Launching Area

Opherdicke Mühlenstrasse

Wenn ich in meiner Jugend vom Haarstrang in Opherdicke nach Süden blickte, sah es fast genauso aus, nur mit einem Unterschied: Wenn man Glück (oder Pech) hatte, richteten sich plötzlich Raketen auf, die (vermutlich) in Silos geruht hatte. Zu Übungszwecken wurde die manchmal hoch- und wieder runtergefahren. Ich habe das mit meinen eigenen Augen gesehen.

Opherdicke (Ortsteil von Holzwickede bei Unna) war ein Standort von Atomraketen.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Opherdicke (51°28’51“N, 07°38’54“O) der 3. Batterie des FlaRakBtl 21 lag ca. 6 km südwestlich der Stadt Unna in Nordrhein-Westfalen. (…) In der Stellung Opherdicke waren bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft.

Kommentare

7 Kommentare zu “Launching Area”

  1. ... der Trittbrettschreiber am Juni 3rd, 2018 3:00 pm

    Ich bin besorgt. Immer wieder ertappe ich mich dabei, alte verlassene Kasernen zu bewundern. Diese Ruhe, die alten Bäume, die Vögel und die echten Hasen. Die Straßen sind so breit und leer. Und es holpert im Takt, wenn man im Auto über die Segmente fährt, die nur durch mit Teer gefüllten Rillen voneinander abgegrenzt werden. Ich würde sofort dort einziehen, wenn es erlaubt wäre. Sollte ich den Notruf wählen, heute, in friedlicher Zeit?

    PS Und in den leeren Raketensilos könnte man wunderbar Free-Climbing üben. Immer nach oben, nach oben, zur Sonne, zur ….

  2. Wolf-Dieter Busch am Juni 4th, 2018 8:34 am

    @Trittbrettschreiber – leere Raketensilos – warum nicht Bungee?

  3. ... der Trittbrettschreiber am Juni 4th, 2018 8:43 pm

    @Wolf-Dieter Busch

    ;-) … Seilschaften haben immer dasselbe Manko – falsche Richtung.

  4. Roland B. am Juni 5th, 2018 8:43 am

    Die wollten wirklich mit ATOMwaffen auf angreifende Flugzeuge schießen? Oder dachten die an riesige Raumschiffe mit Aliens?

  5. Martin Däniken am Juni 5th, 2018 1:05 pm

    @Roland: Viel hilft viel…der Chef der Strategischen Atom/nuklear Verteidigung
    Curtis LeMay war tatsächlich so wie der Typ in Dr.Stranglove von Kubrick…etwas „verschroben:
    -Nordvietnamesen ins Steinzeitalter (atom)bomben
    -es gibt keine Unschuldigen
    „…. But all war is immoral
    and if you let that bother you,
    you’re not a good soldier…“

  6. Rano64 am Juni 8th, 2018 11:03 am

    Da ich selber das zweifelhafte „Vergnügen“ hatte, während des kalten Krieges bei exakt diesem FlaRakBtl 21 dienen zu dürfen (wenn auch nicht in Unna), kann ich noch ein paar Details beitragen:

    Die Nike Hercules war in den 50iger Jahren zur Abwehr von atomar bewaffneten Bomberpulks entwickelt worden und dieser Uralt-Schrott stand tatsächlich noch in den 80iger Jahren in der Gegend rum. Die eigentliche Batteriestellung bestand aus vier Hallen (keine Silos) mit je einer Abschussvorrichtung. Die musste erst aus der Halle gefahren werden und die Rakete dann senkrecht aufgerichtet werden. Der ganze innere Bereich mit Raketen und Sprengköpfen stand unter Kontrolle von US Soldaten. Außen rum war eine weitere Zone, die mit deutschen Soldaten zur Bewachung bemannt war. Außerdem gab es ein paar Kilometer entfernt die (verbunkerte) Feuerleitstelle und im nächsten Kaff eine ganz normale Kaserne (Kantine, Fahrzeuge, Sportanlagen etc.). Der ganze Plunder war damals schon hoffnungslos veraltet und komplett sinnfrei.Trotzdem blieben die Anlagen lange in Betrieb und viele der Soldaten sind später an Krebs gestorben. Besonders die armen Schweine in der Feuerleitstelle, da die Radargeräte etc. völlig unzureichend abgeschirmt waren.

  7. Frank am Juni 12th, 2018 8:15 am

    Warum sind da noch keine Windräder, die das Auge erfreuen?

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