Traum in der Sierra

Ventura García CalderónGerade las ich bei Don Alphonso den Satz: „Es ist erlösend, etwas zu lesen, das keiner kennt und von dem keiner spricht.“ Ich schaute kurz in meine Bibliothek und griff spontan ein schmales Bändchen mit Kurzgeschichten heraus (erschienen 1955, bekommt man für 10 Cent gebraucht bei Amazon), das ich schon zahllose Male gelesen habe, immer wieder mit großem Gewinn.

Der peruanische Diplomat und Schriftsteller Ventura García Calderón (1886-1959) ist so unbekannt, dass es noch nicht einmal einen englischen Wikipedia-Eintrag über ihn gibt, geschweige denn einen deutschen.

Algunos (sobre todo los iniciales) son de ambiente cosmopolita y carácter decadente. La mayoría, sin embargo fueron ambientados en el Perú y sobre todo en la región andina, inspirados en sus viajes a las regiones de su país.

Gabriel García Márquez gilt als südamerikanischer Vertreter des magischen Realismus, aber Calderon konnte das schon lange – und genau so gut. Als Leser, der das Land, über das Calderón schrieb, gut kennt, schmunzelt man oft, aber manchmal stehen einem auch die Haare zu Berge, ähnlich wie bei B. Traven. Traven gehört übrigens zum Bildungskanon – wer „Das Totenschiff“ noch nicht gelesen hat, sollte das schleunigst nachholen, auf die Gefahr hin, dass man dann auch alle anderen Bücher von ihm lesen will.

Calderóns Geschichte „Wie unklug, ein Arzt zu sein“, beginnt so:
Zehn Stunden auf den Felsenwegen der Anden unter den akrobatischen Kunststücken der Kondore, zehn Stunden im Sattel durch die Berge Perus: da haben Sie das wirksamste Mittel gegen Schlaflosigkeit.

Kann ich bestätigen – ich würde nur „im Sattel“ durch „in einem ehemaligen Schulbus“ ersetzen. Und es können auch gern 24 Stunden sein.

Oder aus „Die sieben Phantome“:
So, das klingt Ihnen unwahrscheinlich? Mein Lieber, dergleichen erfindet man nicht, und es ist absolute Tatsache, daß wir, der General Arcada und ich, eine ganze meuternde Kaserne genommen haben, um zehn Uhr abends, bekleidet mit Pantoffeln und Pyjamas, wobei die rechte Hand den Revolver und die linke einen Regenschirm hielt, denn vom Himmel prasselte einer dieser urplötzlichen tropischen Wolkenbrüche, die schlimmer sind als Kugeln.

Oder aus „Schildkrötensuppe“:
Eine Schildkröte, die nichts vom Tode wissen will, zu töten, ist wahrlich nicht leicht.

Wer wollte da nicht weiterlesen?

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Kommentare

One Kommentar zu “Traum in der Sierra”

  1. Messdiener am März 20th, 2015 7:42 p.m.

    Hi Burki,
    die Calderon-Geschichten treffen meinen Lesegeschmack. Danke für den Tipp.

    Kennst du den Guillermo Rosales. Sein Roman Bording House ist bei Shurkamp auf deutsch verlegt. Gibt es ab 4 € bei buecher.de
    http://www.buecher.de/shop/kuba/boarding-home/rosales-guillermo/products_products/detail/prod_id/12752844/
    oder auf spanisch beim Schmetterlingsverlag: Leider sehr teuer:
    http://www.buecher.de/shop/spanisch/la-casa-de-los-nufragos-boarding-home/rosales-guillermo/products_products/detail/prod_id/26267994/

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