Wenn die Schwäne Horror tragen

black swan

Filmplakat zu Black Swan

Wenn man kränkelt, liegt man gern im Bett und schaut Filme. Da ich kein Fernsehprogramm mehr anschauen kann, kaufe ich welche oder höre auf den Rat von Freunden, wenn mich das Thema eigentlich nicht interessiert. So auch hier. Ballett? Schwanensee? WTF? Bin ich eine höhere Tochter oder schwul was?

Soll aber gut sein. Sagen die Freunde. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass Natalie Portman veganische Esoterikern ist und manchmal merkwürdige Dinge von sich gibt, hätte ich mir zum Film aus Trotz noch eine Currywurst geholt.

Fazit: Ich war angenehm überrascht. Die Portman spielt man so einer Wucht, dass es einen in den Sessel bzw. hier: ins Kopfkissen haut. Wenn man noch nicht wusste, dass Ballett Kunst und Hochleistungssport ist, dann weiß man es spätestens jetzt. „Zugleich nahm Portman im Vorfeld der Dreharbeiten ein Jahr lang Tanzunterricht, wobei sie die ersten sieben Monate privat finanzierte, da für den Film bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Sponsoren gefunden waren.“ So was nenne ich Leidenschaft. Den Oscar hat sie sich zweifellos verdient.

Zeitweilig dachte ich auch, ich sei in einem Horrorfilm gelandet. Es gruselt mich selten, aber ich war kurz vor einer Gänsehaut, auch wegen ihrer Mutter und wegen zahlreicher anderer Vorkommnisse. Aus dem Stoff hätte man gleich ein halbes Dutzend Plots zimmern können. Dicht, dichter, am dichtesten.

Sex? Ja, eine lesbische Sex-Szene lässt die Wände wackeln. Man erwartet jeden Augenblick, das malena Morgan hereinkommt und sich nackt aufs Bett wirft. Aber hallo! In Deutschland wurde so etwas natürlich zensiert. (By the way: Sueddeutsche.de und Faz.net verlinke ich nicht, wenn dort Javascript verlangt wird.)

Kann man also sogar zwei Mal ansehen, allein schon wegen der schauspielerischen Brillianz Portmans, auch wenn man kein Ballett mag.

Kommentare

8 Kommentare zu “Wenn die Schwäne Horror tragen”

  1. FSK am August 1st, 2017 5:25 am

    Dann können Sie es als nächstes vielleicht einmal mit Lars von Trier ausprobieren? Der sagt zwar auch gerne mal merkwürdige Dinge, dafür gibt es ihn aber mittlerweile günstig auf Blueray-DV zu haben. Einfach mal reinschauen. *zwinkerzwinker*

  2. Wolf-Dieter Busch am August 1st, 2017 8:37 am

    Wenn ich vorher gewusst hätte, dass (…) eine Currywurst geholt.

    A propos, Filmtipp von mir? Das Große Fressen. Ist von 1973. Habe hinterher ebenfalls eine Currywurst zu mir genommen. Kommt gut.

  3. Wolf-Dieter Busch am August 1st, 2017 11:47 am

    Nachtrag: Korrektur, es war ein Bockwurst. Jedenfalls ideal zur seelischen Aufarbeitung der subtilen Aspekte.

    Nachtrag 2, mit Senf.

  4. admin am August 1st, 2017 3:22 pm

    „Das große Fressen“ kenne ich schon. Kult, Aber allzuoft kann man das nicht sehen.

  5. ... der Trittbrettschreiber am August 1st, 2017 5:23 pm

    „Das große Fressen“ nichts für Currywürste unter Schock. Die wiedereinsetzende Leichenstarre macht sie für Normalgebisse unverzehrbar.
    Aber:
    https://www.youtube.com/watch?v=ZjRQaGqGFRw

  6. Wolf-Dieter Busch am August 1st, 2017 8:39 pm

    @Trittbrettschreiber – lesen bildet: es geht nicht um Schock! Sondern um Zwischentöne! Feingefühl! Subtilesse!

    Dazu brauchst du Senf! Und eine Bockwurst obendrauf! Und keine – ich wiederhole: keine – Currywurst.

    Oh Mann.

  7. ... der Trittbrettschreiber am August 2nd, 2017 7:15 am

    Fein, Gefühl. Schonmal hier draußen gestanden, bei mehr als Schrittgeschwindigkeit? Lesen bildet – Bildung macht opportunistisch auf schwarmintelligentem Niveau. Z.B. beim Preis für eine Kürriewurst. Wer nicht liest, bestellt wo er gerade Hunger hat und nicht beim Günstigsten, wo die Schwärme stehen und kollektiv an Nährstoffmangel verenden. Schlau, nicht?

    https://youtu.be/NwIPVnRlZM8

  8. Crazy Eddie am August 2nd, 2017 8:31 am

    Amazon Prime vorausgesetzt, empfehle ich:
    The Man In The High Castle

    Dystopie nach Philip K. Dick
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