Suahili zum Chillen

Manchmal mache ich mir den Spaß, nach Musik bei Youtube zu suchen, die man gut als Hintergrundgeräusch anhören kann, ohne den Text verstehen zu müssen. Sehr oft werde ich bei afrikanischen Sekten fündig. Es ist auch interessant herauszufinden, um wen oder was es sich eigentlich handelt, wenn man noch nicht einmal die Sprache identifizieren kann.

Oft sind diese kleinen Videos nur von wenigen Tausend Nutzern angesehen worden („Praise the Lord! Hallelujah!“) und rührend dilettantisch gemacht. Auch in diesem fahren Autos im Hintergrund herum, als hätten die Macher keinen Platz gefunden, wo sie das Video ungestört produzieren konnten.

Interessant aus völkerkundlicher Sicht ist in jedem Fall die Ikonografie: Was kann man aus Kleidung und Ambiente der Personen schließen? Welche Zielgruppe wird wie womit angesprochen? Welche Elemente der Popkultur fließen in religiöse Videos ein?

Hier geht es um einen Rev[erend] T T Chivaviro, der es einem leicht macht, weil er sogar bei Facebook zu finden ist.

Erstes Indiz: „Mrs Jullie Chivaviro invites yu all to Rev Chivaviro’s Album launch 2mrrw nite in SA, Germiston Methodist“. Aha. Methodisten – aber das heisst noch nichts, und „Reverend“ kann sich jeder nennen – es bedeutet schlicht (christlicher) Prediger.

Zweites Indiz: Die Germiston Methodist Church ist in Zimbabwe. Die Sprache war schon komplizierter, ich habe den Google Translator mit den Kommentaren unter dem Video gefüttert. Bei „Vanoregerera zvivi chokwadi, pfuurirai mberi nekusimudzira moyo yedu inoneta“ erkennt die Software endlich Suahili, kann aber nichts übersetzen.

Drittes Indiz, bei dem der Sekten-Indikator kräftig ausschlägt: Wie man auch auf allen Videos von Betty Bayo aus Kenia erkennt („Siyabonga“ – eines ihrer Alben heisst so -, wird auch in Zimbabwe und Swaziland verstanden), tragen die Mitglieder protestantischer Sekten alle sehr züchtige Kleidung. Der mitteleuropäische Spießer-Standard ist gesetzt – nur nicht auffallen. Männer tragen traditionelle Tracht oder helle Hemden und Jacket (kurzärmelige Strickwesten! bruhahaha), Frauen knielange Röcke, nie weniger. Außerdem sehen sie nie erotisch aus, was immer das im Einzelfall heißt, auf jeden Fall: No sex please, we are Protestants.

Immerhin kommen Elemente der aktuellen Internet-Musikkultur vor – Gruppentänze etwa, die man aus Trailern kennt, nur dass bei Sekten alle komplett verhüllt sind und oft aussehen, als seien sie ein Ballett aus Guantanamo.

Dieser „Reverend“ kann jedenfalls gut singen und der Rhythmus rockt. Gut, dass man nicht versteht, was er da von sich gibt.

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Kommentare

One Kommentar zu “Suahili zum Chillen”

  1. altautonomer am August 17th, 2011 6:46 p.m.

    Wenn Burkhard chillt, erwacht Yamato:
    http://youtu.be/pZO47QxV-iY

    (3 x life im Konzerthaus Dortmund gesehen und gehört.)

    Gruss vom Congaspieler.

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