Die Zukunft Gazas

gaza
Israelische Schüler, Blick auf Gaza-Stadt, aufgenommen in Sderot [150m über dem Meeresspiegel, 26.10.2025].

Ich habe mir einen Kommentar in der der Jerusalem Post von Yonah Jeremy Bob übersetzen lassen, der mir in Englisch interessant schien, und ihn in besseres Deutsch umgeschrieben.

Zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Türkei: Gazas friedenssichernde Zukunft könnte Israels Grenzen neu definieren – eine Analyse

Nach über zwei Jahren Krieg und diplomatischen Verhandlungen scheinen sich Israels Optionen für die künftige Sicherheit im Gazastreifen – außer der Herrschaft der Hamas – auf zwei Möglichkeiten reduziert zu haben: 1) auf eine Gruppe ausländischer muslimischer und europäischer Staaten unter Einbeziehung der Palästinensischen Autonomiebehörde oder 2) die Türkei.

Und falls die scheinbar unendliche Anzahl an Optionen für die Führung einer künftigen(International Stabilization Force, (ISF) im Gazastreifen auf diese beiden Optionen reduziert wurde: Warum gibt es dann keine öffentliche Debatte darüber, während Premierminister Benjamin Netanjahu nach Washington reist?

Netanjahu – und auch und viele andere israelische Offizielle – blieben 2023 und während eines großen Teils des Jahres 2024 vage bei der Frage, wie ein Gaza nach dem Krieg aussehen sollte.

Über weite Teile des Jahres 2024 herrschte Frustration, als der frühere Verteidigungsminister Joav Gallant und der ehemalige Kriegsminister Benny Gantz gemeinsam mit der Regierung Biden Vorschläge zu dieser Frage unterbreiteten und Netanjahu sich weigerte, sich darauf einzulassen – abgesehen davon, dass er nahezu alle Vorschläge zurückwies..

Gleichwohl ist ihm zugutezuhalten, dass Netanjahu in den letzten Tagen deutlich gemacht hat, derzeit auf eine Normalisierung der Beziehungen zu Saudi-Arabien verzichten zu wollen. Ein solcher Schritt könnte einen verbindlichen Zeitplan auf dem Weg zu einem palästinensischen Staat erfordern.

Große Teile des Verteidigungsestablishments widersprechen ihm in dieser Einschätzung. Es gibt jedoch weiterhin viele, die ihm zustimmen. Innerhalb der israelischen Bevölkerung hat Netanjahu entweder eine Mehrheit für seine Position oder die Frage ist noch nicht entschieden.

Netanjahu setzt alles daran, jegliche Beteiligung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) in Gaza zu unterminieren. Zwar hat ihn das Verteidigungsestablishment dafür scharf kritisiert, doch zumindest eines lässt sich sagen: Netanjahu ist in Bezug auf seine Prinzipien transparent gewesen.

Offen gesagt ist es nachvollziehbar, warum ein großer Teil des Landes keine Palästinenser – selbst nicht die PA – für das Massaker vom 7. Oktober „belohnen“ will.

Welche Optionen hat Israel für eine Frieden Frieden in Gaza?

Die eigentliche Frage muss lauten: Was ist die Alternative?

Ursprünglich bestand die Alternative zur Hamas oder der PA darin, eine Gruppe lokaler Stammes-Scheichs („tribal sheikhs“) aus Gaza zu mobilisieren. Israel ließ diesen Plan aber Anfang 2024 durchsickern. Die Hamas brachte daraufhin mehrere der betreffenden Scheichs um.

Israel unternahm auch nichts, als es im Oktober die IDF aus dem von der Hamas kontrollierten Teil Gazas abzog, um potenzielle Aliierte in Gaza vor der Hamas zu schützen. Wie vorhersehbar wurden viele dieser Verbündeten ebenso von der Hamas ermordet.

Theoretisch könnte es eine Internationale Stabilisierungsmission für Gaza (International Stabilization Force, ISF) geben, die von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indonesien, Pakistan, Italien und anderen Staaten geführt wird. Diese Länder hatten ihr Interesse bekundet.

Bislang hat sich jedoch keiner dieser Staaten verbindlich verpflichtet. Die meisten erklärten, sie würden sich nur beteiligen, wenn auch die PA eingebunden sei. Das würde ihnen Legitimität gegenüber der palästinensischen Öffentlichkeit verschaffen.

Netanjahu hatte gehofft, dass früher oder später eines oder mehrere dieser Länder auf die Einbindung der PA als Bedingung verzichten würden. Wie sich jedoch herausgestellt hat, überwiegt bei den meisten – wenn nicht allen – dieser Staaten die Angst, dass ihre Soldaten von der Hamas getötet werden, gegenüber ihrer Sorge um das Leid der Bevölkerung Gazas.

Möglicherweise lehnen sie eine Beteiligung auch deshalb ab, weil sie die PA einbezogen sehen wollen, doch ein wesentlicher Teil der Hürde ist ihre Furcht vor der Hamas.

Die entscheidende Frage lautet daher: Würden diese Länder tatsächlich Truppen entsenden, wenn Netanjahu der PA einen Fuß in der Tür Gazas erlaubte? Oder würden sie selbst dann zurückschrecken, weil sie befürchten, dass die Hamas ihre Friedenstruppen trotzdem angreifen würde?

Wir werden was vermutlich nie erfahren, sofern nicht der US-Präsident Donald Trump Netanjahu in dieser Frage unter Druck setzt.

Vielleicht wäre es für Israel sogar hinnehmbar, diese Frage offen zu lassen – wenn die Alternative nicht die Türkei wäre!

Die Türkei hat wiederholt erklärt, sie sei bereit, Friedenstruppen auch ohne Beteiligung der PA zu entsenden.

Das überrascht nicht. Die Türkei steht der Muslimbruderschaft ebenso nahe wie die Hamas – und sie ist ein zentraler Unterstützer der Hamas.

Wogegen sich die Türkei stellt, ist die vergleichsweise säkulare PA. Darüber hinaus strebt Ankara einen eigenen Einfluss in der Region an, um seine Macht gegenüber Israel geltend zu machen.

Man könnte meinen, allein die Möglichkeit, am Ende türkische Friedenstruppen in Gaza akzeptieren zu müssen, würde Netanjahu dazu bewegen, einer Beteiligung der PA zuzustimmen.

Die Türkei ist eine regionale Großmacht. Ihr eine direkte Grenze zu Israel zu verschaffen, wäre in etwa so, als würde man dem Iran eine direkte Grenze zum jüdischen Staat geben.

Bislang hat die Türkei keinen Terror direkt gegen Jerusalem eingesetzt. Sie hat jedoch über viele Jahre hinweg die Hamas beherbergt und aktiv zahlreiche Versuche unterstützt, die israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen – was es der Hamas erheblich erleichtern würde, an tödlichere Waffen zu gelangen.

Türkische „Friedenstruppen“ könnten sich im Falle eines Feuergefechts offen auf die Seite der Hamas stellen.

Sollte dies geschehen, könnte Israel dann überhaupt auf türkische Friedenstruppen schießen? Oder müsste Israel befürchten, dass ein Angriff auf türkische Soldaten Ankara dazu veranlasst, mit der vollen Wucht seines beträchtlichen Militärs zu reagieren?

Es ist sogar denkbar, dass die Türkei ihre Soldaten bewusst nach Gaza entsenden will, um ein solches Szenario wahrscheinlicher zu machen – als Vorwand für ein weitreichenderes Eingreifen in den Israel-Gaza-Konflikt.

Dies wäre eine strategische Katastrophe, da Ankara Israels militärischer Stärke weitaus eher gewachsen ist als Teheran.

Wenn Netanjahu also die PA ablehnt und damit nicht-türkische Optionen verwirft, warum wird dann kaum darüber diskutiert, dass dies Israel letztlich dazu zwingen könnte, türkische Friedenstruppen zu akzeptieren – etwas, das Trump und israelische Regierungsvertreter zunehmend angedeutet haben?

Es bleibt noch Zeit für Italien oder einen anderen Staat, Friedenstruppen auch ohne die PA zu entsenden. Möglicherweise hat die US-Regierung die türkische Option ins Spiel gebracht, um Netanjahu unter Druck zu setzen, der Einbindung der PA zuzustimmen.

Theoretisch könnte Netanjahu Trump auch davon überzeugen, sich zurückzuhalten und Israel und Hamas auf unbestimmte Zeit gegeneinanderstehen zu lassen – mit entweder der IDF oder der Hamas als Verwaltungsmacht in Gaza oder mit einer langfristigen Teilung des Gebiets. Doch Trump wird diese Optionen mit hoher Wahrscheinlichkeit ablehnen, da sie seinen klar formulierten Zielen und seiner Strategie widersprechen.

Sollte die türkische Option also real sein, dann erscheint eine Debatte über „Türkei versus PA“ von entscheidender Bedeutung – angesichts der möglichen langfristigen Auswirkungen auf den jüdischen Staat.

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Kommentare

7 Kommentare zu “Die Zukunft Gazas”

  1. blu_frisbee am Dezember 29th, 2025 8:53 p.m.

    Dieses irreale Deppengeschwätz nervt nur noch.
    Die größere Gewalt siegt.

    https://www.youtube.com/watch?v=GuGl6LpcAAg
    https://overton-magazin.de/top-story/warten-auf-den-messias/

    Wenn das Klima kippt (ab ca 2050) gehts nur noch ums Überleben. Klar daß die Reichen später sterben.

  2. admin am Dezember 29th, 2025 9:00 p.m.

    Moshe Zuckermann – da weiß man sofort, was man bekommt. Allzeit beliebt in deutschen Medien, aber nur dort.

  3. Godwin am Dezember 29th, 2025 10:13 p.m.

    einerseits wären Beiträge dieser Art – also ein hin und her abwägen verschiedener Optionen, auch unbeliebter – etwas, das teutschen Medien gut tun würde

    aber er spekuliert halt.
    am Ende weiß keiner nichts.
    mich wundert, dass die Hamas immer noch solch militärische Schlagkraft haben soll oder real auch noch hat.
    das würde den Krieg in Gaza nur noch sinnloser und damit noch verbrecherischer erscheinen lassen, als er es ohnehin schon tut.
    warten wir also einfach mal ab, was kommen wird.
    zunächst der Winter also geologische Waffe.
    vielleicht muss Bibi ja auf dem Rückflug zwischenlanden und wird direkt doch verhaftet… (man wird ja noch träumen dürfen)

    „Es gibt in [Palästina] Menschen mit unterschiedlichen religiösen und politischen Überzeugungen. Aber sie können als Nachbarn zusammenleben. Ruhe und Frieden werden langsam aber sicher in [Palästina] einkehren.“
    [Ian Paisley]

  4. blu_frisbee am Dezember 30th, 2025 2:30 a.m.

    Argument ad personam.

  5. Albert Rech am Dezember 30th, 2025 10:34 a.m.

    Das sinnvollste wäre wenn die BRD großzügige Kontingente für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Palestina und Gaza ausweisen würden.

    Diese Menschen könnten dann bevorzug da angesiedelt werden wo es schon eine palestinänische Community gibt, z.B. in Berlin und uns dabei helfen das Fachkräfteproblem zu lösen.

  6. blu_frisbee am Dezember 30th, 2025 11:49 a.m.

    Israel wird sich weder auf PA noch TR einlassen.
    Der Artikel der JP ist gegenstandslose Propaganda.

    Israel gäbs ohne amerikanische Waffen nicht.
    Umgekehrt: Die USA wollen Israel da wo es ist.

    Ian Bremmer on the Israeli-Palestinian conflict
    https://www.youtube.com/watch?v=K5tcwIicICg

  7. nOby am Januar 1st, 2026 1:15 p.m.

    Das ist Unsinn. Der Türke taugt als Soldat
    nicht viel und so lange der nicht EU Mitglied ist macht der das nicht. Aber immerhin hat der noch Gegner die nicht aus den eigenen Reihen stammen.

    *************************

    Schon wieder. Die Bundeswehr braucht keinen militärischen Gegner.

    Nazi-Skandal bei Bundeswehr: Pistorius „erschüttert“ über Elite-Einheit.

    Beim Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken sollen Soldaten rechtsextreme Parolen gezeigt, Frauen massiv belästigt und gegen Gesetze verstoßen haben […] Die Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell gegen 19 Soldaten. […] Nach aktuellen Recherchen geht es insgesamt um mehr als 200 einzelne Delikte.

    19 Soldaten, 200 Delikte und das bei 1.800 Soldaten. Was ist mit „rechtsextreme Parolen gezeigt“ gemeint? Die Vorfälle wurden übrigens schon im Oktober 2025 bekannt. Morgen haben wir Januar 2026. Was soll das nach 60 Tagen? Die Lösung finden wir bei DIE ZEIT. Die berichteten Vorgestern. DIE ZEIT fühlt sich offenbar persönlich betroffen. Vor genau 4 Minuten wurde der passende Artikel bei der Schrottsammelstelle um den Vorfall ergänzt. Danke an die Schlafmütze für die Nachtarbeit. Übrigens riesiger Absatz. Macht mehr als 50% des gesamten Artikel aus.

    Eine Kaserne ist kein Kloster. Selbst Mönche sind nicht ohne Fehl und Tadel. Die Bundesregierung sollte einmal grundsätzlich klären, was die für einen Typus Mensch in den Kasernen wollen und dann entsprechend verfahren. Wenn das mit dem Datenschutz und der Ethik endlich geklärt ist, vielleicht wären Roboter die beste Alternative.

    Hat sich hier unter der Leserschaft jemals einer gefragt, warum es diese Vorfälle – international betrachtet – nur innerhalb der Bundeswehr gibt? Deshalb! Die Szene in dem Spielfilm 08/15 dauert etwa 6 Minuten und gibt die Antwort. Klasse Dialog. Klasse Schauspieler.

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