidenten wieder installieren. Wiktor Janukowitsch bereitet sich angeblich schon auf seine neue Präsidentschaft vor.“ (wie macht man das? Liegestütze? Kniebeugen?)

Zum Glück stoppt der Krieg auch den Klimawandel.
– Deutsche dürfen wieder gegen Russland in den Krieg ziehen. Um das Gleichgewicht des Universums zu erhalten: Sie dürfen auch auf russischer Seite kämpfen. (Ein Dutzend „Entfreudungen“ auf Fratzenbuch wegen dieses Satzes.)
– Fabian Lehr schreibt auf Fratzenbuch: Nein, die Ukraine ist kein faschistischer Staat, der durch die russische Armee „entnazifiziert“ werden müsste wie NS-Deutschland durch die Rote Armee. Und nein, Putin ist nicht der neue Hitler und sein Russland ebensowenig ein faschistischer Staat. Beide Staaten vertreten aber eine rechte, chauvinistische Staatsideologie und beide unterstützen direkt oder indirekt offen neonazistische Organisationen. (…)
Die gesellschaftliche und politische Stellung des militanten Neonazismus ist in der Ukraine aber zweifellos stärker als in Russland. Der krasseste Ausdruck davon ist das vielbesprochene Asow-Bataillon. Das Asow-Bataillon ist eine neonazistische Miliz, in der auch ausländische Neonazi-Kader aus dem Westen dienen und die als offizielle Bataillonsflagge das Emblem der Waffen-SS-Division „Das Reich“ führt. Im Gegensatz zur „Gruppe Wagner“ ist das Asow-Bataillon aber keine nur inoffiziell geförderte Söldnereinheit – sondern als offizieller, regulärer Teil der ukrainischen Armee in die Streitkräfte des ukrainischen Staates integriert. Aktuell bildet diese Naziformation den Kern der ukrainischen Garnison im umkämpften Mariupol. Das russische Narrativ, gegen ukrainische Faschisten zu kämpfen, ist in Mariupol die Wahrheit.
– Eilfalschmeldung: Gerhard Schröder pilgert zur Burgruine von Canossa! #purifikationsrituale
Kommentare
6 Kommentare zu “Das antropomorphe Böse”
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Ich finde es Klasse, daß sich Burks an die Empfehlung deutscher Kaufmannsladenbetreiber hält und selber ein Zeichen setzt.
Deutsche Arbeiter! Eßt keinen russischen Kaviar.
Was ist der Unterschied zwischen
„Putin hat einen durch nichts zu rechtfertigenden, barbarischen Krieg begonnen, aber es wäre vielleicht nicht dazu gekommen, wenn der Westen sich anders verhalten hätte.“
und
„Klar, er hat ne Frau vergewaltigt. Aber vielleicht wäre es nicht dazu gekommen, wenn sie Hosen statt nem Minirock getragen hätte“
?
Ausser dass man von Politikern erwarten können sollte, dass sie rationaler agieren als Vergewaltiger…
>> Ausser dass man von Politikern erwarten können sollte, dass sie rationaler agieren als Vergewaltiger…
Ähäm. Wieso sollte man das von Politikern erwarten können? Es sind vergewaltiger. Jeden einzelen Tag des Jahres zu jeder Stunde. Auch an Kirchfesttagen. Und sie sind dabei mitnichten gentle.
interessant, das einige der super-duper-aufgeklärten-und-durch-und-durch-reflektierten Fo***n solchen Statements/Argumenten nicht anderes entgegenbringen als „was soll dieser whataboutism?“
@Patrick
Bei aller Bertoffenehit und Bestürzung – der Minirock des Westens hing schon seit langem nur noch in Fetzen über den primären Genderorganen.
Aber absolut korrekt: Selbst die schrottigste Dampflok sollte nicht in jeden Tunnel fahren. Man trinkt ja auch nicht einfach jedes fale Bier, bloß weil es nach Hopfen riecht.
Henry Kissinger hatte vor einem Krieg in der Ukraine gewarnt
https://www.infosperber.ch/politik/henry-kissinger-hatte-vor-einem-krieg-in-der-ukraine-gewarnt/