Unfähigkeit und Dummheit und Volksverarschung

Der Spiegelfechter analysiert den so genannten „Schuldenschnitt“ für Griechenland als das, was er ist – eine Volksverarschung, bei der die gewohnt unkritischen und obrigkeitshörigen deutschen Medien kräftig mithelfen. Gleichfalls die Nachdenkseiten.

Offenbar bewerten die Akteure an den Finanzmärkten die Ergebnisse des Gipfels diametral anders als die leider wieder einmal vollkommen unkritischen Medien. Man sollte sich nicht von der PR der Bankenlobby ins Bockshorn jagen lassen. Der Finanzsektor zählt ganz klar zu den Gewinnern des Gipfels.

Ähnlich die Nachdenkseiten.

Es wurde vielmehr gar kein Schuldenschnitt – in welcher Höhe auch immer – beschlossen, sondern lediglich angekündigt, dass man die Banken und Versicherungen zu Verhandlungen einlädt, an deren Ende ein Anleihentausch stattfinden soll, bei dem die Institute auf freiwilliger Basis ihre Griechenlandanleihen gegen andere Anleihen eintauschen können. Dabei sollen sie – so die Absichtserklärung – einen Nominalwert von 50% abschreiben.

Die Pointe kommt kurz darauf:

Was für die Banken ein Grund zur Freude ist, hilft den Griechen kein Jota weiter. Wie die Eurozone es schaffen will, die griechische Gesamtverschuldung auf 120% des BIP zu drücken, bleibt wohl das ewige Geheimnis der Regierungschefs. Ein solch hoher Schuldenabbau wäre nur möglich, wenn ein echter Schuldenschnitt in substantieller Höhe stattfinden würde. Davon wären jedoch auch die Kredite der Eurostaaten, der EU und die Zentralbanken betroffen, die momentan Griechenlandanleihen im Wert von rund 63 Mrd. Euro halten.

Wie ich schon sagte: „‚Rettungsschirm‘ (…) Dabei handelt es sich weder um eine Rettung Griechenlands, sondern um die Ausplünderung des Landes, noch um einen Schirm, sondern darum, dass die Gelder der Steuerzahler den französischen und deutschen Banken in den Rachen geworfen wird.

Felix Leitner fasst das so zusammen: Der Punkt dabei ist, dass die Anleihen ja den Preisverfall bereits eingepreist haben. Eine als Beispiel genannte Anleihe von 2007 hat einen Nominalwert von 100 Euro, wird aktuell aber mit ca 30 Euro gehandelt, d.h. zum Marktwert bilanziert wäre das eine Abschreibung von 70%, und jetzt können sie das gegen Anleihen umtauschen, die nur 50% abschreiben. Mit anderen Worten: ein Geldgeschenk für die Banken, auf Kosten des Steuerzahlers.

Mir gefallen auch die Kommentare des Publikums beim Spiegelfechter: „Warum wird das in den klassischen Medien nicht korrekt dargestellt ? Sind das alles Laien in den Redaktionsstuben?“ – „Ich denke, sie sind a) faul und b) personell nicht gut ausgestattet. Das soll jetzt nicht arrogant klingen, aber die Zahl der Journalisten der großen Zeitungen, die sich bei Finanzthemen überhaupt so gut auskennen, dass sie sich wagen, den Agenturen zu widersprechen, ist sehr klein.“ – „Es liegt bei Merkel keine Lügerei vor – nur Unfähigkeit und genau so ist es bei der SPD- und der Grünen-Führung. Dummheit herrscht im Bundestag vor.“

Quod erat demonstrandum.

Kommentare

3 Kommentare zu “Unfähigkeit und Dummheit und Volksverarschung”

  1. Messdiener am Oktober 29th, 2011 9:00 am

    Hi,

    so ist es, wenn die Politiker aus dem Volk kommen, gilt auch für Diktatoren, dann haben Sie eben den Normal-IO.

    Das gilt, so vermute ich, für alle Länder: Griechland, Amerika, Kuba, Rußland, Berlin, Hessen, Bayern,….

  2. Andreas S am Oktober 29th, 2011 4:02 pm

    ähm, nur so zur Info, da Du Dich auf die beiden Quellen Spiegelfechter und Nachdenkseiten berufst: Der Spiegelfechter heisst mit bürgerlichem Namen Jens Berger, ebenso der Autor des Nachdenkseiten-Artikels. Ich denke mal, dass das kein Zufall ist ;-)

    P.S.: Dass der Spiegelfechter auch für die Nachdenkseiten schreibt wurde vor einigen Monaten auf beiden Blogs angekündigt.

  3. Besserwisserei ist eine Tragfeder des heutigen Zeitgeistes › Blogger, Eurokrise, Griechenland, Regierungskritik, Schuldenkrise am Oktober 29th, 2011 6:21 pm

    […] einigermaßen ausgeglichen zu sein- Jens Berger, Spiegelfechter, oder auch Burkhard Schröder, Burk’s Blog. Alle maulen, nölen rum und halten der Politik schlicht Dumm- und Faulheit […]

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